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Zul-aer ^nscigcr

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 Rm. Bei Lieferungsbehinderungen durchHöhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda, Königstraße 42. Druck: Friedrich Ehrenklan, Lauterbach in Hessen.

Nr. 10 1934

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Julöaer Kreisbla«

Redaktion und HefchästssteUe: Ksntgstraße 42 §srnfprech-R»lchluß Nr. 1M9

Im Anzeigenteil beträgt der Preis für die 6 gespaltene, 46=mm breite, Millimeterzeile für Behörden, Banken u. Genossenschaften 7 Rpf., für all. and. 5 Rpf. Im Textteil kostet die 3 gespaltene, 90=mm breite, Millimeter-Zeile 12 Rpf.DA " 1100. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ehriftian Seipel, Fulda, Königstraße 42.

Fulda, Freitag, 12. Januar

11. Jahrgang

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Tote klagen an

Neue Aulopfer»-« Sollfoß-Syfiems.

Zwei Demonstranten in Klagenfurt erschösse n.

In zahlreichen Orten Österreichs fanden gestern wieder stürmische Kundgebungen gegen den Terror des Dollfuß- Systems statt. Dabei ist es in Klagenfurt zu blutigen Zwischenfällen gekommen, die zwei Todesopfer zur Folge hatten. 70 bis 80 Personen aus dem Arbeitslager Hollen­burg hätten, wie es heißt, vor dem Gebäude der Druckerei des christlich-sozialenKärntner Tageblatts" Kund­gebungen veranstaltet. Wie eine amtliche österreichische Darstellung behauptet, sollen die Teilnehmer einen vor dem Gebäude stehenden Hilfspolizistenangegriffen" haben. Dieser habe in Notwehr drei Schüsse abgegeben, wodurch zwei Demonstranten erschossen und einer verletzt worden seien.

In Wien habe, so behaupten die österreichischen Be­hörden weiter, ein Teil der Insassen des vom Verein Österreichischer Arbeitsdienst unterhaltenen Arbeitslagers in der Lobau versucht, in die inneren Bezirke tu gelangen, um dort Kundgebungen zu veranstalten. Die Polizei habe

über 250 Demonstranten festgenommen.

Auch in mehreren Lagern d.es Vereins Studentischer Arbeitsdienst in Steiermark sei es zu Ausschreitungen ge­kommen.

Aus Graz wird berichtet, daß dort fünf Telephonzellen in die Luft gesprengt worden seien. In Wien selbst sind an zehn verschiedenen Stellen Papierböller erplodiert. Durch einen von ihnen wurden ein Wachtmann und eine Portiersfrau leicht ver­letzt. Größerer Sachschaden entstand auf der Stadt­dahnhaltestelle Hietzing, wo mehrere Türen und Fenster zertrümmert wurden.

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Mffenflucht vor unerträglichem Terror.

1 4 4 österreichische Nationalsozialisten, Mitglieder von Arbeitsabteilungen, haben bei Pinkamindszent d i e ungarische Grenze überschritten. Die dortige ungarische Grenzwache nahm sie in Haft und brachte sie im Schulgebäude unter.

Nach weiteren Mitteilungen soll die Zahl derjenigen, Vie die Grenze zwischen den burgenländischen Gemeinden Strem und Güssing überschreiten wollten, 6 0 0 betragen haben. Es scheine jedoch den übrigen nicht gelungen zu sein, die ungarische Grenze zu gewinnen.

Wie aus eingeweihtcn Budapester Kreisen verlautet, werden die österreichischen Flüchtlinge an einem der Grenze fernliegenden Orte untergebracht. Sic werden als politische Flüchtlinge betrachtet. So­mit kommt eine Auslieferung an Österreich nicht in Frage.

In der Budapester ZeitungUj Nemzedek" schildert der Führer der Flüchtlinge, der Architekt Ernst Materna, die Leiden, die er und seine Freunde namentlich in der letzten Zeit in Österreich zu dulden hatten.

Sowohl die Leitung des Arbeitsdienstes als auch dessen Mitglieder seien häufig nachts in ihren Wohnungen von den Organen der österreichischen Verwaltungsbehörde aufgescheucht und in die Verhörslokalc geführt worden. Unausgesetzt hätten Hausdurchsuchungen stattgefunden.

*

Ausweisungsbefehl für Materna.

Weitere Grenzübertritte zu erwarten.

Budapest, 12. Ian. (Funkmeldung.) Sämtliche Blät­ter bringen die amtliche Meldung, daß Ernst Materna, der Leiter der Gruppe österreichischer Nationalsozialisten, die vorgestern die Grenze nach Ungarn überschritten haben, den Ausweisungsbefehl erhalten hat. Es ist jedoch noch nicht bekannt, ob er bereits abgereist ist. 27 andere Mitglieder der Gruppe sind bereits abgefahren. Es scheint, daß sie sich über die Tschechoslowakei nach Deutschland begeben. Dagegen befindet sich in Pinkamindszent (Allerheiligen) noch eine Gruppe öfter- ' reichjscher Nationalsozialisten, die das Ergebnis der Be­ratungen der zuständigen Stellen über ihr Schicksal ab­warten will. Nach den ungarischen Vorschriften über die Fremdenkontrolle kann sich jeder zwei Monate ohne wei­teres in Ungarn aufhalten. Ungarn betrachtet bekanntlich die österreichischen Nationalsozialisten als politische Flücht­linge und wird demgemäß für ihre vorläufige Beköstigung sorgen. Materna hat einem Vertreter des liberalenPesti Naplo", vor der Abreise in einer Unterredung u. a. gesagt, in Oe st erreich sei es nicht länger auszuhal­ten, da die österreichischen Behörden, als sie sahen, daß die Angehörigen des Arbeitsdienstes nationalsozialistisch ge­stirnt sind, geradezu die Tortur anwendeten, um die An- gechörigen W schikanieren oder ihnen da? Dasein mate.

riell unmöglich zu machen. Es sei zu erwarten, daß nach und nach noch etwa 1000 Flüchtlinge über die ungarische Grenze kommen.

*

Deutsch oder österreichisch?

Was die Dollfuß-Regierung für Sorgen hat.

Das dem Landbund nahestehendeSüddeutsche Tag­blatt" in Graz (Steiermark) teilt mit, daß in den Kabi- nettsberatungen über die für den 22. März anberaumte Volkszählung in Österreich die Wortfassung des Frage­bogens besondere Schwierigkeiten bereite, insbesondere bei der Nationalität. Die Vertreter der Heimwehr hätten die Forderung gestellt, diese Frage solle nicht schlechtweg von der Bevölkerung deutscher Muttersprache mitdeutsch" beantwortet, sondern es müsse dabei das Wortösterreichisch" verwendet werden, so daß damit eine Art Grenze zwischen öster­reichischer und deutscher Nationalität gezogen würde. Im Ministerrat erhob sich gegen eine derartige Fassung Ein­spruch. Es wurde dabei die Ansicht vertreten, Österreich sei wohl ein Staatsbegriff, nicht aber eine Bezeichnung für eine Nationalität, demnach sei die Frage einfach mit deutsch" zu beantworten.

Des Führers getreuester Kämpfer

Zum Geburtstag Hermann Görings.

Hermann Göring wird am 12. Januar 41 Jahre alt. Dieser Tag gibt Gelegenheit, der Arbeit dieses Mannes ju gedenken, der an der Seite des Führers ent­schlossen und zielbewußt den Kampf Adolf Hitlers um die Mgcht milgekämpft hat und der heure, da die Partei diese Macht errungen hat, einer der W i ch t i g st e n Männer des neuen Staates ist.

der letzte

Ritter des

Schon in der ersten Kampfzeit der Partei bis 1923 stand Göring an der Seite des Führers.^Jm Kriege hatte er sich als Kampfflieger ausgezeichnet, war ' Führer der Kampfstaffel Richthofen und Ordens Pour-le-möritc.

~ Der November 1923 sah Göring an der SA. als deren Organisator. Schwer wurde er nach Tirol gebracht, von wo er steckbrieflich gesucht weiter nach Italien flüchten mußte. Später nach der Neugründung Der Partei stand er wieder als einer der treuesten und entschlossensten Kämpfer neben Adolf Hitler. 1928 war er in der Zwölf-Männer- Fraktion der NSDAP, im Reichstag und bereitete dann als

Spitze der verwundet

politischer Beauftragter des Führers in Berlin den

Weg

zum politischen Parkett, auf dem dann die letzten

Entscheidungen fielen.

Am 30. August 1932 wurde er zum Präsident deS Reichstages gewählt, in welcher Eigenschaft er mit unerhörter Tatkraft und Umsicht für die Bewegung wirkte.

Der nationalsozialistische Staat bürdete dann neue, schwere Arbeit auf seine Schultern. Göring war der Mann, der mit eisernem Besen das rote Preußen und damit den Kern des Marxismus in Deutschland von Grund auf a u s r o t t c t e. Zur Seite steht dem sein Werk als Reichsminister für L u f t f a v rt, in welcher Eigenschaft Göring die große Organisation des Luft­schutzes aufzog.

Am 1. April 1933 wurde Hermann Göring Ministerpräsident in Preußen. Nun konnte er daran gehen, eine großzügige Verwaltungsreform in der Staats-. und GemeindeveNvaltung im Sinne des Nationalsozialist!scheu Führerprinzips durchzufüürcn. Er

Uneingeschränkte Ourchsehung der faschistischen Ideenwelt."

Ein Aufruf StarhembergS an die Heimwehr.

Der Bundesführer der österreichischen Heimwehren, Fürst Starhemberg, erläßt einen Aufruf an die gesamte Heimwehr, in dem er sagt, es beginne nun das neue Kampfjahr für den österreichischen Heimatschutz. Ir3c6 gelobe euch", sagt der Bundesführer,vor keiner Folge­rung zurückzuschrecken, wenn ich zu der Überzeugung kommen müßte, daß ihr mißbraucht werdet und daß wir um unsere Ziele betrogen werden. Unser Kampfziel ist die uneingeschränkte Durchsetzung der faschistischen Ideenwelt in einer unserem Vater­lande entsprechenden Art und Weise. Unser Kampfziel ist die

durchgreifende Erneuerung Österreichs

in jeder Beziehung, die restlose Überwindung des kor- rupten Parteienstaates, die restlose Niederwerfung des Austrobolschewismns und die vollständige Reinigung des öffentlichen Lebens von jeglicher Korruption." Der Aufruf wendet sich auch

scharf gegen die Nationalsozialisten

und schließt:Darum auf, Kameraden, auf zum Kampf gegen die Korruption und deren Nutznießer, auf zum Kampf gegen die Saboteure und Feinde der Erneuerung Österreichs, auf zum Kampf gegen Mutlosigkeit und Ver­drossenheit, auf zum Kampf für das neue, das faschistische Österreich!"

krönte fein Werk mit der aüfbauendcn Einsetzung und feierlichen Eröffnung des Preußischen Slaatsrates.

So steht Göring vor uns als der Typ der kämpfe­rischen Führerpersönlichkeit in Treue seinem Führer er­geben, von unerbittlicher Härte gegenüber den Feinden des Volkes, unermüdlich und schöpferisch in der Arbeit für sein Volk am neuen Staat.

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Kube beglückwünscht Göring.

PPD. Oberpräsident Kube sandte anläßlich des 41. Geburtstages des preußischen Ministerprä­sidenten Hermann Göring folgendes Telegramm an diesen:Als Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin und der Provinz Grenzmark Posen- Westpreußen spreche ich Ihnen, Herr Ministerpräsident, zugleich im Namen sämtlicher Beamten, Angestellten und Arbeiter die aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche zu Ihrem heutigen Geburtstage aus. Neben den Wünschen für Ihr persönliches Wohlergehen gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß es Ihrer Tatkraft vergönnt sein möge, auch in Ihrem neuen Lebensjahr an dem Wiederaufstieg unseres deutschen Vaterlandes im Sinne unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hiller an führender Stelle in hervorragendem Maße mitwirken zu können.

Mik Hitler-Heil gez. Wilhelm Kube."

Neuer Erlaß gegen die Vereinsmeierei.

Die Oberste SA.-Führung teilt mit: Trotz des klaren und eindeutigen Wortlauts des Stabschefs über Vereinsmeierei" bemühen sich noch immerKamerad­schaftsbünde, Freikorpsvereinigungen" usw., für sich mit irgendwelchen Begründungen Ausnahmen von diesen Bestimmungen zu erlangen.

Die Oberste SA.-Führung weist darauf bin, daß der­artige Anträge völlig zwecklos sind und in Zukunft nicht mehr beantwortet werden. Sendel, Gruppenführer und Ehef der Zentralabteilung.

Aufruf des Winierhilfswerks an die deutschen Stiftungen.

Das W i n t e r h i l f S w e r k des Deutschen Volkes 1933 34 bittet die Verwaltungen aller deutschen Stif­tungen, die im Jahre 1933 und in den vorigen Jahren Ausschüttungen nicht vorgenommen haben, die Erträgnisse ihrer Stiftungen der Reichsführung des WHW., Berlin, Reichstag, bckanntzugeben.

Soweit dies möglich ist, sollen die gesamten Erträg­nisse dieser Stiftungen dem Wintcrbilfswcrk zur Ver­fügung gestellt werden, damit auf diese Weise brach­liegendes VolkSvermögen zum Kampf gegen Hunger und Kälte eingesetzt werden kann.

Der Reichsführer des Winterhilfswerkes.

H i l g e n f e l d t.

Wer mit feinem Volke nicht Not und Tod teilen will, der ist nicht wert, daß er unter ihm lebe."

Reichsfreiherr vom Stein.