Iulöaer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal»Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 11 -- 1934
Fulda, Samstag, 13. Januar
11. Jahrgang
Deutschland im Kamps.
Die Salve von Speyer — Zerbrechende Versprechen Der Frost als Feind.
Vor zehn Jahren krachte im Speisesaal des Hotels Wittelsbacher Hof in Speyer zu später Abendstunde -ine Salve: Männer des aktiven Kampfes für d t e Rettung der deutschen Pfalz schossen den „Prü- stdentcn der separatistischen Pfalzregierung", Heinz (Drltë) „nd vier seiner Spießgesellen nieder. Damit war dem Separatismus am Rhein, der in der Rheinprovlnz selbst schon niedergeschlagen war, dessen „Regierung" in ser Pfalz aber nicht bloß von der Rheinlandkommission offiziell anerkannt war, sondern auch die eifrige Unterstützung der französischen, meist farbigen Besatzung genoß, das Rückgrat zerschmettert worden: Am 9. Januar 1923. Es war höchste Zeit, daß der „Präsident" Heinz gerichtet wurde; denn am Tage zuvor hatte er mit der französischen Militärbehörde einen Vertrag abgeschlossen, der die letzte noch selbständige Eiekutivbehörde in der Pfalz, die Gendarmerie, dem Oberkommando der Franzosen unterstellen sollte. Fast waren sie und die Separatisten am Ziel, — da zerschoß die Salve von Speyer wenigstens den Separatismus und nach einem Monat verzehrten die Flammen des Bezirksamts von Pirmasens den letzten Rest. Bei Deutschland blieb die Pfalz, die im Lause der Jahrhunderte so Furchtbares durch die Franzosen hatte leiden müssen. Im Kampf war sie wiedererrungen worden für Deutschland. Deutsch wieder wurden die hohen Dome, in denen die Gebeine der alten deutschen Kaiser ruhen.
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Daran zu erinnern ist gerade heute sehr „zeitgemäß", da auch fern im Osten, im M e m e l l a n d , das Deutschland schärfer denn je den Kamps um sein Recht gegen die Litauer führen muß, — um sein Recht, soviel ihm davon geblieben ist. Denn wieder jährte sich am 10. Januar der Tag, an dem litauische Banden in den Freistaat Memelland einbrachen und sich dieses Gebietes mit wohlwollender Unterstützung der französischen Besatzungstruppen und ohne Widerstand bei der völlig entwaffneten Bevölkerung zu finden, in einigen Tagen bemächtigen konnten, — als „Schadenersatz" dafür, daß die Polen aus ähnliche Weise das litauische Wilna erobert bauen. Der Völkerbund „sanktionierte" den Raub; aber was ist aus der Memelkonvevtion geworden? Und aus den darin feierlich verbrieften — auch Japan (!) unterschrieb dabei mit — Rechten der deutschen Memelländer? Ein Fetzen Papier wie überall, wo deutsches Recht vom Völkerbund „geschützt" wurde. Und wieder droht die Gefahr, daß Litauen selbst jenen Fetzen völlig zerreißt. Diesem I Zwergstaat mit seinen zwei Millionen Einwohnern hat i deutsche Kraft und deutsches Blut überhaupt erst zu einem 1 selbständigen Dasein verhalfen und zum „Dank" dafür ; fielen die Litauer, wie einst 1410 bei Tannenberg, über das Deutschtum her, das nun auch dort im geraubten Gebiet . um sein Dasein einen Verzweiflungskampf führen muß.
j Daran zu erinnern oder auf die geplante Wieder- I holung solcher Angriffe und Vergewaltigungen des Deutschtum hinzuweisen, ist auch notwendig, um das Bild des Kampfes zu vervollständigen, den Deutschland selbst um sein Dasein führt. Daß des Winters Härte das Ringen gegen die Arbeitslosigkeit erschweren mutz, war erwartet und wurde vorausgesagt; denn das ist, nach unserer ganzen wirtschaftlichen Struktur, leider ganz unvermeidlich und kann höchstens gemildert werden. Daher soll man nicht von einem „Rückschlag" reden, wenn jetzt der Dezember 1933 ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit um rund 350 000 Köpfe gebracht hat, und es würde einen ganz falschen Eindruck Hervorrufen, wenn man diese — in vollem Sinne des Wortes — naturgemäße Entwicklung der Lage am Arbeitsmarkt etwa gar noch überschätzen wollte. Schon im November kündigte sie sich an. Und man rechnete schon damals mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl auf mindestens 700 000 Mann, was vielleicht noch recht niedrig gegriffen war, aber mit dem Ansteigen der Arbeitslosenziffer im vergangenen Jahre übereinstimmt. Im Sommer 1933 jedoch sind rund 400 000 Mann mehr in den Saisonbetrieben beschäftigt worden als im Jahre zuvor; infolgedessen ist die Kurve dcrVeschäftigtenzahl dort sozusagen „saisonempfindlicher' geworden. Und nun vergesse man zweierlei nicht, wenn etwa eine gefühlsmätzige Überschätzung jener Zahl von 350 000 sich heranschleichen will: Es war ein doppelter Erfolg, daß im Oktober und im November die Arbeitslosenziffer nicht, wie in früheren Jahren, bereits wieder gestiegen, sondern diesmal gesunken ist. Ferner: Es kommt doch nur daraus an. abzuwarten, wie die Gesamtbilanz des Winters aussieht, wo also etwa Mitte oder Ende Februar, bei Ausgang des Winters, die Arbeits- losenziffer steht, gegenüber dem Stand am Ende des Oktobers 1933. Diesen Stand bis Wintersende wieder zu erreichen, und zwar durch Steigern der Beschäftigtenzahl in den Wirtschaftsgebieten, die nicht von der Saison abhängig sind wie die Autzenberufe, lind durch die weitere Durchführung und Auswirkung des Arbeitsbeschaffungs- Programmes, wäre allerdings ein Erfolg, auf den man öwar gern hoffen möchte, den man aber kaum erwarten darf. Und man kann gleich noch eine dritte Erwägung daran schließen: Im Auslande hat man die Angaben der amtlichen deutschen Statistik angezweifelt, wenn sie Erfolge zu verzeichnen hatte; wenn sie jetzt ebenso genau auch das Ansteigen der Arbeitslosigkeit mittcilt, so sollte das vielleicht und hoffentlich dabei mitwirken, daß man auch im Auslande mit der Anzweiflung jener Darstellungen aufhort, die Deutschland über die Entwicklung seines Kampfes um das Dasein gibt. Dr. Pr.
Wichtige Gesetze.
Reichskabinett genehmigt das neue Arbeitsgesetz.
Das Reichskabinett stimmte in seiner ersten Sitzung nach der Weihnachtspause dem vom Reichsarbeits- minister und Reichswirtschaftsminister vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit grundsätzlich zu. Die Veröfftent- lichung des Gesetzes wird im Laufe der nächsten Woche erfolgen.
Ferner genehmigte das Reichskabinett ein Gesetz über die Anpassung der Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteucr an die seit dem 1. Januar 1931 cingetrctencn Wertrückgänge. Schließlich stimmte das Reichskabinett dem Vorschlag des Reichsverkehrsministers über Veränderungen im Verwaltungsrat der Deutschen Rcichsbahngescllschaft zu.
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Der neue Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft.
Auf Grund des § 11 der Gesellschaftssatzung der Deutschen Reichsbahn schieden am 31. Dezember 1933 aus dem Verwaltungsrat der Deutschen Reickisbahngesellschaft Dr. Klien, Dr. Klöckner, Köbler, Münchmever, Dr. Stieler und Dr. Freiherr von Wilmowikv aus Ferner ist Dr. Schmitz infolge seiner Wahl zum Mitglied des Reichstages ausgeschieden. Für die am 1. Januar 1934 beginnende dreijährige Amtsdauer werden die Herren Köbler, Dr. Stieler, Münchmever und Dr. Freiherr von Wil- mowsky wieder zu Mitgliedern des Perwaltungsrates der Deutschen Reichsbahngesellschaft ernannt. An Stelle Dr. Klöckners wird Dr. Krupp von Bohlen und an Stelle Dr. Schmitz' wird für dessen bisherige noch bis zum 31. Dezember 1935 laufende Amtsperiode der Generalinspektor für das deutsche Straßenwescn, Dr.-Jng. Todt, ernannt.
NSBO. und Arbeitsfront.
Bedeutsame Tagungen in Weimar.
In Weimar begannen bedeutsame Tagungen der Nationalsozialistischen Betriebszellen- Organisation (NSBO.) und der Deutschen Arbeitsfront.
An der großen
NSBO.-Tagung am Freitag
nahmen unter dem Vorsitz des NSBO.-Leiters Staatsrat Walter Sch » h m a n n , M. d. R., die Mitglieder der NSBO.-Reichsleituug und ihr Stabsleiter K l a p p e r sowie die Landesobmänner, die Gaubetriebszcllenlciter und ihre Stellvertreter und die Verbindungsmänner der NSBO. teil. Staatsrat Schuhmann behandelte in einer Rede die besonderen
Aufgaben der NSBO.
für die Zukunft. Anschließend daran traten die Pressc- unb Propagandawarte zu einer Sondertagung zusammen, in der der Leiter der Pressestelle der NSBO., Biallas, sprach. Zugleich versammelten sich zu einer weiteren Sondertagung unter dem Schatzmeister der Deutschen Arbeitsfront, Brinckmann, die Finanzwarte. Eine dritte Sondertagung, nämlich die
Sondertagung des Gefamtverbandes der Deutschen Arbeiter
(Arbeitersäule der Deutschen Arbeitsfront), vereinte die Leiter der vierzehn Arbeiterverbände, ihre Stellvertreter und die Abteilungsleiter des Gesamtverbandes; auch aus dieser Tagung machte Staatsrat Walter Schuhmann in seiner Eigenschaft als Führer des Gesamtverbandes wichtige Ausführungen. Am Abend nahmen sämtliche Vertreter der RSBO. an einem Heimatabend teil.
\ Der NSBO.-Tagung schließt sich am Sonnabend ein Kongreß der Deutschen Arbeitsfront an.
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Die NSBO. und Walter Schuhmann an Göring.
Ministerpräsident Göring sind folgende Telegramme gesandt worden:
„Die heute zu ihrer Tagung vereinigte Leitung der NSBO. und ihrer Gliederungen, die Landesobmänner, Gaubetriebszellenobmänner, ihre Stellvertreter und die Verbindungsmänner der NSBO. entbieten Ihnen, dem Nationalsozialisten und Freund der Deutschen Arbeit, dem erfolgreichen Kämpfer gegen den Bolschewismus und Mitglied des Kleinen Konvents der Deutschen Arbeitsfront, herzliche und ausrichtige Glückwünsche zum 41. Geburtstag. In treuer Verbundenheit Heil Hitler! Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation. gez. Walter Schuhmann, NSBO.-Leiter." — „Dem preußischen Ministerpräsidenten und Schöpfer und Führer des Preußischen Staatsrats zum 41. Geburtstage herzliche Glück- und Segenswünsche für ein weiteres erfolgreiches Wirken im Dienste des Nationalsozialismus. Heil Hitler! gez. Walter Schuhmann, M. d. R., Staatsrat."
Zugendliche nicht mehr in derArbeMront
In Ergänzung des Abkommens zwischen dem Führer der Deutschen Arbeitsfront und dem Jugendführer des Deutschen Reiches, wonach die HI. auch die Jugend der Deutschen Arbeitsfront umfaßt, ist jetzt eine Vereinbarung getroffen worden, nach der in Zukunft die männliche Jugend bis zum vollendeten 18. Lebensjahr und die weibliche Jugend bis zum vollendeten 21. Lebensjahr nicht mehr von der Deutschen Arbeitsfront, sondern von der Hitlerjugend bzw. dem Bund Deutscher Mädel erfaßt wird. Wie das Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront dazn mitteilt, ist mit dieser Verfügung die Hitlerjugend erneut als die einzige deutsche Jugendorganisation bestätigt. Die von der neuen Vereinbarung betroffenen Jugendlichen dürfen auch nicht mehr den Berufs- und Fachverbänden der Arbeitsfront angehören.
Mussolini über Deutschlands Recht aus Verteidigung.
Der Sonderberichterstatter der. Londoner „Daily Mail", Ward Price, berichtet über eine einstündige Unterredung mit Mussolini. In dem Bericht heißt es: Mussolini wünscht, daß Deutschland „volle b e* sensive Parität" (Gleichheit der Verteidigungsmöglichleiten) mit anderen Nationen erhält. Er glaubt, daß eine andere Lösung des Problems nicht möglich sei. Deutschland, so habe Mussolini gesagt, hat seine Bereitwilligkeit erklärt, auf Bombenflugzeuge, Geschütze von mehr als 15 Zentimeter Kaliber und Tanks von mehr als sechs Tonnen zu verzichten:
Aber Deutschland verlangt die defensiven Waffen, die keine andere Nation Europas aufzugeben beabsichtigt. Da Deutschlands moralisches Recht auf Gleichheit von den Westmächten formell anerkannt worden ist, kann man unmöglich die logische Stärke seiner Forderung bestreiten, selbst defensive Waffen zu erhalten.
Das Programm des Aeichsbauerniages.
Die Presseabtcilung des Reichsnährstandes gibt soeben das endgültige Programm des am 20. und 21. Hartung (Januar) in Weimar stattfindenden ersten Reichsbanerntages bekannt: Freitag, den 19. Hartung, 20 Uhr: Begrüßungsabend in der Weimardalle; Sonnabend, den 20. Hartung, 9 Uhr: Kongreßeröffnung durch den Staatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium Werner W i l l i k e n s ; 9.10 Uhr: Begrüßungsansprache durch Reichsstatthalter Sauckel; 9.20 Uhr: Kurze Begrüßungsworte durch den Landesbauernführer Peuckert; 9.30 Uhr: Filmvorführung „Blut und Boden"; 10.15 bis 11.15 Uhr: Führer des Stabsamles Dr Hermann Rcischle: Das Reichsnährstand- gesetz; 11.15 bis 12.15 Uhr: Landgerichtsrat Dr. Wilhelm Saure, Leiter der Auskunftsstelle für Erbhoffragen im Rcichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Das Reichscrbhofgesctz. Am Nachmittag werden noch verschiedene Vorträge gehalten, abends findet ein thüringischer Heimatabend statt.
Am Sonntag, dem 21. Hartung, spricht um 10 Uhr Staatsrat Wilhelm Meinberg, Reichsobmann für die bäuerliche Selbstverwaltung, über das Thema: Der Bauer int Dritten Reich. Um 11.15 Ubr: Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister R. Walther Darrs über: Grundsätzliche Fragen nationalsozialistischerBauern- Politik.
Nm 15 Uhr findet eine öffentliche Bauern- k u n d g e b u n g in der Weimarhalle statt. Bei dieser Kundgebung werden der Reichsbaucrnführcr und Reichs- ernährungsministcr R. Walther Darrë, der ReichS- obmann für die bäuerliche Selbstverwaltung, Staatsrat Meinberg, und der Staatssekretär im Rcichscrnâhrungs- ministerium Herbert Backe sprechen.
Anmeldung und Ausgabe von Teilnehmerkarten.
Die Meldung der Teilnehmer ist an das Organisationsbüro des Reichsbauerntages, z. Hd. des Landesobmanns Walter Beinzger, Weimar, Schwanseestr. 11, Darrè-Haus, zu richten. Zur Teilnahme und verpflichtet: sämtliche Landesbauernführer, Landes- Obmänner und die IGF., der Stab und die Hauptabteilungsleiter beim Landesbauernführer; sämtliche Kreisbancrnfübrcr. LAF. und LKF.
Oie SA. erhält den Dolch.
Durch eine Verfügung der Obersten SA.-Führung wird für die SA., SS. und SAR. I zum Dienstanzug e i n SA. - Dolch nach dem Muster des zu Weihnachten vom Stabschef an verdiente SA.-Führer verliehenen Ehren- solches eingeführt. Die Ausgabe an die SA.-Einheiten erfolgt nach Maßgabe der Fertigstellung gegen Bezahlung durch die SA.-Gruppen. Im freien Handel ist der Dolch nicht erhältlich.