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Zulöaer MZeiger

Erschsint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1,70 Mk. Bei Lieserungsbehinderung durchHöhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. Lhrenklau, Fulda, Königstr. 42. Druck: Friedr. Lhrenklau, Lauterbach H. Hauptschristleiter: Chri­stian Seipel, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des Haupkschristleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.

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Zul-a- und Haunetal Zul-aer Krersblatt s

v z v antwortlich für den Anzeigenteil Christian Seipel,

Re-aktion un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernsprech-Rnsthluß Nr. 24$$ Fulda, Köntgstraße 42.

Nr. 16 1934

Fulda, Freitag, 19. Januar

11. Jahrgang

Französische Heuchelet.

Lhaulemps im Senat über Deutschland.

Vertrauensvotum für den Ministerpräsidenten.

Im Senat ergriff Ministerpräsident Chan­te m P s das Wort und erklärte, er bedauere, daß das französische Volk nicht mit größerer Aufmerksamkeit der außenpolitischen Aussprache im Senat gefolgt sei. Man habe Dinge über die deutsche Innenpolitik vor­getragen. Frankreich aber habe zu große Achtung vor allen anderen Völkern, als daß es sich in die inner­politischen Angelegenheiten seiner Nachbarn ein- m i s ch e. Es verstehe nichtsdestoweniger dir Beunruhi­gung, die diese Politik auslösen könne. Eine Lehre, die an sich eine solche Auspeitschung der nationalen Leiden­schaften bringe, laufe Gefahr, sich auch im Auslande aus­zuwirken. Der

plötzliche Austritt Deutschlands aus dem Völker­bund sei ungerechtfertigt.

Frankreich habe so viele Zugeständnisse gemacht, um seinen Friedenswillen zu bekunden.

Frankreich habe außerdem niemals daran gedacht, einem so großen Lande mit so glorreicher Vergangenheit, das mit seinem großen Genie dem internationalen Leben viel Nutzen bringen konnte, im Nahmen der anderen Völker den Platz zu verwehren, der ihm zukomme.

Da aber Deutschland plötzlich den Völkerbund ver­lassen habe und gerade in dem Augenblick, als ein Ab- rüstungsvorschlag eingebracht worden sei, mit dem sich fast sämtliche Staaten einverstanden erklärten, könne man nicht überrascht sein, daß diese Haltung in der ganzen Welt und besonders in Frankreich Beunruhigung ausgelöst habe. Es habe niemals in der Absicht Frank­reichs gelegen, seine Macht gegenüber einem Lande, das aufrüste, zu schwächen. Er könne dem Senat außerdem versichern, daß die

Freundschaften Frankreichs besser denn je seien. Es gebe große Länder, die ihre eigene Auffassung haben könnten, aber die feste Übereinstimmung der Mei­nungen der beiden großen europäischen Demo­kratien Frankreich und England sei der Pfeiler des Weltfriedens. Es bestünden keine Gegensätze zwischen einer Politik der nationalen Verteidigung und der internationalen Zusammenarbeit. Der

Völkerbund sei sicher nicht vollkommen, aber Frankreich könne nur solche Reformen annehmen, die die internationale Zusammenarbeit förderten, niemals aber eine Art Direktorium. Aus die deutsch-fran­zösischen Besprechungen anspielend, erklärte Chautemps, man habemit einiger Romantik" von direk­ten Verhandlungen gesprochen und versucht, sie dem Grundgedanken des Völkerbundes gegenüberzustellen. Das treffe nicht zu, denn die Fragen, die mit Deutschland aufgeworfen worden seien, gingen sämtliche Länder an. Diese Verhandlungen könnten auch nicht fortgesetzt wer­den, wenn sie auf die Wiederaufrüstung hinausführen sollten, denn derartige Zugeständnisse

würden notgedrungen zum bewaffnete» Frieden führen und damit in Widerspruch zu den Grundsätzen des Völker­bundes stehen. Der Senat hat im Anschluß an die Rede

Der Tod in

Dier Skiläufer von Lawine verschüttet.

Wie dieDeutsche Bergwacht" mitteilt, sind im All­gäu am Daumen zwei Lawinen iiiedergegairgen. Die beiden Lawinen überraschten zwei Skipartien. Insgesamt wurden vier Personen verschüttet. Die in vollem Gang befindlichen Rettungsarbeiten sind ohne Erfolg geblieben. Die Ursacke des Unglücks dürfte daraus zurückzuführen sein, daß plötzlich ein Witterungsumschlag mit Tauwetter eingesetzt hat.

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über das schwere Lawinenunglü ck in den All­gäuer Alpen, das

vier Todesopfer forderte, erfahren wir noch folgende Einzelheiten:

Als sich ein Trllpp von sechs Mann der Konstanzer Neichswehrjäger oberhalb des Giebelhauses bet bet Gündler-Hütte befand, wurden sic von einer plötzlich ent­fallenden Staublawine erfaßt. Alle sechs Mann wurden

vom Schnee vcrfditltter.

Als erstem gelang dem Truppführer Unteroffizier OYlm- sen, sich aus den Schnecmassen zu befreien. Bald hatten sich auch drei weitere Kameraden ans dem Schnee befreit. Während diese drei sofort die Suche nach den beiden noch im Schnee vergrabenen Kameraden aufnabmen, fuhr Unteroffizier O h I m f en in großer Eile nach Winterstein ab, um dort Wilfe zu holen.

Aus Hinterstem traf eine Rcttungsexpcditlon von 15 bis 20 Mann am Unfallort ein, die mit unerhörter Anstrengung bis spät in die Nacht hinein unaufhörlich aach den Verschütteten suchten. Dann mußte die Such- arbei, eingestellt werden, da ein gewaltiger Schncesturm und die eigene Lebensgefahr die Rettnugsarbeiten un» uröglich machten.

des Ministerpräsidenten der Regierung für ihre Außen­politik mit 257 gegen 3 Stimmen das Vertrauen aus­gesprochen.

*

Deutschlands Ablehnung.

In Kreisen des Völkerbundssekretariats erklärt man, daß man schon nach den bisherigen Meldungen aus Deutschland eine ablehnende Haltung, wie sie in der Antwort der deutschen Regierung zum Ausdruck kommt, erwartet habe. Man hebt aber gleichzeitig den höflichen Ton des deutschen Antwortschreibens hervor. Außerdem glaubt man darauf Hinweisen zu sollen, daß in der deutschen Antwort zwar jegliche Beteiligung am Völkerbundsrat strikte abgelehnt wird, nicht jedoch Be­sprechungen über die Vorbereitung an der Saarabstim­mung aus einer anderen Basis. So nimmt man an, daß die deutsche Regierung zum Beispiel sich nicht weigern würde, an einer Kommission teilzunehmen, die im Saar- gebiet selbst die Modalitäten der Abstimmung festlegen würde, sofern auch Frankreich in dieser Kommission ver­treten ist.

Deutschland würde dann nicht als Ratsmacht, sondern nur als interessierte Partei Mitwirken.

Es ist im übrigen nicht uninteressant, daß man auch in Völterbundskreisen lediglich durchblicken läßt, daß es sich bei der Einladung Deutschlands vor allem um ein französisches Manöver gehandelt habe, das niemals einen praktischen Erfolg haben konnte, dessen ein­ziger Zweck aber der war, Deutschland den Einwand zu nehmen, daß ihm keine Gelegenheit geboten worden sei, sich an den Vorbereitungen für die Abstimmung rechtzeitig zu beteiligen.

*

immer wieder Sturm um Slavisly.

Kammersitzung wegen Unruhen unterbrochen.

In der französischen Kammer verursachte die Interpellation des rechtsgerichteten Abgeordneten Henriot über die gerichtliche Untersuchung des Falles Stavisky einen wahren Sturm. Der Kammer­präsident hatte zeitweise Mühe, die Ruhe wieder- herzustcllen. Es zeigt sich, daß diese Angelegenheit auch parlamentarisch noch nicht begraben ist. In dem G e - klapper der Pultdeckel, den Zwischenrufen und dem Klatschen der Abgeordneten, mit dem sie ihre jeweils sprechenden Gesinnungsgenossen zu unterstützen versuch­ten, verhallte ab und zu sogar die Glocke des Präsidenten. Es gab eine

erregte Auseinandersetzung zwischen dem Interpellanten und dem Finanzminister. Immer wieder griffen einzelne Abgeordnete von ihren Bänken in die Ausführungen Henriots ein. Sachliche Angriffe wechselten mit persönlichen Seitenhieben. In dem Hin und Her zwischen rechts und links war minutenlang kein Wort zu verstehen, so daß der Kammerpräsident schließlich die Sitzung abbrach.

der Lawine.

Während Unteroffizier Ohlmscn Hilfe anforderte, wurde ein Trupp württembergischer Wintersportler, die sich unter der Führung des Bergführers Adolf Besler aus Winterstein auf der bekannten Daumenabfahrt am Koblat im Nebclhorngcbict befanden, ebenfalls von einer Staublawine überrascht.

Den Anstrengungen der Verschütteten gelang es, sich aus den Schneemassen zu befreien, aber noch ehe die Ge­retteten sich von ihrem Schrecken erholt hatten, sauste wenige Sekunden später

eine zweite große Lawine herab, die den Führer sowie einen Skitouristen ver­schüttete. Der dritte Teilnehmer suhr sofort zum Giebelhaus, um dort Meldung zu machen. Vollständig im Dunkel traf eine Expedition gegen 23 Uhr auf eine zweite Hilfsexpedition von Oberstdorf, die sich in das Daumen- gebiet vorgearbeitet hatte. Die Erpedition mußte gegen Mitternacht wegen des tobenden Unwetters die. Rückkehr ans das Nebelhornhaus antreten.

Am nächsten Morgen begaben sich Rettungsmann­schaften erneut an den Unfallort. Gegen Mittag gelang cs dann, den Bergführer Adolf Besler ans Hinterstein und Karl Felix âuS Karlsruhe tot zu bergen. Die beiden verschütteten Soldaten befinden sich noch immer in den Schnecmassen. ES handelt sich um den 20 Jahre alten Obcrsckützcn Johann Ackermann und den 23 Jahre alten ObcrschüUen Alexander Wutschkc, beide vom 3. Bataillon des 14. Jnfontcric-Rcgimcnts in Konstanz.

Schnccsturin im Riesengebirge.

Hirschberg. Im Riesengebirge und im Hirschberger Tal setzte ein heftiger Schuecsturm ein, der an vielen Stellen Schaden anrichtete. Auf den Gebirgsstraßen und im Hoch­gebirge wurde der Schnee bis zu drei Meter hoch zusammen- geweht. Auf den Straßen war der Verkehr sehr Nschwext^ teil« Weise unmöglich. Der Postkraftwageu KrummHiMl BrÜcken- Berg blieb im Schnee stecken.

Fremde Vögte.

Aus dem Saargebiet werden neue Neutralitätsver­letzungen der Fremdenregierung bekannt: den Lehrern und Schülern des Neunkirchener Gymnasiums wurde

die Anwendung des deutschen Grußes alsmistatü hast" verboten.

Ebenso wurde derMainzer Anzeiger" für das ganze Saargebiet verboten. Frankreich konnte sich für seine Bestrebungen keine schlechteren Sachwalter wünschen als die Regierung Knox.

Das weiß man beispielsweise auch in einsichtigen Kreisen Englands sehr wohl. So schreibt u. a. der Lon­donerDaily Telegraph" ganz offen:

über das Ergebnis der Volksabstimmung im Saargebict kann kein Zweifel bestehen. Wie auch immer die Abstimmung geregelt werden mag, es ist sicher, daß sich eine überwä ltigende Mehrheit für die Rückkehr zu Deutschland erklären wird. Das wird nirgendwo bestritten."

Das Blatt schließt seinen Artikel mit einer scharfen Verurteilung der Absichten über die Entsendung fremder Truppe».

Frankreich kündigt den Handelsvertrag.

Die französische Regierung hat durch die Berliner französische Botschaft dem Auswärtigen Amt eine Note überreichen lassen, in der mitgeteilt wird, daß sie den deutsch-französischen Handelsvertrag von 1927 kündigt, und zwar mit dem Tage des Inkraft­tretens der deutschen Verordnung über die Kontingentie­rung französischer Waren, d. h. mit dem 19. Januar.

Gleichzeitig bat die französische Regierung in der Note wissen lassen, daß sie zu Verhandlungen über eine Neuregelung des deutsch-französischen Warenaustausches b e r e i t ist. Der französischen Botschaft ist daraus alsbald erklärt worden. daß bei der deutschen Regierung die gleiche Bereitwilligkeit besteht. Da in dem Handelsvertrag von 1927 eine Kündigungsfrist von drei Monaten festgesetzt ist, ergibt sich daraus, daß der Handelsvertrag mit dem 2 0. April 1934 außer Sraft tritt und daß für die in Aussicht genommenen Verhandlungen ein Zeitraum von drei Monaten zur Verfügung steht. In der fran­zösischen Note wird ferner mitgeteilt, daß die französischen Kontingenlierungsstellen, um eine Verschärfung der Lage zu vermeiden, am 19. Januar die erforderlichen An­weisungen erhalten werden, um die

Kontingentierung deutscher Waren aus den von Anfang an beabsichtigten Umfang zurückzuführen, nämlich auf 300 Millionen Franc.

Bekanntlich hatte die schematische Anwendung der fran­zösischen Kontingentierungs-Gesetzgebung am 1. Januar 1934 das Ergebnis gehabt, daß die Ausfuhr deutscher Waren nach Frankreich um rund 600 Millionen Franc ver­ringert worden ist.

Hur innerdienstliche Anweisung."

Zur Meldepflicht österreichischer Staatsangehöriger.

Durch die Abendpresse vom 17. Januar ist die Mit­teilung verbreitet worden, daß einzelne Landesregierun­gen Anordnungen über eine besondere Meldepflicht der in Deutschland lebenden österreichischen Staatsangehörigen getroffen haben. Zur Vermeidung von Mißverständnissen stellt der Reichsminister des Innern fest, daß es sich ledig­lich um eine innerdienstliche Anweisung an die Polizei­behörden handelt, durch die auf Grund der vorhandenen Rachweisungen die Zahl der österreichischen Staatsange­hörigen in Deutschland ermittelt werden soll. Etwa dar­über hinausgehende besondere Anordnungen örtlicher Be­hörden wurden entsprechend berichtigt.

Drei Todesurteile wegen Ermordung eines Sitlerjungen.

Unter starkem Andrang der Öffentlichkeit und in An­wesenheit des Rcichsstatthaltcrs wurde in Hamburg im Prozeß wegen der Ermordung deS Hitlerjun- g e n Otto Blocckcr das U r t c i l g e s ä l l t. Der Haupt- ângcklagtc Fischer, der nach eigenem Geständnis d,c verhängnisvollen Schüsse abgegeben hat, wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes, wegen gemeinschaftlich ver­suchten Mordes und wegen versuchten Totschlags zum Tode und zu einer Gesamtstrafe von 15 Jahren Zucht­haus verurteilt. Ferner wurden die AngcNagtcn T c t t - m e r und Helbig wegen gemeinschaftlich vollendeten Mordes zum Tode und zu einer Zuchthausstrafe von je acht Jahren verurteilt. Die AngcNagtcn Mcmlcb, Schwert und Tegeler wurden srcigcsprochcn.

Die übrigen Angeklagten bis auf zwei erhielten Zuchthausstrafen von zwölf bis vier Jahren. Der Hitler­junge Bloecker war bei einem kommunistischen Feuer­überfall auf ein Lokal im Stadtteil Hoheluft am 26. Fe­bruar v. I. erschossen worden. Ein ariderer Hitleriunge war schwor berle^r worden.