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Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 170 Mk. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Druck: Friedr. Ehrenklau, Lauterbach H. Hauptschriftleiter: Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des Haupkschriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.
Tageblatt für «höa m» v°g-I-b-v kLSLWMM Zulöa- und Kounetol • Zulbaer Kreisblatt ÄÄ “ »S”3s. Sivs w z v antwortlich für den Anzeigenteil Christian Seipel,
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Nr. 17 — 1934
Fulda, Samstag, 20. Januar
11. Jahrgang
Wirren und Wirtschaft.
Wie lange noch Saarfrage? — Politisierende Wirtschaft. Wieder Weimar.
Das Intrigenspiel um die Zukunft des S a arge b i e t s hat ein Ausmaß angenommen, daß allerhand Überraschungen schon gar nicht mehr ausgeschlossen erscheinen. Das weiß man an der Saar ebenso genau wie in Deutschland, weiß hier wie dort aber auch, daß der Völkerbund, dem das „Mandat" über das Saargebiet zugesprochen ist, immer ein williges Werkzeug Frankreichs war und ist. Doch wenn man einmal von den Einzelheiten dieses Intrigenspiels absieht, — die ganzeExistenz der „Saarfrage" überhaupt ist für uns Deutsche heute, mehr als 15 Jahre nach Ende des Weltkrieges, eine geradezu entsetzliche V e r n u n f t w i d r i g k e i t! Man lxat das auf der Gegenseite auch schon einmal so etwas wie gespürt, als 1930 durch die Annahme des Uoung-Planes eine, wie damals gesagt wurde, allgemeine „Bereinigung" der deutsch-französischen Beziehungen herbeigeführt werden sollte: erzielt wurde dabei auch zunächst die Einsetzung einer Kommission deutscher und französischer Vertreter, die wirklich in Paris zusammenkamen, um eine „vorzeitige" und — vernünftigere Lösung der Saarfrage zu besprechen. Aber bald wurde es still und immer stiller um diese Kommission, und schließlich verlief die ganze Sache spurlos im Sande. An der Saar blieb alles beim alten und wurde dann zusehends schlimmer. Nicht ein neuer Geist friedlicher werdender Beziehungen konnte sich über dem Saargebiet ausbreiten, sondern nach wie vor wurde es beherrscht durch den Buchstaben des Diktats von 19 19. Gerade das aber ist für uns Deutsche der Kern der Saarfrage überhaupt. Diese Herrschaft des Gestern und Vorgestern ohne Rücksicht auf das Heute und Morgen! Und selbst wenn die Saarfrage streng nach dem Buchstaben jenes Diktates im nächsten Jahre gelöst wird, so geht damit gerade das verloren, was der derztsche Reichskanzler Adolf Hitler in wiederholten Hinweisen und Appellen hat herbeiführen wollen: die baldige Lösung dieser Frage zwecks Herstellung besserer, von einem neuen Geiste getragener Beziehungen zu Frankreich, — eine wirkliche „Lösung" also der heute bestehenden Starrheit dieser Beziehungen! Die aber nicht erzielt werden kann durch eine buchstabengemäße Aus- und Durchführung der vom Versailler Haß und Ungeist diktierten Bestimmungen! V e r st e h t man denn im Ausland einerseits nicht, was für uns Deutsche, wie gesagt, überhaupt das Dasein der Saarfrage bedeutet, und andererseits auch nicht das zum Frieden drängende Angebot des deutschen Reichskanzlers namens des ganzen deutschen Volkes? Oder will man beides im Ausland nicht verstehen? Angesichts des Intrigenspiels an der Saar selbst, in Genf und — Paris wäre man mehr als Mr versucht, die zweite Frage zu bejahen.
Die geradezu „liebevollen" Bemühungen der west- und osteuropäischen Diplomatie, bestehende Spannungen zu erhalten und, wenn irgend möglich, neue zu schaffen, liefe schon längst und läßt auch jetzt die Politik zum fortgesetzten Störenfried des Kampfes der Wirtschaft wohl aller Völker gegen die Krise werden. Es wimmelt ja geradezu von politisch beeinflußten und auch wieder Politisch weitergeführten Handelskonflikten zwischen den einzelnen Ländern, und das Wort „Weltwirtschaft" kann man nur noch mit einem leichten Achselzucken aussprechen. Auch Deutschland ist, wie wieder der jüngste Konflikt dieser Art mit Frankreich zeigt, von dieser Entwicklung durchaus nicht verschont geblieben. Oder ist cs nicht grotesk, daß sich z. B. Litauen zwar im Memelgebiet eine Politik rücksichtslosesten Vorgehens gegen dort beschäftigte Reichsdeutsche leistet und sich darüber beklagt, man bereite in Deutschland dem Absatz litauischer Ägrarprodukte neuerdings größere Schwierigkeiten! Anscheinend findet man in Kowno gar nichts dabei, daß wir unsere deutschen Mitbürger brutal behandeln lassen, dafür aber litauische Waren kaufen sollen!
Handelskonflikt stehen wir auch mit Finnland, das sich handelspolitisch England völlig in die Arme geworfen hat, obwohl es Jahre hindurch gerade von Deutschland eine Borzugsbehandlung erfuhr, die uns vor zwei Jahren sogar in scharfe Auseinandersetzungen mit Holland und Dänemark hineinstieß. Es hat viele Mühe und nicht geringe Zugeständnisse gekostet, jene beiden Lander zu beruhigen. Aber all diese Konflikte sind nur nn Ausdruck für die Spannungen, die der grundsätzliche Umbau der handelsvertraglichen Beziehungen zwischen
Völkern gegenwärtig hat entstehen und zu unerfreu- ucher Höhe hat anwachsen lassen. Das Trümmerfeld des internationalen Güteraustausches nimmt zusehends an Umfang zu.
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Von dort her sönnen also dem Werk des wirtschast- Uchen Wiederaufbaus in Deutschland gegenwärtig nur Porungen kommen! Um so stärker wirkt es, wenn der lUr ein Volk und ganz besonders für Deutschland wich- ugstc Stand in völliger Geschlossenheit bei jenem Aufbau ein entscheidendes, zielklares Wollen einsctzt, wenn °°r deutsche Bauer jetzt in Weimar dieses sollen, innerlich und nach außen hin geeint, zum Aus- bringt, in engster Fühlung und Verbindung ^Nischen Führer und Gefolgschaft. Gewiß ist die ihm M?ng des früheren Deutschland, dem ein anderes "Weimar" den Namen gab und das freilich mit dem dritten "âlmar", dem eines Goethe und Schiller nichts zu tun mit reißender Schnelligkeit erfolgt; aber mit noch ^öfterer Kraft und Energie ist der deutsche Bauer zur Ablage . dieses neuen, des Dritten Reiches gemacht
Deutschland an Frankreich.
Die deuische Aniwori auf das Aide mémoire.
Der Reichsminister des Auswärtigen empfing den französischen Botschafter FrancoiS-Poncet und übergab ihm die d e u t s ch e A n t w o r t auf das von dem französischen Botschafter am 1. Januar überreichte Aide mémoire in der Abrüstungssrage. Der Reichsminister erläuterte dem Botschafter den Inhalt des Schriftstücks. — Ebenso empfing Freiherr von Neurath den englischen Botschafter Sir Eric Phipps und übergab ihm die Antwortaufdas Memorandum, das dieser im Auftrage der königlich englischen Regierung dem Herrn Reichskanzler am 20. Dezember vorigen Jahres überreicht hatte.
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Die ersten Auslandsblätterstimmen.
Berlin. (Funkmeldung.) Tie lleberreichung der deutschen Antwortnote an Frankreich wird von der englischen Presse in großer Aufmachung gemeldet. Tie Blätter heben besonders den Wunsch Deutschlands nach einer Fortsetzung der deutsch-französischen Besprechungen hervor. — Die Pariser
Unser Eigentum.
Frankreichs Raubbau an der Saar.
So steht das „Völkcrbundsmandat" auS!
Die „Saarbrücker Zeitung" veröffentlicht einen Aufsatz über die Preis- und Absatzpolitik der französischen Saargrubenverwaltung während der vergangenen vierzehn Jahre. Der Verfasser weist darauf hin, daß mit der Übernahme der Saarkohlengruben durch die „Administration des Mines Domaniales Fran?aises de la Sarre" am 18. Januar 1920 die hauptsächlichsten Lebens- grundlagen des Saargebiets, die Kohlengruben, in d'e Hände des französischen Staates als unbeschränkten Eigentümer gelegt worden seien und damit nicht weniger als 56 000 Arbeiter, mit ihren Familien, also rund 200 ÖOO Menschen, oder ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Saargebietes,
vPi Frankreich abhängig gemacht, gleichzeitig aber nach außen hin die politische „Neutralität" des Saargcbietes proklamiert worden sei. Durch Verweigerung der durch das Saarstatut als Verpflichtung auserlegten Kohlenlieferungen suchte die französische Grubenverwaltung die Aufnahme von französischen Beteiligungen bei der saarländischen Eisenindustrie zu erzwingen.
Der ungezügelte AnncxionSwillc Frankreichs war es, der von Anfang an richtunggebend für die Betätigung der französischen Grubenvcrwaltung war.
Die ganze Geschäftspolitik der französischen Berg- Werksverwaltung war von vornherein darauf zugeschnitten, dem französischen Staat den größtmöglichsten Nutzen in wirtschaftlicher und gleichzeitig in politischer Hinsicht zu stiften. Es wurden einschneidende Maßnahmen ergriffen, um den Saarkohlenabsatz, dessen hauptsächlichste Absatzbasis bisher in Deutschland lag, nach der Richtung von Frankreich umzuorientieren.
Wie radikal die französische Grubenverwaltung die Kohlciizuftthr nach Deutschland abgeschnitten hat, ist daraus ersichtlich, daß die Gesamtausfuhr nach dem Reich insgesamt 70 917 Tonnen betrug und damit knapp 1,5 Prozent des deutschen Borkriegsbedarfs aus- machte. Alle deutschen Anträge auf zusätzliche Lieferung wurden kurzerhand abgcwicscn. Lieferungen nach Deutschland erfolgten nur unter dem politischen Gesichtspunkt der Loslösung der Rheinlandc von dem deutschen Baterlandc.
Was die P r e i s p o l i t i k angeht, so hat die französische Grubenvcrwaltung ein Zonensystem ausgearbeitet. Auf die Nab,Zonen entfällt die ganze Kostenbelastung, die durch den billigeren Verkauf nach Frankreich entsteht. Der saarländische und deutsche Verbraucher müssen bei der heutigen Preispolitik der französischen Grubenverwaltung die Kosten für die Prcisvcrbilligung der Saarkohle
in Frankreich tragen.
Tatsache ist, daß der deutsche Verbraucher durch die Zahlung der höheren Preise den Export nach Frankreich indirekt finanziert hat.
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Die Regierungskommission des Saargebietes hat die Verbreitung eines Werbeflugblattcs der Deutschen Ge- wcrkschaftsfront an der Saar verboten, in dem die Tatsache fcstgestcllt wird, daß sich die Austritte aus den Freien Gewerkschaften in einer Weise gehäuft haben, daß von M a s s c n a u s t r i t t e n gesprochen werden kann. Die Rcgicrungskommission hat mit diesem Verbot wieder einmal bewiesen, wie cs mit ihrer „Neutralität" in Wirklichkeit bestellt ist.
Die wirksamste Winterhilfe ist eine Patenschaft!
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Morgenpresse begnügt sich im großen und ganzen damit, die lleberreichung der Antwort zu verzeichnen und ihren vermutlichen Inhalt kurz zu skizzieren.
Zu der deutschen Antwortnote auf das französische Aide mèmoire sagt der Berliner Berichterstatter der „Times": Man könne annehmen, daß Deutschland seine hauptsächliche Forderung den sofortigen Besitz von Defensivwaffen aufrecht erhalte. Der Weg für weitere Verhandlungen bleibe offen, aber, so betont der Korrespondent nochmals, Deutschland verlange die praktische Anerkennung seines Rechts auf Rüstungsgleich- h e i t jetzt und in späteren Jahren.
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Simon will die deutsche Antwort in London prüfen.
London, 20. Ian. (Funkmeldung.) Zur Abreise des englischen Außenministers aus Genf, nach London, meldet Reuter aus Genf, es verlaute, seine Abreise sei teilweise durch die Benachrichtigung beeinflußt worden, daß die deutsche Antwort auf das französische Aide mémoire überreicht worden ist. Simon wünscht in London zu sein, um sich mit den anderen Kabinettsmitgliedern über den Text der deutschen Antwort zu beraten.
«Wing vor der internationalen Presse über die Saar.
Der Vorsitzende der in Genf weilenden Abordnung der Deutschen Front deS Saargebietes, Kommerzienrat R ö ch- l i n g , klärte die internationale Presse in längeren Ausführungen überdieLageimSaargebiet und über die internationale Lage auf, der die Saarbevölkerung heute gegenübersteht. Röchling ging von den Bestimmungen des Versailler Diktats aus, nach denen die Abstimmung am 10. oder 11. Januar 1935 stattfinden müsse. Sie werde eindeutig ein Ergebnis für die Rückkehr nach Deutschland bringen. Dann schilderte der Vortragende die Bedeutung der Deutschen Front, die heute
bereits 90 Prozent der Saarbcvölkcrung umfasse.
Ihr stellte er das Häuschen der Landesverräter unter der Führung des sozialistischen Redakteurs Matz Braun gegenüber, das noch weitere fünf oder gar zehn Jahre in dem Versailler „Käfig" sitzen wolle. Röchling wies darauf hin. daß ein
Vertragsbruch durch Verschiebung der Abstimmung daS Schlimmste
wäre, was der Völkerbund dem europäischen und auch dem Weltfrieden antun könnte. Das deutsche und das französische Volk ersehnen, so fuhr Röchling fort, „aus heißem Herzen einen ehrenvollen Frieden. Sie wünschen die jahrhundertealte Feindschaft zu begraben. Die Kriegsgeneration will keinen neuen Krieg".
Dann wies Röchling darauf bin, daß der Führer der sogenannten „Freiheitsfront", Matz Braun, im Saargebiet nicht bodenständig und daher auch nicht abstimmungsberechtigt sei. Röchling verglich den Landesverräter Braun mit dem berüchtigten rheinischen Separatistenführer Dorten. Das Saargebiet wolle zu Deutschland zurück. Das sei der einmütige Wille der Saarbcvölkcrung. Gleichzeitig
bejahe die Saarbcvölkcrung auch die Regierung Adolf Hitlers,
Die allein imstande sei, die schwere Lage zu meistern, in der sich Deutschland befinde. Röchling schloß mit den Worten: „Hoffen wir, daß der Völkerbund einsieht, daß die baldige Heimkehr des Saarvolkes zu Deutschland eine weltpolitische Notwendigkeit ist. Denn nur so werde daS Saargcbiet kein Zankapfel zwischen den beiden Ländern bleiben."
Ernennungen in der SA.
Durch die Oberste SA.-Führung sind in den letzten Tagen folgende Ernennungen und Beförderungen^ vor- genommen worden: Ernannt mürbe: Zum Führer der Obergruppe II (Stettin): Obergruppenführer Karl Siegmund Litzmann. Beauftragt wurden: Mit der Führung der Obergruppe I (Königsberg) und der Gruppe Ostland: Gruppenführer Heinrich Schoene unter Enthebung von seiner bisherigen Dienststellung als Führer der Gruppe Nordmark; mit der Führung der Gruppe Rordmark Brigadeführer Otto Schramme unter Enthebung seiner bisherigen Dienststellung als Führer der Brigade 66 (Münster). Befördert wurden zum Brigadefübrer: Der Führer der Brigade 6 (Danzig): Oberführer Maximilian Linsmayer: der Führer der Brigade 15 (Wcstholstein): Oberführer Georg Rau; der Referent beim Sonderbevollmächtigten des Obersten SA.-Führers für das Land Bayerur Oberführer Haus Bunan