Zul-aer Anzeiger
M mssMs^Äi Taaebis« für Rhön un- Vogelsberg rmä^
Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. v u. Genossenschaften 7 Rpf., f. alle and. 5 Äpf. Im
SSL fi&MÂ<&% Zul-a- un- Kaunetsi»Zulöaer Kreisblatt ää S ^ä- t^-X
»jan Seipel, Fulda, Komgstr. 42. Vertreter des v ^ antwortlich für den Anzeigenteil Christian Seipel,
Haupkfchriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H. Re-aktion UN- Gesckäftâlle: Köutgstraße 42 « Zernsprech-Rnsthluß Nr. 2-S- Fulda, Konigstraße 42.
Nr. 19 — 1934
Fulda, Dienstag, 23. Januar
11. Jahrgang
Srotzllampstag der Schweizer Polizei.
Dramatische Verbrecherjagd in der Schweiz.
Gestellte Mörder begehen Selb st mord.
Seit vierzehn Tagen machte die Schweizer Polizei Jagd auf zwei Verbrecher, die in dieser kurzen Zeit nicht weniger als sechs Tote und einen Schwerverletzten auf dem Gewissen haben.
Zuletzt erschossen sie zwei Kriminalbeamte. Auf die beiden Verbrecher ist wohl die
größte polizeiliche Verfolgungsjagd
entfesselt worden, die es in den letzten Jahren gab. Sowohl die französische wie die deutsche Grenze war mit starken Polizeiposten besetzt worden, um ein Entweichen der Verbrecher zu verhindern.
Das erste Verbrechen wurde von den beiden in Deutschland, und zwar in Stuttgart, verübt. Sie ermordeten hier den Werkmeister Feuerstein, plünderten ihn vollkommen aus und
flohen über die schweizerische Grenze.
Als Täter wurde damals der 24 Jahre alte Techniker Kurt Sandweg und der 17 Jahre alte Waldemar Velte ermittelt.
In Basel verübten die beiden Verbrecher einen verwegenen Raubüberfall
auf die W e v e r - B a n k. Sie traten in das Bankgebäude und eröffneten aus zwei Mehrladepistolen einen Schnellfeuer auf die beiden Beamten, die sofort
tot zusammenbrachen.
Bevor man sich von seinem Schrecken erholt hatte, waren die Burschen mit dem Gelde, das die beiden Schalterbeamten vor sich liegen hätten, verschwunden.
Dann kam man ihnen endlich aus die Spur. Die beiden Verbrecher hatten sich in einer kleinen Pension in Klein- Basel eingeinietet. Als die beiden Kriminalbeamten, die die Verhaftung vornehmen wollten, die Türe des Zimmers öffneten, wurden sie aber von einem wahren Kugelregen empfangen. Beide Beamte brachen tot zusammen. Die beiden Verbrecher flohen, wurden aber sofort
Rund um die Abrüstung.
Hat England die Verschleppung endlich satt?
Vor neuen Vorschlägen zur Abrüstung.
Der diplomatische Korrespondent des Londoner „Observer" meldet, daß nach der Überreichung der deutschen Antwortnoten an London und Paris der Zeitpunkt für eine englische Stellungnahme zum deutsch-französischen Meinungsaustausch gekommen sei. Der Hauptpunkt der englischen Vorschläge werde m einer Anregung zu sofortigen Verhandlungen über die Festsetzung einer oberen Grenze für die Heeres-, Flotten- und Luftstreitkräfte, und zwar in erster Lmre für Deutschland, Frankreich, Italien und England bestehen.
Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die englischen Anregungen folgende sein würden: • '
1. Die Forderung nach einer „Probezeit" könne mcht mehr aufrcchtcrhalten werden. Das wichtigste Ziel sei die Erreichung einer Rüstungsbegrenzung auf der Grundlage der Gleichheit, so daß ein Rüstungsweltrennen vermieden werde.
2. Die einzige praktische Grundlage für eine Begrenzung der Luftmacht sei die eines „Einmacht-Standards".
3. Die Möglichkeit einer internationalen Lustpolizci- macht solle zwar erörtert, die Wichtigkeit dieser Frage aber der sofortigen Festlegung der nationalen Streikräfte auf einen vereinbarten Stand nachgestcllt werden. Der praktische Wert einer solchen internationalen Lustmacht sei nach englischer Ansicht schwer fcstznstcllcn, da in einem Rotzustand keine Garantie gegen die Verwendung sogenannter „internationaler" Flugzeuge für nationale Zwecke durch die Behörden des Staates, in dem sie stationiert seien, vorhanden sei.
4=
Ein englischer Französling.
Unwahrheiten der „Times" über die deutsche Antwort.
diach Eingang der deutschen Antwortnote in Paris sich der dortige Korrespondent der Londoner »Clines", wie schon wiederholt, ein schlechtes Beispiel an der Indiskretion mancher französischen Kollegen genommen. In einem Bericht an seine Zeitung gibt er sich °°n Anschein, als könne er über wesentliche Punkte der putschen Antwort authentische Angaben machen. Es ist
"lb keine Behauptungen kurz richtigzustcllen:
tniJ; Es ist nicht wahr, daß Deutschland für sich M dieselben Waffen in demselben Ausmaß verlangt, b ? sie die anderen Länder haben. Selbstverständlich ist daß Deutschland für eine erweiterte Reichswehr diejenigen
moderne» Verteidigungswaffen
verfolgt. Die Jagd zog sich bis an den Fuß der schweizerischen Jura hin.
Dabei ereignete sich ein tragischer Zwischenfall. Ein Polizist schoß in der Aufregung einem Zivilisten, der sich an der Verfolgung beteiligte, so unglücklich in die Brust, daß er auf der Stelle tot war. Den Verbrechern selbst gelang es, ein drittes Mal ihren Verfolgern zu entkommen.
Daraufhin wurde von der Polizei der
kleine Belagerungszustand über die Umgebung von Laufen und Rüschens verhängt.
Verfolgung im Flugzeug.
Dann wurde die Verfolgung der Verbrecher i m Flugzeug ausgenommen. Der Baseler Fliegerhaupt- mann Baumann überflog die Gegend des Blauen Gebietes. Er glaubte auf der Straße Mettingen-Erschwil im Kanton Solothurn zwei verdächtige Personen bemerkt zu haben, die sich beim Räherkommen des Flugzeuges in den benachbarten Wald flüchteten. Es erwies sich jedoch, daß diese Meinung des Fliegers nicht zutreffend war, denn die Baseler Kriminalpolizei wurde durch eine Frau davon verständigt, daß die Verbrecher sich nicht im Jura, sondern
noch in Basel selber aufhielten, und zwar im Margarethenpark, der in einer Vorstadt von Basel liegt. Auf diese Meldung hin wurde ein starkes Polizeiaufgebot in den Park kommandiert und dieser völlig eingeschlössen.
Als die Polizei mit entsicherten Karabinern in den Park eindrang, fand sie die Leichen der beiden, von denen bei dem einen der Tod erst kürzlich erfolgt sein mußte, auf einer Bank liegen. Die Verbrecher hatten sich selbst gerichtet.
*
Von der Stuttgarter Kriminalpolizei ist mitgeteilt worden, daß es sich bei dort beiden Verbrechern um die
Söhne rechtschaffener Eltern
in Wuppertal handele. Beide hätten die väterliche Wohnung im November verlassen. Die Leichen werden auf Verlangen der deutschen Kriminalpolizei nach Deutschland gebracht.
haben muß, die im Rahmen der deutschen Ansprüche für ein (selbst bei 300 000 Mann noch immer sehr kleines!) Schutzheer nötig sind.
2. Es ist nicht wahr, daß von deutscher Seite jemals von einer „Begrenzung" der SA. und SS. die Rede gewesen sein soll. Deutschland hat sich bekanntlich lediglich zu einer Genehmigung der Kontrolle der genannten Verbände zum Nachweis ihrer nichwnlitäri- scheu Verwendbarkeit bereit erklärt unter der selbstverständlichen Voraussetzung der Allgemeingültigkeit einer solchen Kontrolle für -die ähnlichen Formationen aller Staaten.
3. Es ist nicht wahr, daß die Handhabung einer solchen Kontrolle allgemein gleich wäre, wenn dem Deutschen Reich in einer etwaigen Abrüstungskonvention irgendwelche anderen Bedingungen anfcrlcgt würden (einschließlich der Zahl der Handfeuerwaffen usw.) als anderen Staaten.
4. Es ist n i ch t w a h r, daß Deutschland die gleichen Luftstreitkräftc
, verlangt hat wie sie Frankreich besitzt. Deutschland hat lediglich einen ausreichenden Luftschutz verlangt und im übrigen darauf hingewiesen, daß eine Herabsetzung der riesigen französischen Luftflotte auf die Hälfte so lange bedeutungslos sein muß, wie Deutschland selbst über keinerlei ausreichenden Luftschutz dieser Art verfügt.
*
Der französische Ministcrrat hat einen Bericht des Ministerpräsidenten C h a u t e m p s und des Außenministers P a u l - B o n c o u r über die deutsche Antwort angehört. Die deutsche Antwort ist dem Minister für Landesverteidigung zugewicsen worden.
Der Ministerpräsident gab dann einige Maßregelungen von Polizeibeamten im Zusammenhang mit dem Stavisky-Skandal bekannt.
Der Hüter unserer Wahrung.
ReichSbankpräsidcnt Dr. Schacht hat Geburtstag.
Reichsbankprüstdent Dr. Hjalmar Schacht beging seinen 57. Geburtstag. Dr. Schacht ist es vor allem zu danken, daß im Jahre 1923 der Inflation ein Ende bereitet und mit der Rentenmark wieder eine stabile deutsche Währung geschaffen wurde. Von 1924 bis 1930 leitete Dr. Schacht die Reichsbank und machte damals in einer Zeit der Hochflut der Verschuldung Deutschlands gegen diese leichtfertige Kreditaufnahme Front. Die Erkenntnis der Unannehmbarkeit des Young-Planes hatte damals seinen Rücktritt zur Folge. Am 16. März 1933 wurde er als Nachfolger Dr. Luthers wieder Neichsbankpräsident. Seitdem hat er sich als t r c u c r Hüter u n s e r e r W ü h r u n g er- wiesen.
„Widerwärtiger Menschenhandel"
Nun ist die Lösung der Saarfrage in ihr letztes Stadium eingetreten, — und es soll dabei alles genau nach den Vorschriften des Versailler Diktates vor sich gehen! Der deutsche Versuch, auf dem Wege direkter Verhandlungen mit Frankreich eine friedlichere und vernünftigere Lösung herbeizuführen, ist infolge des französischen Widerstandes gescheitert; Deutschland jedenfalls hätte gern auf die Erledigung der ganzen Frage durch eine Abstimmung verzichtet, über deren Ergebnis man sich ja auch in Frankreich keinerlei Illusionen hingibt.
Aber auch sonst in der Welt scheint man das unsagbar Peinliche und längst Überholte dieser Lösung der Saarfrage einzusehen, auch bei den Neutralen beginnt man zu merken, daß der Völkerbund, dem durch das Versailler Diktat die letzte Entscheidung in dieser Frage übertragen ist, auf alle Fälle vor eine für ihn sehr unerquickliche Aufgabe gestellt worden ist. In einem schweizerischen Organ, das sich sonst keineswegs durch Teutschfreundlichkeil anszeichnet, werden hierüber recht deutliche Worte geschrieben, die vor allem eine außerordentlich interessante Parallele zu jener anderen Entscheidung des Völkerbundes ziehen, nämlich zu der in Oberschlesien. Man steht in Genf, besonders aber natürlich in Paris, auf dem Standpunkt, daß das Abstimmungsergebnis im Saargebiet gegebenenfalls die Möglichkeit offenlaffe, auf Grund der Abstimmung nun nicht etwa das ganze Gebiet an Deutschland oder an Frankreich übergeben zu müssen, bzw. es autonom zu lassen (§ 35 des Friedens von Versailles), sondern auch die „Vereinigung eines Teiles" davon an Deutschland beschließen zu können; aber das schweizerische Blatt weist demgegenüber darauf hin, daß der Völkerbund wohl „das grausame Geschäft der Zerschneidung eines lebendigen Wirtschaftskörpers" sich nicht zum zweiten Male leisten würde. In dem anderen Falle, Oberschlesiens nämlich, hätte eigentlich der Oberste Rat der Alliierten über die Ziehung der neuen Grenze entscheiden müssen, aber er hätte sich darüber nicht einigen können und dieses „Geschäft" — man beachte vas Zynische dieses Ausdruckes! — dem Völkerbund angchängi, der „dazu gekommen sei wie ein Hund zu einem Tritt" und dann das ganze Odium des deutschen Volkes hätte ausfressen müssen.
In jenem schweizerischen Blatt wird nun endlich einmal auch von neutraler Seite her offen und unzweideutig gesagt, worum es sich bei der -Saarfrage überhaupt drehe; von rein wirtschaftlichem Standpunkt aus sei die Saarfrage behandelt worden und „im Vordergründe stehen nicht die Menschen, sondern die Kohlengruben im Saargebiet*. Die politische Lostrennung dieses Gebiets vom Deutschen Reich auf mindestens 15 Jahre sei nur eine Begleiterscheinung dieser wirtschaftlichen Reparationsvorschrift gewesen und es sei klar, „daß die Unterordnung der nationalen Rechte einer Bevölkerung von dreiviertel Millionen unter ein Finanzproblem fürjedcsgesundepolitischeEmpfin- den von Grund auf widerwärtig" sei; die Saarregelung „röche nach Menschenhandel und wäre schon darum eine der Unzierden des Versailler Vertrages", was übrigens auch seine Ver- fasser schon gespürt hätten!
In diesen Worten wird mit aller wünschenswerten Deutlichkeit von neutraler Seite der Kern der ganze» Saarfragc bloßgelcgt! Außerhalb Frankreichs und" sogar in London bat man im Gefühl dieser „Widerwärtigkeit", dieses „Menschenhandels" es auch abgelehnt, dem Verlangen der Sozialisten und Separatisten im Saargebiet Rechnung zu tragen, wegen der dort angeblich herrschenden „Unruhe" die Abstimmung auf fünf oder gar zehn Jahre zu verschieben. Schließlich hat man auch in Paris das Widerwärtige einer solchen Fortsetzung des Menschenhandels an der Saar eingesehen, sich dafür aber auf ein anderes Vorhaben hinübergerettet, nämlich dahin, für die Wahlkampfperiode eine besondere Gendarmerie von 4000 Mann zu bilden. Jenes schweizerische Organ billigt es Demgegenüber, wenn solche Pläne deutscherseits der Vorwurf einer „Vergewaltigung des Saargebiets durch ein Volksvotum unter fremden Bajonetten" cntgegcngehalten werde und schreibt dazu, „ein Abstimmungsgendarm auf 200 Einwohner wäre wohl etwas viel!"
Man hat in Genf unter französischer Anordnung veracht, mit Hilfe der Saarfrage Deutschland zur Rückkehr rach Genf zu bewegen, — aber das war das ungeeignetste Mittel dazu! Denn für Deutschland ist und bleibt die Saarfrage eben nichts anderes als, um mit dem schwci- jerischen Blatt zu sprechen, ein „widerwärtiger Menschenhandel", auf den sich die Regierung des reuen Deutschland zu allerletzt einlassen kann. Die Reichs- regierung wird darauf achten, daß nicht nur den Buch- kaben der Versailler Bestimmungen gemäß verfahren uird, sondern daß auch der Ungeist jenes widerwärtigen Menschenhandels einem besseren Gei ste Platz n a ch c n muß.
„Versailles praktisch nicht durchführbar"
Scharfe Kritik durch den Präsidenten der Internationalen
' Handelskammer.
Auf dem alljährlichen Amsterdamer Bankett des Ausländischen Pressevereins in Holland übte der Präsident der Internationalen Handelskammer, der bekannte holländische Industrielle Fentener von Vlisfingen (Utrecht) scharfe Kritik an dem Versailler Diktat. Er betonte, daß die