Zulöaer /lnzeiger
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Nr. 23 — 1934
Fulda, Samstag, 27. Januar
11. Jahrgang
Deutschland und Polen verständigen sich.
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Zchnjahriger Berständigungspakt zwischen Deutschland und Polen.
Der Reichsaußenminister und der polnische Gesandte fabcii im Auswärtigen Amt eine Erklärung unterzeichnet, »erzufolgc zwischen Deutschland und Polen zur Festigung des Friedens in Europa und im Zinne des Kelloggpaktes ein zehnjähriges Vcr - zâ il d i g u n g s a b k 0 m m e n geschlossen wird. Danach verpflichten sich beide Staaten, alle Fragen, welche auch immer .zwischen ihnen auftreten können, in unmittelbarer Verständigung zu regeln.
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Als der Führer im November des vergangenen Jahres zum ersten Male den Gesandten Polens bei |k dessen Antrittsbesuch empfing, konnte amtlich festgestellt werden, „daß sich volle Übereinstimmung beider Regierungen ergeben habe in der Absicht, die beide Länder betreffenden Fragen auf dem Wege unmittelbarer Verhandlungen in Angriff zu nehmen und ferner zur Festigung des Friedens in Europa in ihrem Verhältnis zueinander auf jede Anwendung von Gewalt zu verzichten." Der später erfolgende Besuch des deutschen Gesandten in Warschau beim Führer Polens, Marschall P i l s u d s k i, hatte ein ebenso erfreuliches Ergebnis. £ält man daneben noch die Ausführungen des Reichsministers Dr. Goebbels in seinem Interview für ein polnisches Blatt, so darf man der Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß das neue Deutschland auf dem Wege zu einer Besserung der deutsch-polnischen Beziehungen erhebliche Fortschritte erzielt hatte.
Jetzt ist der Besuch des polnischen Gesandten Lipski beim Reichskanzler Adolf Hitler ein neuer, be deutungsvollcr Markstein auf dem Wege zu besserem Ver- f/Hr-M zivischcn den beiden benachbarten Ländern. Die unmittelbare Aussprache hat sich auch hier als das beste Mittel erwiesen, alte Mißverständnisse und Verstimmungen auszugleichen.
Dr. Goebbels aniworLet
auf Fragen eines polnischen Journalisten.
Reichsminister Dr. Goebbels hat dem gur Zeit nach Berlin entsandten Sonderberichterstatter des „Krakauer Illustrierten Kurier", Klemens Ritter von Dunin-Keplicz, ein Interview erteilt, das folgenden Wortlaut hat:
Frage: Die parlamentarische Demokratie und der Kapitalismus sind eng miteinander verbunden. Ist doch die parlamentarische Demokratie nur die politische Aus- dmctsform einer wirtschaftspolitisch-sozialen Verfassung. Falls man nun die parlamentarische Demokratie abschafft, fallen die Grundlagen für eine liberal-kapitalistische Wirtschaftsordnung fort. Welches sind die K 0 n s c - auenzen der nationalen Revolution in Dentschland in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung?
Antwort: Der Nationalsozialismus hat eine völlig neue Wirtschaftsform geschaffen, auf die sich die bisherigen Maßstäbe — wie „kapitalistisch" und „liberalistisch" oder ihr Gegenteil —, mt denen man andere Wirtschaftsstrukturen zu messen gewohnt ist, nicht anwenden lassen. Die nationalsozialistische Wirtschafts- form wird durch zweierlei gekennzeichnet: durch das Führerprinzip, das gewissermaßen die organisatorische Seite regelt, und durch den Grundsatz „G e - m e i n n u $ geht vor Eigennutz", der das ideelle Leitmotiv enthält. Aber auch das Führerprinzip ist ideell verankert, insofern nämlich, als eine Verantwortung der einzelnen Führer gegenüber ihren vorgesetzten Stellen und schließlich des obersten Führers gegenüber dem deutschen Polke und vor der Geschichte besteht.
Frage: Mussolini sagte einmal: „Der F a s ch i s - mud ist kein Erportartikel." Trifft das auch für den Nationalsozialismus (natürlich falls man- den deutschen Charakter abstrciten könnte) zu — oder besser gesagt — ist der Nationalsozialismus eine deutsche Staats- iorm oder eine Weltanschauung?
Antwort: Der Nationalsozialismus ist eine aus der Eigenart deutscher und seelischer Veranlagung geborene Lebensauffassung, die trotz denkbar größter äußerer Widerstände auch
für die deutsche Staatsform bcftimmcnb geworden ist. Das Wort Mussolinis: „Der Faschismus üt kein Erportartikel" läßt sich sinngemäß auch auf den âtionalsozialismus anwendcn, da jeder Erport eine initiative des Erportcurs voranssetzl ~ der Nationalsozialismus jedoch eine solche Initiative ausdrücklich ablehnt. Es liegt aber aus einer anderen ®öene, wenn eine Lebensauffassung, die in einem Sieges- ohnegleichen das ganz deutsche Volk erobert hat, die wopscrische Kraft besitzt, auch außerhalb ihres Geburts- ""des originär wirksam und richtunggebend zu werden.
8 rage: Betrachten Sic den
Komplex „Österreich"
als eine außen- oder parteipolitische Erscheinung? — ' Wort: Der Nationalsozialismus in Österreich Lurchlebi zur Zeit seine Geburtswehen, d. h. er befindet w einer Periode der Auseinandersetzung mit Wrder- die auch das deutsche Volk hat überwinden müssen,
damit der nationalsozialistische Gedanke zur Entfaltung kam. Darüber, daß
allein dieser Gedanke auch dem österreichischen Volks- empfindcn entspricht, kann angesichts der Gemeinsamkeit der Abstammung und auch der geistigen und seelischen Einstellung des deutschen und des österreichischen Volkes kein Zweifel bestehen. Es ist deshalb ein Irrtum, zum Teil aber auch böswilliges Mißverstehen, wenn die begreifliche Teilnahme, mit der das deutsche Volk die Shmptome eines Entwicklungsganges verfolgt, den es selbst bereits durchschritten hat, als eine be wußte und gewollte Einwirkung auf diesen Entwicklungsgang hingestellt wird. Da wir uns über den
Ausgang dieses Prozesses keine Sorgen zu machen brauchen, wäre eine solche Einwirkung nicht nur überflüssig, sondern sie läge auch nicht im Interesse des österreichischen Volkes. Es ist eine besondere Eigenart des Nationalsozialismus, daß er seine Kraft an den ihm entgegengesetzten Widerständen steigert, um diese schließlich endgültig zu überwinden. — Frage: Was halten Sie von der
Verständigung zwischen Polen und Deutschland? Antwort: Eine Verständigung zwischen Deutschland und Polen ist der Wunsch des Reichskanzlers Adolf Hitler, dem er nicht nur in seinen Reden, sondern auch in zwei Aussprachen mit dem hiesigen polnischen Gesandten besonderen Ausdruck verliehen hat. Die aus dieser Grundlage eingeleiteten diplomatischen Besprechungen haben die Aufgabe, die Ursachen bisheriger Mißverständnisse zu beseitigen und
Die einzige Feier
Dein Dank an den Führer.
Der Jahrestag der nationalsozialistischen Revolution soll ohne große Feiern und Festlichkeiten begangen werden. Bei der Wahl am 5. März 1933 hat der Führer vier Jahre Zeit gefordert, um feine, großen Reformen durchzuführen. Es war der nationalsozialistischen Regierung trotz aller Fortschritte natürlich nich: möglich, der großen Not in einem einzigen Jahre Herr zu werden. Unzählige Volksgenossen müssen noch unter den Folgen der liberalistischen Mißwirtschaft leiden.
Darum soll die einzige Feier des 30. Januar darin bestehen, daß diesen notleidenden Volksgenossen durch eine besondere Zuwendung von Lebensmitteln und Kohlen bei Kameradschaftsgeist der ganzen deutschen Nation bewiesen wird.
Der nationale Spendentag soll nicht in Sammelaktionen,sondern in Hilfsaktionen bestehen. Wenn auch die Opferbcreitschaft des deutschen Volkes an diesem Feiertage nicht durch eine allgemeine Sammlung
Immer noch große Gewinnmöglichkeiten in der WSW.-Lotterie.
Bei Beginn der Lotterie des Winterhilfswerks ist eine i r r e f ü h r c n d c N 0 t i z durch die Presse gegangen Darin hieß es, daß nur drei Hauptgewinne a u s- gespielt werden. Das ist f a l s ch. Die Lotterie wird in dreißig Serien gespielt.
Auf jede Serie entfallen: ein Hauptgewinn zu 5000 zwei Hauptgewinne zu 2000, zehn Gewinne zu 500 51 Gewinne zu 100 Mark. Ferner werden in jeder Sern noch zahlreiche kleinere Gewinne gespielt. Außer dieser Gewinnen, die sofort ausgezahlt werden, wird am 1. März f ü r j e d e Serie einePrämie von 5000 Mark aus gelöst. Deshalb kann auf jede gezogene Niete immer noch diese Prämie gewonnen werden. Es braucht sich alsc nicmandentmutigcn zu lassen, wenn gcmeldel wird, daß Hauptgewinne gezogen worden sind. Jede der dreißig Serien umfaßt bekanntlich eine Million Lose. Jr jeder Serie sind 150 000 Gewinne und eine Prämie enthalten. Es lohnt sich also immer noch, 50 Pfennig für die Möglichkeit eines Gewinns aufznwcndcn.
beansprucht wird, so wird doch jeder von uns seinem Dank an den Führer
durch irgendein Geschenk oder eine Spende sichtbaren Ausdruck geben wollen. So mancher möchte gern dein Führer sein Liebstes weihen zum Dank für seine unge- henre Leistung. Das ist natürlich nicht durchführbar, denn die Reichskanzlei könnte die Fülle der Gaben nicht fassen. Dafür aber kaun jeder an diesem Tage dem Führer dadurch danken
daß er einem notleidenden Volksgenossen am 30. Januar eine besondere Freude bereitet, indem er ihn zum Mittagessen cinlädt, mit ihm in ein Theater oder ein Konzert geht oder ihm irgendeine andere Freude bereitet.
Wenn sich die Volksgemeinschaft durch solche stillen Feiern noch enger zusammenschließt, so wird das der schönste Dank an den Führer seht und gleichzeitig sein Werk weiterfördern.
mit einer Atmosphäre des Vertrauens auch die Basis für ein gutes nachbarliches Verhältnis
zu schaffen. Ein gemeinsamer Wille zur Erreichung dieses Zieles mutz trotz der Kompliziertheit der Probleme, die die Interessen beider Völker berühren, zu einem guten Ergebnis führen. — Frage: In verschiedenen Staaten herrscht in den breiten Volksschichten ein Glaube an einen nahen Krieg.
Glauben Sie an eine Kriegsgefahr in Europa? Antwort: Es ist eine tief bedauerliche Erscheinung, dah die Entscheidung der Schicksalsfrage eines Volkes, der Frage über Krieg und Frieden, in den meisten Ländern in der Macht von bestimmten Schichten oder Persönlichkeiten ruht, die den Krieg aus eigener Erfahrung überhaupt nicht oder nur teilweise kennen. Aus dieser Tatsache ergibt sich, daß die Perspektive eines .Krieges nicht nur mit einer Leichtigkeit erwogen wird, wie sie nur die aufbringen können, die ihn praktisch nicht durchgemacht haben, sondern datz dieser Perspektive in unverantwortlicher Weise auch in der Weltmeinung ein' so breiter Spielraum eingeräumt worden ist.
Wenn der Gedanke des Reichskanzlers, daß in allen Ländern vor allem den ehemaligen Kriegsteilnehmern ein vorzugsweises Mitbestimmungsrecht an der Entscheidung über Krieg und Frieden einzuräumen ist, verwirklicht werden würde, so würde hierin die sicherste Garantie gegen jeden Krieg zu erblicken sein. Ich sähe dann keinerlei Gefahr mehr, daß ein Krieg aufs neue Europa erschütterte.
des 30. Januar.
Die Verbundenheit der Reichsregicruns mit den Ausländsdeutschen.
Staatsrat Gauleiter Wagner in London.
Der zur Zeit in London weilende Staatsrat Gauleiter Wagner und seine Gattin sowie D r. Römer, Leiter der Ausländsabteilung des Deutschen Juristenverbandes, waren Gäste der Londoner Ortsgruppe der N S D A P. Der Vertreter für Großbritannien, Pg. Bene, begrüßte die Gäste. Staatsrat Wagner wies auf das Gefühl der Verbundenheit der Reichsregierung mit den im Ausland lebenden Deutschen und auf die außenpolitischen Ziele des neuen Deutschland hin. Im übrigen erklärte er, daß die Ausländsdeutschen sich in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten des Staates entmischen dürften, in dem sie als Gast leben. Lebhafter Beifall dankte dem Vortragenden für seine Ausführungen.
Falsche Gerüchte über einen Brand im preußischen Landtag.
Die Öffentlichkeit in Berlin wurde durch die Nach- richt beunruhigt, daß das Gebäude des Preußischen L a n d"t a g c s in der Prinz-Albrecht- Straße brenne. Es stellte sich sehr schnell heraus, daß es sich um einen blinden Alarm handelte. Ein Kriminalbeamter hatte einen Lichtschein gesehen, der auf die Westseite des Gebäudes des Preußischen Landtages fiel. Er mußte an- nehmen, daß es sich um einen Feuerschein handelte, und benachrichtigte die Feuerwehr.
Es wurde dritter Alarm gegeben.
Drei Züge rückten »'osort nach der Prinz-Albrecht-Straße uns der "Leipziger Straße ab. Die Untersuchung ergab, daß aus Anlaß eines Diplomatenempfanges beim Ministerpräsidenten Göring in den am Eingang angebrachten FeuerschalenFcuerbrannte. Durch den Wind wurden die Flammen etwas hin- und bergetrieben, so daß der Eindruck eines starken Feuerscheines am Gebäude des Landtages entstand. Die Feuerwehr rückte sofort wieder ab. Trotzdem hatte der Vorfall zur Entstehung der Gerüchte geführt.
Anträge für Lnstandsehungszuschüsse beschleunigen.
Der Reichsarbeilsminister hat angeordnet, daß ein Reichs zu s chu ß für I n st a n d s e tz u n g s a r b c i - t e n und Wohnungsteilnngcn bei den Anträgen, die erst nach dem 31. Januar 1931 gestellt werden, nicht gewährt wird, sofern mit den Arbeiten schon vor Grteilung des Vorbescheides begonnen worden ist Es muß dabei allen Hauseigentümern dringend geraten werden, ihre Anträge noch schleunigst vor dem 31. Januar einzureichen, damit sic sich auf diese Weise einen Reichszuschutz sichern. Jeden falls müssen alle Grundstückseigentümer, die ihre Anträge nicht mehr bis zum 31. Januar einreichen können, drin gend gewarnt werden, vor Empfang des Vorbescheides mit den Arbeiten beginnen zu lassen.