Zuldaer /Anzeiger
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Jüan Seipel, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des ' ^ auf Nachlaß. — DA." 110O. — Verantwort!. für den
Haupkschriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H. Ne-aktion UN-Gekhästsstelle: Mnigstraße 42 4-Zernfprech-OnfHluß Nr. 2-S- Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.
Nr. 34 — 1934
Fulda, Freitag, 9. Februar
11. Jahrgang
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In die zweite Arbeitsschlacht!
285000 Arbeitslose im Januar weniger.
Der planmäßige Einsatz der Arbcitsbcschaffungsmaß- nahmen zuin Ausgleich der luittterlidjen Saisonschwankun- nen führte im Januar zu einem guten Erfolg. Während in früheren Jahren in diesem Monat unter dem Einfluß der Entlasiuttgcu aus den Wüsten berufen die Arbeitslosen zahl zu steigen pflegte (bis zu 375 000!), gelang es in diesem Jahre, allerdings stark begünstigt durch die milde Witterung, die Arbeitsloscnzah! in beträchtlichem Unv fange zu senken. Der Rückgang betrug 285 000, so daß die int Dezember eingetretene Zunahme von rund 344 000 zum großen Teil wieder ausgeglichen ist. Jns- nesamt wurden bei den Arbeitsämtern 3 774 000 Arbeits- iose gezählt, das sind rund 2 2 3 9 000 weniger als am gleichen Stichtage des Vorjahres.
Die Zahl der Arbeitslosen in den Außenbcrufen ist in diesem Wintermonat um rund 1 4 0 0 0 0 zurückgegangen. Ein Teil dieser Entlastung ist auf
die großen öffentlichen Arbeiten wie Autostraßen- bau und die zahlreichen Notstandsarbeiten zurückzuführen. Die übliche winterliche Arbeitsruhe im Hochbau und seinen Nebenzweigen wurde durch die zahlreichen Anregungen zu Umbau- und Jnstandsetzungs- arbeiten stark gemildert.
Daß sich über diesen von der Regierung herbeigeführ- ten Antrieb hinaus auch die p r i v a t e n Wirtschaftskräfte zu regen beginnen, zeigt die Entwicklung der Zahl der mehr von der Konjunktur abhängigen Berufsgruppen. In diesen Berufsgruppen ist ein Rückgang der Arbeitslosen um rund 1 4 4 0 0 0 eingetreten. Träger dieser günstigen Entwicklung waren in der Hauptsache das Eisen- und Metallgewerbe, das Holzgewerbe und das Spinnstoffgewerbe.
Im Einklang mit der Entwicklung der Arbeitslosenzahl zeigte sich auch in den Unterstützungseinrichtungen der Reichsanstalt und der öffentlichen Fürsorge eine entsprechende E n t l a st u n g.
Der Rückgang der Arbeitslosen verteilt sich bis aus eine Ausnahme auf alle Landesarbeitsamtsbezirke.
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Veste Aussichten für d-e Aweitsschlacht
1934.
. Im Anschluß an den offiziellen Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Januar b. I. machte Präsident Dr. S n r u p auf der Berliner Pressekonferenz noch einige bemerkenswerte Ausführungen.
Im Jahre 1933 konnte erfreulicherweise vom Januar bis November jeder Monatsbericht der Reichsaustalt eine Verminderung der Arbeitslosenzahl melden. Von 6 014 000 Arbeitslosen im Januar 1933 waren wir auf 3 715 000 im November 1933 gefallen. Der Dezember brachte mit seinem langen und heftigen Fr das unabwendbare Ansteigen der Arbeitslosigkeit. , Die Zahl der Arbeitslosen stieg zwar nicht so stark wie in früheren Jahren, aber doch um 340 000. Dieser Zuwachs mochte dem Laien hoch erscheinen,
dem Sachverständigen erschien er niedrig, denn im Laufe des Sommers waren Hunderttausende von Arbeitskräften m ehr als in den Vorjahren in die Taisonberuse eingestellt und die Gefahren winterlicher Rückschläge waren deshalb für diesen Winter besonders groß. Die Arbeiter, die im Dezember ihre Außenarbcits- piütze aufgeben mußten, konnten im Januar ihre Beschäftigung wieder aufnehmen.
Der jetzt zum Ausbruch gekommene Kampfes- M < 1 1 e läßt im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten ein Warten bei milder Winterwitterung nicht zu. Die Arbeit wird auf ganzer Front wieder ausgenommen, auch wenn dst Gefahr droht, daß ein nochmaliger scharfer Frost wiederum die Einstellung der Arbeiten erzwingt.
Wir können und wollen uns dieses Erfolges freuen, aber wir müssen uns trotzdem die Möglichkeit vor Angen halten, daß ein scharfer und langbauentber Frost im JHonat Februar nochmals einen Rückschlag bringen kann.
auch dieser Rückschlag, falls er kommen sollte, braucht nicht zu schrecken. Er wäre zeitlich b c g r e n z t. Die große -nite des Arbeilskampfes wird von den winterlichen Ein- lwssen nicht berührt
Rach den Erfahrungen der Monate Dezember und Januar glaubt Präsident Dr. Syrup sagen zn können, "h die während kümmerlicher ArbeitSschlacht gewonnene «tcihnig in dieß > Winter trou aller jahreszeitlichen Ein- llUhr gehalten und 3 c festigt wird, und daß von diesem Muds aus im Frühjahr der Kamps gegen die ArbeitS- Ngieü seinen Fortgang nehmen wird.
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Der Arbeitsdienst vor dem großen
Krühjahrsangriff.
Arbeit für 250 000 Freiwillige stchergestellt.
Reichsarbeitsführer, Staatssekretär Hierl, gc- reM ^lcm Mitarbeiter des „Angriff" eine Unter- n^nt^ den Arbeitsdienst, der folgendes zu ent»
Während der Arbeitsdienst im Jahre 1932 nur 26 602 882 Tageswerke leisten konnte, hat er mit durchschnittlich 228 778 Mann im Jahre 1933
nicht weniger als 68 754 984 Tagewerke geleistet.
Von diesen Tagewerken entfielen allein fast 29 Millionen auf Bodenverbesserung, 10 Millionen auf Verkehrs- verbessernng und mehr als 4%. Millionen aus Forstarbeiten und über 4 Millionen auf Arbeiten zu Siedlungszwecken. Jetzt steht der deutsche Arbeitsdienst vor dem großen F r ü h j a h r s a n g r i s f. Zu den bereits begonnenen Arbeitsvorhaben wird eine große Zahl neu geplanter treten.
Der Reichsarbeitsführer wandte sich des weiteren mit Entschiedenheit gegen verschiedene Gerüchte, die von linverantwortlichen in Umlauf gesetzt worden seien. Es sei da behauptet worden, daß der Arbeitsdienst einer anderen Organisation angegliedert werden solle. Dieses Gerücht entbehre jeglicher Grundlage. Der Arbeitsdienst, aus der nationalsozialistischen Bewegung heraus geboren, bleibe ein Glied der Bewegung, aber seine Selbständigkeit, seine eigenen Gesetze und eigenen Lebensformen seien für ihn lebensnotwendig. Niemand denke daran, ihm biefe Eigenart zu rauben.
Die Führung des Arbeitsdienstes bekäme häufig den Besuch von Ausländern,
die eigens nach Deutschland gekommen seien. Kaum einer sei ohne den Ausdruck des ErstaunensundderAn- erkennung in seine Heimat zurückgekehrt. Das größte Interesse für den deutschen Arbeitsdienst scheine
in Amerika vorhanden zu sein. Jedoch unterscheide sich der amerikanische vom deutschen Arbeitsdienst durch den mehr militärischen Charakter. In viel größerem Umfange, als es in Deutschland der Fall sei, stelle man dort ehemalige Soldaten, ja sogar aktive Offiziere — bis jetzt rund 4000 — als Arveitsführer ein.
StaatSsckrctü» Hier! äußerte sich sodann abschließend in kurzen Worten über die Zukunft des Arbeitsdienstes.
Roter Mob im nächtlichen Paris
Nächtliche Nachlese in Paris.
Mit Dolch, Pistole und — Einbrecher- werkzeugen.
Daß in Frankreich eine Regierung gebildet werden muß, die nicht auf einer Partei, sondern auf bei Nation beruht, ist die eindringliche Lehre, die der besonnene Teil des fran-zösischen Volkes aus dem Blutvergießen und den bürgcrkriegsähnlichcn Tumulten der lebten Nächte gezogen hat. Die Tumulte in der Kammer hatten sich auf der Straße in vergrößertem Maßstabe fortgefebt, und wenn die letzteren sich auch zum Teil gegen den Parlamentarismus zu wenden schienen, so waren sie doch
Notkabinett Doumergue.
Easton Doumergue, der ehemalige französische Staatspräsident, hat sich in einer Stunde höchster Gefahr für Frankreich entschlossen, trotz seiner fast 71 Jahre die neue Kabinettsbildung zu übernehmen, um mit einer als Uebergang gedachten „Regierung der nationalen Einiaung" dem Chaos einen Damm entgegenzusetzen.
lebten Endes der Ausfluß parteipolitischen Denkens und Fühlens.
Man ping gegen den Parlamentarismus vor, aber nicht, um ihn zu beseitigen, sondern um an Stelle des bestehenden Parlaments ein anderes zu setzen. Neben diesen parteipolitischen Tendenzen standen klassenkämpferisch m a r x i st i s ch e, die ja überall auftauchen, wo es gilt, Unruhe zu vermehren und Unfrieden zu stiften. In der Nacht zum Donnerstag suchten denn auch die Kommunisten an dem noch schwelenden Feuer der Stratzen- unruhen ihr Süppchen zu kochen. Diese „Volksfreunde", die in dieser Nacht ihr Unwesen trieben, waren mit
Im Augenblick sei für die 250 000 Freiwilligen Arbeit für Jahre hinaus stchergestellt.
Der Arbeitsvorrat in Deutschland sei aber unendlich größer. In einer besonderen Abteilung der Arbeitsdienst- führung, die sich mit der reinen Erfassung der Arbeits- möglichkcitcn in allen Teilen Deutschlands befasse, habe man einen Arbeitsvorrat festgestellt, der für 500 000 Mann auf 20 Jahre genügen würde.
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Sie wurden überzeugt.
.Ans einem niedergeschlagenen Volk eine selbstbewußte Nation."
Die Londoner Zeitung „Morningpost" veröffentlicht verschiedene Äußerungen zu den vom Blatt veröffentlichten Auszügen aus bem neuen Buch des Ministerpräsidenten Göring. Die Zuschriften nahmen teils für,, teils gegen den Nationalsozialismus Stellung. Ein Einsender sagt: Es bleibt Tatsache, daß ein niedergeschlagenes und gebrochenes Volk, das inneren und äußeren Feinden erlegen war, wieder in eine selbst- bewußte Nation umgewandelt worden und von oben bis unten von dem gleichen edlen Geist erfüllt ist. Ist das keine Leistung? Ein solches Volk wird es weilerbringen, und, was mehr bedeutet, es verdient, daß es es weiterbringt.
Miß Margaret Bothamleh, die neuerdings längere Zeit in Deutschlnad gereist ist, sprach in London über ihre Beobachtungen und Eindrücke. Sie sagte, sie sei Anfang vorigen Jahres erschreckt gewesen über all das, was sie über Deutschland gelesen habe, aber ihre Gefühle gegenüber dem nationalsozialistischen Regime hätten sich geändert. Sie sei überzeugt, daß die nationalsozialistische Bewegung eine große Bewegung des Volkes sei. Hitler habe die frühere leidenschaftliche Forderung nach „Rechten' in eine Leidenschaft für „Dienstleistung" verwandelt.
Würde es nicht klug sein, so sagte die Rednerin, wenn man eine solche Bewegung begrüßt und wenn man im Zentrum Europas lieber ein gesundes, reiches und ehrliches Deutschland statt eines chaotischen Deutschlands sieht?
Revolvern, Dolchen und
Einbrccherwerk-
3 e u gen ausgerüstet, woraus man wohl schließen kann, daß sie nicht nur Klassenbewußtsein und politische Begeisterung antrieb. Es gab in den Kämpfen mit der Polizei Tote und Verwundete. Die Zusammenstöße vom Mittwoch dürfen nicht als politische Kundgebungen betrachtet werden. Sie waren
das Werk unsauberer Burschen,
die die Gelegenheit ausnutzien, um zu zerstören, zu plündern und zu verbrennen, was ihnen in die Hände fiel. Diese Banden hausten wie die Verbrecher. Unzählige Geschäfte sind geplündert worden. Die Polizei wurde jedesmal mit Revolverschüssen empfangen.
Staffelfahrer auf Motorrädern
brachten den Plünderern immer neue Befehle. Eine Fensterscheibe nach der anderen ging in Trümmer. Das Gesindel ging sogar so weit, harmlose Kraftfahrer anzuhalten und von ihnen
Löfcgclder bis zu 1000 Franc zu erpressen.
In der Moskauer Presse findet der Aufruhr in Paris und anderen französischen Städten natürlich starkes Echo. Die Pariser Straßenschlachten werden lebhaft und sachverständig geschildert. Eine Zeitung macht folgende Bemerkung: „Die Maschinengewehre von gestern beweisen, daß die französische Bourgeoisie mit normalen Methoden nicht mehr regiert werden kann.
Damit bei der Tragödie in Paris aber auch nicht das Satirspiel
fehlt, meldet der im Exil lebende Anwärter auf den Thron von Frankreich, Herzog von Guise, seine monarchistischen Ansprüche an in einem Aufruf „an die Franzosen aller Parteien und aller Lebensstellungen", den die „Action Franxaise" veröffentlicht.
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Der Vorstand des Pariser Gemeinderates hat beschlossen, die bei den Unruhen ums Leben gekommenen Personen auf Kosten der Stadt bcizusetzcn.
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Doumergue nimmt endgültig an.
Doumergue, der bei seinem Eintreffen in Paris vom Jubel der Bevölkerung empfangen wurde, begab sich ins Elysèc, wo er vom Staatspräsidenten Lebrun erwartet wurde. Kurze Zeit später erfuhr man durch eine amtliche Verlautbarung, daß der ehemalige Staatspräsident den ihm übertragenen Auftrag endgültig angenommen^ hatte.
Es scheint außer Zweifel zu stehen, daß der Staats Präsident seinen Vorgänger mit a u ß e r o r d e n t l i ch e n Vollmachten versehen hat, die über die Befugnisse der bisherigen Ministerpräsidenten hinausgehen, denn dies war eine der Grundbedingungen, die Doumergue an die Annahme des ihm übergebenen Auftrages geknüpft batte
W Keine Faschingsfreude ohne ein Opfer für den Volksgenossen! Am 11. Februar wird Tein Opfersinn geprüft!