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Zulöaer Mzeiger

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Redaktion und Gesichästsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-flnjHluß Nr. 2989 Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.

t' bestehen keine Ansprüche. Verlag fr âenklau, Fulda, Königstr. 42. Druck; fr Gau Lauterbach H. Hauptschriftleiter: i

Seipel, Fulda, Königstr. 42. Vertreter HauMriftleiters: fr. Ehrenklau, Lauterbach H.

Nr. 35 1934

Fulda, Samstag, 10. Februar

11. Jahrgang

Das Kabinett Doumergue

Sie neue französiWe Regierung, gilt Kabinett der Ministerpräsidenten.

Havas verbreitet unter Vorbehalt später noch er- lalacnder Änderungen in der Verteilung der Minister- folgende Ka b i' n e t 1 s l i st e :

Ministerpräsident: Doumergue, ohne Portc- seuille; Äußeres: B a r t h o u , Senator der Demolra- tischcn und Radikalen Vereinigung; Justiz: Cheron, Senator, parteilos; Inneres: Sarraut, Senator, Radi lalsozialist; Krieg: Marschall Pètain; Kriegsmarine: Piètri, Abgeordneter der Demokratischen Linken; Luft: General D e n a i n; Finanzen: Germain-Martin, Geordneter, Radikalsozialist; Unterrichtsminiftcr: Ierthod, Abgeordneter, Radikalsozialist; Handel: .Herriot, Abgeordneter, Radikalsozialist; Kolonien: »oval: Senator, parteilos; Landwirtschaft: Tar­dieu, Abgeordneter der Republikanischen Mitte; Lffent- lichc Arbeiten: Flandin, Abgeordneter, Demokratische Linke; Öffentliches Gesundheitswesen und physische Aus­bildung: M a r i » , Abgeordneter der Demokratischen Bereinigung: Arbeit: Marguct, Abgeordneter, Neu­sozialist; Pensionen: Nbarnegaray, Abgeord­neter der Republikanischen Vereinigung, oder R i v o l c t.

Der alte Doumergue hat auf Ersuchen des Staats- Präsidenten das auf alle Fälle undankbare Ami des Ministerpräsidenten übernommen und ein neues Kabinett gebildet. Er selbst, der mehr als Siebzigjährige, gehört sozusagen zu demletzten Aufgebot" des politischen Frankreich von gestern. Er war eigentlich entschlossen, seinen Lebensabend bei Toulouse aus seinem Landgut durch Rosenpflege auszufüllen, als ihn, wie einst jenen alten Romer Coriolan der Ruf sozusagen vom Pfluge weg in das Amt eines Diktators erreichte. Man hat ihn aus dem Frieden seines Tonlouser Landhauses weg- geholt, und zwar in eine Situation hinein, die so schwierig ist, wie sic seit 1914 wohl kaum ein französischer Ministerpräsident vor sich gesehen hat.

Neue Unruhen, neue Opfer

Mobil-Garde gegen kommunistische Demonstranten.

Zn Paris ist es in den gestrigen Abend- und Nachtstun­den zu erneuten Zusammenstößen gekommen. Die Kom­munisten hatten sich die Lage wieder einmal zunutze ge­macht, um Agitation zu treiben. Eine Kundgebung, die sie für den gestrigen Abend angekündigt hatten, war vom Pariser Polizeipräfekten verboten worden. Da natürlich trotzdem mit kommunistischen Störungsversuchen Mechuet werden mußte, waren außerordentlich umfang­reiche Sicherheitsmatznahmen getroffen worden. Der Platz der Republik, der für die Kundgebung aus- rsiehen worden war, war von mehreren tausend Mann Rabtl-Garden abgesperrt worden. So herrschte bis in die Abendstunden hinein noch Ruhe. Als sich jedoch in späterer Stunde ein kommunistischer Demonstrationszug bildete und dem Platz der Republik näherte, wurde ervonderMo- bil-Garde mit Schüssen empfangen. Die Poli- lei ging mehrfach zum Angriff über; jedesmal fielen dabei Schüsse. Es wurden Hunderte von Verhaftungen vorge- nommen und zahlreiche Verwundete fortgeschafft.

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Die Revolte niedergeschlagen.

Paris, lo. Febr. (Funkmeldung.) Der polizeiliche Ord- 'ungsdienst ist in Paris nach Mitternacht wieder aufge- oocn worden. Die kommunistische Revolte, als die die frühen am Freitag anzusprechen sind, ist niederge- klagen worden. Zu einem letzten heftigen Zu-

m e ustoß, bei dem 40 Personen durch Schüsse und wne Verletzungen davongetragen haben, kam es kurz vor , , Esuacht an einem Untergrundbahnhof, als die Kom- âe Barrikade zu 'errichten versuchten, die von t. < ^UAsi im Sturm genommen wurde. Auch am Rord- in den sich einige Trupps von Demonstranten ge- o hatten, kam es um Mitternacht zu einer Schießerei. setzte 200 Kommunisten nach, die sich in einen leb^ flüchtet hatten und überwältigte sie

Polizeipräfekt hat dem Innenminister Sarraut t.,^ie polizeilichen Maßnahmen berichtet. Den Ver- ^^^Presse erklärte der I n n e n m i n i st e r, cs denen . , lsioihe von Zusammenstößen stattgefunden, bei n viele Revolverschüsse abgegeben worden seien.

van^" 20 Polizisten seien verletzt worden und bei vier alle«, ^ ^ der Zustand besorgniserregend. Alles in Die 3$?, u^ alles so abgespielt, wie man erwartet hätte. Die ^ Verhafteten wird mit 800 angegeben, seit Mi der verwundeten Kommunisten steht noch nicht richtend ledoch schr hoch zu sein. Nach den letzten Be- ' nb 32 Polizisten verletzt worden, davon fünf schwer.

Die Liste seiner Kabinettsmitglieder entbehrt aber auch sonst nicht eines besonderen Reizes. Im Kriegsministerium sitzt der Marschall Pètain, der ja aus dem Weltkrieg als Nachfolger desB l u 1 s ä u - fers", General Nivelle, und als Verteidiger Verduns uns Deutschen bekannt ist. Die Justiz betreut der als unantastbare Persönlichkeit geschätzte Senator und frühere Ministerpräsident Cheron, und sogar Herr Herriot, der Führer der Radikalsozialistischen' Partei, ist als Han- delsminister in das Kabinett hincingenommen worden. Ein weiterer ehemaliger Ministerpräsident, der uns Deut­schen von seinem Berliner Besuch bekannte Laval ist Kolonialminister geworden, und der uns Deutschen vielleicht noch unsympathischere Herr Tardieu, Führer der Republikanischen Mitte, wurde als Landwirtschafts­minister ebenfalls in das Kabinett hineingenommen. Das kennzeichnendste an der politischen Zusammensetzung des Kabinetts ist aber wohl die Tatsache, daß zum Chef des öffentlichen Gesundheitswesens ein ausgesprochener und führender Politiker der Rechten, nämlich Herr Marin, ebenfalls Mitglied des Kabinetts wird.

Das Äußere liegt in Händen des Herrn B a r t h o u , gleichfalls eines ehemaligen Ministerpräsidenten, der bereits während des Krieges die Führung der fran­zösischen Politik innehatle, und der trifft sich dort mit einem anderen ehemaligen Ministerpräsidenten, S a r - raut, der jetzt die besonders schwere Aufgabe des Innenministers zu lösen hat. Man kann also das, was Herr Doumergue zusammengebracht hat, als dasKabi­nett der Ministerpräsidenten" bezeichnen.

*

Wie Havas meldet, ist das französische Kabinett nunmehr endgültig gebildet. Herriot und Tar- dien sind nicht, wie ursprünglich angenommen, Handels» bzw. Landwirtschaftsminister, sondern Staatsminister ohne Portefeuille. Tardieu erklärte auf Befragen, daß er Doumergue rückhaltlos unterstütze und jeden Posten annchme, den dieser ihm anbiete.

Die Opfer der letzten Nacht in Paris:

2 Tote, 115 Verletzte.

Paris, 10. Febr. (Funkmeldung.) Einigen Blättern zufolge sind bei den letzten nächtlichen Unruhen 2 Polizei­beamte durch Schüsse getötet worden. In zwei Kranken­häuser wurden nicht weniger als 115 Verletzte eingeliefert.

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Stimmen zur Regierungsbildung.

Paris. Das neue Kabinett findet im großen und ganzen bei den bürgerlichen Blättern ein freundliches Echo. Die sozialistische und kommunistische Presse kündigt der neuen Regierung offene Feindschaft an.

Der Vorsitzende der FrontkämpfervereinigungFeuer­treu" veröffentlicht eine Erklärung, in der mit Bedauern festgestellt wird, daß die Regierung Doumergue nur ein be­helfsmittel ohne Bestand sei. Die Feuertreuler möchten sich bereit halten,für den Ruf des Vaterlandes an die ehemaligen Frontkämpfer".

Vergeblicher Dollfutz-Zorn gegen das neue Deutschland.

Die llcbergabe des österreichischenDossiers" in London.

London, 10. Febr.Der österreichische Gesandte in London stattete am Freitag dem Foreign Office erneut einen Be­such im Zusammenhang mit der Uebergabe des österreichi­schenDossiers" über die angebliche deutsche Einmischung in Oesterreich ab. Auch die französische und italienische Regierung haben, wie verlautet, je eine Abschrift des öster­reichischen Schriftstückes erhalten.

Mssischer Schritt gegen deutsche Firma.

Das von der M c t a l l g c s e l l s ch a f t A. - G. in Frankfurt a. M. in M o s k a u unterhaltene und dort seit 1928 registrierte Montagebüro wurde durch die Sowjetbchörden geschlossen. Das gesamte Personal ein- schliestlich des Leiters wurde verhaftet.

Was wird aus dem Sund Königin Luise?

Zahlreiche Amtsniederlegungen.

In der Vcrtrctcrinncntagung des Landesverbandes des Königin-Luise-Bundes in Dortmund legte dieLandes- führerin von Westfalen, Frau Clara Kaltheuner, ihr Amt niete r. Gleichzeitig traten im Anschluß an einen Brief der Landesführerin an die Bundcssührerin, Frau von Hadeln, die stellvertretende Landesführerin, drei Gau­führerinnen, der Landesverbandsjugendwart und Sani- tätswart, vier Ganjngcndwarte und insgesamt 89 OG.- Führerinnen und ÖG.-Jugendwarte von ihren Li intern zurück.

Die Landesführerin richtet in einem Schreiben schließlich an die Bundesführerin die dringende Bitte, den Bund Königin Luise in seiner Gesamtheit in die NS.- Frauenschaft und den BDM. zu überführen oder ihn aufzulösen.

Präsident der Reichspressekammer bestimmt.

Der Präsident der Reichspressekammer bestimmt:

Die Frist, während der Zeitungen und Zeit­schriften nicht begründet werden dürfen, wird vor­läufig bis zum 30. September 1934 verlängert. Aus­nahmen können nur im Einzelfall auf begründeten Antrag vom Präsidenten der Reichspreffekammer bewilligt werden.

Ziffer 3 der Anordnung vom 13. Dezember 1933, be­treffend Mitwirkung einer Organisation bei der Lieferung von Zeitschriften an ihre Mitglieder, erhält folgenden Zusatz:

Ausnahmen können nur im Einzelfall auf begrün­deten Antrag vom Präsidenten der Reichspreffekammer bewilligt werden."

Aussicht auf Bewilligung von Anträgen gemäß Ziffer 1 und 2 dieser Anordnung besteht nur in dringen­den Fällen, in denen eine Gefährdung des Gesamtzweckes der Anordnung vom 13. Dezember 1933 nicht zu befürch­ten ist.

Anträge auf Bewilligung von Ausnahmen sind für Zeitungen bei dem Verein Deutscher Zeitungsverleger, Berlin W. 35, Matthäikirchstraße 3 e, für Zeitschriften bei dem Reichsverband Deutscher Zeitschriftenverleger, Berlin W. 35, Potsdamer Privatstratze 121 d, einzureichen.

Mehr Achtung vor der Arbeit der Zentralbehörden.

Immer noch von Eingaben überschwemmt.

In den Reichs- und preußischen Ministerien und im besonderen auch in der Reichskanzlei und beim Herrn Reichskanzler persönlich gehen täglich zahlreiche Eingaben und Anträge ein, über die Nachgeord­nete Stellen, besonders die Ortsbehörden (Polizei-, Ge­meindebehörden, Finanzämter, Gerichte usw.) zu entschei­den haben und die daher dorthin abgegeben werden müssen. Hieraus erwächst nicht nur den stark belasteten Zentralbehörden des Reichs und Preußens eine unnö­tige und vermeidbare Arbeit, es tritt vielmehr auch stets eine

erhebliche Verzögerung in der Bearbeitung

der Angelegenheiten ein. Im Interesse einer reibungs­losen Abwicklung des Geschäftsverkehrs bei den Behörden wird daher erneut darum gebeten, alle derartigen Ein­gaben und Anträge stets an die unmittelbar zuständige örtliche Behörde, nicht aber an die Ministerien zu richten.

Welche Behörde im Eènzelfall zuständig ist, erfährt man im Zweifel bei der nächstgelegenen Polizei- und Gemeindebehörde.

Stellt mehr Lehrlinge ein!

Ein Appell von Dr. Ley.

Der Reichsführer der Deutschen Arbeitsfront erläßt an die Wirtschaft einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:

Es geht nicht an, daß die schulentlassene Jugend auf der Straße liegt; es ist für das politisch geeinte Volk un­erträglich, daß junge arbeitswillige Menschen ohne Be­schäftigung bleiben oder in ihrem schlecht und recht er­worbenen Arbeitskönnen verkümmern. Was man an der Arbeitsjugend verabsäumt, wird am Gesamtvolk gesün­digt. Darum appelliere ich an das nationale Gewissen der deutschen Wirtschaft, daß sie in Erfüllung ihrer Führerpflicht

in diesem Frühjahr mehr Lehrlinge einstellt, als es im Augenblick notwendig erscheint. Ich appelliere an das nationale Gewissen der Wirtschaft, daß sie nicht nur für das Fortkommen der Jugend sorgt, die ihre Lehre abgeschlossen haben, sondern daß sie darüber hinaus durch Einrichtung vonB o r l e h r e n" undN a ch l e h r e n" sich derer annimmt, die bisher keine Ausbildung genoffen oder in der Vollendung ihrer Ausbildung infolge der Wirtschaftsnot gehemmt wurden.

Staatssekretär Hierl

über Arbeitsdienstpflicht.

Im Anschluß an eine Unterredung, die der Reichs- nrbeitsdienstsührcr einem Vertreter desAngriff" ge­währte, beantwortete Staatssekretär Hierl noch einige Fragen, die mit dem Arbeitsdienst in Zusammenhang stehen. Er erklärte dabei u. a.:

Wenn aus staatspolitischcn Gründen die Einführung Der Arbeitsdicnstpflicht zunächst zurückgestcllt worden ist, so ist andererseits gar kein Zweifel, daß die Ecn- führung der . ,

Arbeitsdicnstpflicht so bald mir irgend möglich erfolgen mnß Die Einführung der allgemeinen \e tonn Pflicht ist eine unbedingte Notwendigkeit. An der natto nalsozialistischcn Auffassung, wie sie in der großen Rede pes Führers am 1. Mai 1933 zum Ausdruck kam, hat sich selbstverständlich nichts geändert.