Zulöaer Mzeiger
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Seipel Fulda, Komgstr. 42. Vertreter des “ auf Nachlaß. —- „DA." 1100. — Verantwortl. für den
Haupsschriftleiters: Fr. Ehrentlau, Lauterbach H. Nebaktisn und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-Nnfthluß Nr. 29S9 Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.
Nr. 43 — 1934
Fulda, Dienstag, 20. Februar
11. Jahrgang
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Sieger „Dollfutz"
Kâ Dusche für Dollfuß.
Die Dreimächteerklärung nicht gegen Deutschland gerichtet.
~ Die gemeinsame Erklärung Großbritanniens, Frankreichs und Italiens über die Unabhängigkeit Österreichs besagt eigentlich recht wenig, und der österreichische Bundeskanzler wird sie kaum mit ungemischter Freude begrüßt haben. Sicherlich hatte er sie sich ganz anders vorgestcllt, aber seine ständige Hetze gegen Deutschland hat bei den drei Mächten nur ein sehr geringes Echo gesunden, wie der Text der Erklärung deutlich zeigt. Der Wunsch Dollsuß', daß die Mächte nun einmal ordentlich gegen Deutschland vom Leder ziehen sollten, ist jedenfalls nicht in Erfüllung gegangen, und die Auffassung über die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit und Integrität Österreichs gemäß den geltenden Verträgen aufrechtzu- erhalien" ist immer von Deutschland geteilt worden, so daß diese Erklärung getrost auch von Deutschland unterschrieben werden könnte.
Damit sich aber Herr Dollfuß trotz der sehr deutlichen Absage nicht doch etwa in falsche Träume wiege, erhält die Dreimächte-Erklärung jetzt von englischer Seite einen Kommentar, der für den Bundeskanzler wie eine k a l t e D u s ch e wirken muß. In Londoner unterrichteten diplomatischen Kreisen wird erklärt:
Die Erklärung schließt, soweit Großbritannien in Frage kommt, keine Garantie und kein Versprechen militärischen Vorgehens ein, sondern bezeugt nur die Bereitschaft, durch Einfluß und Rat bei der Erhaltung der Unabhängigkeit Österreichs m i t z u h e l f e n.
Es darf infolgedessen nicht angenommen werden, daß nach britischer Auffassung diese erneute Bekräftigung des Interesses an der Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit besonders oder ausdrücklich gegen Deutsch- land gerichtet ist.
In britischen Kreisen erinnert man auch an eine weitere Erklärung Simons im Parlament, daß nämlich England nicht die Aufgabe habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, mit anderen Worten: die jetzige Erklärung wird, soweit Großbritannien in Frage kommt, niemals gegen die Wünsche der Mehrheit des österreichischen Volkes gebraucht werden, um dort eine bestimmte Regierungs- form aufrechtzuerhalten oder zu verbieten.
Österreich kann faschistisch, sozialistisch oder nationalsozialistisch werden. Großbritannien würde es nur verurteilen, wenn ihm eine bestimmte Regierungsform unter ausländischem Druck aufcrlcgt werden würde.
Daß die Erklärung sich nicht g e g e n D e u t s ch - land richten soll, ist auch die Meinung der italienischen Regierung. Nicht ohne besondere Absicht läßt jetzt Mussolini fast gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Note in der Presse erklären
nach seiner Überzeugung sei es Deutschlands aufrichtiger Wunsch, die Erhaltung des Friedens während der nächsten zehn Jahre zu sichern. Während dieser Zeit möchte Deutschland alle seine Anstrengungen auf den inneren Wiederaufbau vereinigen.
Die französische Regierung als dritte Unterzeichnerin der Note ist mit der Erklärung, der sie wohl nur mit sehr sauer-süßer Mine ihre Zustimmung gegeben hat, nicht einverstanden. Wenn sie auch selbst gegen ihre Unterschrift nicht angehen kann, so versucht sie das über die Freunde der Kleinen Entente zu tun. Der Belgrader Vertreter des „Petit Partsien" berichtet vom rumä- mschcn Außenminister T i t u l e s c u Äußerungen über die österreichische Frage, aus denen hervorgeht, daß Frankreich Mussolini als Schreckgespenst für «,udosteuropa hingestellt hat und ihm unterlegt, daß leme Stellungnahme bezwecke, einen italienisch-öster- ^chisch-ungarischen Wirtschaftsblock mit der Spitze gegen die Kleine Entente zu bilden. Belgrad, Prag und Bukarest befaßten sich, so erklärte Titulescu, ernstlich allen Möglichkeiten, denen sie gegebenenfalls gegen- uverzutreten hätten. Man könne schon jetzt behanpten, W das Eingreifen Italiens in die inneren Verhältnisse Österreichs eine sofortige Reaktion in Südsla - auslösen würde, das sich gezwungen sehe, ge- .lgnete Maßnahmen zu treffen, um seine Grenzen und seine Sicherheit zu schützen.
, Die gemeinsame Erklärung der drei Großmächte, so ;^dnt der Berichterstatter des „Petit Parisien", sei nach -sUsiassung der Kleinen Entente nicht genügend, um halten ^E 3U ^âren und den Lauf der Ereignisse aufzu-
Diese Auffassung der Kleinen Entente ist offenbar "Fassung Frankreichs, das seiner Unzu- auf diese Weise Ausdruck gibt, daß die Drei- chte-Aotc nicht schärfer gegen Deutschland wendet.
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Das Ende des Marxistenführers.
ie Koloman Wallisch verhaftet wurde.
b?r Festnahme des berüchtigten österreichischen Koloman Wallisch erfahren wir w ' "'UN-Einzelheiten. Kein Roman könnte phantasti- h1 k^^Uieben sei» wie diese Jagd auf den Führer tobten CrCn ""d blutigen Kämpfe, die in der Steiermark iâa^r^r fortwährend Feuergefechten trieb ein Alpen- R n t ^Eon den Kommunistenführer hoch hinauf in die war 1 n m n n n e r Alpe n. Auf den Kopf von Wallisch
ein Preis von 5000 Schilling
ausgesetzt. Er entschloß sich erst zur Flucht, als der letzte Teil seiner Bande auseinandergesprengt oder gefangengenommen war. Niemand wußte, welche Richtung der Verbrecher eingeschlagen hatte, bis man endlich seine Spur fand. Koloman Wallisch, der mit seiner Frau zusammen geflüchtet war, benutzte einen Kraft- wagen. Da er kein geübter Autofahrer war, kippte der Wagen in der Ortschaft R e i t h a l um und blieb im
Straßengraben liegen. Dadurch wurden die zwungen,
ihre Flucht zu Fuß fortzufetzen. Inzwischen war ein Gendarmerieposten auf aufmerksam gemacht worden. Sofort wurden der Exekutive zur Verfolgung alarmiert.
beiden ge
den Unfall alle Kräfte
Nach langen Märschen kamen die beiden Flüchtlinge nach A r d n i n g , einer Bahnstation. Sie studierten den Fahrplan und beschlossen, den Mittagszug nach Linz zu benutzen. Bis dahin versteckten sie sich in einem Walde, wo sie von einem Polizeiposten aufgestöbert wurden. Er rief:
„Hände hoch, Koloman Wallisch!"
Wallisch gab das verlorene Spiel auf und lieferte seinen Revolver ab. Auf die Frage, ob er der Gesuchte sei, erwiderte er: „Ia, ich bin es!" Das waren die einzigen Worte, die man bisher von ihm hörte.
Der Mann, der am meisten Anteil an der Verhaftung des Banditenführers hatte, ist ein Bauer in der Nähe von Liczen. Als nämlich Wallisch seinen Autounfall gehabt hatte, versuchte er bei diesem ein neues Gefährt zu erhalten. Der Bauer, der nicht wußte, wen er vor sich hatte, wollte erst dieser Bitte entsprechen, da ihm die Sache aber verdächtig vorkam, nahm er seine Zusage nachträglich wieder zurück. Da Wallisch ihn aber geradezu a n s l e h t e, ihm einen Wagen zu überlassen, und drohte, nicht eher den Hof zu verlassen, unterrichtete der Bauer schließlich die nächste Polizeistation.
Um die 5000 Schilling, die auf Wallisch' Kopf ausgesetzt waren, wird ein großer Streit entbrennen, denn an der Jagd war saft das ganze Ennstal beteiligt.
Der Neubau des Arbeitsdienstes
Der Arbeitsdienst in der BolksVirtschast.
Arbeitsleistung und Arbeitsbeschaffung.
Über die Verwaltung und das Beschaffungswesen im Arbeitsdienst und ihre Auswirkung auf die Wirschaft hielt Dr. Schmeidler, Leiter des Verwaltungs- und Wirtschaftsamtes in der Reichsleitung des Arbettsdienstes, vor der Presse in Berlin einen Vortrag, tn dem er u. a. ausführte: .
Da es sich vor dem Frühjahr 1933 bet den Tragern des Dienstes um wohl mehrere hundert (!) von Bünden, Vereinen und Bündchen buntester Polrttscher Schattierung mit insgesamt etwa 6000 bis 7000 Arbeitsdienstlagern handelte und diese zum Teil von Leuten geführt wurden, die von wirtschaftlicher Organisation und Verwaltung keine Ahnung hatten, war es klar, daß die erste Aufgabe für die neue Reichsleitung des Arbeitsdienstes die sein mußte, Ordnung zu schaffen! Führung und Verwaltung bilden im Arbeitsdienst wie stets auch hierbei eine Einheit! .
Der wirtschaftliche Neuaufb au konnte dabei nur schrittweise erfolgen und mußte mit einem teils dem Arbeitsdienst, teils staatlicher Verwaltung noch fremd gegenüberstehenden und außerordentlich knapp bemessenen Personal erfolgen. Die Verwaltung ist im großen so gegliedert, daß
die Bewilligung der Geldmittel
und die jetzt bis ins einzelne geregelte Kontrolle über ihre Verwendung in Händen der staatlichen Organe liegt, die Beschaffungen aber, mit Ausnahme der vom Reich gelieferten Einheitstracht und der genormten Holzbaracken, noch in den Händen der zu nationalsozialistischen Arbeitsdienstvereinen straff zusammengefatzten Dienstträger in den 30 Arbeitsgauen. .
Für das am 1. April beginnende Haushaltsiabr sind von der Reichsleitung grundlegende Änderungen in der gesamten Bewirtschaftung der Geldmittel beabsichtigt. Sämtliche Beschaffungen wurden aber auch schon im Laufe des Jahres 1933 nach neu erlassenen staatlichen Richtlinien durchgeführt; dabei wurde vor allem auch dafür Sorge getragen, daß aus der Vergangenheit vorhandene, die Wirtschaft schädigende Schulden bis zum Beginn des neuen Haushaltsjahres abgetragen werden. Wie immer betont, fließen die für den Arbeitsdienst bewilligten staatlichen Haushaltsmittel
fast restlos in die Wirtschaft.
So sind im Haushaltsjahr 1933/34 nach überschläglichen Feststellungen an die Textilwirtschaft, Bekleidungsindustrie und Schneiderhandwerk für rund 34 Millionen Mark Aufträge ergangen. Für den Bau der von der Reichsleitung genormten und bereits gut bewährten Baracken sowie den Ausbau anderer Unterkünfte sind den holzverarbeitenden Wirtschaftskreisen und damit auch der darniederliegenden Waldwirtschaft mindestens rund 1 2 Millionen zugeslosscn, an Industrie und Handwerk, die aus Hol; oder Metall Einrichtungsgegenstände herstellen, sind für rund 4,5 Mill i o n e n Mark Aufträge gegeben worden, wahrend dem Lcbeusmntcl-
Wahrscheinlich wird die Präm ie dem P o I i z i st e n zufallen, dem die Verhaftung geglückt ist.
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Aus der Todeslifle des SiirgerkriegeS.
Doppelmord eines Schutzbündlers.
Während der blutigen Ereignisse in Floridsdorf war ein Ehepaar ermordet aufgefunden worden. Infolge der Kämpfe war eine nähere polizeiliche Untersuchung nicht möglich. Jetzt hat dieser Mord eine aufsehenerregende Aufklärung erfahren. In den Parkanlagen des Penzinger Friedhofes in Wien wurde ein ehemaliger Wehrmann namens Richard Groß mit Stichverletzungen im Herzen und am linken Handgelenk aufgefunden. Er ist der Mörder jenes Floridsdorfer Ehepaares.
Als er noch einmal zum Bewußtsein kam, gestand er, den Mord begangen zu haben, und zwar aus Furcht davor, das Ehepaar könnte verraten, daß er an den Kämpfen als Kommandant einer Maschinengewehrabteilung des sozialistischen Schutzbundes teilgenommen hatte.
Als geübter Scharfschütze hatte er die Frau, als sie am Fenster stand, mit seinem Gewehr in den Kopf geschossen. Dann mar er in das Haus gedrungen und hatte auch den Mann erschossen, der sich unter ein Bett geflüchtet hatte.
Groß wurde als Häftling des Standgerichts schwerverletzt inS Hospital gebracht.
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Wieder Papierböller-Explosionen.
Wahllose Geiselverhaftungen.
Die seit dem marxistischen Aufstand aus dem Wiener Straßenbild verschwundenen Papierböller ex plo- s i o n e n treten jetzt wieder von neuem in Erscheinung. In einem Cafä am Stephansplatz explodierte ein Papierböller, wodurch erheblicher Sachschaden angerichtet wurde. Unter den Gästen entstand eine große Aufregung. Panikartig verließen die Gäste das Lokal.
Ferner explodierten bei Bad Reichenhall mehrere Papierböller. "Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Daraufhin verhaftete die österreichische Gendarmerie wahllos als „Geiseln" den Schreinermeister Hans Joiser, Georg Hillebrand und Simon Grieser.
markt im Reich rund 5 0 Millionen Mark zusloflen. Das für den einzelnen Freiwilligen bescheidene Taschengeld von 25 Pf. wirkte in seiner Gesamtheit von etwa 2 0 Millionen Mark in Verbindung mit den seit 1. August an die Führer gezahlten Besoldungen Kaufkraft verstärkend und floß ebenfalls restlos wieder in die Wirtschaft.
Gibt es unter den vielen Wegen einen besseren Weg, der Wirtschaft schnell im Auftragswege Geld zuzuführen und Arbeit zu schaffen, als den über die
volkswirtschaftlich wertvolle vaterländische Arbeit von 250 000 jungen Menschen,
die dadurch und dabei mit der Heimaterde verbunden und zu echter nationalsozialistischer Volksgemeinschaft erzogen werden?!
Ehrenbürgerbriefe für den Reichs- prasidenien.
Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Vertretung der Landeshauptstadt Dresden zur Überreichung des künstlerifch ausgcstatteten Ehrenbürger- briefes der Stadt Dresden. Ferner empfing der Herr Reichspräsident eine vom sächsischen Minister des Innern, Dr. Fritsch, geführte Abordnung des SächsischenGe- meindetages und nahm aus deren Händen die kunstvolle Ehrenbürgerurkilnde entgegen, welche die am Sächsischen Gemcindctag zusammengeschlossenen 1 800 G e- meinden, deren Ehrenbürger der Herr Reichspräsident ist, gemeinsam ausgestellt haben. Reichspräsident von Hindenburg dankte für die ihm erwiesenen Ehrungen und verband damit seine besten Wünsche für das Gedeihen der Landeshauptstadt Dresden und der im Sächsischen Gemeindetag zusammengeschlossenen sächsischen Gemeinden.
Große Saarkundgebung am Rhein.
Bei der großen Koblenzer Saarlundgcbung nahm Vizekanzler v o n P apcn noch einmal das Wort, um der Versammlung folgende Mitteilung zu machen: D« Führer und die RcichSreqicrung haben beschloßen, daß im Mittelpunkt des Kampfes für die Saar eine große Veranstaltnng stehen solle, die Ende August staltflnden werde. In Köln werde dabei eine Saarausstellung eröffnet werden, ferner werde eine Fahrt auf dem Rhein nur den Ehrengästen erfolgen und die Veranstaltung dann nnl einer besonderen Kundgebung auf dem Eyren- breitstcin enden.
Vorher hatte der Vizekanzler noch die Bedeutung von den Saar vereinen geleisteten Arbett gewürdigt, die die Reichsregierung wohl zu schätzen wisse. Es sei ein Glück, daß nun an der Spitze des Bundes eine fo ener- slifdje elastische und zielbewußte PorwnUckkctt getreten sei, wie Staatsrat Simon, der, selbst cm ^aarlander, aus eigenem Erleben am besten die Notwend,gleit des Tages ersönne. Über hie Saarabstimmung brauchten wir uns keine Sorge zu nm dien.