M-aer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" Zul-a- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 45 -— 1934
Fulda, Donnerstag, 22. Februar
11. Jahrgang
Edens Berliner Besuch.
Sas AbrüffungSgespräch in Berlin.
Die Berliner Besprechungen der Reichsregierung und britischen Unterstaatssekretär und Lordsiegelbewahrer «den sind fortgesetzt worden. Die sranzösische Presse Mt erkennen, daß Eden aus Paris keine Beweise für inen besseren Willen Frankreichs, die Abrüstung wirklichen Erfolgen entgegenzuführen, mitbekommen hat, der Quai d'Orsay vielmehr auf seiner bekannten, ablehnenden Antwortnote beharrt.
Das englische Memorandum war als Ganzes von deutscher Seite als brauchbare Verhandlungsgrund- laae betrachtet worden, da es prinzipiell das Recht Deutschlands auf eine verstärkte Verteidigung anerkannte, wenn auch auf der anderen Seite gewisse einzelne Vorschläge Londons, z. B.
die Frage der Luftwaffe, zu starken Bedenken unsererseits Anlaß boten. Voraussetzung für eine positive Behandlung des englischen Memorandums war selbstverständlich, daß die darin geforderten Abrüstungsmaßnahmen allgemein gebilligt werden und ihre Durchführung gesichert würde. Die Haltung Frankreichs läßt nun erkennen, daß diese Voraussetzungen nicht ohne weiteres gegeben sind, damit tritt vor allem auch die Kernfrage des britischen Vorschlages.
die Fristbemessung auf zehn Jahre,
in ein anderes Licht. Es liegt nahe, eine kürzere Zeit in Aussicht zu nehmen, damit die Hoffnung, zu einer dauerhaften Konvention, wenn auch erst nach fünf bis sechs Jahren, zu kommen, nicht zerstört wird.
Das bedeutet die Notwendigkeit, zu den die Wirklichkeit berücksichtigenden Überlegungen zurückzukehren, die darauf fußen, daß eine sofortige und gründliche Abrüstung
Schneestürme
22 Tote durch Schneestürme.
Ein ungeheurer Schneesturm ist über weite Gebiete der Vereinigten Staaten niedergegangen. Eine halbe Million Menschen, die in der Umgebung Newyorks wohnen, konnten die Stadt nicht erreichen, weil der gesamte Verkehr unterbrochen war. Aus vielen Stadien werden Unglücksfälle gemeldet, die auf das Unwetter zurückzuführen sind. Bisher sind 22 Tote gemeldet.
Seit zwei Tagen ist nicht ein einziger Eisenbahnzug aus Boston in Newhork eingetroffen, und viele Zuge liegen unterwegs fest. Auf hoher See sind viele Schlffe in Schwierigkeiten geraten. Der Fischdampfer „Georgetown" treibt bei schwerer See mit betriebsunfähig gewordenen Maschinen 300 Kilometer von Boston.
In Newyork herrscht völliges Chaos.
Ein scharfer Nordostwind brachte den Schnee zum Gefrieren und machte Straßen und Wege kaum passierbar. In Philadelphia entgleisten 20 Straßenbahnwagen. Vier Krastwagenunfälle mit Todeserfolg waren die Folge der verschneiten und vereisten Straßen.
In einem Heim in B r o o k v i l l e (Pennsylvamen), das für Angehörige von Kriegsteilnehmern bestimmt ist, brach Feuer aus. Die Hydranten waren eingefroren, so daß sich das Feuer rasend schnell ausbreUete. Zehn bettlägerige Frauen verbrannten.
Auch in Deutschland schwere Stürme
Schneefälle hindern den Verkehr.
Über Sachsen und dem Erzgebirge ging ein heftiger ^ueefturm nieder, wie er seit vielen Jahren nicht erlebt worden ist. Die Neuschneedecke beträgt 30 bis 50 Zenit in den oberen Lagen des Erzgebirges noch mehr
Eine große Zahl von Kraftwagen, die von dem Schnecsturm überrascht wurden, ist stcckcn- geblieben.
Chemnitz arbeiteten Hunderte von Schneepflügen und ‘ „ Rufend Hilfskräfte an der Beseitigung der Schnee- waffen.
Die Züge nach (Hjcmnih, auch aus Berlin, hatten früh drei bis vier Stunden Verspätung.
100 Kilometer Gturmgeschwindigkeit.
6anz Schlesien sind starke Schneefälle zp r)ncn gewesen. In den höheren Lagen der schlesi Gebirge ist zum Teil
über einen halben Meter Neuschuce
worden; sonst ist in den Bergen der Ncuschne« t ” Durchweg in einer Höhe von 25 Zentimeter gefallen " baden sich die Wintersportverhältnisse mit einem fChhins erheblich gebessert. Überall ist der Schneefall vor oinj. ,'cu Sturm- und stellenweise von Gewitterböen be- aemi..Ewesen. Über Breslau ging ein Winter- itihmL; nieder, bei dem der Sturm mit einer Ge- ^hinbrauste 100 Stundenkilometer über die Stad!
Gchneesturm über Böhmen. btt bekont.^^ Uni) Mähren raste ein Schnsestur«, 1 ârs in den hochgelegenen Teilen zu Verkehrs-
der hochgerüsteten Staaten nicht zu erreichen ist. Diese Anschauung liegt bekanntlich dem italienischen und deutschen Standpunkt zugrunde.
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Eden wieder beim Reichskanzler.
Die Besprechungen des Reichskanzlers mit demLord- ftegelbewahrer Eden über die Abrüstungsfrage wurden in Gegenwprt des britischen Botschafters und des Reichs- außenministers fortgesetzt.
Papen dankt dem Saattâmpfer Röchling.
Vizekanzler v o n P a p e n hat an Kommerzienrai R ö ch l i n g folgendes Telegramm gerichtet:
„Ich beglückwünsche Sie zu dem Urteilsspruch. E« ist damit auch von einem international besetzten unabfjäm amen Gericht die Tatsache bestätigt worden, daß gege, deutsche Bergleute an der Saar ein völkerrechtlich unzulässiger Druck ausgeübt wurde mit dem Ziele, ihr« Kinder durch den Besuch französischer Schulen ihrem Volkstum zu entfremden. Die Weltöffentlichkeit wird davon gebührend Notiz nehmen. .
Wir sind Ihnen dankbar für den Mut, mit dem sie seit Jahren gegen diese Unterdrückungen aufgetreten sind. Alle die zahlreichen Männer und Frauen aus dem Bergmannsstande, die unter Hintanstelluna ihrer privaten Interessen wahrheitsgemäß und treu Zeugnis ablegten für ihre unerschütterliche Liebe zu Deutschland, sind des Dankes des Vaterlandes sicher."
störungen führte. Ueber Brünn entlud sich ein Gewitter. Einige Gemeinden in Westmähren blieben ohne Licht, da die Stromleitungen infolge des Sturmes unterbrochen wurden.
An der Bahre König Alberis.
Zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den belgischen König ist in Brüssel der frühere deutsche Gesandte in Brüssel, von Keller, der den Reichspräsidenten und die Reichsrcgierung als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter in Brüssel vertritt, in Brüssel eingetrosfen. Gesandter von Keller wird an der großen Trauerfeier teilnehmcn und der feierlichen Eidesleistung des Thronfolgers vor dem Parlament beiwohnen. Die Reichsregierung wird außerdem durch den deutschen Geschäftsträger vertreten sein.
Reichspräsident und Reichsregierung haben Kränze an der Bahre des Königs niederlegen lassen. Der Kranz des Reichspräsidenten ist mit einer weißen Schleife geziert, die die Aufschrift trägt „Der deutsche Reichspräsident". Daneben liegt der Kranz der Reichsregierung mit einer schwarz-weiß-roten und einer Hakenkreuzschleife und der Umschrift -Die Deutsche Reichsregierung".
Deutschlands Vertreter bei der Beisetzung deS Belgier- KöniaS.
Gesandter v o n Kelle r Hai pW als Botschafter in außerordentlicher Mission nach Brüssel begeben, um dort als Vertreter des Reichspräsidenten und der Reichsrcgierung an den Beisetzunasfeierlichkeiten für den verstorbenen belgischen König teilzunehmen.
Ein Pfarrer in Schutzhaft.
Aibling. Pfarrer Perimeter von Großkarolinenfeld wurde aus Anordnung des Sonverkommissars bei der Regierung von Oberbancrn in Schutzhaft genommen. Weil in der von ihm licrausgegcbenen Beilage zum „Aiblinger Tagblatt" ein Aufsatz des Michael Hirschvogel erschienen ist, in dem dieser bei der Schilderung seiner Kriegserlebnille sich in kränkenden Schilderungen der Offiziere der alten Armee ergebt. Die Herausgabe der Beilage wurde auf die Dauer von vier Wochen untersagt.
Oie Erweiterung des Reichsnährstandes
Vor kurzem hatten sich der Reichsernährungs- uni der Reichswirtschaftsminister über die Eingliederung bestimmter Teile der Industrie, des Handwerks und bei Handels geeinigt, und aus dieser Vereinbarung entspring: eine neue — dritte — außerordentlich bedeutsame Ver ordnung „über den vorläufigen Aufbau bei Reichsnährstandes"; durch sie wird die Nährstandindustrie, das Nährstandhandwerk und der Nährstandhandel marktpolitisch in den Reichsnährstand ein gegliedert. Alles, was bisher über die Marktregelung im Reichsnährstand festgesetzt worden ist, gilt nun auch entsprechend für die Industrie, das Handwerk und den Handel, soweit diese mit der Erzeugung der Be- und Ver arbeitung sowie dem Vertrieb von Ernährungsmitteln beschäftigt sind. Die neue Verordnung zählt in ihrem ersten Artikel — in zehn Gruppen — alle jene Betriebe auf, die hierzu irgendwie gehören.
Um nun einiges davon herauszugreifen: Eingegliedert in den Reichsnährstand werden: die Mühlen jeder Art, die Futtermittelherstellung, die Brotfabriken und Bäckereien, des weiteren der Handel mit allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen und allen landwirtschaftlichen Bedarfs st offen, also z. B. auch der von Dünge- und Futtermitteln bis zum Handel mit Mehl und Mühlenfabrikaten. Gleiches wird bestimmt für dieVieh - Wirtschaft, hier also z. B. für die gewerblichen Schweinemästereien, den Schlachtvieh- und sonstigen Fleischhandel; dazu gehören der Handel mit Wild und Geflügel, mit Eiern und Häuten, ferner die Fleisch- konservenfabriken und Schlächtereien jeder Größe. Des weiteren wird in den Reichsnährstand die gesamte Brauwirtschaft eingegliedert, also der Hopfenhandel, die Malz- und Hefefabriken sowie die Brauereien selbst. Ebenso fallen unter das Gesetz der Zucker- und Süßwarenhandel, alle Zucker-, Schokoladen- und Zuckerwarenfabriken, die Herstellung von Keks und Kunsthonig sowie die Konditoreien. Selbstverständlich gehören auch die gesamte Stärke- und Branntweinwirtschaf t,mjt allen Fabriken und der hierin tätige Handel zum Reichsnährstand; hinzu kommen der gesamte Milch-, Butter-, Käse - und Olbandel sowie die Margarinefabriken, die Olmüh'en und der Fett- und Fettwarenhandel. Schließlich umfasst der Reichsnährstand künftig auch den gesamten Obst-, Gemüse-, Tabak-, Honig-, Wein- und Mineralwasserhandel, ferner die Nährmittel Obst- unb- Gemüseverwer- tungsi nd ustr ie, die Schaumweinfabriken unb schließlich auch' den Handel und die Verarbeitung aller Arten von Holz. In personeller Beziehung darf hier noch hinzugefügt werden, daß der gesamte Lebensmittel e i n z e l h a n d e l, aber auch die bafür arbeiten* den Vermittler, wie Kommissionäre, Großhändler u;w. dem Reichsnährstand eingcglicdert sind. _
Diese lange Liste umfaßt also einen sehr großen Teil der deutschen Wirtschaft, den man bisher nur in einem gewissen Umfange zu der eigentlichen Ernäbrungswirt- schaft rechnete. Künftighin werden sie in allen Fragen der Marktregelung, also der Erzeugung, des Absatzes, der Preise und Preisspannen, der Zuständigkeit des Reichsernährungsministeriums unterliegen. Dabei werden alle diese Wirtschaftsgruppcn zunächst einmal nach der Hinsicht auseinandergehalten, dar, in jeder von ihnen eine Abteilung a, den Handel, eine Abteilung b aber die Be- und Verarbeitung, also Jndm strie und Handwerk umfassen soll. Allerdings werden h® hier zunächst noch manche Schwierigkeiten beim Übergang der verarbeiteten Ware an den letzten Verbrauwer ergeben, weil die Grenzen zwischen dem Handel und dem Handwerk vielfach noch verwischt sind und einer genaueren Bestimmung erst noch bedürfen.
Fias wird aber dadurch erleichtert, day, wie ba* Gesetz ausdrücklich bestimmt, die Zugehörigkeit zu den Wirtschastsverbänden und zu den Gliederungen der Industrie und des Handwerkes durch die Zugehörigkeit zum Reichsnährstand nicht berührt wird; alle Au- aelcaenheiten also, die außerhalb der Aufgaben der eigentlichen Erzeugung, des Absatzes und der Bemessung von Preisen und Preisspannen liegen werden von den Organisationen der Industrie, des Handwerkes und bc^ Handels wahrqcnommen. Auch hierbei wird cs allerdings gewisse Übergänge und „Grenzfälle" geben; deswegen ist r B. das G a st - und Herbergsgewe r b c n i ch i in den Reichsnährstand eingegliedert worden, übrigens auch kein Betrieb, der nur in unerheblichem Maße eins von den obenbezeichneten Fächern umfaßt. Sonst aber in ausdrücklich — das sei wicderbolt — ; e d e r Lebensmittel einzelhandel von dem Gesetz betroffen. rs.,xr.{h,.rtr„-aF
Die in der Getreldeerzeugung unb im Getreides auf dem Wege bis zu den Mühlen bereits durchgefuhrtc Herausnahme der Landwirtschaft aus dem freien ^"i bewerb bic dort geschaffene Marktregulierung durch oi st; etzunq der Preise, darüber hinausgehcnd aber au® bu Beeinflussung der Erzeugung selbst, werben nun ' j umfassendster Weise auf alles auSgebebnt, iva» nt®t 1
R^L â blök unbedingt und in viel weiterer F-oni BBvS'Ä
der diese J^“™^ stellen, aus ihm bis zun sichten seiner Glieder den Rei ch snah rsi a n d zu bilden