M-aer Anzeiger
.. . . jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich
feS^
^UK Königstr. 42. Vertreter bei ^m'kschristleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.
itt«
15
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg breiten ânzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im 7 Textteil (M mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung
Zulöa- und Haunetal -Zul-aer Krersblatt Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch ~ * „ , _ „ auf Nachlaß. — „DA." 1000. — Verantwort!. für den
Reöaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernsprech-Hnschluß Nr. 2484 Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42.
Ar. 61 —1934
Fulda, Dienstag, 13. März
11. Jahrgang
Gerichtet!
Vollstreckung dreier Todesurteile in Berlin.
B e r l i n, 13. März. (Funkmeldung.) Die Zustizpresse- »elle Berlin teilt mit: Auf dem Hofe des Strafgefängniffes Mtzensee wurden heute früh um 7 Uhr der 24 Jahre alte lommunistische Mordbrenner Richard Bahr, ferner die beiden Mörder der Obsthändlerin Könicke, der 30 Zahre alte Friedrich Mann und der ebenfalls 30 Jahre alte Wed Schulz, von dem Magdeburger Scharfrichter hingerichtet.
Bahr war durch das Urteil des in Linum bei Fehrbellin /Menden Sondergerichts Berlin vom 1. Dezember vorigen Wes wegen fortgesetzter teils vollendeter, teils versuchter Brandstiftung auf Grund des Gesetzes zur Abwehr politischer Gewalttaten vom 24. April 1933 zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Er hatte nach seinem eigenen, allerdings erst nach der Verkündung des Urteils abgelegten Geständnis am 1. Oktober vorigen Jahres in Tarnow eine mit Erntevorräten gefüllte Scheune und zwei Wochen später, am 15. Df« /ober, in Linum bei Fehrbellin eine Scheune und einen Kuhstall in Brand gesetzt. Es handelt sich bei diesen Taten
Abkehr von Frankreich.
Pole» befreit sich von französischen Fesseln.
Folgen der deutsch-polnischen Annäherung.
Die Politik des polnischen Außenministers Beck hat für Polen jetzt endlich durch die Entspannung seiner Begehungen mit Sowjetrußland und Deutschland eine gewisse politische Ellenbogenfreiheit geschaffen, die es ihm ermöglicht, sich auch w i r t s ch a f t l i ch e r F e s s e l n , die ihm besonders durch französisches und amerikanisches Kapital angelegt worden sind, zu entledigen.
Die offiziöse „Gazetta Polska" kündigt eine grundsätz- üche Änderung in der Einstellung der polnischen amtlichen Stellen dem ausländischen Kapital gegenüber an. Tas Blatt erklärt, Polen brauche ausländisches Kapital lind sei auch gern bereit, ihm ehrliche Gewinnmöglichkeiten zu geben. Aber nichts darüber hinaus.
„Wir sind", so schreibt die Zeitung, „der Ansicht, daß unsere gegenwärtige wirtschaftliche und politische Lage nns die Aufgabe erleichtert,
aus dem versumpften Gebiet der Beziehungen Polens , SH dein ausländischen Kapital endgültig Ordnung zu
machen. Und mir werden Ordnung machen."
Wie gesagt, richtet sich dieser scharfe Angriff gegen mc wirtschaftlichen Hegemonicbestrebungcn Amerikas und «rankreichs und besonders gegen letztere die finanzielle Vase, die Frankreich Polen gewährte, ist diesem teuer zu seyen gekommen. Es mußte sie erkaufen mit seiner politischen Selbständigkeit.
Turch seine Verständigung mit Deutschland ist Polen KW in die Lage versetzt worden, seine französischen poli Wn und wirtschaftlichen Fesseln abzustreifen. Wenn die weitere deutsch-polnische Annäherung kein französisches «wrungsseucr, wie bisher zu befürchten hat, wird sic auch ! solgrclch weiter fvrtschrcitcii können und für beide Teile c erwünschten und erwarteten Früchte tragen.
i Schutzhaft nur noch durch Behörden.
. -l e u regel u n g durch Ministerpräsident
1 Göring.
incus-iu . der Geheimen Staatspolizei hat der die Ministerpräsident Göring die bisher für '"^"ung der Schutzhaft aus politischen Gründen A 11 Zuständigleitsvorschriften aufgehoben.
ftreihM» ^““"fi dürfen Beschränkungen der persönlichen Schul’ Maßgabe des § 1 der Verordnung zum non I “0MJ^M und Staat vom 28. Februar 1933 n u r das arm, Geheimen Staatspolizeiamt mit Wirkung für Reai«. Staatsgebiet und von den Ober- und p ras j " 6 s p r ü s i d e u t c n , dem Polizei- Misteif 111 ’” Berlin und den Staatspoli- iDetbeu für ihren örtlichen Amtsbereich angeordnet Behörden bisherige Zuständigkeit der Krcispolizei- Mnicn j-, """gütlich der Laudrätc. für solche Maß- “Miiatrn ^1 mehr gegeben. Die bisher von ihnen ait^cr K,âk, aßnahmen treten mit Ablauf des 31. März Rubinen « ’°Jcru nicht ihre Verlängerung von den zu- net ist ^andespolizcibehördcn bis dahin angcord- ^to’hpa bm Schutzhaft als provisorische Maßnahme ’ümcf Verdachts einer strafbaren Handlung ange- 8er ich?.»', unverzüglich die Entscheidung d e S ^unèräw.c ^ Verhängung der gerichtlichen Unter- I ' herbeizuführen und im Falle der ALleh-
um planmäßige kommunistische Terroraktionen, die wie in den Städten so auch auf dem Lande durchgeführt wurden, um unter der Bevölkerung Angst und Schrecken zu erregen, und so den allgemeinen bewaffneten Auf st and vorzubereiten. Die Mittäter Bahrs, der 30 Jahre alle Gerhard Kehler und der 35 Jahre alte Wilhelm Lötsch, waren gleichzeitig zu je 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden.
Die beiden anderen Hingerichteten, Mann und Schulz, wurden am 7. Juli vorigen Jahres von dem Schwurgericht bei dem damaligen Landgericht III Berlin wegen Raubmordes an der Obsthändlerin Frau Könicke zum Tode verurteilt. Die beiden Mörder waren am 22. Oktober 1932 zu einer Zeit, als dis 75jährige Frau Könicke allein zu Hause war, in ihre in der Lutherstratze gelegene Wohnung eingedrungen. Die Ahnungslose wurde von den Tätern plötzlich zu Boden gerissen, durch ein vorgehaltenes Taschentuch am Schreien gehindert und mit einem in Streifen gerissenen Bettlaken gefesselt und aufs Bett geworfen. Während Schulz der völlig Wehrlosen ein Kopfkissen ins Gesicht drückte, raubte Mann aus dem Schreibtisch etwa 3000 Mark.
Den drei Hingerichteten wurde gestern abend um 7 Uhr das Urteil verlesen. Heute früh wurde als erster Bahr und nach ihm Schulz und Mann durch das Beil hingerichtet.
Die Dreierkonferenz in Rom.
Beitritt der Tschechoslowakei?
Zu der Besprechung mit Mussolini sind in Rom der ungarische Ministerpräsident Gömbös und der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß eingetroffen, über den Gegenstand der Unterredung wird noch strengstes Stillschweigen gewahrt, denn die Behauptung, daß es sich lediglich um eine wirtschaftliche Konferenz handelt, begegnet allgemeinem Unglauben.
Gleichzeitig mit dem Beginn der Besprechung in Rom kommt aus Wien die aufsehenerregende Nachricht, daß der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des Wiener Außenministeriums, Gesandter Dr. Wiesner, von der Regierung nach Prag entsandt worden ist, um, wie von den zuständigen Stellen erklärt wird, die Handelsvertragsverhandlungen zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Regierung wieder in Fluß zu bringen. Dieser Entschluß hat in Wiener politischen Kreisen erhebliches Aufsehen erregt, da die Entsendung des Gesandten in engsten Zusammenhang mit der Dreierkonferenz in Rom gebracht wird.
Man nimmt an, daß der Gesandte den besonderen Auftrag hat, mit der tschechoslowakischen Regierung über eine Teilnahme der Tschechoslowakei und der Kleinen Entente an den von der italienischen Regierung geplanten wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen L st erreich, Ungarn und Italien zu verhandeln.
Es läßt sich natürlich noch nicht feststellen, inwieweit bei dieser Annahme ein österreichischer Wunsch der Vater des Gedankens ist. Wenn aber die Tschechoslowakei auf diesen Vorschlag eines Beitritts zu einer Föderation der Donauländer eingehen würde, so würde das eine Abkehr von Frankreich bedeuten und eine Lossagung von den finanziellen und politischen Trabanten- diensten. die Prag bisher für Frankreich leisten mußte.
nung eines richterlichen Haftbefehls grundsätzlich auch die polizeiliche Maßnahme außer Kraft zu sehen.
Beschränkungen der persönlichen Freiheit, die von den Ober- und Regierungspräsidenten, dem Polizeipräsidenten in Berlin und den Staatspolizeistellen angc- ordnet werden, treten am achten Tage nach Ablauf des Tages, an dem die Schutzhaftanordnung vollstreckt wor- ^' von selbst außer Kraft,
sofern nicht inzwischen auf entsprechende« Antrag hin die Fortdauer der Schutzhaft von dem Ministcrpräsi- denten ausdrücklich ungeordnet worden ist. Verhaftungen, die nicht unter den Begriff „Schutzhaft" fallen, dürfen II11 r von den hierfür gesetzlich bestimmten Behörden erfolgen. In diesem Falle ist aber unter allen Umständen binnen 2 4 Stunden richterlicher H aft - beseht herbeizuführcu.
Die mißbräuchliche Anwendung der Haft wird der Ministerpräsident in Zukunft unnachsichtlich ahnden. Dienststellen der Partei oder der Verbände dürfen Festnahmen von sich aus nicht tätigen.
Kleine Konzentrationslager aufgelöst.
Ministerpräsident Göring hat im Zuge dieser Maßnahmen zur Befriedung und Herstellung eines Zustandes erhöhten Rechtsschutzes und erhöhter Rechtssicherheit die Nachgeordneten Polizeibehörden angewiesen, ihm bis zum 20. März Listen über alle in Haft befindlichen Personen eimurrichen, deren Freiheitsbeschränkung nickt auf
richterlichen Haftbefehl, sondern auf polizeilicher Anordnung beruht.
Darüber hinaus hat der Ministerpräsident ungeordnet, daß alle neben den Polizeigefängniffen errichteten Gefängnisse, welche den Charakter von kleinen Konzentrationslagern tragen, mit sofortiger Wirkung aufzu- lösen sind und künftig nicht mehr eingerichtet werden dürfen.
Die kirchliche Verwaltung neugeordnet.
Der Reichsbischos hat auf Grund des Kirchengesetzes vom 2. März eine Verordnung zur Neuregelung der kirch Uchen Verwaltung erlassen.
An der Spitze der Verwaltung der Deutschen Evangelischen Kirche steht der Reichsbischof. Die in der Verfassung festgelegten Befugnisse der theologischen Mitglieder des Geistlichen Ministeriums bleiben unberührt. Der Reichsbischos beruft als allgemeine Gehilfen und Vertreter in kirchenpolitischen Angelegenheiten einen B i s ch o f z u in Chef seines Stabes. Der Bischof ist in dieser Eigenschaft ermächtigt, in kirchenpolitischen Angelegenheiten allen Stellen und Beamten der allgemeinen kirchlichen Verwaltung Weisungen zu erteilen.
Die Verwaltungsstellen
der Deutschen Evangelischen Kirche sind das Sekretariat des Reichsbischofs, das Kirchliche Außenamt, die Deutsche Evangelische Kirchenkanzlei.
Die Vertretung des Reichsbischofs in Verwaltungs- angelegenheiten liegt für den Geschäftskreis des Sekretariats und des Kirchlichen Außenamts beim Chef des Stabes, für den Geschäftskreis der Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei bei dem leitenden Beamten dieser Behörde.
Sparsamkeit in der Familie.
„Sparen, das Gebot der Zeit", ist heute der Mahnrus vieler führender Persönlichkeiten. Staatsmänner, Sparkassenmänner appellieren an die Jugend, Jugenderziehcr^ an Berufsgruppen, Vereinigungen, überhaupt an alle Volksschichten. .
Die Familie ist der Grundbau eines Staates. Sparsame Familien sind für den Staat und die Volksgesamtheit wertvolle Güter; eine Erkenntnis, die die deutschen Sparkassen bereits seit mehr denn hundert Jahren in ihrer Arbeit praktisch auszuwerten trachten.
Wo die Sparsamkeit zu Hause ist, da waltet Ordnung, Sitte, Fleiß und Disziplin. Die Sparsamkeit in der Familie kann am besten gefördert werden durch die Hausfrau, denn durch die Hausfraucnhände gcht der größte Teil des Volkseinkommens. Die sparsame Frau versieht haushälterisch ihre Aufgabe als Hauswalterin, sie disponiert wie ein vorsichtiger Kaufmann im voraus über die ihr zur Verfügung stehenden Mittel durch abwägenden Vergleich zwischen aüftrctendcm Bedarf und den verfügbaren Deckungsmitteln. Sie mutz mit geringen Summen auskommeu und schließlich noch Rücklagen bilden. Bei Vermeidung von Abzahlungsgeschäften ist es ihr Grundsatz, für Ansckafsung e r st zu sparen und dann zu kaufen. Durch gute Raumeinteilung in der Küche, durch Instandhaltung von Kleidern und Wäsche, durch zweckniäßigen Verbrauch von Strom und Gas usw., sowie überhaupt gegebene „Rationalisierung" in allen einschlägigen Arbeiten kann Ordnung und Spürsinn geübt werden.
Ein geordneter Haushalt bietet den Rahmen für ein harmonisches Familienleben. Die guten Eigenschaften in der Familie wirken sich in der Kindererziehung aus. Sparsamkeit und Ordnungsliebe der Eltern sind grundlegende Voraussetzungen für die Erziehung der Kinder zur Sparsamkeit. Die Erfahrung lehrt, daß Kinder aus sparsamen, ordnungsliebenden, hauptsächlich kinderreichen Familien (bei ihnen ist die Sparsamkeit zwangsläufig zu Hause) lebensfroher und gesünder sind rls Kinder aus uichtsparsamen Familien und als die so« zenannten „einzigen" Kinder.
Sparende Eltern können ihren Kindern eine gute Aus- bildung angedeihen lassen. Es klingt vielleicht etwas .'üthctisch, trifft aber im Kern zu, wenn man feststellt, die Arbeit bedeutet für diese Kinder keine Last, eher Freude lud Vergnügen, sie sind von Ehrlichkeit und Perantwor- nngsbcwußtsein durchdrungen, sie laufen weniger Gefahr, n die Gesellschaft verkommener Elemente zu geraten. Aus plchcr Jugend wird ein N a ch w u ch s von echten » e u t s ch e n Männern und Frane n mit festem Willen und bester Charakterbildung geschaffen. Dieser Nachwuchs verabscheut aus Instinkt die unter den mar ristisch beherrschten früheren Regierungen nahezu zum Kult trhobene Erniedrigung und Proletaristerung. Tas spa rende Volk, die sparende Jugend, die sparende Familie können für sich in Anspruch nehmen, daß sie tatkräftig n i t h e lf e n zur Überwindung der Ar b et t s - osigkcit und damit letztlich zum Wohl der Gcsamthcir ics Vaterlandes. ~
Schon heute ist bei über 21 Millionen Sparbüchern rahezu jeder dritte Volksgenosse Sparkasienkuude. Wenn die Zahl der Sparer sich erheblich steigert, die Zahl >er Nichtsparer abnimmt, so werden im gleichen Verhalt niö die Vorteile der Sparwilligkeit für die Nation zutage Ireten. Leider steht noch ein großer Teil unteres ^Vol.e^ Dent Sparen fern; viele sind nach wie vor von dem Irrtum oesangen, daß Sparen nicht notwendig sei. t anim tit es Pflicht eines jeden Staatsbürgers, der ehrlich bemüht ist, im Wiederaufstieg mitzuarbeiten, jeder im öffentlichen ^eben siebenden Person und insbesondere Kbcr deuttwen grau und Mutter zur Verbreitung des SpargedankènZ mit allen Kräften beizutragen.