ßul-aer Anzeiger
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Bei Lieserungsbehinderung durch „Höhere ^O W bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr, ^nklau Fulda, Königstr. 42. Druck: Friedr. AÄlau' Lautcrbach H. Hauptschriftleitcr: Dr. jur. ^E Äemact, Fulda, Königstr. 42. Vertreter des ^ Ehrenklau, Lauterbach H
Nr. 70 — 1934
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg fXiÄ& äm^«
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Fulda, Freitag, 23. März 11. Jahrgang
Die Aufgaben bet keiüMailhaller.
Bedeutsame Ausführungen des Kanzlers auf einer Konferenz in der Reichskanzlei.
Am 22. März fand in der Reichskanzlei eine Sittung der Reichs statthalter statt, die den Minen Vormittag in Anspruch nahm. Reichskanzler Adolf Hitler sprach über die staatspolitischcn Auf- Mhen der Reichsstatthalter, wie sie sich aus der Durchführung des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar dieses Jahres ergeben.
Nach den Ausführungen des Reichskanzlers sind die Reichsstatthalter, die der Dienstaufsicht des Reichsinnenministers unterstellt worden sind, die Trägerdes Willens der ober sten Führung veè Reiches, nicht aber die Sachwalter der einzelnen Mer. Ihre Aufgabe kommt nicht von den Ländern, foiidern vom Reiche; sie vertreten nicht die Länder gegenüber dem Reiche, sondern das Reich gegenüber den Ländern. Der Neuaufbau des Reiches erfordert eine einheitliche, klare und dauerhafte Konstruktion der Staatsverwaltung mit logischer Gliederung der Verwaltungsein- Heiten unter einer zentralen Reichsgewalt. Der Nationalsozialismus hat die historische Aufgabe, das neue Deutsche Reich zu schaffen, nicht aber die Ausgabe, die Länder zu konservieren. Somit sind
die Reichsstatthalter in erster Linie Hoheitsträger der nationalsozialistischen Idee und Sachwalter des Nationalsozialismus, nicht aber Bcrwaltungsträger eines bestimmten Staates.
Kein selbständiges Vorgehen von parieifteilen in wirischastspoiitischen Dingen mehr.
Der Reichskanzler trug den Reichsstatthaltern auf, dafür zu sorgen, datz ein selbständiges Vorgeben einzelner Partei- und Dienststellen in Wirtschafts- und finanzpolitischen Dingen überall unterbunden wird,
Massentod durch Riesenbrand.
1000 Menschen durch Feuer getötet.
Kte^enviandzelstörijapanischeGroßstadt. RiH?'lÖCt ^'E Hakodate «Japan», die fast 200 000 ä°lstt- ,st eine riesige F c u e r s b r u n st . ÖIC sich noch immer weiter ausdehnt. Man "'^wß etwa 1000 Menschenleben zu beklagen sein s “Cm '""schein "ach ist das Feuer dadurch ent- d°k mehrere Schornsteine vom Sturm um- vcwnrfen worden waren
Brand stellt sich als ei ne der größten Erdbeb-n ° t> b e n heraus, von denen Japan seit dem wüte, " '^ betroffen worden ist. Das Feuer U i'tboff^ Heftigkeit, und jeder Löschver-
Telephon, Telegraph, Radio- erbält *CrftUrt' ""^ die einzigen Nachrichten, die man Hafen liegen Funkstationen der Schiffe, die genommen ^?'^ haben eine Menge Flüchtlinge auf- "nd k^L-r lbre Hilfsmöglichkeiten sind durch Sturm militärische ^us den nächstgelegenen Städten ist c eingesetzt worden.
sind nicht «r- Stadt ist zerstört. Den Flammen zum Opfer gefallen^ ^1*1 brennbaren Holzhäuser
""^ owe Anzahl großer, moderner Gebäude, Diele grokc K->s^°c!Äbräsidium, das Telephonamt und Geschäftshäuser.
Mt«k auf He Artegshafenstast Hatosate,
da für die Wirtschafts- und Finanzpolitik einzig und allein der Reichsfinanzmini st er und der Reichs- Wirtschaftsminister und für die Geld- und Bankpolitik nur der Reichsbankpräsident zuständig seien.
Ehe Lokal- und Landesstcllen oder Dienststellen in der Partei und Parteiorganisationen wirtschaftliche oder finanzielle Anordnungen treffen, müsse in jedem Falle eine vorherige Klärung mit der zentralen Reichs- behörde stattgefunden haben.
Dies gelte naturgemäß auch für alle anderen Verwal- tungszweige. In diesem Zusammenhangs sprach der Reichskanzler in längeren Darlegungen über die notwendige Einheit zwischen Staat und Partei.
Im Anschluß an die Darlegungen des Reichskanzlers gab Reichsinnenminister Dr. Frick noch verschiedene Verwaltnngsanweisungen bekannt, die die Durchführung der von dem Reichskanzler vorgetragenen Grundsätze gewährleisten sollen.
An den Besprechungen nahmen sämtliche Reichsstatthalter, der Stellvertreter des Führers, Reichsminister H e ß, der preußische Ministerpräsident, General Göring, die Staatssekretäre Dr. Lammers und Funk sowie der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers, Reichsleiter Bormann, teil.
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Einheitliche Baupläne für die Feierabcndhäuser.
Berlin. Nach einer letzten Anordnung des Amts l c i i e r s für „Schönheit der Arbeit" S v e e r . müssen diesem die Pläne für .Häuser der Arbeit" vorgelegt werden und von ihm schriftlich gebilligt sein damit die ersten Feier-- abendhäuier im ganzen Reich nach einheitlichen und gründ, fätzlichen Gesichtspitnkten ausgesührt werden Andere Bauten dürfen den Titel .Häuser der Arbeit" nicht führen.
Hunderttausend Obdachlose.
Etiva SG Prozent der Häuser sind durch die furchtbare Feuersbrunst vernichtet worden. Die Zahl der Obdachlosen ivird auf mehr als 100 000 geschätzt Zahlreiche Flüchtlinge haben Unterkunft auf den Fahrzeugen im Hafen gesucht
Eisige Kälte und heftiges Schneetreiben machte die verzweifelten Löschversuche der gesamten Wehren der Stadt zunichte Das Wasser war in den Hvdranten eingefroren und gefror in den Wasserschläuchen. Die Löscharbeiten wurden auch dadurch erschwert, daß nach einer Stunde bereits mehrere Elektrizitätswerke in Flammen standen und die ganw Stadt ohne Licht war.
Im Hafenviertel spielten sich furchtbare Szenen ab. Ungeheure HitzeentwiMung und die anscheinende Unmöglichkeit. dem Flammenmeer zu entgehen, brachten die Flüchtenden zur Verzweiflung, Tausende konnten nur mit Gewalt von der Hafenvolizei und schnell aus- geboteten Truppen daran gehindert werden, sich in die eisigen Fluten des Hafens zu stürzen, wo sie den sicheren Tod gefunden hätten.
Die vor Furcht halb Wahnsinnigen wurden m i t vorgeh alten cn Revolvern aus einige große Schiffe gebracht, die aus die Reede hinausfuhren, wo sie vor der Feuersbrunst sicher waren.
Schnelle Hilfe iut not!
Die R a d i o st a t i o n der Regierung in Hakodate ist ebenfalls ein Opfer der Flammen geworden. Die F u n k- t ü r m c sind zusa m in enge st ü r z t. Der Bürgermeister der Staat hat deshalb durch die Funkstationen der Reaie- runasschiffe, die im Hafen lagen an die Regierung in Tokio Hilferufe senden lassen und
um schleunige Hilfserveditionen gebeten.
Er verlangte vor allem Medikamente, Verbandstoff, Kleider und Zelte, um die Obdachlosen zunächst unter- zubrinaen und vor der eisigen Kälte tu schützen. Die nach dem Ilnglücksort abgegangenen Schiffe haben vor allem Decken und Lebensmittel an Bord.
Belaqerunqszuffand verhängt.
Über Hakodate und nähere Umgebung ist von den Militärbehörden der B e l a g e r u n g s z u ft a n d erklärt worden^ um Plünderunqen der niedergebrannten Wohnstätten und Beraubungen der Token durch verbrecherische Elemente vorzubeugen.
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Die Hafenstadt Hakodate, die größte Stadt Japans nördlich von Tokio, zählt fast 200 000 Einwohner Als Hauptstadt der Provinz Oshima mit Krieaskafen und großen Verkehrsstraßen ist sie für den sapanischen Handel von großer Bedeutung. Ihre Lage an der Südspitze der Insel Hokkaido und der gleichnamigen Bucht mit Kriegsbafen ist besonders günstig. Große Streichholzfabriken beschäftigen Tausende von Menschen.
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Taifun rast über Tokio hinweg.
80 Todesopfer, über 300 Verletzte.
Aus Japan kommt eine neue Unglücksbotschaft: Ein Taifun, der besonders über Tokio wütete, hat allein in Tokio und Umgebung 80 Personen getötet; über 300 Personen wurden verletzt.
Der vom Sturm angerichtete Sachschaden ist außerordentlich groß. Zahlreiche Telegraphenverbindungen wurden zerstört, mehrere Eisenbahnlinien unterbrochen. Der Rundfunksender in Tokio mußte wegen größerer Schäden für einige Zeil iHflaeleat werden. Die Regierung hat für die notleidende Bevölkerung besondere Hilfsmaßnahmen ergriffen.
Verbilligte Wohnungen für Kinderreiche.
Durch Zusatzdarlehen.
Zur Förderung des Baues von Not- und Behelfswohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung erhalten die Gemeinden nach den Bestimmungen des Reichsarbeitsministers zinsfreie Reichsdarlehen, deren Höchstsatz allgemein 1000 Mark für jede Wohnung beträgt.
Auf Anregung des Rcichsarbcitsministers hat sich der Reichsfinanzminister neuerdings damit einverstanden erklärt, daß für Wohnungen kinderreicher Familien ein Zusatzdarlehen von 300 Mark gegeben wird.
Heuer Bundeskanzler in der Schweiz.
Rücktritt des Bundesrates Musy.
Die Vereinigte schweizerische Bundesversammlung nahm die Wahl verschiedener zu besetzender Posten vor. Als neues Mitglied des Bundesrats wurde zunächst Ständerat Iohannes Baumann gewählt. Ferner wählte die Bundesversammlung zum n e u e n B u n d e s- kanzler den jetzigen Vizekanzler Dr. B o v c >, den Kandidaten der Freisinnigen Demokraten.
Bundesrat M u s V , der Leiter des Finanzdepartc- ments, hat dem Bundesrat sein Rücktritt sge such überreicht. Nach der bekanntlich negativ ausgefallenen Volksabstimmung über das Staatsschutzgesetz in der Schweiz ist dies der zweite Rücktritt eines Bundesrates, eine für die schweizerischen Verhältnisse immerhin ungewöhnliche Tatsache.
Österreich nicht mehr „Republik".
Die neue Verfassung in Vorbereitung.
Die amtliche „Wiener Zcitting" macht die aufsehenerregende Mitteilung, daß die Bezeichnung Republik in der neuen Verfassung Österreichs nicht mehr vorkomme
Das amtliche Blatt der Bundesverwaltung erklärt, von ausgezeichnet unterrichteter Seite folgende Einzelheiten über Wesen und Inhalt der neuen Verfassung er fahren zu haben: Nach der neuen Verfassung werde öfter reich schlechthin als Bundesstaat bezeichnet, der aus der bundeKnnmitiekdaren Stadt Wien und aus den Bundesländern bestehe. Die Bezeichnung Republik entfalle, so daß künftig der Staat wahrscheinlich im inter- nationalen Verkehr als „Österreich" bezeichnet werden Dürfte oder als „Bundesstaat O st e r r e i ch".
Bruder Sa^ als Beru^sembrecher.
Ihre Enrlorviiiig in ttopenbonen
In Verfolg der ll n t e r f u di u n a gegen die B r ü - der Saß ist der dänischen Polizei ein bedentunasvoller Fund geglückt So wurden in dem von den Brüdern in einem Pensionat in Kopenhagen in der Räbe des Rat Hausplatzes bewohnten Zimmer etwa "oon dänische Kronen und 2000 französische Francs entdeckt, die
in Batterien von Taschenlampen verborgen
waren. Ferner wurden verschiedenes D i e b e s werk zeug, ein Wachsabdruck eines Geldschrankschlüssels und eine Reibe von Papieren mit Skizzen verschiedener Geschäftsanlagen, über Patronillezeiteu der Polizei usw. gefunden. Nach diesem Funde dürfte kaum noch ein Zweifel daran besteben, daß die Brüder Saß sich in Kopenhagen als berufsmäßige Einbrecher betätigt haben.