Möaer Anzeiger
TrfAeint jeden Werktag. Bezugspreis. monatlich Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm
& - ^sevlaa fur Rhön uns Vogelsberg
ès Fr ZulSa- und Haunetal ♦ Fuldaer Krelsblatt «Ä ä awsTis
Ll Langemack, Fulda, Konlgstt V auf Nachlaß. - „DA." 1000. - Verantwort!, für den
k°uMMleiterst Fr. Ehrenklau, Lauterbach H Redaktion unü Geschäftsstelle: Königstraße 42 « Zernfprech-Anfthluß Nr. 3989 Anzeigenteil Christian Seipel, Fulda, Königstr. 42
Nr. 73 — 1934
Fulda, Dienstag, 27. März
11. Jahrgang
Schwarzer Tag für Autofahrer
Autofahrten in den Tod.
Fünf Tote, zahlreiche Schwerverletzte.
In Laubenheim (Kr. Kreuznach) raste ein Kraft- wngeih in dem sich der Gauwirtschaftsrat Ottendorf, der ^cisbctricbszellenobmann Karl Feick, der Kölner SS.- Mann Lamberts und ein älterer Herr aus Köln mit seinem Einjährigen Sohn befanden, in einer Kurve gegen , j n e H a u s w a n d.
Seid, der älteste SA.-Mann Kreuznachs, war auf der Stelle tot.
^m war eine Schraube der Windschutzscheibe ins Gehirn lèdluiigen. Alle Mitfahrenden erlitten lebensgefährliche Wtzuttgen. Von den Schwerverletzten ist inzwischen der MMttschaftsrai Ottendorf gleichfalls gestorben. Än Den weiteren Insassen hat der Fahrer Lambertz einen gberschenkelbruch erlitten. Ferner wurde ihm der Brustkorb eingedrückt. Man hofft jedoch, ihn am Leben erhalten ]u können. Der neunjährige Sohn des gleichfalls schwer- mietzten Dittrich aus Köln, der einen schweren Schädel- imich erlitt, schwebt noch in Lebensgefahr. Die beiden toten sind im Sitzungssaal des Stadthauses in Bad Kreuznach aufgebahrt worden. SA. stellt die Ehrenwache.
An einem Bahnübergang auf der Strecke Sassum-Bünde bei Neuerkrug wurde ein Kraftwagen von einem in voller Fahrt befindlichen Eifenbahnzug erfaßt
und etwa 100 Meter weit mitgeschleift. Der Besitzer des Kraftwagens, ein Zigarrenfabrikant, wurde a u f der
Neue Unruhen in Frankreich
Strahenschlacht in Tours.
Zu einer wahren Straße «schlacht zwischen Kundgcbern und Polizei kam es in Tours, wo eine Gruppe der sogenannten „französischen Solidarität" eine Versammlung abhielt. Eine nach hunderten zählende Menge von Gegenkundgebern hatte sich vor dem Vcr- sammlungsgebäüde versammelt und warf mit Steinen gegen die Fenster des Sitzungssaales und die anwesenden Polizeibeamten.
Als letztere versuchen wollten, die Kundgeber zu zerstreuen, wurden sic mit einem Hagel von Steinen empfangen und sahen sich schließlich gezwungen, sich zurück- suziehen. Mehrere Revolverschüsse wurden auf Seiten der Kundgeber, die sich aus marxistischen und kommunistischen Vereinigungen zusammensctztcn, abgegeben.
Erst nachdem die Polizei Verstärkung erhalten hatte, gelang es, die Kundgeber zu zerstreuen, die sich nach oer Arbeitsbörse begaben, um dort eine Kundgebung abzu- Mten. Unterwegs hielten sie einen Kraft s obrer an, oegen Wagen vollständig zerstört wurde. Da ote Kundgeber ihre Verletzten mitgenommen hatten, tonnte deren Zahl nicht festgestellt werden. Auf Seiten
Polizei waren drei Verletzte zu beklagen. Etwa 0 Verhaftungen konnten durchgeführt werden.
ri-
Verlängerte Militärdicnstzcit als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit.
K Xer. französische Kriegsminister hat jetzt ver- W bQB die Rekruten, die kurz vor ihrer Entlassung N cn, berechtigt sind, sich für weitere sechs un> 3U verpflichten, die sie in derselben Eigenschaft w . l” der gleichen Truppenformation abdienen können.
NN ist die Zahl der zugelassenen Neuverpflichtun-
’UrAchtzehn Monate wesentlich erhöht worden, so hilf» - ^diejenigen jungen Leute, die ihrer Dienst- ’ ’MWbalb der letzten fünf Jahre Genüge getan ern- ^legenheit finden, durch eine achtzehnmonatige iÄ- u.1 e Militär dien st zeit wenigstens vorig der Arbeitslosigkeit zu entgehen.
* vor einem Militärputsch in Frankreich?
Ein aufsehenerregendes Geheimschreiben.
veröffentlicht ein angebliches echtes Gemimt' ^âs mit dem Vermerk „g e h c i m" vom in "Mtandanten des zweiten militärischen Bezirks de» an "ne Reihe von Industriellen versandt wor- H°uptsache°nl'i^ 31Unr 011 Industrielle, die sich in der
. Herstellung von Kriegsmaterial aufaekn.^ ö» diesem Schriftstück sollen die Empfänger 80 1. Verden, der Kommandantur bis zum tantrV^ '""zuteilen, mit welchem Kunden oder Liefc- mü[ie„ ue unbedingt in telephonischer Verbindung bleiben Wei Angaben, so heißt es in den veröffent- der r^^istück weiter, seien notwendig, um eine Liste "Uoustriellen auszustellcn, die „im Falle berechn Eicher Spannungen oder Mobilisierung" lochlzuerhatten'' 9ctoi^e telephonische Verbindungen auf-
ist der Auffassung, daß das ÄdtuL- weniger auf imc-rngtisnâ Spannungen, als auf
Stelle getötet; seine Begleiterin erlag lm Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Der Kraftwagen hatte sich derart in die Maschine festgerannt, daß ein Hilfszug mit Schweißapparaten angesordert werden mußte, um die Trümmer zu beseitigen.
*
Auf der Straße zwischen Toenning und Gardt n g bei Husum verunglückte in Katharinenheerd ein mit Deicharbeitern besetzter Lastkraftwagen. Der
Wagen raste in voller Fahrt gegen einen Telegraphenmast,
ritz diesen um und fuhr sodann gegen einen Baum, der ebenfalls umgestürzt wurde. Der Lastkraftwagen ging fast völlig in Trümmer. Von den Insassen wurde ein junger Arbeiter aus der Stelle getötet, ein zweiter Arbeiter liegt im Sterben. Die übrigen Insassen haben zum Teil schwere Verletzungen erlitten, hauptsächlich Knochenbrüche. Man vermutet, daß die Steuerung des Lastkraftwagens versagt hat.
Chinesische Offiziere bei Genthin verunglückt.
Bei Pärchen in der Provinz Sachsen, unweit Genthin, hatten fünf chinesische Offiziere einen schweren Automobilunfall. Die Offiziere gehören einer chinesischen Studienkommission an, die sich einige Monate in Deutschland aufgehalten hat und unter Führung des Generals Aang steht. Sie befanden sich auf der Fahrt nach Holland, als sich der Unfall ereignete. Der General wollte ihnen mit der Eisenbahn folgen. Einzelheiten und Ursache des Unglücks ließen sich nicht feststellen, da die Verletzten, die in das Johanniterkrankenhaus in Genthin gebracht wurden, nur wenig Deutsch sprechen.
innerpolitische Spannungen
gemünzt sei und daß den Militärbehörden im Einvernehmen mit dem Kriegsminister die Absicht hätten, in diesem Falle die gesamte Regierungsgewalt an sich zu reißen.
Niederirächiige Emigranienlügen.
Ein sogenanntes „N a t i o n a l k o m i t e e zur Unterstützung der Opfer der deutschen Nationalsozialisten" kündigt an, „daß seit dem 1. Januar 1933 3000 Gegner des Nationalsozialismus in Deutschland getötet worden seien. Davon seien 67 Hingerichtct worden, und zwar 26 enthauptet. 119 682 Personen sollen verletzt und eine Anzahl verstümmelt worden sein. Die Zahl der in Konzentrationslagern und Gefängnissen befindlichen Personen belaufe sich auf 174 000. Von Oktober bis November 1933 seien 59 183 Personen im Gefängnis mißhandelt worden.
Diese Behauptungen, die längst widerlegten Braunbuchlügen entstammen, sind so unsinnig und tragen den Stempel ganz offenkundiger Gehässigkeit, so daß cs die Reichsregicrung a b l e h n e n muß, darauf einzugehen.
Er kann u - H
Dieser arbeitslose Berliner M • . Hat in einem Preis
ausschreiben 10 000 Mark gèwmu.cu. Mit Recht freut sich nun die ganze Familie über dieses unerwartete „O stc re i".
Noch keine Freilassung des in Österreich verhafteten deutschen Pressevertreters.
München. Der vor 14 Tagen in Österreich verhaftete Münchener Vertreter der „Hamburger Nachrichten" und verschiedener ausländischer Nachrichtenbüros, Dr. Falkner, ist noch nicht freigelassen worden. Falkner, der sich über die Vorgänge an der österreichischen Grenze unterrichten wollte, befindet sich im Kreisgürichtsgefängnis in Ried (Innkreis), ohne daß eit* «vBiBWW BoatfaHSn» Stege? Bn 'eröffnet worden wäre
Doppelzüngiges Frankreich.
Die französische Antwortnote an England stellt sogar für Pariser Perdrehungskünste eine ungewöhnliche Leistung von Unverschämtheit und Heuchelei zugleich dar. Vermutlich steckt hinter der aalglatten, rein äußerlichen Worthöflichkeit ein gut Teil Ärger darüber, daß weder England noch Italien sich für die These einer Abrüstungsverweigerung einerseits und für die Verweigerung der praktischen Gleichberechtigung andrerseits einfangen lassen wollen. Englische Staatsmänner nagelten ja in letzter Zeit wiederholt Frankreich in öffentlichen Reden auf eine vertragliche Abrüstungsverpslichtung fest. Was tut man in solchem Fall in Paris? Man läßt die treffe sämtliche eigenen Verpflichtungen einfach ableugnen. Es ist die gleiche Kampfmanier, die die vier grrßen Lügen schuf, unter denen Deutschland noch heute zu leiden hat: 1. von der Kriegsschuld, 2. von Frankreichs Mangel an Sicherheit, 3. von der Höhe der geleisteten deutschen Tributzahlungen und 4. von Deutschlands wirklicher Gleichberechtigung.
Sehen wir heute einmal von den ungeheuren Unterschieden in Heeresgroße, Reserven und Ausrüstung zwischen Deutschland und Frankreich ganz ab und erwägen wir in diesem Augenblick, da Frankreich seine ständig anmaßender werdenden Forderungen durch die erneute Stellung des Sanktionsanspruches überspitzt hat, nur folgende Momente:
1. Die französische These „Erst Sicherheit, dann Abrüstung" leugnet den tatsächlichen Unterschied zwischen Frankreichs nicht mehr steigerbarer Sicherhei' und Deutschlands Schutzlosigkeit, das seine eigene Sicherheit schon durch seine Vorleistungen in der Abrüstung aufgegeben hatte. Tardieu sagte schon am Sebantage des Jahres 1919: „Frankreich bat das höchste Mab von Sicherheit erreicht, das es jemals besessen hat." Dieses Maß hat sich seitdem noch veivtel'och«!
2. Die kleine Reichswehr mußte 174 leinhundertvier- undsiebzig!! Schnüffelkontrollen durch die Interalliierte Militärkommission erdulden, ohne daß ein Anlaß dazu gewesen wäre: um die vertragswidrige, auch den Völkerbundssatzungen widersprechende enorme Aufrüstung Frankreichs bat sich dagegen niemand zu kümmern! .
3. Schon in dem von Deutschland abgelebnten Kon- Ventionsentwurf vom Jahre 1930 wurde Deutschlands Forderung auf Zurücknahme Cur französischen Strettkräfte hinter eine im eigenen Lande liegend-' Linie von Frankreich mit der Begründung abgelehnt. weil .keinem Staate zugemulei werden kann, etwas preiszugeben, was er für seine Landesverieidiguna für er» forderlich hält" Nur Deutschland darf man bas nach französischer Ansicht mit der entmilitarisierten Rheinland- zone zumuten! (Auch die nächsten Höhen wie Schwarzw .lv, Odenwald, Taunus, Westerwald würden nach Fran'reichs Willen für die deutsche Verteidigung avsfallen, da sie in der „verbotenen Zone" liegen >
4. Die einseitige Entwaffnung Deutschlands gründet sich für Frankreich auf die Kriegsschuldlüge. „die eine Vor- leiftung des Angreifers rechtfertigt". Die Kriegsschuldlüge ist auch im Ausland als ein riesiger Betrug der Welt längst widerlegt: folglich sind auch die Vorleistungen, die einseitige Entwaffnung Deutschlands, als unberechtigt erwiesen. . .
5. Artikel 20 der Völkerbundssatzung erklärt satzungswidrige Vereinbarungenfürnich- ti g. Da Deutschland (in seiner früheren Eigenschaft als Völkerbundsmitglied) infolge seiner Entwaffnung an irgendeinem in der Völkerbundsfatzung vorgesehenen Frekutionskrieg gar nicht hätte teilnebmen können, so ist vurch die Völkerbundssatzung der Entwaffnungsartikel des Versailler Diktats selbst als sinnlos nachgewiesen.
6 Die Einseitigkeit der Entwaffnung Deutschlands soll die Voraussetzung sogar für eine begrenzte Rüstungs- b e s ch r ä n k u n g der anderen sein. Aber selbst drese Beschränkung wird von Frankreich genau so sabotiert wie die vertraglich feftgelegte Entwaffnung: „désarmemenf beißt es ausdrücklich im französischen Tert des Versailler Diktats. ,
7. Die Völkerbundsmitglieder können durch Mehr- Heitsbeschluß den zur allgemeinen Abrüstung verpflichtenden Artikel 8 der Satzung a u f h e b e n , wenn sie diese lästige Verpflichtung endlich aus der Welt schaffen wollen — Deutschland soll in jedem Fall durch das Versailler Diktat gebunden bleiben.
8. Die Ausstattung der kleinen Reichswehr ist der Welt bis aus den letzten Hufnagel besannt: sie soll nach Frankreichs Willen, ungeachtet des Rüstungsringes um Deutschland, nicht im geringsten verbessert werden. Dagegen erklärte der bereits genannte Tardieu schon am 2. Juni 1930: „Mit den gegenwärtigen Mitteln kann Frankreich an einem einzigen Tage mehr Munition Herstellen als vor dem Kriege in mehreren Wochen
9. Gegenüber rund 8000 bis 9000 Angriffsflugzeugen rings um Deutschland herum hat Deutschland selbst noch nicht einmal einen genügenden passiven Liiftschup. Deutschland wurde bisher jedes Recht aus Sicherheit eln- schließlich des Rechts auf wirksame Selbstverteidigung verweigert, obwohl dieses u. a. auch in dem von Deutschland mitunterzeichneien Kellogg-Pakt als Völkerrecht ausdrücklich gekennzeichnet wird
P.
Die nationale Disziplin ist um so verpflich- tender, je aufwühlcnber und gespannter die Zeit-
Dr. Goebbels.
lauste sind.
-----