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Zul-aer /lnzeiger

fiSeSSB ««»»tot für «hön HM v°g°!sb-v ^ÈÈSSE r»««- «» Haunetal. Zulèaer «r-isdla« Mpkschriftleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H. Redaktion und GâäKsttelle: Königstraße 42 <-Zeenfprech-R-rfchluK Nr. 2»s»

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Nr. 78 1934

Fulda, Mittwoch, 4. April

11. Jahrgang

Der Führer antwortet einem ausländischen Journalisten

Unterredung Hitlers mit dem Vertreter derAssociated Preß".

Reichskanzler Adolf Hitler gewährte dem ®er= M Korrespondenten derAssociated Preß", des großen amerikanischen Nachrichtenbüros, «oiüs P. Lochner, eine Unterredung.

Der Führer äußerte u. a.:Ein jeder Vertreter einer fremden Macht wird bei seiner Aussprache mit mir finden, düß ich mit absolutem Freimut sage, was Teutschland bereit ist, zu tun, und daß ich

meine Forderungen nicht höher ansetze als nötig ist.

Wenn ich z. D. sage, daß wir eine Wehrmacht von 300 000 Mann benötigen, so lasse ich mich nicht dazu herbei, nachher aus 250 000 herunterzugehen. Ich will Deutschlands Wort und Unterschrift wieder zur Geltung bringen.

Unter keinen Umständen werde ich mich einem Diktat unterwerfen.

Wenn ich einmal überzeugt bin, daß ein bestimmter Kurs der einzige und richtige für mein Volk ist, so halte ich ihn, komme was möge. Und was ich tue, das tue ich offen. Ich werde mich z. B. niemals dazu verstehen, 150 000 Mann als genügende Stärke nach außen hin für unsere Reichswehr zu akzeptieren und dann im Geheimen weitere 150 000 Mann auszurüsten. Niemand würde sich mehr freuen, wenn die Welt abrüstete, als ich. Wir

möchten unsere ganzen Kräfte produktiven widmen. Als Staatsmann jedoch, der für

Zwecken das Wohl

seines Landes verantwortlich ist, kann ich es nicht zulassen, daß Deutschland der Möglichkeit ausgesetzt wird, daß ein Nachbar es überfallen könnte

oöer Bomben auf unsere industriellen Anlagen herab- toiirfe, oder einen sogenannten Präventivkrieg führte, nur um von den eigenen internen Schwierigkeiten abzu- ünlen. Nur aus diesem Grunde und aus keinem anderen fordern wir eine Wehrmacht, die Verteidi- gunflsansprüch-'i genügt."

Auf die Frage, ob die Arbeitsbeschaffung für jedermann bedeute, daß eine allgemeine Proletari- fierung stattfinden werde, entgegnete der Reichs­kanzler:Ganz im Gegenteil! Sobald unser Volk wieder Wett hat, wird auch die Kaufkraft sich heben, und dann wmini als logischer n ä ch st e r Schritt die H e b u n g des Lebensstandards. Wir wollen nicht ein primitives Volk werden, sondern eines mit dem höchst möglichen Lebensstandard. Ich gebe dem Amerikaner recht, wenn er nicht alle gleichmachen will, sondern wenn er gleichsam dem Prinzip der Stufenleiter mildlgt. Nur muß einem jeden die

Möglichkeit gegeben werden, die Leiter zu erklimmen.

Lochner stellte dann eine Anzahl Fragen, deren Zweck war, die Persönlichkeit Adolf Hitlers dem amerikanischen Volk besser verständlich zu machen.

... ®5 ist Ihre Einstellung, Herr Reichskanzler, gegen-

°cr Kritik, der persönlichen wie auch der presse- mahlgen?

®er Kanzler entgegnete sofort: Wissen Sie autln daß $ einen ganzen Stab von Sachkennern des wirtschaftlichen, Malen und politischen Lebens um mich versammelt habe,

Ausgabe es ist, Kritik zu üben? Ehe wir n Gesetz verabschieden, zeige ich den Entwurf diesen Män- "und frage sie:Bitte, was ist hieran falsch?" Ich Hl^> daß Sie einfach Ja zu allem sagen. Sie .feinen Wert für mich, wenn Sie nicht kritisieren Umr^ v ^gen, welche Mängel unseren Maßnahmen unter anhängen konnten. Ebensowenig liegt es in m Wünschen, daß die Presse einfach nur das abdruckt, qj'v1 ausgehändigt wird. Es macht keine Freude, 50 ® M lesen, die alte miteinander fast denselben

± haben. Im Laufe der Zeit werden unsere voll» Nieder so geschult sein, daß sie eigene wert- Beitrage zum nationalen Aufbau beisteuern können. SrerL i tlann ich Ihnen jedoch versichern, ich werde keine stören dulden, deren ausschließlicher Zweck ist, das zu zer- die (CiJPn5 wir aufzubauen unternommen haben. Wenn laute Kun? eines Schriftleiters ist, seine eigene interes- Schätzung der unseren entgegenzusetzen, so sei Preße »i, ; ich dann die modernen Möglichkeiten der Den gebrauchen werde, um ihn zu bekämpfen, fremder Mächte werde ich überhaupt keine recht geben. Solche Agenten verletzen ihr Gast­ten wisss beiße herzlich einen ausländischen Korresponden- heit der objektiv und ohne Voreingenommen- ioHte was er in Deutschland sicht und hört. Nur und fremder Korrespondent um seiner selbst lein Lira« Renommees als Journalist willen angelegen sich kirn t wicht etwa der Notwendigkeit auszusetzen, ^er di° zbater zu dementieren, weil er die Wichtigkeit. Nicht ^«.Zweckmäßigkeit der Maßnahmen unseres Regimes emgZchätzt hat. Erinnern Sie sich daran, muttes ihre Meinung über Richard Wagner ändern

ich einerseits Kritik wünsche", fuhr der ieniqen Jk bestehe ich andererseits darauf, daß bie« ®^erhpit das Wohl des ganzen Volkes arbeiten, die Sef)en wüsten, daß sie in Ruhe ihrer Arbeit nach- ^rrnoüi.i^F $er Fehler der Systeme, die dem unseren - »teMÄ»^

er am Ruder bleiben werde. Das führte dazu, daß er weder die Mißstände, die seine Vorgänger hinterlassen hatten, beseitigte, noch sich mit Plänen, die die ferne Zu­kunft umfaßten, zu beschäftigen wagte. Ich versicherte den Herren, die mit mir die Regierung übernahmen, selbst den­jenigen, die nicht meiner Partei anoehörten, daß sie der Stabilität ihrer Aemter -ewiß sein könnten. Daraus er­gab sich, daß alle freudig und mit ganzem Herzen bei der Sache waren und daß ihr Augenmerk lediglich auf eine

âchskanzler, es Herren Ihrer Stelle

aufbauende Zukunft gerichtet war."

Louis P. Lochner fragte dann: Herr Rei wird manchmal behauptet, daß es unter den nächsten Umgebung Männer gibt, die sich an Ihre setzen möchten. Von einem Ihrer prominentesten Mitar­beiter wird z. B. behauptet, daß er Ihre Maßnahme« zu durchkreuzen versucht.

Seinen persönlichen Eindruck nach dieser Frage schildert

Lochner mit folgenden Worten:

Es schien, als :, die ihm im

Des Kanzlers Züge hellten f ob die Gesichter der verschiedenen Kampfe am nächsten standen, an seinem Geiste vorüber­zögen und er sich freute über das, was er innerlich sah."

Der Führer antwortete:Ich weiß ja, daß Sie diese Frage stellen, um mein Verhältnis zu meinen Mitarbeitern klarzustellen und nicht etwa, weil Sie persönlich deren Loyalität in Frage stellen. Es wäre ja wirklich eine Ver­leumdung, irgendeinem der Männer, die Jahr um Jahr zu mir gestanden haben, zu unterstellen, daß sie etwa den Wunsch hätten, mich herauszudrängen.

Die Welt hat nie ein schöneres Beispiel von blinder Einfühlung erlebt als das, welches meine Mitarbeiter geben. Vielleicht liegt der Grund, warum Märchen dieser Art entstehen, in der Tatsache, daß ich mich nicht etwa mit Nullen umgeben habe, sondern mit wirklichen Männern. Nullen sind rund. Sie sind die ersten, die abzurollen be­ginnen, wenn es schlecht geht. Die Männer um mich sind kantige, aufrechte Männer. Ein jeder von ihnen ist eine kraftvolle Persönlichkeit. Ein jeder bat seinen Willen und ist von Ehrgeiz erfüllt. Wenn sie nicht derartig wären, so stünden sie nicht, wo sie heute sind. Ich

Schüsse in der Nacht

Das Rätsel von Schloß Woltershausen.

Wer erschoß den Hauptmann Werther?

Vor den, Schwurgericht in S ch w e i n f u r t h beginnt ein sensationeller Mordprozeß. Es handelt sich um ein Verbrechen, das im Dezember 1932 an dem Schloß­herrn von Waltershau scn (Unterstanden) begangen wurde. Die Mordanklage wird erhoben gegen Karl Liebig, Chauffeur und Gärtner des Ernrordcten. Der Angeklagte beteuert seine völlige Unschuld. Er wurde bereits ziveiinal verhaftet und befindet sich augenblicklich aus freiem Fuß. Zu der Verhandlung sind etwa IOC Zeugen und Sachverständige geladen. Der Angeklagte wird von einem 25jährigen Verteidiger vertreten, der nach feinen Aussagen durchaus von der Schuldlosigkeit seines Klienten überzeugt ist.

Oie Mordnacht.

Am 1. Dezember 1932 fand man auf Schloß Walters- baufen den Besitzer, den Hauptniann a. D. Waldemar Werther mit Schußverletzungen t o 1 auf. Neben ihm lag feine Frau ebenfalls von Schüssen getroffen. Sie konnte aber am Leben erhalten werden. In der Nacht sah man an Der Wegkreuzung von Wülfershausen nach Waltersbausen ein Auto, das sich in rasender Eile ent­fernte. Um 8 Uhr morgens nntrbe das Zimmermädchen plötzlich geweckt von den lauten Schreien einer Fra«. Es war die Gaiti« des Schloßbesitzers. Als das Madchm aus die Rufe im Zimmer erschien, trug Frau Werther einen balbabgcschosseuen Trommelrevolver in der Hand und rief immerzuIch schieße! Ich schieße!"

Auf dein Bett im Zimmer lag der Hauptmann, durch bohrt von zwei Kugeln aus einem amerikanischen Tromnlclrcvolvcr. Es ist mit Bestimmtheit _fcftgcftcHt wurden, daß die Schüstc auf ihn und feine Frau vor Mitternacht abgegeben wurden sind.

Oie Aussagen der Frau Werther.

Als Frau Wertber in das Kraukenbans eingeliefert wurde, erklärte sie, Aussagen machen zu wollen. Sie be- bauptetc, ber Täter habe ihren Mann angegriffen und als sie ans dem Nebenzimmer zu Hilfe geeilt sei, ebenfalls auf sie geschossen.

Sie habe in bem Täter mit Bestimmtheit bett Chaus- feur Hub Gärtner Karl Liebig erkannt.

Drei Stunden nach der Tat st a r b Hauptmann Werther. Sie sagte aus, sie habe ibn nicht allein lassen wollen lind sei noch bis 5 Uhr früh bei bem Toten geblieben. Die Verletzungen der Frau waren folgende: Schüsse durch bei de H ä n d e von innen nach außen und ein Streifschuß am Kinn.

Wer war der Täter?

Dis Sasse, mit der Hauptmann Werther getstsi mürbe, W nicht gefunden worden. Der Gärtner

begrüße den Ehrgeiz. Wenn nun eine solche Gruppe von machtvollen Persönlichkeiten zusammenkommt, so ist es un­ausbleiblich, daß einmal eine Reibung vorkommt. Aber noch niemals hat ein einziger der Männer, die mir Gefolg­schaft leisten, versucht, seinen Willen mir aufzuzwängen. Ganz im Gegenteil, sie haben in bewunderungswürdiger Weise sich meinen Wünschen untergeordnet.

Die letzte Frage Lochners lautete: Herr Reichskanzler, in den Tagen, ehe Sie an die Macht kamen, bewegten Sie sich dauernd unter dem Volk und hatten dadurch stetigen persönlichen Kontakt mit ihn« Heute, wenn Sie irgendwo erscheinen, sind die Straßen geschmückt, Willkommensadresien werden überreicht, Sie werden von den Spitzen der Be­hörden begrüßt. Wie bringe« Sie es trotzdem fertig, Ihre Hand am Puls der Ration zu behalten? Wie halten Sie den Kontakt mit dem einfachen Mann aufrecht?

Mit einem fast jungenhaften Lachen antwortete der Führer:

Erstens einmal, Sie sollten meine Mittagstischrunde oben in diesem Gebäude einmal sehen. Sie würden bemer­ken, wie dort jeden Tag neue Gesichter auftauchen. Mein Haus ist wie ein Taubenschlag. Mein Haus ist stets offen für meine Mitkämpfer, einerlei, wie schlicht und einfach ihre Verhältnisse sind. Unsere Organisation reicht bis in die kleinsten Dörfer hinunter, und von überall her kommen die Männer meiner Gefolgschaft nach Berlin, um mich auf- ^usuchen. Im Verlauf der Tischrunde erzählen sie mir dann ihre Soraen und Nöte. Sodann gibt es selbstverständlich noch viele andere Möglichkeiten, mit dem Volke in Be­rührung zu bleiben. Ich erwähne nur diese eine als ein charakteristi^es Beispiel.

Eines möchte ich jedoch beton: Obwohl ich alle diese kleinen Sorgen anhöre und aus ihrer Fülle von Einzel­heiten mir ein Gesamtbild der Lage mache, so laste ich es niemals zu, daß mir der Ueberblick verdunkelt wird. Ich muß mein Augenmerk immer auf unsere Hauptziele gerichtet haben und mit unermüdlicher Zähigkeit verfolgen. Dieses oder jenes Detail gefällt mir vielleicht nicht. Zu­gegeben: Aber ich muß es meinen Mitarbeitern überlasten, die kleinen Sachen zu bereinigen.

Wir verfolgen große Ziele. Unsere Hauptaufgabe be­steht darin, diese Methoden zu verfolgen. Ich brauche vier Jahre, um den ersten Abschnitt unseres Programms zu ver­wirklichen. Dann werde ich weitere vier Jahre für den nächsten Abschnitt benötigen usw. Wir erstreben ein be­deutenderes, besseres, glücklicheres Deutschland.

deutenderes, besseres, glücklicheres

vor der Tat waren in

wurde verhaftet. Einige Wochen Waltershansen größere Gelddiebstähte verübt worden. Liebig war der Tat verdächtig. Die Polizei Halle Fin­gerabdrücke von ihm genommen. Zwei Tage vor dem Mord fand Hauptmann Werther in der Kammer des Gärtners einen Dietrich. . . . Am 4. November 1933 wurde Liebig aus der Haft entlassen. Im April d. I. wurde er erneut festgenommen. Sein Verteidiger erzwang die Aufhebung des Haftbefehls. Dagegen legte der Staats­

anwalt Berufung ein.

Nun beantragte der Verteidiger die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Liebig wegen Mordes und Mord­versuchs.

Der Abdruck eines Oamenschuhes..

Frau Werther lag im Schweinfurther Krankenhaus. Da ihre Aussagen sehr w i d e r s p r u ch s voll waren, wurde gegen sie ein Haftbefehl erlassen. Auch dieser Haftbefehl wurde aufgehoben. Fünf Wochen nach der^Tat wurde in das Mordzimmer ei «gebrochen Das Selt­same daran ist, daß keine einzige Wertsache angetastet wurde.

Im aufgcwcichtcn Bode» des alten verwilderten Parks fand man den frische» Abdruck eines eleganten

Damenschnhs.

Es ist der Polizei bis jetzt nicht gelungen, diesen geheim­nisvollen Vorgang aufzuklären.

Mit Recht darf man auf den Ausgang dieses sensa­tionellen Prozesses gespannt sein.

Flucht aus österreichischen Kerkern. Schutzbündler u»d Nationalsozialisten a u s b e m Linzer Gefängnis gestehe n.

Aus dem Linzer Landesgericht sind nachts die dort gcfangcngchaltcncn Führer des Republikanischen Schutz­bundes von Obcröstcrrcich mit drei Unterführern aus- acbrochcn und im Kraftwagen geflohen. Auch z w c, Nationalsozialisten sind geflüchtet. Während die vier Mitglieder des Schnübundes in der Richtung nach der tschechoslowakische« Grenze flüchteten, sollen die beiden Nationalsozialisten nach bisherigen polizeilichen Ermittlungen in einem Kraftwagen in der Richtung nach der deutschen Grenze geflohen sein. ,

Gegen den Fübrcr des Republikanischen Schutzbundes war eine Klage wegen Hochverrats und Teilnahme am Aufrubr erhoben worden. Die beiden gestobenen .iatto= nalsozialisten waren bereits zu vierzebn Mona ter schweren Kerkers verurteilt worden. Nach Aup fassung der Polizei ist die Flnchi seit längerer Zeit sorg­fältig vorbereitet und mit Hilfe eines Justizwachtmeisters durchgeführt worden