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UK gBKS Tageblatt für Rhön und Vogelsberg %BM®S Suva, UN- Haunetal. Iul-aer Kreisbla«

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Re-aktion und Geschäftsstelle: Köniaftrafte 44 Zernfprech-^ufchluft Nr. 4484 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Laut«rbach-H.

Nr. 84 - 1934

Fulda, Mittwoch, 11. April

11. Jahrgang

Eisenbahnattentat in Oesterreich.

V-Zug bei Linz entgleist.

Sw ei Tote, sechs Schwerverletzte. An- ö schlag einer Terror-Gruppe?

Der 0 Zug mit zwei Zugteilen W i e n-Salzburg München und W i e n Passau H o l l a n d ent- nleifte bei Linz. Der Lokomotivheizer und ein Post­beamter wurden getötet. Bei den Reisenden gab es sechs Schwerverletzte.

Obwohl amtlich über die Ursachen des Unglücks bei Oftering noch nichts mitgeicilk' worden ist, da noch keine Klarheit bestehe.

wird allgemein ein Anschlag angenommen.

Nach den bisherigen Feststellungen sollen die Eisenbahn­schienen in einer Länge von neun Meter entfernt gewesen sein. Die Schienen sind bereits in der Nähe des Bahn­dammes ausgefunden worden.

An der gleichen Stelle ist vor drei Jahren ein Eisenbahnanschlag aus dieselbe Weise verübt worden. Es besteht die Vermutung, daß es sich um einen Anschlag einer Terror-Gruppe des aufgelösten Republika­nischen Schutzbundes handelt.

Die Generaldirektion der Österreichischen Bundes­bahnen teilt amtlich mit, daß 15 Personen ver­letzt worden sind. Es handele sich bei ihnen ausschließ­lich um Beamte bei Bahn und der Post. Getötet sei nur der Lokomotivheizer Die Lokomotive, der erste und zweite Postwagen seien umgestürzt und der anschließende Schlaf­wagen und die beiden Kurswagen seien entgleist Dadurch seien beide Gleise verlegt worden Der eingleisige Betrieb sei aber bereits wieder aufgenommen worden. Von feiten der Staatspolizei wird erklärt, daß zunächst über die Ursache des Unglücks vor dem Abschluß der eingeleiteten amtlichen Untersuchung keine Mitteilungen ge­macht werden könnten.

Die Generaldirektion der Österreichischen Bundes­bahnen hat eine Prämie von 5000 Schilling für die Feststellung der Attentäter des Eisenbahnunglücks bei Cfteting ausgesetzt. Obwohl die polizeilichen Ermitt­

Dreifacher Sinn des 1. Mai.

N der Arbeit, des Gelöbnisses und des Frühlings.

Umfangreiche Vorbereitungen zum 1. Mai.

der

Nur wenige Wochen noch trennen uns von Wiederkehr des Tages der Arbeit, des 1. Mai. Mit Fug und Recht wurde er zum Staatsseiertag erklärt: einst Ausdruck stets sich erneuernden Klassenkampfcs, wurde er im neuen Deutschland gewaltiges Symbol einer neuen nicht nur. sondern auch eines erneuerten Volkes, einer Volksgemeinschaft im schönsten Sinne des Wortes. Überall im Reich und besonders in der Haupt- Pnbt sind die Vorbereitungen in vollem Gange, den Tag würdig zu begehen. Noch tiefer, noch gehaltvoller ist fein cotu im zweiten Hitlerjahr, das zugleich das zweite Jahr °er Arbeitsschlacht darstellt; wird der Führer doch dies-

der Tribüne des Tempelhofer Feldes, unzähligen ^ullsgcnosien sichtbar, allen aber hörbar durch den Rund- lunk das feierliche Gelöbnis der in diesen Tagen ^wählten Vertrauensmänner der Betriebe ent- ? ^uuehmcn. Und über diese beiden Sinngehalte hinaus ; , ja auch noch die frohe Bedeutung der Wieder- n?1.0^ Frühlings, zu bereu arbeitbeschwingter Feier

t 0,,Äe Volk mit seinem Führer zusammenfindet, h ^'"sprechend diesem dreifach schönen Sinn wer- tl, , w auch die Feiern des Tages sein, dessen Gestal- "11er Hand des Reichsministers Dr. Goebbels ein», ft on nm Mitternacht wird der 1. Mai mit im c Kundgebung der Hitlerjugend auf dem Brocken eingeleitet: Gefolgschaften aus allen deutschen iuaonür^^en dort Früblinqslieder singen: des Reichs-

Baldur v. Schisachs Ansprache wird auf alle eichen Sender übertragen.

Staaisakte und Aufmärsche.

^""^s eindrucksvoll werden wieder die Vcr- ^"nstaltuugen in der Reichshauptstadt sein.

zug'^OAns um 7 Uhr wird sich in Berlin ein Fest- sches ^,c Straßen bewegen. Darin wird altes beut werden uw. in zeitgemäßem Gewände dargestellt und iv? ?lc Reichsstände der Industrie, des Handels der Reichsnährstand werden durch Aflcrn'rn^ ans Wagen oder durch Fuß- bertreten sein. Im Reich werden ähn- Wido«!,,,/111 a«cn größeren Städten nach denselben im Fus?'"^" durchgeführt werden. Um 9 Uhr findet zwar als 'neu der erste Staatsakt statt, und in ylu , Kundgebung der Schuljugend

bei Wh Jrs', der Vertreter der Reichsregierung und Nische 3« diesem Staatsakt ist auch das Diplo te9brunn âgeladeu, und Vertreter der Reichs ^irb über das Wort nehmen. Diese Kundgebung fol ftetcfi >75 deutschen Sender übertragen, und im gatt» y werden Parallelv eransta ltu na en für

lungen noch nicht abgeschlossen sind, wird auch von den amtlichen Stellen mitgeteilt, daß mit dem Vorliegen eines Anschlags gerechnet werden müsse.

*

Einzelheiten zu dem Linzer D-Zuaunglöck.

über die Entgleisung des D-Zuges WienParis in der Nähe von Linz werden fol­gende Einzelheiten bekannt: Das Unglück geschah, wie jetzt feststeht, dadurch, daß die Eisenbahnschienen aus einer

längeren Strecke abgeschraubt und über den Bahn- graben geworfen

worden waren. Der D-Zug fuhr in der Dunkelheit mit ungeheurer Wucht über die Stelle hinweg, so daß die Lokomotive und zwei Personenwagen vollständig zer­trümmert wurden und drei weitere Personenwagen ent­gleisten. Kurz vorher hatte noch ein Zug die Strecke durchfahren. Infolge der Dunkelheit stießen die Hilfsmaßnahmen auf große Schwierigkeiten. Der Heizer des Zuges wurde nach der Entgleisung

von den abrutschenden Kohlenmaffen erdrückt und unter dem Kohlenberg erstickt. Der Lokomotivführer ist so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davon­kommen dürfte. Ein größeres Unglück ist nach Auffassung der Behörden nur dadurch verhindert worden, daß die schwere Lokomotive und die beiden folgenden Postwagen an der Spitze des Zuges sofort entgleisten und dadurch der Zug zum Stillstand kam.

Die Polizei Hai den Hilfsarbeiter Baum­gartner verhaftet, der im Verdacht steht, an dem Anschlag beteiligt zu sein. Baumgartner soll auch mit den Anschlägen, die im Herbst 1932 und im Frühjahr 1933 auf Eisenbahnzüge verübt worden waren, im Zusammenhang stehen. Die weiteren Nachforschungen werden mit einem Polizeihund geführt, sind jedoch außerordentlich erschwert, da der während der Nacht einsetzende Regen die Spuren verwischt hat.

die Schuljugend durchgefübrr. Den Schluß der Ver­anstaltung im Lustgarten bildet das Dorbeizieben des Festzuges

Während dieser Zeit werden aus allen beutimen Gauen die Vertreter der deutschen Arbeiterschaft in Ab orbnungen mit Verkehrsflugzeugen der Lufthansa nach Berlin gekommen sein: sie werden von der Reichsregrc rung empfangen werden

Um 14 Uhr finde, ein F e st a k < der R e i ch s I u l t n r- k a m m e r in der Staatsoper statt, aus der Reichspropa- gaudaminister Dr. Goebbels eine Ansprache hält. Hier wird der Film- und der Biichpreis verteilt werden. Um 16 Uhr (vielleicht auch 17 Ubr) ist dann

der große Staatsakt auf dem Tempelhofer Feld mit einer Ansprache des Führers. Aus dem nördlichen Tei! des Tempelhofer Feldes werden die für den 1. Mai gewählten Vertrauensmänner aller Berliner Betriebe zusammengezogen. Sie legen dort ein feierliches Gelöbnis vor dem Führer ab.

Hinter der Fübrertribüne und den Zuschauertribunen werden in diesem Jahre

Fahnenmasten von 45 Meter Höhe errichtet. Sie müssen in der Art von Sendetürmen aus Eisen konstruiert und in mächtige Betoufundamente ein» gebaut sein, um dem Luftdruck widerstehen zu können, den die riesigen Fahnen im Winde auszuhalten haben.

Die Kanzel des Führers wird so gebaut, daß auf mehrere hundert Meier hin seine Gestalt deutlich zu er­kennen ist. , _

Um 21 Uhr ist rauu eine Kundgebung im Lustgarten bei der der preußische Ministerpräsident Göring spricht.

Von 20 bis 1 Uhr finden im ganzen Reiche

Maifeiern der einzelnen BctriebSgcfotgschaftcn

in Sälen statt. Die Reichssender werden aus diesen Akai feiern Übertragungen veranstalten. Die Kosten der gesamten Feier betragen für Berlin eine Million Mark. Sie werden in Berlin'und im ganzen Reiche dadurch auf­gebracht, daß 2 5 Mi lliouen F e st t a g s p l a k e tt e n zum Preis von 20 Pfennige verkauft werden.

sPlaketten

Eine Stoffe zieht um.

Übersiedlung von 125 000 Menschen.

Die bereits seit einiger Zeit geplante Verlegung eines Teiles des Pazifikflotte nach dem Atlantischen Ozean ist nunmehr erfolgt. 104 Kriegsschiffe, die insgesamt neben .300 Flugzeugen 43 000 Mann Besatzung an Bord haben, liefen in Richtung Panamakanat aus. Die Schisse werden, wie bereits gemeldet, in bett Gewässern um den Panama­kanal große Manöver abhalten, die am 12. Mai im Karibischen Meer beendet werden. Die Kriegsschiffe werden bann Ende Mai in New Work eintreffen und dort von Präsident Roosevelt besichtigt werden.

Die Flottenverschiebung bringt die Übersiedlung von insgesamt 12 5 0 0 0 Menschen einschließlich der Familienangehörigen von der Küste des Stillen Ozeans zur Atlantischen Küste mit sich.

Hindenburg zu Oscar v. Millers Tod.

Reichspräsident v o n H i n d e n b u r g hat an den Sohn des verstorbenen Oscarvon Miller solgendes Beileidstelegramm gerichtet:Zu dem schweren Verlust, der Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters be- trossen hat, spreche ich Ihnen mein aufrichtigstes Beileid aus. Ich werde dem um seine engere Heimat Bayern wie um ganz Deutschland hochverdienten Manne, der sich durch die Schaffung des Deutschen Museums ein bleiben­des Denkmal im deutschen Polke gesetzt hat, stets ein ehrens Gedenken bewahren, (gez.) von Hindenburg, Reichspräsident."

*

Die Leiche Oscar von Millers wird in das Deutsche Museum gebracht und dort im Ehrensaal aufgebahrt werden. Die Beerdigung findet am Donnerstag statt.

Geheimer Baurat Dr. Oskar v. Miller

der Schöpfer des Deutschen Museums in

München, ist am Montagnachmittag im 79.

Lebensjahr gestorben, nachdem er schon seit

einiger Zeit leidend war. Deutschland hatte selten einer einzelnen Persönlichkeit soviel zu verdanken wie Oskar v. Miller, der in jahre­langer, zäher Tätigkeit und fast nie ohne größte Schwierigkeiten durchgesetzt hat, was er einmal zum Nutzen der deutschen Wirt­schaft, der deutschen Wissenschaft, und der deut­schen Zivilisation begonnen hatte.

Mit Oskar von Miller ist eine Persönlichkeit von internationalem Weltruf aus dem Leben geschieden, vor :,wa 30 Jahren hatte Miller seinen Plan der Errichtung eines Museums von Meisterwerken bei Naturnussen- schäften und Technik einem Kreis von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, bei Stadt Miinchcn hervor­ragenden Männern der Wissenschaft und Tech tut bar» gelegt. Die Gründung wurde bann am einem Kongreß pes Pereins Deutscher Ingenieure in München, dessen Vorsitzender Miller war, beschlossen. In unerhörter Tat­kraft gelang Miller die Scbakfuna des

in der ganzen Welt einzig dastehenden Deutschen Museums.

dessen Bau und Ausgestaltung er den größten Schwierig, leiten zum Trotz durchführte Namentlich die Krreas- und Inflationszeit waren schwere Zeiten für das gro^c Werk dieses Mannes. Er verstand es jedoch, machttge Gönner für seine Lebensaufgabe zu gewinnen und so wurde denn das Museum und anschließend der Bibliotdeksbau voll­endet. Der erste Bauabschnitt wurde 1909 begonnen und 1914 vollendet: dann trat infolge des Krieges eine Unter» drechung ein. Miller arbeitete unentwegt weiter und am 7 Mai 1925. Millers 70 Gcbunsiag, konnte das fer tige Museum feierlich eröffnet werden ocutU Jahre später, am 75. Geburtstag des Meisters war auch bei Bibliotheksbau erstanden. Miller war auch als Elektroinaenieur ein bahnbrechender Techmker. Er hat bedeutende Kraftwerke gebaut die borbilbltdj tn bei ganzen Welt wurden. Er ist auch der Schöpfer des Walchensee-Kraftwerkes.

Kran^ois-poncet in Maris.

Der französische Botschafter in Berlin, Francois- Poncet ist in Paris eingetroffen. Aus die verschiedenen Fragen der anwesenden Journalisten antwortete der Bot­schafter, daß er

weder einen Auftrag noch eine Bestellung auszurichten habe, sondern lediglich einen achttägigen Urlaub in der französischen Hauptstadt verbringen werde. Es sei ganz selbstverständlich, daß er diese Gelegenheit benutze um den Außenminister aufzusuchen, mit dem er außerdem persönlich befreundet sei Die Pariser Abendpresse gibt sich jedoch mit dieser Erklärung nicht zu- frieden, sondern sucht nach den Hintergründe« der plötzlichen Reise des Botschafters, ohne daß dabei mehr als Vermutungen geäußert werden können.