Fuldaer Mzeiger
■ “ *- *•"*- -t**"* "M Tageblatt für Rhön und Vogelsberg t™^*»"^^ ; ^,L§ Iulöa- und Haunetal *§ulöarr Kreisblatt
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M. 107 — 1934
Fulda, Mittwoch, 9. Mai
11. Jahrgang
Der brennende Sarg.
Trauer über Deutschlan-.
Die Katastrophe vs« B«ggi»sen
Tiefe Trauer herrscht in ganz Deutschland über die tlaiasiruphe, die das kleine Städtchen Bugginge» im babischen Land betroffen hat. Erschüttert stehen wir vor dnn tiefen Leid, das unzählige FamUien betroffen hat. Kein Wort vermag die zu trösten, die durch ein furchtbares üuqlück ihres Ernährers beraubt wurden. Aus ganz Deutschland pilgern Hunderte von Menschen nach der Un- nlMSftM in deren Mitte ein brennender Sarg liegt. Sogar aus der Schweiz und auS dem Elsaß strömen btt Messen herbei. Ein furchtbarer Schlag ist r)uf die Vielen hcruutergegangen, die mit den toten Bergleuten verbunden waren, seien es nun Frauen, Kinder oder Freunde. Aber auch diese Opfer sind für die Heimat gebracht, auch sic sind im Kampfe gefallen, im Kampfe des Menschen gegen Naturgewalten. Wir senken die Fahnen vor diesen Helden der Arbeit.
Nach der Mitteilung der sachverständigen Bergwerks- oeainten wird der durch Kurzschluß entstandene Brand in der Grube noch einige Tage andauern. Es wurden alle menschenmöglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die Grube möglichst rasch abzudümmtn. Vom badischen Wirt- schastsministerium weilte Ministerialrat Naumann an der Unglücksstätte, um unter Beihilfe von Beamten des badischen Bergwerkamtes alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
Die Ursache des Unglücks wird in den nächsten Tagen Gegenstand eingehender Untersuchungen durch die maßgebenden Behörden sein. Um die 86 Toten überhaupt bergen zu können, mußte die Grube nach der Aussichtslosigkeit der Rettungsarbeiten abgedämmt werden.
Aus dem ganzen Reiche sind bei der Direktion des Kaliwerkes und bei der badischen Regierung Beileids- iklcgramrne eèngetrosfcn. Reichspräsident von Hindenburg mib Reichskanzler Adolf Hitler haben eingehenden Bericht * der Katastrophe erhalten.
Aus Anlaß des Grubenunglücks setzten die Reichs Wrbcn in der Rcèchshauptstadt die Flaggen auf Halbmast.
Ein Steiger erzählt.
Ein Pressevertreter hatte Gelegenheit, über das Bergwerksunglück den Steiger H i n tz e r zu sprechen, als erster den Kurzschluß bemerkte. Hintzer erzählt, daß »sofortseine Leute alarmiert habe, die sich noch in Sicherheit bringen konnten.
, Weitere Maßnahmen seien nicht möglich gewesen, da der Ttollen sehr schnell in hellen Flammen gestanden habe. Du Rauchentwicklung sei so stark gewesen, daß selbst der Scheinwerfer der Feuertvehr nur drei Meter durch- hedruiigen sei.
Die H itz e, die in dem etwa 800 Meter tiefen Stollen
unter gewöhnlichen Umständen fast 40 Grad betrage, munerträgl ich geworden. Zu allem Unglück habe der Brennherd
in der Nähe des Ausganges
^?M. Der teilweise sehr lange Anmarschweg der Beleg- Wsei durch Rauch und Gase schnell unpassierbar geworden.
^ Schauplatz des Grubenunglücks von Buggingen ^"^eiib«! Verunglückten, die nach der ersten Mcl- K von der Katastrophe herbeigeeilt sind, vor dem
Unglücksschacht.
Die Geschichte des Kaliwerkes.
ein B " gbau j u Buggingen gründet sich aus
Hs« “ ‘ u orto m m e n, das ähnlich wie das Vorkom« lich ’iJr -S’^ ausgebildet ist und mit diesem wahrschein-
Nach dem V e r l u st d e s E l s a ß !ch«^,,.s, adlschen Kalischätzen erhöhte Bedeutung zu. Jn- torhJ LU ^"^ mit allen Kräften an der Erschließung bilrC .Durch eine besondere Verordnung des Reiches Aass»/ cr ^au von zwei Schächte» in Baden zu- tehiri»? Nachdem die Schwierigkeiten des Wasser- uberwünden waren, brachte die Inflation k en ^cr Finanzierung, die aber ebenfalls bc- l»nd 5A> ^" konnten, so daß Ende 1921 eine Tiefe von erreicht war. Inzwischen waren auch die ^uhrn/r stabil geworden, und man konnte das ^NNen^^^^ erweitern. Der zweite Schacht wurde He- ilctcr ~oS Kylilager wurde am 19. Juli 1925 auf 7 8 8 Io bor "reich t. Die Beschaffenheit des Lagers war Men â^^llch wie nur in ganz wenigen deutschen
*t da»,» Werk gehörte früher zum Burbach-Konzern, später durch die ^Preußâg" abgelüst wurde.
Spenden für die Hinterbliebenen.
Aus allen Teilen des Reiches laufen namhafte Spenden ein für die Hinterbliebenen der Opfer. So hat der Reichsbetriebsgemcinschaftsleiter der N S B O. Westfalen-Süd den Hinterbliebenen zur Linderung der ersten Not namhafte Geldbeträge überreicht. Die Zechen des Ruhrreviers flaggen aus Anlaß des Unglücks halbmast. Die Stiftung für Opfer der Arbeit stellte vorerst 50 000 Mark zur Verfügung.
Blick in ein Kalibergwerk.
Beileid des Reichspräsidenten.
Reichspräsident von Hindenburg hat an den Rcichsstatthalter in Baden folgendes Telegramm gerichtet:
„Tief erschüttert durch die Nachricht von der Grubcn- katastrophe im Kalibcrgwcrk Buggingen bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der in treuer Pflichterfüllung in so bedauerlicherweise ums Leben gekommenen Bergleute die Versicherung meiner tiefempfundenen Anteilnahme zu übermitteln.
(gcz.) von Hindenburg, Reichspräsident."
Auch der Reichswirtschaftsminister sandte ein in herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm.
Beileid des Führers zum Grubenunglück.
Reichskanzler Adolf Hitler hat an die Verwaltung bei: Kaliwerkes Buggingen folgendes Telegramm gerichtet:
Die Nachricht von dem schweren Unglück, das durck den Brand im Kaliwerk Buggingen verursacht ist und sv vielen braven Bergleuten das Leben gekostet hat, hat mta tief ergriffen. Ich bitte, allen von dem Unglück betroffener Familien meine herzliche Anteilnahme auszusprechen
*
Trauer und Hilfe für Buggingen.
Die „Basler Nachrichten" veröffentlichen einen Aufruf zu einer Sammlung zur Unterstützung der Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute von Buggingen. In dem Aufruf wird auf die enge Volksverbundenheit der Schweiz mit dem benachbarten alemannischen Baden hingewiesen, die dazu zwinge, den schwergeprüften Mitmenschen beizustehen. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Die Not ist gewaltig, das Elend erschütternd. Wir bitten deshalb unsere Leser, ihr Schcrflein zur Linderung beizutragen. Möge es eine wahre Pfingstspendc werden."
Reichsminister Dr. Goebbels hat anläßlich des Grubenunglücks in Buggingen an Reichsstatthalter Wagner in Karlsruhe nachstehendes Telegramm gerichtet:
„Zu dem entsetzlichen Grubenunglück, das Ihr Land und damit das ganze deutsche Volk getroffen hat, spreche ich Ihnen und vor allem den so furchtbar geschlagenen Angehörigen der tapferen, toten Soldaten der Arbeit meine wärmste und innigste Teilnahme aus.
Gruppenführer Ludin gibt bekannt: „In tiefer Trauer über den Arbcitstod ihrer Bugginger Arbeitskameraden versucht die SA.- Gruppe Südwest, zugleich auch im Namen und im Geist des Stabsführers Röhm, durch
eine Spende von 20 000 Mark
für die Hinterbliebenen der SA.-Männer ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Ich beauftrage den Führer der SA.-Brigade 5, Oberführer Wasner, mit der Bildung eines Komitees, das die Verteilung des Geldes im Sinne sozialistischen SA.-Geistes vornimmt."
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Die Berliner NS. -Stadtverordnetenfraktion hat an den Gaubetriebszellenobmann Plattner in Karlsruhe in Baden das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Zu dem furchtbaren Unglück, das sich in Ihrem Gaubereich in Buggingen ereignet hat und dem 86 deutsche Arbeitskameraden zum Opfer fielen, sprechen wir Ihnen unser tiefstes Beileid aus. Zur Milderung der Not der Angehörigen übersenden wir Ihnen den Betrag von 5 00 Mark. — Nationalsozialistische Stadtverordnetenfraktion zu Berlin."
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Wie das Reichsarbeitsministerium mitteilt, haben die zuständigen Sozialversicherungsträger zur Linderung der ersten Not an jede Hinterbliebene der
Saarländer, meldet euch'.
Die Reichsregierung erläßt folgenden Aufruf:
„Der Zeitpunkt, an dem die Saarbevölkerung nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages im Wege der Volksabstimmung über ihr künftiges Schicksal entscheiden soll, rückt heran. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest; fällig ist aber die Volksabstimmung vom 10. Januar 1935 ab.
Abstimmungsberechtigt
ist, ohne Unterschied des Geschlechts, wer am Tage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, d. h. am 28. Juni 1919, im Saargebiet gewohnt hat und am Abstimmungslage wenigstens 20 Jahre alt ist.
An alle im Reich außerhalb des Saargebiets wohnhaften Personen, die am 28. Juni 1919 im Saargcbiet gewohnt haben und vor dem 11. Januar 1915 geboren sind, ergeht die A u f f o r d e r u n g, sich in der Zeit von Donnerstag, dem 3. Mai,
bis Sonnabend, dem 12. Mai,
bei ihrer Gemeindebehörde (Einwohnermeldeamt), in den Städten auf den Polizeipräsidien ihres jetzigen Wohnsitzes zu melden. Das gilt auch für Personen, die sich schon früher als Saarabstimmungsberechtigte gemeldet haben. Personalausweise und, soweit möglich, Nachweise über den Wohnsitz am 28. Juni 1919 (An- und Abmelde- beschcinigungen, Beschäftigungszeugnisse usw.) sind milzubringen. Wo und zu welchen Tageszeiten die Meldungen entgegengenommen werden, wird durch jede Gemeinde rechtzeitig besonders bekanntgegeben."
Unsere Zeit verlangt vor allem nach Müttern, aber nach ernsten, tapferen und selbst hochgesinnten. Ohne sie bleibt die beste Erziehung der Jugend mangelhaft. Hilty.
rilemelland M sich nicht mundtot machen.
Einberufung des Landtages verlangt.
Die mcmclländischcu Landtagsabgcordnctcn der Land- wirtschaftspartci, der Sozialdemokratie und der Arbeiter partci haben mit 23 von insgesamt 29 Abgeordneten des Mcmclländischcn Landtages einen Antrag an ben Gouvcr neur des Mcmelgcbictes, Dr. Nawakas, gerichtet, worin dieser laut Artikel 12, Abs. 4 des Memelstatuts ersucht wird, den Landtag des Mcmclgcbictcs cinzubcruscn.
Der betreffende Absatz des Statuts hat folgenden Wortlaut: „Der Landtag muß durch den Gouverneur einberufen werden, wenn mehr als ein Drittel seiner Mitglieder es verlangt."
Exylosionen auf drei Wiener Vahnhöfen.
Auf drei großen Wiener Fcrnbahnböscn ereigneten sich schwere Papierböllcrerplosioncn. Im Gc päckramn des A s p c r n b a h n h o f c s explodierte ein Papierböller. Es wurde bedeutender Sachschaden angerrchtet. Der Sprengkörper — mit einer Zeitzündung versehen — war offenbar in einem Soffer verborgen, der zur Aufbewahrung hinterlegt worde» war. Durch zwei Explosionen auf dem Westvabnhof und auf dem Südbahnhof wurden zahlreiche Fenstel-scheibcn zertrümmert.