Zul-aer Anzeiger
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Nr. 114 — 1934
Fulda, Freitag, 18. Mai
11. Jahrgang
Gesetz der Serie...?
gtn Unglück kommt selten allein" heißt ° Aolksmund. Die Berechtigung dieses Satzes sonnten wir wieder in diesen Tagen erfahren. An wett auseinanderliegenden Orten ereigneten sich Unglücks- .gilt und Katastrophen, die eine seltsame Ähnlichkeit miteinander hatten. Man erinnere sich: Ruf der Weser lammte ein deutscher Ozeandampfer einen Schlepper und kalbte ihn zum Sinken. Einen Tag später kollidierte ein amerikanischer Ozeanricse mit einem Feuerschiff. Auch dieses ging unter. Bei beiden Unfällen sanden viele Menschen den Tod. Weiter: Bei Langwedel ereignete sich ein schweres Zugunglück: drei Todes- vvser waren zu beklagen. Nun kommt die erschütternde Nachricht, daß in P f o r z h e i in bei einem Eisenbahnunfall mehrere Volksgenossen den Tod fanden. Aus Belgien wird wieder eine Bergwerks fatastrophe gemeldet. — Das sind alles seltsame Tatsachen. „Gesetz der Serie", sagen die einen, Duplizität der Ereignisse" meinen die anderen. Und der dritte bezeichnet es als „Pechsträhne", während der vierte cs einfach „Z u f a l l" nennt. Man mag es nennen, wie man will: das Unerklärliche bleibt bestehen. Und man wird unwillkürlich an ein D i ch t e r w o r t erinnert: „Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erden, von denen sich unsere Menschenweisheit nichts trâumey läßt . . ."
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Die Ursache des schweren Eisenbahnunglücks bei Pforzheim.
Zu dem Unglück erfahren wir noch folgende Einzel-
Neften:
Der vordere Teil des Personenzuges war bereits in den Bahnhof eingefahren, als der Zusammenstoß erfolgt«. Es scheint W, daß sich die Bediener der LoLomotive w dem Überfahren der Weiche nicht überzeugt habe«, «welcher Richtung die Weichensteklung lief.
Dir e r st e H i l f-e wurde den Verletzten von ihren itb e i 18 f a m e r a b e n des Zuges und vom Bahnhofs- Mjonal geleistet. Da das Unglück gerade zu einer Zeit geschah, wo sich in der Stadt jedermann auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte befand, dauerte es leider einige Zeit, bis die Mitglieder der freiwilligen Sanitätskolonnen verständigt werden konnten.
Bereits zehn Minuten nach dem Unglück waren die Verlebten aus dem Gewirr der Trümmer befreit und nach den Bahnhofsräumen gebracht, wo sie mit Notverbänden versehen und von dort mit Postkraftwagen in das Kran- lenhaus geschafft wurden.
Erschütternde Szenen.
Viele Berlctzte waren schrecklich zugerichtet. DaS eine Mädchen verschied in den Armen eines Arbeiters; es be- sand sich in einem der drei Unglückswagen, die zur Hälfte vom Fußboden bis hinauf zum Wagendach anfgeschliht und zermalmt worden sind.
Die zweite weibliche Tote wurde erst eine Stunde nach dem Zusammenstoß geborgen: sie war aus einem Wagen herausgerissen und unter die Rangierlokomotive livschleudert worden. Ein Arm war herausgerissen und ein Bein von den Rädern der Lokomotive abgetrennt.
Herzzerreißende Auftritte spielten sich am Bahnhos und an der Nnglücksstclle ab, da alsbald nach dem Bekanntwerde» des Unglücks aus der Umgebung die Frauen
Das Handwerk im neuen Staat.
Rede des Reichshandwerksführers.
.Reichshandwerksführer Schmidt führte vor der Presse in Berlin u. a. folgendes aus:
, Eines der wichtigsten nationalsozialistischen Ziele und wesentlichste Fundament nationalsozialistischer Wclt- Mchauung ist die Beseitigung des Klassenkampfes und die •‘Wbaffung kameradschaftlicher Volksgemeinschaft: Sic b«it sich aus
kameradschaftlicher Betriebsgemeinschaft
W Das alles wird zum erstenmal durch das neue ? o n dwerkergesetz in der gewerblichen Wirtschaft ""sucht. Die Innung und zwar als Pflichtinnung auf- ^°8en, ist nicht mehr die einseitige Jntercssenvertreter- ^^âüftation der Handwerksmeister, sondern sie ist die °°usgcmcinschastlichc Standesorgannation aller im Hand- "k hauptberuflich erwerbstätiger Menschen.
lieben dem bisherigen Obermeister steht als mit» ramwortlicher Standessührcr der Gesellen- cbr c r. Er führt die Arbeitnehmer und Gesellen des L "°werks innerhalb der Innung. Er ist dafür verant- daß das marxistische Gedankengut durch die b^^ ^ozialistischc Weltanschauung endgültig ersetzt und wird.
zweite Grundsatz des Gesetzes über die Nenord 8 der Verhältnisse im Handwerk ist die
<^ Durchführung des Führerprinzips.
b08 liberal-demokratische Wahlsystem in den ""V-rechtlichen Körperschaften des Handwerks end
yerdetgeeilt waren, um sich nach den, Schicksal ihrer Männer zu erkundigen
Ein Zeuge des Unglücks berichtet, daß in seinem Wagen, der sich in der Mitte des Zuges befand, ein furchtbares Krachen und Splittern losging. Die Insassen des Wagens waren einen Augenblick st a r r vor Schrecken, dann erschollen den ganzen Zug entlang Schreie, in die sich das Wehklagen und die Hilferufe der Verletzten mischten.
Laut schrien auch die Kinder einer Schulklasse, die in Eutingen zu einem Klassenansflug in den Zug ehr gestiegen waren.
Am Schauplatz des Eisenbahnunglücks von Langwedel. Unser Bild berichtet von dem schweren Eisenbahnunglück des D-Zuges Bremen—Hannover bei Langwedel, das drei Tote und dreizehn Verletzte gefordert hat: der in Brand geratene verunglückte Zug.
Wie wir noch zu dem Eisenbahnunglück bei Lang- wedel erfahren, sind von den Verletzten, die sich im Verdener Krankenhaus befinden, sieben außer Lebensgefahr. Der Kaufmann P e l u d s z i n s k i, der mit einem schweren Schädelbruch ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat eine verhältnismäßig gute Nacht gehabt. Die Ärzte sind voller Hoffnungen, ihn am Leben zu erhalten. Die Leichen des Lokomotivführers und des Heizers konnten geborgen werden. Die Auf- räumungsârbeiten sind bereits soweit fortgeschritten, daß bie Strecke wieder befahren werden kann.
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Aeu? Schlagwetterexplosion in Belgien.
Zwanzig Bergleute verschüttet.
Im Kohlenrevier von M o n s in Südbelgien hat sich hi der Kohlengrube von Paturagcs eine neue schwere Schlagwetterexplosion ereignet. Ein Bergmann, der der Rettungsmannschaft für die bei der Katastrophe vom Dienstagabend verschütteten Arbeiter angehörtc, er» schien mit allen Anzeichen des Entsetzens an der Oberfläche und berichtete, daß an genau derselben Stelle, an der sich die letzte Katastrophe ereignet hatte, eine neue Explosion erfolgt ist, durch die eine Rettungsmannschaft von 20 Arbeitern und Ingeni e u • r c n verschüttet wurde.
Von den über 20 verschütteten Bergleuten konnten sechs Mann lebend geborgen werden. Die Geretteten waren jedoch so schwach, daß von ihnen Auskünfte über vas Schicksal der übrigen Verschütteten nicht zu erlangen waren.
gültig beseitigt. Der Dank für diese geschichtliche Umwälzung gebühr« allein unserem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Darum benutze ich diese ©elegenbett, dem Führer meinen tiefempfundenen Dank aller wohlgesinnten und am Neuaufbau mitarbeitenden Standesgenossen auszusprechen.
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Erste Ausführungsverordnung
zum Sandwerkergesetz.
Die RcichSregicrung hat „Die erste Verordnung zur Ausführung des Handwcrkergesetzes vom 12. November 1933" verkündet.
Vor Pressevertretern wies der Reichskommissar für den Mittelstand, Ministerialdirektor Dr. W i e n b e ck. daraus hin, daß die Beziehungen, die von den Handwerks- tammern über die Verbände zum Reichshandwerksführer führen, in einer zweiten Verordnung geregelt werden würden. Dem Handwerk seien keine schlimmeren Feinde erstanden als im Marxismus und im Liberalismus. Die Selbsthilfe des Handwerks habe zu einer Pflichtinnungsorganisation von fast 70 Prozent der gesamten deutschen .Handwerkerschaft geführt, so daß der letzte Schritt, eine völlige Pflichtorganisation für das Handwerk auszu sprechen, seiner eigenen Gesinnung entsprach.
Es sei Vorsorge getroffen, daß durch @ b r e n» g c r icb l s b a r ke i 1 alle aus dem Stand entfernt werden können, die ihm schaden
Bodenständige Arbeit.
Es war schon seit Monaten viel geklagt worden, — über die Landflucht von Knechten, Mägden, Dienstboten nämlich; es war aber auch sehr eindringlich von den Behörden, der Partei, den Wirtschaftsorganisationen vor dieser Landflucht gewarnt worden, — leider anscheinend nicht mit dem erhofften Erfolg! In manchen Gebieten hatte sich der Reichsnährstand mit den Arbeitsämtern der größeren Städte in Verbindung gesetzt und sie gebeten, frisch vom Lande her Zugezogenen keine Arbeit zu vermitteln, — auch das scheint nicht viel geholfen zu haben, denn vielfach wird in der Landwirtschaft über Mangel an gelernten Kräften geklagt.
Die S t a d 1 übt jetzt wieder eine stärkere Anziehungskraft auf die nicht fest an den Boden gewachsenen Menschen auf dem Lande aus. Es schien dort nicht mehr hoffnungslos, Arbeit zu finden, wie in früheren Jahren. Und da hat ein durch und durch unerfreulicher Zuzug vom LandeindieStadt eingesetzt, wo an sich noch immer die Arbeitslosenmassen zusammendrängen. Sie aber gerade zu vermindern — nicht zuletzt durch den Abzug aufs Land hinaus — ist Hauptsorge und Haupttätigkeit der Behörden. Die Industrie, vor allem aber auch Handel und Gewerbe, beleben sich nun nicht so schnell, daß sie gleich ganze Massen von Erwerbslosen hereinnehmen können. In gewissen Zweigen freilich ist die Mehrbeschäftigung so stark angewachsen, daß sich hier und da schon ein Mangel an gelernten Arbeitskräften bemerkbar macht. Davon las man auch auf dem Lande und zog hoffnungsfroh in die Stadt. Dieser oder jener fand wirklich Beschäftigung — und das lockte weitere vom Lande herbei. Mahnungen und Warnungen hiergegen scheinen aber keine großen Wirkungen gehabt zu haben. Die Klagen in der Landwirtschaft mehrten sich.
Da hat nun das Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes eingegriffen. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung darf anordnen, daß bisher in der Landwirtschaft Tätige nicht in anderen als landwirtschaftlichen Betrieben, Berufen oder Arbeiten beschäftigt werden dürfen. Also z. B. Knechte, ländliches Gesinde, Melker, aber auch Familienangehörige des Bauern selbst wie Brüder oder jüngere Söhne, Schwestern oder Töchter. Denn dieser Personenkreis sind gerade die gelernten Arbeitskräfte, die die Landwirtschaft heute schon schmerzlich vermißt, weil sie in die Stadt gingen und dort doch nur im allgemeinen die Zahl der Arbeitslosen vermehrten. Und werden sie wirklich eingestellt, dann muß das Arbeitsamt seine Zustimmung dafür geben; außerdem darf die Einstellung nur in ganz bestimmten Berufen erfolgen.
Es muß aber Zwang angewendet werden, wenn in völligem Unverständnis nun der nationalsozialistischen Idee der Bevölkerungsumschichtung von der Stadt auf das Land entgegengewirkt wird. Wenn beute Arbeitsstellen aufgegeben werden, um in eine ungewisse Zukunft ober vielmehr in die fast sichere Arbeitslosigkeit hineinzuwandern! Wenn die Wurzeln fast leichtfertig zerschnitten werden, die bisher diese Menschen mit deni Boden verbanden! Schon ist wenigstens dieser und jeder anberc Zuzug nach dem größten Magneten, der Stadl Berlin, gesperrt worden, wo auch heute noch das Heer der Arbeitslosen sebr groß ist, die Zahl der Arbeitsstellen sich aber nur langsam vermehren kann. Dort darf — ohne Rücksicht auf die frühere Beschäftigung — überhaupt kein Arbeiter oder Angestellter Arbeit erhalten, der in Berlin am 17. Mai nicht seinen festen Wohnsitz hatte. Es hat also schon deswegen gar keinen Zweck nach Berlin zu kommen und nach Arbeit suchen zu wollen: die Zuzugssperre verhindert ein derartiges Bemühen von vornherein. Und wie dies für Berlin bereits bestimmt worden ist, soll es auch für alle Bezirke geschehen, die heute noch unter einer besonders großen Arbeitslosigkeit leiden.
Ein allzu groß gewordener, bevölkerungspolitisch geradezu gefährlicher Unverstand erzwang diesen staatlichen „Eingriff in die bisherige Freiheit des Unternehmers, Arbeitskräfte einzustcllen, und der Arbeiter und Angestellten, Arbeit anzunehmen-, wie hier gesagt wurde. Staats- und Volksnotwendigkeiten stehen höher als das oft sehr wenig vernünftige und sehr kurzsichtige Wünschen des einzelnen!
Kurze politische Nachrichten.
Der preußische Ministerpräsident Goring legte auf dem deutschen Heldenfriedvof bei Belgrad je einen Kranz an den Grabdenkmälern der gefallenen deutschen und der serbischen Soldaten itteber. Sodann fetzte er seinen Flug n a cb Atbe n fort.
Das Preußische Staatsministerium hat ein Gesetz zur Erschließung von Erdöl, undanderen Bodenschätzen (Erdölgesetz i beschlossen. Dieses Gesetz soll die rechtlichen Grundlagen klarstellen und erweitern, unter denen sich die Aufsuchung und Gewinnung von Erdöl, Erdgas, Erdwachs. Asphalt und dergleichen in Preußen vollzieht.
Die Reichsbabnbeamten - Krankenversorgung bat weitere 5 0 000 Mark als freiwillige Spende zur Förderung der Nationalen Arbeit und 1 0000 Mark der Stiftung für die Opfer der Arbeit zur Verfügung gestellt. *
Der englische Journalist Pembroke Stevens, Vertreter des „Dailv Erpreß-, wurde beim Photographieren chemischer Anlagen in der Nähe Magdeburg f e st - genommen und der Polizei zugeführt. Pembroke Stevens hatte mit dem Versuch, chemische Werke zu Photo graphieren, gegen ein altes Verbot verstoßen. Er ist nod) am gleichen Tage freigelassen worden.