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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 170 Mk. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedr. Ehrenklau, Fulda Königstr. 42. Druck: Friedr. Ehrenklau, Lauterbach/H. Hauptschriftleiter: Dr. jur. Paul Langemack, Fulda. Königstr. 42. Vertreter des Hauptschristleiters: Fr. Ehrenklau, Lauterbach H.

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg äö*«. ääm i^

Texiteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung Zul-a- un- Haunetal. Zul-aer Kreisblatt Beitreibung ober Konkurs erlischt jeder Anspruch , . auf Nachlaß.DA." 1000. L^rantwortl. für den

Reöaktron UN- Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-Rnschluß Nr. 2-S- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 120 1934

Fulda, Samstag, 26. Mai

11. Jahrgang

rtoininiinistische Streikhetze in USA.

Das Streikfieber in den Veremigten Staaten.

Por einem Tiefen ft reit in der Stahl- i n d u st r i e

Die leitende, > Regierungstreise in Washington be­faßten sich ausführlich mit der Streiklage, die nach wie vor als sehr ernst anzusehen ist. Jetzt fommt zu den mit größter Erbitterung geführten Arbeitskämpfen in Minneapolis und Toledo noch die Drohung eines Ricsenstreiks in der Stahlindustrie.

Der Metallarbeiterverband kündigte für den 16. Juni einen allgemeinen Ausstand an, falls seine Forderungen nicht bis zum 10. Juni bewilligt würden. Der H a f e n -- arbeiterstreik an der Küste des Stillen Ozeans dauert nun schon drei Wochen. Der Schiffsverkehr in allen Häfen von San Diego bis Seattle richt fast voll­ständig.

(Streifende mit Maschinengewehren.

Wie aus Toledo (Ohio» gemeldet wird, hat die auf 6000 Mann angewachsene Menge der Streikenden ihre Angriffe auf die Rationalgarde erneuert. Die Truppe mußte abermals von der Schußwaffe Gebrauch machen. Dabei wurden zwei Streikende getötet und eine größere Anzahl verletzt. Unter den zahlreichen Ver­hafteten sollen sich 2 2 kommunistische Agita­toren befinden. Man befürchtet weitere blutige Aus­schreitungen, da die Streikenden aus Detroit mit Maschinengewehren versehen wurden. Auch Dynamitanschläge werden erwartet. Sämtliche Fabriken sind von Truppen besetzt, die auch für den Fall des Ab­flauens des Streiks noch einige Zeit dort verbleiben sollen.

*

Erbitterte Gaskämpfe.

Die Kämpfe in Toledo wurden mit einer unglaublichen Erbitterung geführt.

Nach dem ersten Feuerangriff der Soldaten trat eine Gefechtspause ein, die die Truppen ausnutzen konnten. In Lastautomobilen fuhren mehrere Abteilungen um die belagerte Fabrik umber und warfen eine Unmenge von Gasbomben ab. Da es sich nicht um Tränengas handelt, sondern um Gas. das bei den Betroffenen

wirlschüstrbelebung und Steuereinnahmen.

Sehr gutes Steueraufkommen im April.

Das Auskommen an Steuern, Zöllen und Abgaben im Reich hat sich im Monat April 1934 sehr gut ent­wickelt. Die Einnahmen betrugen im April 598,1 Mil­lionen Mark (1933: 488,4 Millionen Mark).

Von denjenigen Steuern, die für die Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung am wichtigsten sind hat sich be­sonders

die Lohnsteuer

im April weiter gut entwickelt. Das Aufkommen im April 1934 übersteigt dasjenige im gleichen Monat des Vor jahres um nicht weniger als vier Millionen Mark. Die in den letzten Monaten des abgelaufenen Rechnungsjahres bon Monat zu Monat fortgeschrittene Besserung des Auf kommens an Lohnsteuer hält somit weiter an. Auch

die Umsatzsteuer

entwickelte sich weiter zur vollsten Zufriedenheit. Das Auf­kommen betrug im April 1934 158,3 Millionen Mark, im April 1933 betrug es 120,9 Millionen Mark. Trotz der am 2. Oktober 1933 erfolgten Senkung der Umsatzsteuer der L a n d w i r t s ch a f t von 2 ans I Prozent beläuft sich mithin das Mehr im April 1934 auf 37,4 Millionen Mark.

Auf den Gesamtbetrag von 598,1 Millionen Mark hob Steuergutscheine im Betrage von 133 Mil­lionen Mark einschließlich Aufgeld in Anrechnung ge­nommen worden.

Ein bekehrter Feind des neuen Deutschland.

Daily Herold" über DeulschlanvS Friedenswillen.

Die englische ZeitungDaily Herald" veröfsentluhl einen Aussatz seines in Deutschland weilenden drploma- tischen Korrespondenten W. R. Ewer, her, beachtender! 'st. weil er sich in einem Blau findet, das leit 16 U o "a,en einen ununterbrochenen Kamp, «egen das neue Deutschland führt. Gegen­stand des Aufsatzes bildet die Frage der deutschen Nuslun- llen und des sogenanntenpolitischen MtluartSmu. _ Der Verfasser hält cs für unzweifelhaft, daß Deutschland «usrüste, glaubt aber, daß die Rüstungen nnge abr den Richtlinien der britischen Denkschrist entsprechen. Anderer^ 'As tritt der Verfasser der Ansicht entgegen, daß da '-Drillen- bei der SS., SA., in den Arbei s- mgcru und Schulen große militärische Bedeutung habe Dann gebt Ewer auf die Frage ein. ob Deutschland auf Krieg ausgehe, was er verneint.

starke Schmerzen und Erbrechen

bervorruft, trat unter den Streikenden große Verwirrung ein, die dadurch erhöht wurde, daß das Gas in die um­liegenden Wohnhäuser drang und die Bewohner von Schmerzen gepeinigt aus die Straßen liefen. Die Streiken­den flüchteten während dieser Gasangriffe.

Mit Wasser gegen Streikende.

Die Arbeiter der Curiitz-Werke in Buffalo <R A l waren kürzlich in den Streik getreten Dabei kam es zu erheb­lichen Unruhen. Polizeikräfte zerstreuten wie unser Bild zeigt die Demonstranten mit Hilse von Wasser, das sie den Hydranten entnahmen.

Kurz daran; rotteten sie sich wieder zusammen und griffen die Soldaten mit Sieinwürsen an. Flaschen und andere Gegenstände, derer die Streikenden habhaft wer­den konnten, flogen aus die Truppen. Die Soldaten eröff­neten wiederum das Feuer. Anschließend schossen die Soldaten

Gasgranaten aus Gasgeschützen

auf die Streikenden ab. Zur Überraschung der Truppen erwiderten die Streikenden b e n Gasan­griff, indem sie ebenfalls Gasgranaten auf die Truppen warfen.

Als treibende Kraft der ganzen Wehrpolitik Deutschlands bezeichnet er vor allem den leidenschaftlichen Wunsch nach gleicher Rechtsstellung. Der Surcfb schnittsdeutsche empfinde die seinem Lande auserlegten Sonderbestimmungen, die es von anderen Rationen unterscheide, als Schmach und habe das Gefühl, wie ein Verbrecher behandelt zu werden. Ferner fei es klar, daß Deutschland so gut wie wehrlos dastehe, sei es an den Grenzen doch von schwerbewaffneten Nachbarn umgeben.

Schließlich behandelt der Korrespondent noch die Frage der angeblichen riesigen

Propaganda für einen Rache- und Rückcroberungskricg und sagt, wenn es eine solche Propaganda gebe, dann müsse sie so versteckt und geheim sein, daß sie nicht sehr wirksam fein könne. Er habe eifrig danach gesucht und habe nichts gesunden. Der Verfasser schließt:Ein schwerbewaffnetes Europa ist eine furchtbare Gefahr, aber es ist eine europäische Gefahr und ein europäisches Problem oder vielmehr ein Well probiern. Wenn wir aber darin ein rein deutsches Problem sehen, wenn wir in deutschen Rüstungen und nicht in den Wettrüstun- gen die Gcsabr erblicken, dann werden wir sicher nichts als Verwirrung stiften.

Andrang von Sonderzügen nach Berlin.

Zur AusstellungDeutsches Volk Deutsche Arbeit-

Aus der schönsten und größten Ausstellung Deutsch­landsDeutsches Volk Deutsche Arbeit" steigen die Bcsuchcrziffern von Tag zu Tag. Für das Wochenende sind ans dem ganzen Lande insgesamt 2 2 Sonder- züge gemeldet worden, die besonders aus Schlesien, Sachsen, Westfalen, Pommern, Hamburg-Altona, Frank­furt a. M., Braunschweig, Stuttgart, München und Kc^n kommen werden. Teilnehmer an diesen Sonderzügen sind Bctriebsbelcgschastcn, Handwerkerinnungen. Ortsgruppen der NSDAP.. Deutsche Arbeitsfront usw.

Auch für die letzte Woche der Ausstellung, die end­gültig a m 3. Juni ihre Pforten schließt, ist eine große Zabl von Sonderzüaen anacmcldel worden.

Gefängnis für Schwarzhörer.

Im Vierteljahr Januar bis März 1934 sind wegen der Errichtung und des Betriebes nicht genehmigter Funkanlagen 176 Personen (gegenüber 213 im gleichen Zeitraum des Vorjahres» verurteilt worden. In 171 Fällen wurde auf Geldstrafe Ibis zu 150 Mark» und in fünf Fällen auf Gefängnisstrafen lbis zu drei Wochen» erkannt Wegen Beihilfe oder MittäterfchaH sind acht Personen verurteilt worden.

Das große Marionettentheater.

Verstaubte Throne Lügengebäude Aufrüstungs- Wirklichkeit.

Gewiß hat das Wort feine Berechtigung und Richtig­keit, daßdie Zeiten sich ändern unb die Menschen mit ihnen", aber bisweilen geht diese Veränderung doch in einem fast belustigend schnellen Tempo vor sich! Denn es ist wirklich bestenfalls erst ein halbes Jahr her, daß die Staaten der Kleinen Entente vor Nervosität gerade zu rebellisch" wurden, wenn irgendwo und irgendwie da­von die Rede war, die H a b s b u r g e r auf den ihnen ver­lorengegangenen österreichischen oder ungarischen Thron zurückzubringen. Immer hieß es dann gleich, daß ein solcher Versuch für dieNachfolgestaaten" der Habs­burger Monarchie nämlich! unbedingt ein Kriegs­fall sein würde. Nun aber ist das Gesetz, das den Habs- burgern die Rückkehr in die Heimat verbot, stillschweigend in den Papierkorb geworfen worden unb der alte Erz­herzog Eugen, unter dessen Armeekommando im Weltkrieg so mancher deutscher Truppenteil gefochten hat, ist nach Wien gefahren, sicherlich nicht bloß in der Ab­sicht, um dann auf dem ihm als Großmeister des Deutschen Ritterordens zustehenden Schloß Gnmpoldèkirchen den herrlichen Wein der Umgebung zn genießen! Die Kleine Entente hat darob keinen Schmerzens- oder Protcstlaut verloren, und das österreichische Volk hat diesesEreignis- wohl auch mit ziemlicher Gleichgültigkeit hingenommen. Tenn die sogenannte monarchische Bewegung in Öster­reich verbarg ihre völlige Bedeutungslosigkeit durch eine überlaute Propaganda; aber das österreichische Volk fühlte ganz außerordentlich genau die Tatsache, daß in jenem Kreis der Wille zu einer Reaktion steckt, der gegen­über die Taten des guten alten Metternich so etwas ivie ein ganz toller Liberalismus wären. An der Spitze steht der Sohn des unglücklichen Erz­herzogs Franz Ferdinand, dessen Ermordung das Signal zum Weltkrieg gewesen ist, aber auch diesen Habsburger erfüllt, wie jenen ganzen österreichischen Adelskreis, eine tiefinnere Abneigung gegen alles, was reichsdeuisch" ist, weil man dort unsKöniggrätz" im Grunde des Herzens niemals vergessen und vergeben hat. Wie anders aber das österreichische Volk oder, um ein heute viel mißbrauchtes Wort anzuwenden, deröster­reichische Mensch" über alle diese Dinge denkt, werden die Herrschaften, die morgen vielleicht die Habsburger Mario­nette auf das Theater stellen, auch einmal erkennen. Sie dürften aber heute schon recht genau wissen, daß sie selbst nur Marionetten sind! Im ernsthaften Spiel gegen das erwachte Deutschland.

*

In diesem Spiel hat man dem Recht der Ver - . räge, auch dem des Versailler Diktats, eine Art von Rarrenrolle zugeteilt, aber nicht die eines Shakspeare- Rarren, der lachend und witzig recht boshaft-treffende Wahrheiten sagt, sondern eines solchen, der sich von allen Seiten prügeln läßt, ohne sich zu wehren. Vor rund fünfzig Jahren stieg die deutsche Reichsflagge empor über dem Gebiet, das dann unsere Kolonie Deutsch-Süd­westafrika wurde. Jetzt, nachdem sie uns durch den Versailler Vertrag geraubt wurde, ist sie ein Mandai der Südafrikanischen Union, also eines englischen Domininms. Auf Beschluß der Wiudhuker Gesetzgebenden Landesver- sammlung, aus der die deutschen Abgeordneten vorher austraten, also durch die englischen unb burischen Vertreter, soll die Regierung der Union aufgeforbert werden, das ehemalige Deutsch-Südwestafrika sich einfach cinzuvcrlcibcn, mithin das Mandat durch eine Annektion zu ersetzen. Wenn das ein bißchen allzu stark gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages und des Man­datsystems verstößt, das vom Völkerbund geschaffen worden ist, so darf Windhuk sich darauf berufen, daß England mit dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika auch allerhand verdächtige Annektionsbestrebungen ver­folgt und daß zweitens . . . doch gebrauchen wir hierfür ein altes russisches Sprichwort:Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit". Immer ist der Völkerbund weit entfernt, wenn in der Welt ein Rechtsbruch internationaler Art geschieht, und am liebsten würde man sich in Gens die Ohren zuhalten, wenn ein solcher Rechtsbruch erfolgt. Von Japan war Genf ja nun fast um eine halbe Äquator- länge getrennt, aber auch bis nach Südafrika ist es ein ganz hübsches Ende! Dafür hat der Völkerbund aber auch eine ganz hervorragende Mandatskommission! Die soll aufpassen, ob die Herren Mandatare ihre Pflichten" auch recht ordentlich ausüben. Deutschland hatte in dieser Kommission, als cs noch in Genf mitmachte, nicht das Geringste zu sagen unb wenn man sich das Mandatssystem" auch nur einen Augenblick ansicht, dann erkennt man, daß dieses Lügengebäude auch auf einer Lüge aufgebaut ist, auf der Lüge der deutschenK olo - n i a l g r e u e l" nämlich! $

Für den 23. Mai, wenn in Genf der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz nach einer Zwangs- paufe von mehr als sieben Monaten wieder zusammentritt und dann, am nächsten Tage, auch der Völkerbundsrat, um endlich in der Frage der S a a r a b st i m nt u n g zu einer Entscheidung zu kommen oder nicht!, sind von Frankreich die Marionetten mich schon zusammen geholt worden Auch der Prügcl-Rarr ist schon aus dem Kasten herausgenommen worden, das Recht des Ver­sailler Vertrages, aber er sieht recht zerlumpt und ramponiert aus: denn man hat ibn ja schon kürzlich acht Tage lang gründlichin Arbeit" gehabt. Und nun gar der Gedanke der A b r ü st u n g , der schon mehr alS acht Jahre dieses üble Spiel bat mitmachen müssen! Er zuckt kaum noch mit Arm ober Bein, auch wenn noch so heftig