Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Sei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck : Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- sthriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Mä mä^ g.z
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Nr. 130 — 1934
Fulda, Donnerstag, 7. Juni
11. Jahrgang
Durchdachte Wirtschaft.
Dsuischlan^s AgrarpMiik.
Der Beauftragte des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft Darrè, Dr. Erich Winter, hielt kürzlich in London einen Vortrag über die neuen Agrar- maßnahmen in Deutschland. Er führte u. a. aus:
Wenn es möglich ist, die Konsumkraft der bäuerlichen Völker Europas zu heben und ihren Lebensstandard zu dem zu bringen, was wir den Weizenstandard nennen, wird die Gefahr, die von den Völkern außerhalb Europas herrührt, welche niedrigere Produktionskosten haben, überwunden werden. Wenn das nicht gelingt, so ist die Zerstörung der bäuerlichen Bevölkerung Europas gleichbedeutend mit der Zerstörung Europas selbst!
Um die Hebung des Lebensstandards in den erwähnten Ländern durchzuführen, ist es unumgänglich, diesen eine Möglichkeit der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Deutschland zu geben.
Diese Möglichkeit bedeutet eine Möglichkeit für industrielle Ausfuhr und für die Einfuhr von Rohstoffen aus Übersee und würde den Beginn einer Belebung des europäischen Handels bedeuten. Wir sönnen das aber nur tun. wenn die Existenz unserer eigenen bäuerlichen Bevölkerung gesichert ist, was eine absolute Notwendigkeit für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Vergrößerung des Binnenmarktes ist.
Nachdem Dr. Winter dann die Gedankengänge des Rcichsnährstandsgcsetzes entwickelt hatte, setzte er sich mit der Anschauung auseinander, daß die deutschen Maßnahmen aus jeden Fall die Zerstörung des deutschen Außenhandels bedeuten müßten. Gerade das Gegenteil hat sich gezeigt. In der kurzen Zeit, in der unsere neuen Agrarmaßnahmen in Kraft sind, sind
nicht weniger als acht Handelsverträge abgeschlossen worden und sehr wichtige Abkommen im einzelnen erreicht worden, und zwar mit Nachbarländern wie Holland, ^Marf, Polen, Ungarn, . Schweiz, Jugoslawien und., anderen. Alle diese Handelsverträge wurden abgeschlossen unter der anerkannten Führung der deutschen Bauern.
Die Vrandkatastrophe im Schwarzwald.
Ein Verbrechen?
Wie zu der Brandkätastropye tu bem Schwarzwalddorf Aichhalden noch bekannt wird, besteht die Möglichkeit, daß es sich
bei dem Brand um ein Verbrechen handelt.
Nachbarn hatten nämlich kurz nach Mitternacht den Besitzer des verbrannten Hofes, Lamprecht, dabei überrascht, wie er bei einem benachbarten Landwirt Lebensmittel zu entwenden versuchte. Ob ein Zu- sammenhang zwischen diesem Diebstahlversuch und dem Brand bestellt, steht noch nicht einwandfrei fest.
Das Feuer wurde schon von weitem von einem Motorradfahrer entdeckt, der von Schramberg nach Aichhalden fuhr und sofort
in das brennende Gehöft eilte,
ohne daß er von den Bewohnern jemand entdecken konnte. Der Motorradfahrer rief sofort die Feuer w ehr herbei, auch die Bauern der Nachbarschaft beteiligten sich an den Löschversitchen. Alle Versuche waren hoffnungslos, da die
Brunnen des Gehöfts bald versiegten
und erst Wasser aus der Nachbarschaft auf Karren herbeigeschafft werden mußte. — Bei den Aufräumungs- und Bergungsarbeiten fand man zunächst die Leiche eines fünfjährigen Kindes, dann die der 39 Jahre alten Ehefrau, und bis 12 Uhr mittags konnten dann noch drei weitere Kinder tot geborgen werden. Zweifellos sind aber auch die übrigen drei Kinder, die im Alter von zwei bis vierzehn Jahren standen, lebendig verbrannt.
De. GoehheSs in OberMesien.
Herzlicher Em.pfang in Gl ei Witz,
Reichsminister Dr. Goebbels traf in Begleitung des Prinzen Schaumburg-Lippe und der Ministerialräte Hcggert und Hanke im Flugzeug in G l e i w i tz ein.
Zum Empfang hatten sich u. a. Untergauleiter und Landeshauptmann Adamczyk, Regierungspräsident Schmidt (Oppeln) sowie Vertreter der Behörden und der naüonalsozialistischen Organisationen eingefunden. Nach bei Begrüßung schrit» Dr. Goebbels die Front der Ehre n st ü r m c der SA. und SS. und der Ehrenabtci lnngcn der Schutzpolizei, der Feldjäger, des Freiwilligen Arbeitsdienstes und der NSBÖ. ab, woraus er sich durch festlich gcsch m ü cf t e it Straß e n nach bem H a u s O b c r s ch l e s i c n begab.
jubelnd begrüßt von einer großen Menschenmenge.
Nach kurzem Aufenthalt im Haus Oberschlesien, wo Zr. Goebbels von Obergruppenführer Heines im Namen der schlesischen SA. willkommen geheißen würde, sand ein Vorbeimarsch der Gleiwitzer und Oppelner SA. üatt. Reichsminister Dr. Goebbels unternahm dann mit lelnem Gefolge eine Kraftwagenfahrt in das I n d n - Ucgcbic't, um sich über die Arbeits- und Wohn- rrhältnisse zu unterrichten.
Die Bedsuiung der Giraßen für die VolkSOirischasi.
Aus Anlaß der bevorstehenden Eröffnung der Ausstelluna „Die Straße", die in der Zeit vom 9. Juni bis 15. September in der größten Halle des Münchener Ausstellungsgeländes gezeigt werden soll, hielt der Referent im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Dr Heinz A. Kueke. von München aus über die deutschen Sender einen Vortrag.
Die großen Straßenbaupläne sind, so führte der Redner nach einem Hinweis auf die richtungweisende Initiative Adolf Hitlers aus, von wesentlicher Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft und insbesondere für die Arbeitsbeschaffung, bestellen doch die K o st e n des Straßenbaues
zu rund 75 Prozent aus Arbeitslohn.
Fast 80 000 Volksgenossen finden heute schon durch dieses gewaltige Werk Arbeit und Brot. Nach und nach wird ihre Zahl auf eine V i e r t e l m i l l i o n gesteigert werden, die etwa sieben Jahre lang bei dem Bau Beschäftigung finden werden. Die Wirtschaftlichkeit des Kraftverkehrs, die in erster Linie abbüngia ist von den Straßen, die zur Verfügung^ stehen, wird dadurch erhöht, daß die Fahrzeuge ihre Geschwindigkeit voll ausfahren können und ein unnötiges Abstoppen vermieden wird. Durch Fortfall von Übergängen und unübersichtlichen Kreuzungen wird zugleich
hie Verkehrssicherheit erhöht.
Auch die Kosten der Wagenbaltung verringern sich durch gute Straßen. Wenn auch die Reichsautoballnen als Hauptschlagadern des deutschen Kraftverkehrs von besonderer Bedeutung sein werden, so wird doch durch sie die Wichtigkeit der Landstraßen für den allgemeinen Verkehr in keiner Weise geschmälert. Im Gegenteil, diese werden durch die ständig fortschreitende Motorisierun« Deutschlands sehr an Wert gewinnen. Ihr weitverzweigtes
Netz von 220 000 Kilometer Länge, dem nur etwa 6000 Kilometer Reichs autobahnen — das sind rund drei Prozent — gegenuberstehen, hat die Aufgabe, den Verkehr in alle Teile des Reiches zu lenken. Unter der Oberaufsicht des Generalinspekteurs wird der Ausbau »np die Verwaltung des gesamte n Straßennetzes nach einheitlichen Gesichtspunkten durchgeführt
Letzte, noch nicht bestätigte Meldungen ^u oent Brandunglück besagen, daß der Besitzer des Hofes nicht verbrannt sei, sondern daß man ihn
erhängt aufgcfundcn , habe. Damit würde die Wahrscheinlichkeit einer Brandstiftung größer werden.
Der Besitzer bewirtschaftete 14 Morgen Ackerland und drei Morgen Waldbestand, womit er seine vielköpfige Familie schlecht und recht trotz einiger Ver- s ch u l d u n g ernähren konme. Das zweistöckige Wohnhaus und das angrenzende Wirtschaftsgebäude lagen unmittelbar an der Straße, die nach Aichhalden führt, etwa zwei bis drei Kilometer von der kleinen Gemeinde entfernt
Grauenvolle WuskLarung
Des Brandunglücks von Aichhawen.
Die Ursache der furchtbaren Brandkatastrophe von A i ch h a l d en ist nunmehr aufgeklärt. Die noch vermißten Kindcrleichen sind geborgen worden. Der Vater Karl Lambrecht würbe in einem nahen Wald e r h ä n g t aufgefunden. Er stand im Verdacht, in letzter Zeit wiederholt kleinere Einbrüche und Diebstähle begangen zu haben. Zweifeltoshntcrsein eigenes Haus in Brand gesetzt. Man vermutet, daß er an der eigenen Familie zum At ö r d e r wurde, weil die Tchädeldcckcn Schlagnarbcn aufwcisen sollen.
Täglicher Appell in den Betrieben.
Wichtige Ankündigung Dr. LeyS.
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Leb, hielt in einem Schulungskursus des Reichspresse- und Propagandaamtes der Deutschen Arbeitssront bei K ö n i g s w u st c r h a n s e n einen Vortrag. Aus Fragen der Betriebsgemeinschast eingehend, führte Dr. Ley u. a ans:
Die Arbeit in den Betrieben wirb künftig mit einem Appell beginnen und mit einem Appell schließen. Bei diesem Morgenappell wird ein Losungswort für den Tag gegeben werden.
Ich selbst bin sieben Jahre lang Angestellter eines Betriebes gewesen Nichts hat mich mehr erschüttert als die Trostlosigkeit der Massen, denen jede erbebende Viertelstunde fehlte. Das soll anders werden. Im täglichen Betriebsappell wird Gelegenheit gegeben werden, den kleinen Dreck d e s Alltags beiseitezuschasfcn: Hat jemand noch eine Forderung an die Kompagnie. Wenn ja, wird nach dem Maßstab der Gerechtigkeit i ehe Disferen z b e f c i t i g t werden. Es gibt fein obM tives Recht, sondern ein subjektives Recht. Recht ist. w a s de m V o l k c bien t.
Reichsminister Dr. Goebbels nach Warschau eingeladen.
Im Namen der polnischen Intellektuellen Union hat Professor Zielinski Reichsminister Dr. Goebbels zu einem Vortrag nach Warschau eingeladen. Reichsminister Doktor Goebbels wird dieser Einladung Folge leisten und in Warschau über die Ideologie des neuen Deutschland sprechen.
Dieser Vortrag findet voraussichtlich am Mittwoch, dem 1,3. Juni 1934, in der Aula der Warschauer Universität statt. Der Besuch des Reichsministers in Warschau und Krakau wird sich auf den 13., 14. und 15. Juni erstrecken.
„Pomphafter Unsinn."
„Die langwierige Komödie der Kriegsschulden wird mit jedem Hilfsmittel diplomatischer Würde und Ernsthaftigkeit durchgespielt; eine Rechnung zu präsentieren über einen Betrag, der ungefähr zweieinhalbmal so groß ist wie her gesamte Wert unserer Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten im Jahre 1933, heißt allerdings, dieAtmosphärepompbaften Unsinns bis zum bitteren Ende durchhallen.* Ein englisches Blatt zwar ist es, das derart ablehnende Worte über die Kriegsschnldenrechnung Amerikas an England wählte; aber das, was dort gesagt wird, patzt dem Sinn nach haarscharf auch auf die Bezahlung der Kriegsschulden Deutschlands; und wenn man in England so bittere Ausdrücke gebraucht wie „Komödie", „pomphafter Unsinn" und vergleichen, so . . . doch wir müssen schnell erst einen Blick in bie allerjüngste Vergangenheit zurückwerfen.
Kürzlich war ja bie Transferkonserenz zu Ende: die Reichsbank hatte den Gläubigervertretern für unsere langfristigen Ausländsanleihen bestimmte Vorschläge gemacht, wonach die Überweisung der Zinsen für diese Anleihen in fremder Währung auf ein Jahr eingestellt werden sollte, weil uns dazu die Devisen, also die Zahlungsmittel in diesen fremden Währungen, fehlten; vor allem müssen wir unsere lebensnotwendige Rohstoffeinfuhr soweit wie möglich aufrechterhalten und bezahlen. Gut!, sagten die Engländer und Franzosen ans der Konferenz, wir sind mit diesem Vorschlag einverstanden; aber auf eure deutschen „R e i ch s a n l e i h e n" vars die Einstellung des „Transfers" (Überweisung in fremder Währung) der Zinsen nicht angewandt werden! Sonst billigen wir Engländer und Franzosen das Transferabkommen nicht!
Ja, was sind Venn nun diese „Reichsanleihen"? Nichts anderes, als in ber Hauptsache die Dawes- und die N o u n g - Anleihe! Also: die Anleihen, denen man schon am Ramen ansieht, vatz sie nichts anderes sind als kapitalisierte „R e p a ra t i o n ^-Verpflichtungen, deutsche Kriegsschulden also, die uns in Versailles auferlegt wurden und die dann in ihren letzten Teilen — aber auch nicht restlos — aus jährlichen Abzahlungen zu Anleihen umgewandelt wurden. Und die müssen nun — bis 1 965 — verzinst unb amortisiert werden. Es liegt hier, um mit den Worten des englischen Blattes zu sprechen, eine „langwierige Komödie" vor, die auf der Transferkonserenz „mit jedem Hilfsmittel diplomatischer Würde und Ernsthaftigkeit durchgespielt" wurde; uns diese Rechnung zu präsentieren, hietz doch die Atmosphäre pomphaften Unsinns bis zum bitteren Ende durchhal 1 en"! Bisher hat Deutschland die Verzinsung und den Transfer ber beiden Anleihen ausgeführt, bei der Dawes-Anleihe auch die Amortisation: darin soll nun keine Änderung erfolgen, verlangt man von uns, — aber die Gegenseite denkt nicht daran, auch nur einen Pence ober einen Centime von ihren Schulden an Amerika zu bezahlen! Frankreich tut es schon seit anderthalb Fahren nicht mehr, England begnügte sich mit bisher kleinen „Anstands"- Zahlungen, — aber von uns fordert man prompte Erfüllung unserer Verpflichtungen! Und wenn darob unsere Rohstoffcinftihr auch noch so sehr eingeschränkt werden müßte! Im Deutschen gibt es ein Sprichwort: „Was du nicht willst, das man dir tu, das fug' auch keinem andern zu!" Das gibt's im Deutschen, ob aber auch in der Welt..? Wir haben zu oft das Gegenteil verspürt.
Jenes Sprichwort trifft auch noch in besonderer Beziehung zu auf das, was man uns antun. sich selbst aber nicht antun lassen will: in der englischen Nole. in ber die Schuldenzahlung an Amerika abgelebtes wird, heißt es auch, daß solch eine Zahlung „abhängig sei von ber Handelsbilanz, nicht aber vom Gesamtbetrag der inneren Einnahmen". Sehr, sebr richtig! Das sagen wir Deutsche schon feit drei Jahren, und dieselben Engländer, die das an Amerika schreiben, wollen es und gegenüber nicht gelten lassen! Erstens haben wir uns im Ausland ganz privat an die zehn Milliarden Reichsmark pumpen müssen, nur, um unsere Kriegstribute zu bezahlen, zweitens ist jctzi unsere Handelsbilanz passiv, und drittens eine wirkliche Zahlung in Waren an das Ausland immer mehr erschwert, weil dasselbe Ausland, an der Spitze unsere Hauptgläubiger England und Amerika, uns immer weniger Waren abnebmen Aber wir sollen zahlen! Sonst broht man uns „Gegenmaßnahmen" an, auf derselben Seite, die selbst ihre Schuldverträge einfach in den Papierkorb wirft. Die Sbvlocke haben wieder einmal die Messer gewetzt, - als ob cd nicht um mit einem anderen Wort der englischen Note zu sprechen - daran genug war. Vas; „Vie K r i e a s f cb u . v c n in erheblichem Maßè bie W elikri f e bervorgerujen haben!"