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Zulüaer /lnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Liejerungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotations­druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt­schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg ZulSa- und Haunetal >§ul-aer Kreisblatt

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Nr. 134 1934

Fulda, Dienstag, 12. Juni

11. Jahrgang

Jugenderziehung und Lehrerbildung.

Vereinheitlichung des llnterrichtswesens.

Aus Anlatz der Anwesenheit des Reichserziehungsmini­sters Rust in den Ländern Baden, Württemberg und Bayern fanden in Karlsruhe, Stuttgart und München un­ter Hinzuziehung der beteiligten Referenten eingehende Besprechungen über alle im Vordergrund stehenden Fragen des Schul- und Hochschulwesens statt. Die Verhandlungen führten zu einer vollen Uebereinstimmung zwischen dem Reichserziehungsminister und den Kultusministern der süddeutschen Länder hinsichtlich der in allernächster Zeit durchzuführenden Reformmatznahmen mit dem Ziele wei­terer Vereinheitlichung und Vereinfachung des Unterrichts­wesen. Außer der vom Reichsminister Rust in seiner Mün­chener Ansprache bereits bekanntgegebenen Vereinbarung mit dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach über die Abgrenzung der zeitlichen Inanspruchnahme der deutschen Jugend durch Elternhaus, Schule und Staatsjugend stan­den die Fragen des Schuljahrbeginns, der inneren Schul­reform, der Verwaltungsvereinfachung auf dem Gebiete des Schul- und Hochschulrechtes sowie der Lehrerbildung im Vordergrund der Verhandlungen. Auf allen Gebieten er­gab sich völlige Uebereinstimmung der Auffassungen. In München besuchte der Minister u. a. die Universität und wurde dort von dem Rektor der Universität und der Tech­nischen Hochschule überaus herzlichst begrüßt.

Neueinteilung des Schuljahres.

In Ergänzung der Ausführungen, die der Reichser­ziehungsminister Rust am Freitag vor der bayerischen Leh­rerschaft des NSLV. über die kommende Neueinteilung des Schuljahres machte, erfahren wir von amtlicher Seite:

Der Plan einer Neueinteilung des Schul­jahres, der auf Veranlassung und unter führender Mit­wirkung des Reichsministers Rust aufgestellt ist, sieht FMnüber der in Preußen geltenden Ferienordnung als Wälentlichstes eine Verlängerung der Sommerferien um etchnvier Wochen vor.

Die Gestaltung der deutschen Zeitung.

Hauptmann a. D. Weitz über den Neu- ausbau der deutschen Presse.

Duisburg. In der Hauptversammlung der Schriftleiter Rheinlands und Westfalens am Sonntag entwickelte der Führer des Reichsverbandes der Deutschen Presse Haupt­mann a. D. W e i ß in programmatischen Ausführungen die Richtlinien für den Neuaufbau der deutschen Presse. Er betonte u. a. einleitend, daßes unbeschadet der disziplinier­ten Einordnung eine wichtige Aufgabe der Provinzpresse sein und bleiben werde, dafür zu sorgen, daß die Zeitungen außerhalb der Reichshauptstadt ihre heimatgebun­dene Sonder stellung bewahrten. Es wäre ein Irrweg, verlangen zu wollen, daß die Provinzpresse weiter nichts darstelle als einen mehr oder weniger guten Ab­klatsch der Berliner Großstadtzeitungen.

Die Zeitung, so erklärte der Redner weiter, ist nun nicht ein totes Produkt, sondern das Ergebnis der Geistes­verfassung der Menschen, die sie machen, also der Schrift­leiter. Bei dem Menschen also müssen wir den Hebel an­setzen. Der deutsche Schriftleiter muß als Berufsstand neu organisiert werden und ausgestattet werden mit allen jenen moralischen Qualitäten, diè er braucht, um als nützliches Glied der nationalen Gesellschaftsordnung im neuen Reich bestehen zu können.

Drei Aufgaben müssen erfüllt werden, um den neuen Verufstyp des deutschen Journalisten zu gestalten: Eine politische, eine organisatorische und eine er­zieherische Aufgabe.

Die politische Aufgabe ergibt sich eindeutig aus der Ent­wicklung des nationalsozialistischen Journalisten, bei dem Beruf, Gesinnung und politischer Kampf stets eine Einheit |tnb. Der deutsche Schriftleiter der Zukunft mutz seinem Unzen Wesen nach Kämpfer sein für den neuen Staat. Eir legen den allerentscheidendsten Wert auf die persön- uchcn und politischen Charakterwerte des deutschen Jour- ncrlisten.

. Die Mittel und Wege zur Schaffung der organisatori- ichen Voraussetzungen, unter denen ein kämpferisch einge- mllter Journalistentyp groß werden kann, sind das Schrift- wltergesetz, die Verussliste und der Reichsverband der Deutschen Presse.

Ich möchte ganz offen erklären, daß das Schriftleiter- Pesetz nicht gemacht worden ist, damit sich nachträglich durch me Lücken der Paragraphen wieder Elemente hineindrän- 8en, die wir mühsam losgeworden sind. Der Reichsver- oand hat die schwere Aufgabe, überhaupt erst einmal eine "euc Tradition für dis deutsche Presse zu schaffen.

Für die Erziehungsaufgabe schließlich werden künftig Schriftleiter am Werk sein, die selbst mit dem Gedanken- »ut des neuen Staates großgeworden und in ihm plan- uaßig erzogen worden sind. Wir wollen die junge Jour- -^^tengeneration einer planmäßigen, zentral geleiteten Schulung unterwerfen. Nicht ohne Absicht hat das Schrift- energesetz das Mindestalter der Berufsliste auf 21 Jahre Mt Aber die einjährige Berufsausbildung reicht W hin, das notwendige Maß an journäkifttschLr Technik

Die übrigen Ferienzeiten werden eine entsprechende Kürzung erfahren.

Diese zusätzlichen vier Wochen Sommerferien sollen der Lehrerschaft dazu dienen, sich alljährlich in Gemeinschafts- lagern nationalpolitisch, wissenschaftlich und körperlich zu überholen. In diesen vier Sommerwochen soll sich der deut­sche Lehrer in Gemeinschaft und Kameradschaft immer wie­der von neuem die Kraft holen, um an der ihm anvertrau­ten deutschen Jugend die Aufgaben erfüllen zu können, dir ihm der nationalsozialistische Staat zugewiesen hat.

Um als Führer nicht nur in der Schuls, sondern im Leben selbst Vorbild sein zu können, ist immerwährender Einsatz aller Kräfte und Erprobung der ganzen Persön­lichkeit erforderlich. Eine solche Erprobung sollen daher die vier Wochen Eemeinschaftslager für den Lehrer - ben- falls darstellen.

Aus diesem Grunde ist die verlängerte Ferienzeit gleich­zeitig auch gedacht als eine ständige, alljährlich wiederkeh­rende L e i st u n g s p r ll f u n g, bei der sich zu ergeben haben wird, wer als Lehrer und Erzieher für sein verant­wortungsvolles und hohes Amt noch die notwendige jugendliche Spannkraft besitzt, ohne die weder nach natio­nalsozialistischen Zielen erzogen, noch in nationalsozialisti­schem Geiste gelehrt werden kann.

Der deutsche Lehrer wird daher in Zukunft mit dem Staatsexamen nur eine notwendige Vorbildung abgeschlos­sen haben, nicht seine Bildung überhaupt. Bei ihm, der ir täglicher unmittelbarer Verbindung mit der Jugend steht, heißt sie: Fortwährende Ergänzung und Uebung aller Kräfte.

Die vier übrigen Ferienwochen werden dem Lehrer un­eingeschränkt für seine Familie und zu seiner anderweiti­gen Verfügung stehen.

Das übrige Schullahr ist nur noch durch wesentlich kür­zere Ferien zu den Weihnachts- und Osterfeiertagen unter­brochen.

und Erfahrung zu vermitteln. Unser Ziel geht darauf hinaus, die gesetzlich verlangten Voraussetzungen zu er­gänzen durch ein Erziehungssystem, das dem angehenden Journalisten sowohl nach der politisch-charakterlichen wie nach der journalistisch-technischen Seite wesentliche Grund­lagen seiner Arbeit vermittelt. Es wird daran gedacht, vor oder während der Volontärausbildung den Nachweis seiner einjährigen Ausbildung bei der HI., bei der SA. oder beim Arbeitsdienst zu verlangen. Nach dem Volontär­jahr muß der Volontär etwa ein Vierteljahr auf die Schule. Wir beabsichtigen, zunächst diese Schule in Berlin einzurichten, und hoffen, mit dem ersten Schulungskursus im Herbst dieses Jahres beginnen zu können. Das Ergeb­nis des ersten Schulungskursus soll zeigen, in welcher Form der weitere Aufbau erfolgen soll und ob es notwendig wer­den wird, neben den Zentralkursen in Berlin noch beson­dere Vorkurse bei den Landesverbänden abzuhalten.

Erhebende Trauerseier in Buggingen.

Buggingen. Unter stärkster Anteilnahme aller Bevöl­kerungskreise fand am Montag die große Trauerfeier für die Opfer des Bergwerksunglück im Zechenhof des Kali­bergwerkes Buggingen statt. Vor der Tribüne, auf der die Vertreter der Behörden, der Partei und der Verbände Platz nahmen, war ein Sarkophag aufgestellt, auf dem die Hakenkreuzfahne und die Wahrzeichen des Bergmannes lagen. Rechts und links von der Tribüne ein Wald von Faynen. Als Vertreter des Reichspräsidenten und des Reichskanzler war Reichsarbeitsminister Seldte erschienen. Ferner waren zugegen der Reichsstatthalter von Baden, Robert Wagner, der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, die Mitglieder der badischen Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten Köhler, alle führenden Persönlichkeiten der badischen SA. der SS. und des NS.- DFB. ferner Vertreter des Arbeitsdienstes, der kommu­nalen Behörden und der Kirchen, unter letzteren auch Erz­bischof Dr. Gröber-Freiburg.

Das Heulen der Sirenen gab das Signal zum Beginn der Feier. Generaldirektor Wisselmann hob in seiner An­sprache hervor, daß das große Mitgefühl, das sich in allen Teilen des Reiches und auch des Auslandes geregt habe, ein gewisser Trost für den großen Schmerz gewesen sei, den das so schwere Unglück bereitet habe.

Reichsstatthalter Robert Wagner wies auf den schweren Kampf des deutschen Volkes um seinen Wiederaufstieg hin. Auch die Männer, die von uns gegangen seien, hätten sich an diesem Kampf beteiligt.

Staatsrat Dr. Ley überbrachte die Grüße des Führers, feines Stellvertreters Heß, der Reichsleitung der RSDAP. und der Deutschen Arbeitsfront. Wir wollen, so führte er u. a. aus, an diesem Grabe geloben, die Treue zu halten, wie diee Toten treu waren. Wir wollen geloben, daß wir darüber hinaus für alle Zeiten für die Opfer der Arbeit Treue und Kameradschaft in unserm Volke pflegen werden.

Als letzter Redner sprach Reichsarbeitsminister Seldte, der die Grütze und Wünsche und das Mitgefühl des Reichs­präsidenten und des Reichskanzlers aussprach und zwei

Kränze niederlegte. Der Arbeiter sei immer der Mann gewesen, der wie der Soldat an der Front der Gefahr der Verletzung und Vernichtung ausgesetzt sei. Denken wir daran, datz Leben und Tod ewig miteinander verbunden sind und daß nur aus den Opfern der Menschen das Leben der Zukunft und der Jugend besteht. Wir alle wollen wie die Toten mitarbeiten an den grohen Zielen, zu denen uns unser Führer den Weg gewiesen hat.

Ein neuer Eprengstossanschlag in Oesterreich.

Nach dem neuesten Lagebericht der Sicherheitspolizei ist auf der Triester Südbahnstrecke bei Steinhaus am Semme­ring ein neuer Sprengstoffanschlag auf das Bahngleis ver­übt worden. Der Eisenbahnverkehr wurde zunächst durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Bahnkörper konnte je­doch in kurzer Zeit wieder in Ordnung gebracht werden. Der Verkehr wickelt sich auf der Südbahnstrecke wieder nor­mal ab. In den Bundesländern haben sich ferner im Laufe der letzten Nacht Sprengstoffanschläge ereignet. Ferner teilt die Sicherheitspolizei mit, datz in Wien im Laufe der Nacht ein umfangreiches Waffenlager beschlagnahmt wurde, bei dem 117 Handgranaten, Bomben und Sprengkörper ge­funden wurden. Die Polizei erklärt, datz es sich hierbei um die gleichen Sprengkörper handelt, die in den letzten Tagen bei den Sprengstoffanschlägen auf Eisenbahnbrücken und Eisenbahngleise verwendet wurden.

Selbsthilfematznahmen.

Ueber die von der Regierung in der außerordentlichen Ministerrat-Sitzung am Sonntag beschlossenen Abwehr- maßnahmen werden nunmehr Einzelheiten bekannt. Die Regierung beabsichtigt, Selbsthilfemaßnahmen der Bevölke­rung im ganzen Lande zu organisieren, um den Abwehr­kampf gegen die zahlreichen Anschläge der letzten Tage in ein einheitliches System zu fassen. In allen Städten und Dörfern sollen jetzt freiwillige Lrtswehren der Bevölke­rung organisiert werden, denen na^ der Kundgebung der Regierung uneingeschränkte Befugnisse eingeräumt werden. Die Mitglieder der freiwilligen Ortswehren sollen den Charakter von staatlichen Organen erhalten. Ferner sollen die Wehrformationen in den Abwehrkampf eingeschaltet werden. Sie sollen das Recht erhalten, überall verläßliche Leute namhaft zu machen, die zur Abwehr der Terrorakte herangezogen werden können.

Während bisher alle Standgerichtsfälle zuerst dem Standgericht beim Landesgericht Wien angezeigt werden mutzten, sollen jetzt lokale Schnellgerichte eingerichtet werden.

Die Todesstrafe soll in Zukunft nicht nur im standge­richtlichen Verfahren, sondern auch im ordentlichen Ver­fahren verhängt werden können.

50 neue englische Flugzeuggeschwader? Daily Telegraph" kündigt erhebliche Ver­stärkung der Luftstreitkrüfte Englands« n.

London, 12. Juni. (Funkmeldung.)Daily Telegraph" meldet, die Regierung werde voraussichtlich in absehbarer Zeit ein Programm für die Vergrösserung der Luftstreitmacht ankündigen, das die Bildung von nicht weniger als 50 neuen Flugzeuggeschwadern vorsehen werde. Diese Verstärkung der Luftmacht würde in 3 bis 5 Jahren vollzogen werden. Insgesamt würde Großbri­tannien dann 1490 Flugzeuge besitzen, während die Luft­streitmacht des benachbarten Frankreichs aus 1650 Flug­zeugen bestehe. In ministeriellen Kreisen herrscht allge­mein die Auffassung, daß die Vertagung der Abrüstungs­konferenz auf unbestimmte Zeit keine andere Wahl lasse, als das im vorigen Monat von Baldwin gegebene Ver­sprechen zu erfüllen.

Französischer Nachtbomber verunglückt.

2 Tote, 2 Schwerverletzte.

Paris, 12. Juni. (Funkmeldung.) Ein französischer Nachtbomber verunglückte in der Nacht zum Dienstag. Das mit 6 Mann Besatzung vom Militärflugplatz Chartres zu einem nächtlichen Uebungsflug nach Reims aufgestiegene Bombenflugzeug versuchte kurz nach dem Start wegen Motorschwierigkeiten eine Notlandung. Dabei stieß es gegen das Dach eines Hauses, das aufgeristen wurde, und stürzte zu Boden. Der Benzintank geriet in Brand, und unmittelbar darauf stand das grosse Flugzeug i n Hellen Flammen. Zwei Insassen konnten noch recht­zeitig aus dem brennenden Apparat befreit werden. Ein Sergeant und ein Unterleutnant wurden schwer verletzt ins Lazarett überführt. Die beiden restlichen Besatzungs­mitglieder verbrannten. Es handelt sich um zwei Unteroffiziere, die verheiratet, waren und vyn denen der eine drei Kinder hinterläßt.

Verkehrskatastrophe in Asturien. Bisher 17 Tote geborgen.

Ein Schnellzug aus Madrid überfuhr auf einem Bahn­übergang bei Pola de Gordon in Asturien einen mit Aus- flüglern voll besetzten Autobus und schleuderte ihn in einen unmittelbar neben dem Bahndam fließenden Fluß. Bis­her wurden 17 Tote aus dem Autobus geboroen. Zahl, reiche weitere Insassen sind schwer verletzt 7