Iulöaer Mzeiger
Bei “ fiFef'Crung^e^ * durchs,Höhere Ä Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
SwM&JS §ulöa- unS Haunetal.Zulöaer Kreisblatt schriftleiter. ^riedr. Ehrenklau, Fulda, K°nigstr.42. Reüaktkon und Geschäftsstelle: Könisstraße 42 4- Zernsprech-Rnfthluß Nr. 2989
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „DA." 1000. — Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 137 — 1934
Fulda, Freitag, 15. Juni
Jahrgang
Historische Begegnung.
Die Ankunst des Führers in Venedig.
Herzlicher Empfang.
Wenige Minuten nach 10 Uhr kam das Flugzeug des Führers, die „Jmmelmann" D 2600 aus dem Flugplatz San Nicolo in Venedig an. Die Maschine wurde von Flugzeugstaffeln der italienischen Luslsahrtwache begleitet.
Unmittelbar nach der Landung verließ der Führer als erster die Kabine und ging auf M u s s o l i n i zu, der wenige Schritte vom Flugzeug entfernt Aufstellung ge- iwmmcn hatte, umgeben von den Würdenträgern Italiens und der Faschistischen Partei. Mussolini begrüßte den Führer, und beide schüttelten sich herzlich die Hände. Der Führer begrüßte sodann den deutschen Botschafter in Nour, von Hassell.
Mussolini begab sich mit dem Führer sofort zu dem wartenden Motorboot, in dem beide Platz nahmen Die Motorbootflottille setzte sich in Bewegung. Die Fahrt führte zunächst an einer Torpedobootsflottille entlang Auf den Booten hatten
dir Besatzungen in weißen Uniformen Paradeausstellung
genommen. Weiter ging die Fahrt am Dogenpalast vorbei durch den Canale Grande bis zum Grand Hotel, wo das yictorbooi des Duce anlegte. Mussolini verabschiedete sich hier vom Führer und begab sich nach der Villa Pisani in Stra.
Venedig hatte inzwischen sein schönstes Flaggeukleid angelegt. Von allen Plätzen und Ufern jubelten begeisterte Menschen den beiden Staatsmännern zu.
Helle Begeisterung.
als wir kurz nach 9 Uhr mit einem Motorfuhren zum Lido, zum Flughafen der Stadt
Venedig", so heißt es in einem Bericht aus Venedig, „bot die Stadt das Bild festlicher Erwartung. Von den alten Palästen flatterten die Fahnen Italiens und Deutschlands. Menschen sammelten sich überall ans den breiten Freitreppen, die von den Palästen und Kirchen hinunterführen an die Kanäle.
Am Flughafen selbst waren Ehrenformationen aller italienischen Waffengattungen angetreten. Der Flughafen war hermetisch abgesperrt. Nur besonders Geladene hatten Zutritt, Angehörige der Führung der Faschistischen Partei und hohe italienische Regierungsbeamte. Man bemerkte u. a. auch Staatssekretär S u v i ch , ferner Generale und hohe Offiziere.
Die große Flughalle war ausgeräumt worden, um »er Maschine des Führers Platz zu geben. Die Stirnwand war mit einer großen Hakenkreuzfahne geschmückt, die flankiert wurde von der italienischen Trikolore mit dem L.iktoren-Nündel
Erstes Originalbild von der Ankunft Hitlers in Venedig.
Von links nach rechts- Unterstaatssekretär Suvich; vor ihm Reichskanzler Adolf Hitler: deutscher Gesandter von Hassel Starace der Sekretär der faschistischen Partei; Mussolini; Reichsautzemmmster v. Neurath.
Am Donnerstagvormittag kurz nach 10 Uhr traf Reichskanzler Adolf Hitler in Begleitung des Reichsaubenmini- sters v. Neurath auf dèm Flugplatz von Venedig ein. Ministerpräsident Muffolini empfing die deutschen Gäste persönlich auf dem Flugfeld und LeMÜtzte sie sehr herzlich. Die Uebermittlung dieses Bildes erfolgte durch ein Son- düfgluMdug und stellt in ihrer SchNeUigkeit eilten geradezu faSelhaftsn Rekord auf.
Schon am Flughafen wurden beide Staatsmänner mit spontanem Händeklatschen begrüßt. Es erschollen immer wieder die Rufe Evviva il Duce, evviva Hitlero-' und dann immer wieder die Rufe Hitler! Hitler! Hitler! Und dazwischen wieder das Evviva und brausendes Händeklatschen.
Auf der Freitreppe der Kirche St. Georgio hatte sich allmählich eine große Menschenmenge angesammelt. Aus dem Canale Grande prominierten dauernd Motorboote und Gondeln, besetzt von Neugierigen, die den Führet sehen wollten. Als gegen 12 Uhr mittags dann der Führer mit seinen Begleitern sich hinunter zur Anlegestelle begab, um zum Piazale Romano und von dort mit einem Auto nach der Villa Stra zu fahren.
empfing ihn erneut brausender Jubel.
Zahlreiche Deutsche aus Italien halten sich dort angesammelt und brachten dem Führer ihre Huldigung dar. Die Sirenen der Schisse und Motorboote heulten, und durch ein Spalier von zum Gruß erhobenen Armen fuhr das Motorboot des Führers den Canale Grande hinauf.
Geschichtliche Räume.
Die Zimmer des Führers im Grand-Hotel, dem alten Palazzo Pini, haben eine historische Bedeutung. Zahlreiche Staatsoberhäupter haben hier bereits gewohnt: Könige aus aller Welt.
Die Zimmer sind mit künstlerischen Möbeln aus dem 17 Jahrhundert ausgestaitct. die Wände tragen die Wappen ilter venezianischer Familien. An den Wänden hängen Bilder inâ der venezianischen Schule Tiepolos. Der große Lmpfangsraum, in dem am Freitag das Essen für Mussolini gegeben wird, ist der sogenannte Sansovino. Der Raum ist mit grünem Prokai ausgespannt und mit wertvollen venc- sianischen Spiegeln aus Morano geschmückt Das Schlaf- iimmer des Führers ist das sogenannte Veronese-Zimmer. Es irägt mythologische Deckenmalereien von Veronese.
Wie Lialien den Führer empfangt.
Alle italienischen Zeitungen brachten auf der Titel- feite in großen Lettern die Nachricht von dem Zusammentreffen der beiden Staatsmänner, ferner die mit Bildern des Führers. Mussolinis und der Villa Pisani in Stra — in der die erste Unterredung des Führers mit Mussolini erfolgt — versehenen Blätter lange Kommentare und die ausführliche Wiedergabe der deutschen und ausländischen Pressestimmen zu dem bevorstehenden Ereignis übereinstimmend widmen alle Blätter dem Kanzler
außerordentlich herzliche und warme Worte bet Begrüßung.
Diese Begrüßung gilt in gleicher Weise dem Schöpfer und Führer der nationalsozialistischen Bewegung wie dem Staatsmann.
„Popolo dJtalia" schreibt: Das italienische Volk grüße in Venedig den erlauchten Gast, oen Führer des großen Deutschland Es erneuere den Ausdruck jener Sympathie. die sich zwischen den Schwarzhemden und Braun-
Hemden an dem Tage schon hcrausgebildet habe, an dem diese ihren Kamps um die Erneuerung des Reichs begonnen hätten „Gazzetta del Popolo" spricht von der weltweiten Resonanz die Die Nachricht von der Zusammenkunfi hervorgerufen habe Handele es sich doch um das Treffen der beiden Persönlichkeiten aus die
die Aufmerksamkeit Europas und der übrigen Sontinente am meisten gerichtet sei Die „Sinmpa" schreibt, daß Italien in dem heldenhaften Kamps des Führers um die Befreiung aus den Ketten der Internationale geistig als erstes Land an seine Seile getreten sei Diese Prioriiäi der moralischen Anerkennung lege ihm das Recht und die Pflichi aus, Deutsch land offen in Die Augen zu sehen und die Fragen mit Der größten Ehrlichkei, und dem größten Freimui zu behandeln
Station bestehe entschieden Darauf, daß Deutschland alle die Rechic zukâinen, die anderen Staaten zugesichert seien. Die Böller fühlten, daß es sich in Venedig nicht um eines der gewöhnlichen Ministerlreffen handele. Nein, zwei große Führer der Kriegsgeneration kämen zusammen, Die in der augenblicklichen Verwirrung die Wege des Friedens weisen könnten
*
„Lm rechten Augenblick."
Auch der Korrespondent des römischen „Messaggero" widmet der Ankunft Hitlers und des Duce warme Worte der Begrüßung und sagt: „Venedig wünscht den Duce seine heiße Ergebung auSdrücken zu dürfen und Hiller nicht nur als den großen Gast zu begrüßen dem die höchste Ehre und die herzliche Ausnahme gebühren, sondern besonders als den Mann, der mit mitreißender Energie und mit unerschütterlichem Glauben
sich die Herzen seiner Volksgenossen erobert
und das deutsche Volk unter der Flagge der nationalsozialistischen Revolution zu einer neuen Einheit des Geistes zufammengeführt hat."
Dex „Messaagero" führt in seinem Artikel weiter aus, daß nach Dem Scheitern der Abrüstungskonferenz der Zeitpunkt der Unterredung der beiden Staatsmänner sehr günstig sei, da die europäische Lage alles andere als geklärt fei. Das Hauptproblem auch der venezianischen Besprechungen bliebe weiterhin die Rückkehr Deutschlands zum Völkerbund.
Der Rus von Pisani.
Aber nicht nur äußerlich hat sich jetzt daS Schwergewicht europäischer und darüber hinaus welthistorischer Entscheidungen verschoben von Gens nach der oberlombardischen Tiefebene, wo sich die Führer zweier Staaten und Völker getroffen haben, sondern die langbärtigen Verteidiger des immer mehr und mehr abgelegten demokratischen Gedankens werden es selbst empfunden haben, daß sich im Schloß von Stra, zwischen Padua und Venedig, zwei Männer getroffen haben, die nicht aus parlamentarischem Auftrag, nicht durch eine Mehrheit bestimmt, sondern kraft ihres einfachen Daseins als Führer ihres Volkes zueinander gesprochen haben.
Ein Zufall mag es gewollt haben, daß sich diese beiden Männer, die sich jetzt in dem Schloß von Stra, halbwegs zwischen Venedig und Padua getroffen haben nicht im Weltkrieg einander gegenüberftanben, — in jener Villa Pisani, wo alles erfüllt ist von den Erinnerungen an das erste Kaiserreich Frankreichs; denn sie wurde durch Napoleon 1. für seinen Stiefsohn Eugen Beauharnais gekauft. Von den Wänden schauen die Gemälde Tiepolos, des Großmeisters venezianischer Malerei. Nach dem Kriege Hai der dichterische Heros Italiens, Gabriele d'Annunzio, Dort geweilt, und nun ist es zum Schauplatz eines historischen Geschehens geworden, wo sich Nord und Süd gefunden haben — aber das sind keine Weltrichtungen, sondern in diesen Worten versinnbildlicht sich im Norden und Süden der Wille zweier Völker.
Mussolini hatte vorher in Rom noch den französischen Außenminister Barthou über die Unterredung mit Adolf Hitler informieren lassen. Sowohl über den Anlaß, wie über die Tragweite! Worum es sich handelt, weiß Deutschland und die ganze Welt: Als man Gens verließ, war der Kardinalpunkt des politischen Geschehens auf der Abrüstungskonferenz in den Aklen- schrank gelegt worden, nämlich die Frage der militärischen Gleichberechtigung Deutschlands im Interesse seiner Sicherheit. Man hatte darüber gar nicht gesprochen, in welcher Form es möglich . sein sollte, die Pflicht der Abrüstung, wie sie im Versailler Vertrag fcftgelcgt worden war, mit dem Gedanken der Sicherheit aller Nationalstaaten in Vereinbarung zu bringen. Französische Diplomaten kündigten Rundreisen in Enropa an, um einen Zustand wiederherzustellen, der in ähnlicher Form vor 20 Jahren bk Well in den Krieg batte „Hineinstolpern" lassen. Beide, Mussolini und Hitler, sind Menschen, die für die Folgen dieses diplomatischen „Hineinstolperns" Blut und Leben haben daran setzen müssen. Das Wollen der Generation aber, die unter der Unfähigkeit einer früheren Diplomatie so Schweres bat durchmâchen müssen, gebt dahin, in Pisani zu verhindern, daß auch die Heranwachsende Generation Ähnliches, Schwereres, Vernichtenderes durch- \ machen soll.