Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 139 — 1934
Fulda, Montag, 18. Juni
11. Jahrgang
Festtage in Fulda.
Glänzender Verlauf der Zehnjahresfeier der NSDAP.
Das Fest der Bewegung in Fulda wird zu einem Fest der gesamten Bevölkerung. — Wochen angestrengtester vorbereitenoer Arbeit aller Gliederungen der Partei finden ihre Krönung und Erfüllung. — Gauinspektor und Landrat Dr. Burkhardt zum Stellvertreter des Gauleiters ernannt.
20000 Gäste aus Kurhessen in Fulda.
Die 1V-Zahresfeier der NSDAP. in Fulda.
* Fulda, den 18. Juni 1934.
Wer in den letzten Wochen vom F e st sprechen hörte in Fulda, wußte ohne jede weitere Erläuterung, daß damit die Zehnjahrcsfeier der Fuldaer Ortsgruppe der NSDAP, gemeint war. Der Arbeitsausschuß hat in wochenlanger, intensiver Arbeit ein Fest gestaltet für Fulda, wie es der Bedeutung des Tages entsprach, und wie es die hochgespannten Erwartungen noch beträchtlich übertraf. Man wußte, daß der Gauleiter und Staatsrat Karl Weinrich die Ehren-Schirmherrschaft übernommen hatte, aber man las keine Reihe illustrer Namen, die sich in die verschiedenen Ehren- und Arbeitsausschüsse teilten — entsinnen wir uns recht, so war es doch früher so, daß die Bekanntgabe dieser Namen prominenter Persönlichkeiten die Einleitung eines jel in Festes war. Hier ging es nicht um Namen, hier ging, es nicht um „Ehrenkomitces" und dergleichen — Sieles Fest war eine Sâ- dLs g UL^n Fu l,y a e r
ë s und jeder machte sich eine Ehre daraus, wenn er, auch ungenannt und namenlos, mitarbeiten durfte an der stilvollen Ausgestaltung dieses Tages. Es wurde gearbeitet — und wie intensiv gearbeitet worden war, das zeigten die letzten äußeren Vorbereitungen am vergangenen Samstag. Schon in den frühen Morgenstunden verwandelte sich die Stadt in ein Fahnenmeer! Kein Haus war ohne Schmuck, keine Straße ohne Tannengrün oder Maien. Eine prächtigo Ehrenpforte am Bahnhof versetzte die zahlreich eintreffenden Gäste schon bei ihrer Ankunft in die echte, richtige, Feststimmung. Das Bahnhofsportal hatte sich in ein grünes Tor verwandelt, ein leuchtendes Hakenkreuz flankiert von den Fahnen des neuen Deutschlands — ein würdiger Willkommengruß für die Tausende, die da aus allen Gauen Kurhessens mit der Bahn kamen. In den Hauptstraßen war eine für Fulda ganz neue Art der Dekoration ausgedacht worden — vom Stadtschloß bis zuni alten Rathaus wurden mächtige Pyramiden errichtet aus deren Krönung die Flammen der Opferschalen schlugen; die Hausfronten zeigten durchweg Girlandenschmuck — wer von der Treppe des alten Rathauses am Adolf Hitler-Platz einen Blick durch die Friedrichstraße warf, nahm ein unvergeßliches Bild in sich auf. Der Stil und die Gestaltungskraft des Nationalsozialismus kamen hier in einem kleinen Ausschnitt zum Ausdruck. Der Vortag des Festes brachte neben den letzten Hammerschlägen schon eine freudige, gehobene Stimmung mit, die sich überall, bis in die kleinsten Gassen hinein bemerkbar machte. Die ankommenden Gäste, die mit der Bahn, mit allen möglichen Fahrgelegenheiten — und auch in Marschkolonnen eintrafen, belebten die Straßen. Das Verkehrsamt hatte kleine Führungen, rund durch Fulda veranstaltet, überall konnte man die größeren und kleinen Gruppen der braunen Gäste sehen. Ein strahlend, blauer Junihimmel spannt sich wie kostbare- Seide über das festliche Bild — braune Kolonnen marschieren mit festem Schritt ihren Quartieren zu. Wie ihre Augen leuchten! Wie sie singen! Wie sie Kameradschaft und Männertreue verkörpern — das ist nicht gemacht das ist nicht künstlich in die Menschen hineingetragen, es ist auch nicht Oberfläche — das kommt tief aus Herz und Seele des Volkes. Nur wer deutsch denkt und fühlt kann es verstehen: Hier kommt die tausendjährige Sehnsucht nach Einigkeit und Freiheit zum Durchbruch — das Ideal, von deutschen Dichtern besungen, nähert sich der Wirklichkeit. Ein einiges Volk! —
17 Uhr! Jung-Fulda wandert nach der Johannisau, wo die CA.-Stürme biwakieren — ein halbes Dutzend nagelneuer Gulaschkanonen wird angefahren. Indessen sitzen Fuldaer Frauen und Mädchen im Schlachthof und rüsten für die Verpflegung — da ist keine Hand zu zart und kein Finger zu gepflegt, um mit an zu greifen, Kartoffel schälen und all die tausend kleinen Küchenarbeiten zu verrichten. Die NS.-Frauenschaft kann stolz sein auf diesen schweren Arbeitstag. — In der Fulda wimmelt es unterdessen von lustigen Schwimmern ■— trübe und langsam schleicht der Fluß — das Wasser ist fast lauwarm, aber immerhin bietet er Erfrischung für die in weiten Märschen angekommenen SS.- und SA.-Stiirme. — Hundert ^ugcn müßte man haben um gewissenhaft über alles beuchten zu können — vor dem Stadtschloß ist inzwischen der Musikzug der SA.-Standarte 418 cingetrosfen — fpon= M singen die Zuhörer mitunter die lustigen Weisen mit. Abendglocken verklingen über der Stadt — nach der Hitze
Tages streicht ein erfrischender Luftstrom von den Beretz her durch die Straßen, bringt köstlichen Heuduft mit, zwischen Dom und Michaelsbirche steigt die silberne Mond- I'chel herauf -- da spielen die Scheinwerfer, die silberne
Sichel verblaßt am dunkelvioletten Nachthimmel und gewaltiger noch als am Tage erscheint der barocke Dom in der blendenden Helle des Echeinwerferlichtes, das Michaels- kirchlein gesellt sich ihm zu, die Orangerie strahlt in leuchtender Schönheit und die Glühwürmchen am Echloßgarten- meiher wundern sich über die „Konkurrenz", die ihnen der plätschernde Springbrunnen macht. Ein romantisches Märchen ist erwacht — noch liegt der schwere Jasminduft über den Büschen, in deren Schatten, die Ruhebänke stehen, auf denen es sich so gut träumen läßt von Liebe und Glück! —
Der Fackelzug marschiert an dem Gauleiter Weinrich vorbei der sich auf der Terrasse postiert hat, Fahnen des neuem Reiches, Zunftfahnen, Wimpel ziehen vorüber und grüßen hinauf zu den sechs Standarten, die an den Fenstern des südlichen Schloßflügels im Abendwinde wehen. Prächtig der Fahnenschwinger von der Fuldaer Turnerschaft! Auf dem Domplatz werden die Fackeln zusammengeworfen, das Deutschlandlied braust über den Platz — im Schloßgarten entwickelt sich bei Konzert, Tanz und Lied ein fröhliches Festtreiben, bis türf in die Nacht hinein — schnell ist die kurze Nacht herum, schon kurz nach fünf Uhr wird es wieder lebendig in den Straßen Fuldas.
Punkt 6 Uhr dröhnen die Böller und wecken die letzten Schläfer — auf dem Schloßturm blitzen die Instrumente unserer Militärkapelle wie eitel Gold, mit den Morgenglocken mischt sich schmetternde Blechmusik und schwingt sich über die Stadt. Etwas später marschieren die Musikzüge durch die Straßen und alles — vorweg die Jugend, ist wieder auf den Beinen. Weniger bemerkbar im Gesamtbild ist sozusagen der letzte Appell — die Besichtigung der SA.-Standarte 418 durch Brigadeführer Reutlinger auf dem Fuldaer Exerierplatz bei Sickels. Sodann sammeln sich die Fuldaer, politischen Leiter auf dem Bibraplatz — um auf dem neuen städtischen Friedhof eine Gedenkstunde für unsere Toten zu feiern.
Die Totengedenkfeier.
Am frühen Vormittag hatte man zu einer Gedenkfeier an die Gefallenen auf dem Neuen Städtischen Friedhof aufgerufen, um dem festlichen Tag, der folgen sollte, eine Stunde stiller Mahnung voranzustellen.
Leuchtende Sonne fällt durch den Dom der grünen Blätter, als die einzelnen Formationen vor das Ehrenmal ziehen und auf dem Mittelweg Aufstellung nehmen. In schneller Folge treffen Abteilungen der PO., des BDM., der HI. mit einer Fahnenabordnung des Jungvolks und schließlich zum größten Teil SS. im schwarzen Kleid ein. Blutigrot leuchten die Hakenkreuzfahnen im grün glänzenden Laub auf. Der Platz vor dem Gefallenenmal füllt sich rasch. Die verschiedenen Formationen, SS.-Männer im schwarz-grauen Stahlhelm, nehmen zu beiden Seiten des Mals Aufstellung. Die Fahnen und Wimpel gruppieren sich an den Seiten. Zum Schluß naht der feste Schritt des Musikzuges der Standarte 418, der im Mittelweg aufmarschiert.
Gauleiter Staatsrat Weinrich und Kreisleiter Bürgermeister Ehser mit Führern der PO. schreiten durch die aufgestellten grüßenden Mannschaften zum Denkmal.
Plötzlich zerreißt harter Trommelwirbel die Luft, schwillt rasch an, hämmert über die Gräber hinweg und verebbt dann leise. Ein letzter gedämpfter Schlag. Stille. Dann klingt die getragene, feierliche Weise des „Niederländischen Dankgebets" auf und schwingt durch den sonntäglichen Morgen.
Pg. Ehser nimmt kurz das Wort. Er erinnert daran, daß gerade das Wort, „Vergiß die Toten nicht!" für den Nationalsozialisten eine besondere Mahnung und Verpflichtung darstellt. Denn nicht nur denen gilt das Gedenken, die in dem großen Ringen von 1914—1918 sich selbst opferten — sondern auch denen, die in den langen Kampfjahren, die der Erhebung voraufgingen, ihr Leben ließen. Sie alle haben ein Anrecht darauf, daß man das Gedenken an ihr Opfer einem festlichen Tag vorausgchen lasse. „Im Namen der Fuldaer Nationalsozialisten lege ich diesen Kranz nieder." Damit endet Pg. Kreisleiter Ehser.
Ein hartes „Stillgestanden!" reißt die Wartenden zusammen. Das Lied vom guten Kameraden ertönt. Die Arme heben sich zum stillen Gruß, die Fahnen und Wimpel neigen sich langsam im feierlichen Erinnern. Weit Hallen die Klänge durch das Schweigen über den Friedhof hin.
Damit hatte eine kurze, erlebnistiefe Gedenkstunde ihr Ende gefunden. Die Formationen gruppierten sich zum Abmarsch. Der Helle Gleichschritt der Mannschaften auf dem Kies übertönte alles Kolonne reihte sich an Kolonne, Hitlerjugend folgte der PO., und den Beschluß bildeten die Mannschaften dèr SS.. die singend wieder in Fulda ein- zogen.
Der Aufmarsch.
Im Schloßgarten und am Kaiser-Friedrichsplatz sind Wandelkonzerte, in den Straßen wogt es von einer freudig bewegten Menschenmenge. Eine glühende Hitze brütet in den Straßen — die Gaststätten sind überfüllt — schon vormittags find die Eisstände im Schloßgarten fast, ausverkauft — die Kasten der geleerten Mineralwasserflaschen türmen sich zu Bergen — abends zählten wir flüchtig in einem Stapel tausend leere Flaschen — nur ein Bruchteil des Eesamtverbrauches! — Trachtenmädchen treffen ein aus der Umgebung Fuldas — sie bilden Spalier mit der weibl. Hitlerjugend. Vor dem Hotel zum Kurfürsten staut sich die Mengs auf beiden Seiten der Straße. Gauleiter Weinrich umgeben von Amtswaltern und politischen Leitern trifft ein. Oberstleutnant von Berg mit seinem Stab, Landrat Dr. Burkhardt, Oberbürgermeister Dr. Danzebrink, Bürgermeister E hs» r, die Fuldaer Amtswalter stellen sich vor dem Hotel zum Kurfürsten in zwanglosen Gruppen auf — nur ein Mann wird schmerzlich von den Fuldaern vermißt — immer noch hat man die Hoffnung — er wird kommen, ist dieser Tag, doch auch mit in erster Reihe sein Ehrentag — aber der Staatsrat Rudolf Jordan, der Sohn des Fuldaer Landes ist leider noch nicht ganz hergicftellt von seinem Autounfall, sein Herz ist bestimmt hier in dieser Stunde. Brigade- führer Reutlinger schwingt sich auf das bereitstehende Auto, und der herrliche, unvergleichliche Aufmarsch, geführt von Standartenführer Zeig, nimmt seinen Anfang. Grüßend den rechten Arm erhoben steht der Führer auf dem Auto, und die Kolonnen der Männer, marschieren, straff wie aus einem Guß vorüber, während der Mufikzug unter Stabführung des Kapellmeisters Weber unermüdlich die Präsentierweisen spielt. SS., SA., Hitlerjugend, Jungvolk — Heffengesichter, die Jungen deutscher Mütter, marschieren hier auf — spontan bricht oft der Begeiste- rungsjubel durch, macht sich Luft — jubelt auf über diese herrliche Jugend, über diese stahlharten Männer — schier endlos sind die Reihen — jugendliche Trommler und Fanfarenbläser reißen immer wieder die Zuschauer zu Begei- sterungsausbrüchcn hin. Hier sind die Garanten der deutschen, nationalsozialistischen Zukunft.
Die Veranstaltungen im Schloh- garten.
Schon lange vor der Ankunft der Formationen herrschte im Schloßgarten Hochbetrieb. Brauereiwagen flitzten hin und her, Getränke wurden in Waschkörben herangeschleppt, die Rostwürste dampften verlockend. — Menschen und noch einmal Menschen, die das Eintreffen der Gliederungen erwarteten, die noch auf dem Marsch durch die Stadt sind. Kurz nach %4 Uhr rückten mit klingendem Spiel die ersten Mannschaften an. Sie marschierten auf die Grünflächen des Schloßgartens und formierten sich mit der Front zum Stadtsaal.
Vor dem Aufgang zum Stadtsaal waren Truppen der Reichswehr im Halbkreis unter Gewehr angetreten, und hatte dis Reichswehrkapelle Aufstellung genommen. Neben der „Flora" brannten auf tannengeschmückten Säulen zwei Flammen in Bronzebecken, die von Hakenkreuzen durchbrochen waren. Es war ein wunderhübsches Bild, wenn man von der Balustrade des Stadtsaales zum Schloß hin- Lbersah, und über das Rasenrund hinwegbkickte, auf dem zwischen braunen und schwarzen Uniformen die roten Fahnen der Nationalsozialistischen Bewegung leuchteten. Im großen Kreis umsäumten die Einwohner unserer Stadt und die an dem Tag in unseren Mauern weilenden Gäste das Rund.
Als die Kundgebung ihren Anfang nimmt, da mögen wohl an die 15 000 Menschen im Schlößgarten versammelt sein. Vom Stadtsaal her tragen Amtswalter die eingerollten Fahnen, die ihre Weihe empfangen sollen. Abordnungen der NSBO. scharen sich oben "mit ihren Fahnen um die Freitreppe.
Rollende Böllerschüsse künden den Beginn der Veranstaltung an. Die vereinigten Kapellen unter der Leitung von Musikmeister Rohde beginnen mit einem Friederiziani- schen Marsch, in den noch hinein die Kanonenschläge donnern. Dann betritt Pg. Bürgermeister Kreisleiter Ehser das Rcdnerpodium. um die Erschienenen im Namen der Fuldaer Nationalsozialisten zu begrüßen und seinen Gauleiter Staatsrat Weinrich zu bitten, die Weihe der Fahnen vorzunehmen.
In seiner Wciherede ging Gauleiter Weinrich davon aus, daß ein zurückgelegter Zeitabschnitt von 10 Jahren Veranlassung genug ist, um sich über die verflossene Zeit Rechenschaft zu geben. Er legt noch einmal in aller Deutlichkeit klar, was dazu gehört hat, sich bereits vor 10 Jah-