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Zulöaer Mzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstrage 42. Rotations­druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt­schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, KLiiigstr. 42.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal >Zulöaer Kreisblatt

Reüaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 §ernsprech-flnsthluß Nr. 2989

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Nr. 142 1934

Fulda, Donnerstag, 21. Juni

11. Jahrgang

Zer MW-Aur Met J "' 8m

Glücklicher Start zum Deutschland-Flug 1934.

107 Sportflugzeuge in 22 Staffeln unterwegs.

Berlin, 21. Juni. (Funkmeldung.) Nach einem glän­zend gelungenen Start stiegen heute früh auf das Zeichen des Staatssekretärs im Luftfahrtministerium Milch 107 deutsche Sportflugzeuge in 22 Staffeln von 3.15 Uhr bis 5.30 Uhr zum Deutschland-Flug 1934 im Flugwettbewerb des Deutschen Luftsportverbandes (DLV.) um den Wander­preis des Herrn Reichsministers für die Luftfahrt auf.

Der Start der letzten Flugzeuggruppe.

Berlin, 21. Juni. (Funkmeldung.) Um einen Aus­gleich zwischen den schwachen und den starken Flugzeugen zu schaffen, wurden die letzten 43 Flugzeuge, die schnellsten Maschinen, erst um 5.15 Uhr, also 2 Stunden später als die erste Gruppe, vom Start gelassen. Inzwischen war es hell geworden, und man konnte nun genau die Startmanöver beobachten. Außer Staatssekretär Milch war ein großer Teil der Landesgruppenführer des DLV. anwesend, ferner der Präsident des Luftamtes, Kaupisch, sowie eine Reihe von Sportbegeisterten, die es sich nicht hatten nehmen las­sen, so zeitig auf dem Platz zu erscheinen. Um 5.15 Uhr gingen von der letzten Gruppe die ersten Treier-Staffeln hoch, und ihnen folgten die Fünfer- und Siebener-Staffeln,

Größen von einst.

Stzstnn-Miister Sirtfitfer vor Gericht.

Wegen Untreue, passiver Bestechung usw.

Vor der Siebenten Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts begann der Prozeß gegen den früheren Zcntrumsministcr Hirtsiefer, der erst vor einiger in Müuchcn Wadâch zu sechs Monaten Gefängnis. rteilt worden ist.

Neben Hirtsiescr haben sich noch zu verantworten: der Verbandsleiter Dr. Dr. e. h. Heinrich Gerlich, der Staatssekretär a. D. Professor Dr. Dr. e. b. Adolf Scheidt, der Ministerialdirektor a. D. Hermann Peters, der Ministerialdirektor im einstweiligen Ruhe­stand Dr. Alerander Schneider und der Ministerial­direktor a. D. Geheimer Regierungsrat Hermann Tillich. Allen Angeklagten wird Untreue, teilweise ver­bunden mit Anstiftung zur Untreue. Gerlich außerdem Betrug zur Last gelegt. In einer Nachtragsanklage wird Hirtsiefer außerdem passive Bestechung im Anu in Zwei Fällen vorgeworfen. ..

Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft und von dem in enger Verbindung mit dem früheren preußt- schen Ministerium für Volkswohlfahrt stehenden Verein Reichszentrale, Landaufenthalt für Stadtkinder und Erholungspflege deutscher Kinder im Ausland"

allein für Reisekosten der Angeklagten jährlich Zehn- tausende

ausgegeben worden. Die Verwaltungskosten sollen außer­dem eine geradezuphantastische Höhe erreicht haben. Den Angeklagten Hirtsiefer, Scheidt und Gerlich wird ferner Untreue und dem Angeklagten Peters Anstiftung zur Un­treue bei der Beschaffung des dritten (!) Ehren­doktortitels für Hirtsic fer vorgeworfen. Diese Titel mußte nach der Anklage dieReichszentrale" aus preußischen Geldern mit nicht weniger als

22 000 Mark bezahlen. Aus der Kasse derReichszentrale" sollen weiter Fahrgelder und Knrkosten für Parteibuchbeamte und deren Angehörige und Bekannte bestritten worden sein. Hirtsiefer wird außerdem vorgeworfen, daß er sich von dem früheren Oberbürgermeister von Köln durch 1 0 0 Fl a s ch e n Wein, I 0 0 L otleriel o i e und ein k o st b a r c s O l g e m ä l d e bestechen ließ. Für den Pro­zeß ist eine Verhandlungsdauer von etwa vier Wochen vorgesehen. Die Verhandlung begegnet im übrigen keinem starken Publikumsinterèsse.

Eine typische Systemgröße, dieser frühere Gewerk- sch'astssekretär Hirtsiefer, den seine Partei, das damals mb der Sozialdemokratie durch dick und dünn gehende Zentrum einst aus einen preußischen Ministersessel erhob und dar jahraus, jahrein beließ. Welch eine hohnvolle Groteske welch ein Zerrbild von Dienstauffassung, wenn es aus­gerechnet der einstige W o h l s a h r t s minister ist, de: heute vor Gericht steht, weil er und seine Genossen nach der Anklage sich nicht geschämt haben, alljährlich Zehn tausende fürDienstreisen" aus solchen Geldern zu ver geuden, die der Pflege erholungsbedürftiger Kinder diener sollten! DerselbeWohlfahrts"-minister konnte es mv seinem Diensteid vereinen, wenn er ein Vermögen vor S I e n e r g c l d e r n für seine kleinlich-jämmerliche Titel- fucht zum Fenster hinanswarf in der Tat, ein würdiget Doktorehrenhalber". Die Gerechtigkeit wird ihres Amtes walten.

Auch in Gehesmbüchern noch Geheimkonten.

Der Frankfurter Kilanzenprozeß.

Vor der Großen Strafkammer in Frankfurt n. d. O ^'Urde der Prozeß aegen fünf frühere Vorstands- und

die anderen in zwei Minuten Abstand. Jede Staffel wird von den Anwesenden mit erhobener Hand gegrüßt. Dan­kend erwidern die Orter den Gruß. Als letzte Maschine steigt eine Danziger hoch, die außerhalb des Wettbewerbs die ganze Strecke als Werkzeugmaschine mitmacht.

Im ganzen starteten 9 Verbände zu 3 Flugzeugen, 2 zu 4 Flugzeugen, 6 zu 5 und 6 Verbände zu 7 Flugzeugen. Um 5.30 Uhr ist der gut.organisierte Start des größten Deutsch­landfluges glücklich und ohne Ausfall durchgeführt. Der Wettbewerb um die beste Gemeinschafts- leistung hat begonnen.

Die heutige Strecke führt die Flugzeuge über Stettin, Danzig, Königsberg, Stolp, Greifswald nach Tempelhof zu­rück, wo sie im Laufe des späten Nachmittags undAbends zu erwarten sind.

Die ersten Deutschland-Flieger in Danzig.

Danzig, 21. Juni. (Funkmeldung.) Auf dem Danziger Flugplatz, der ab 5 Uhr zum Empfang der Deutschland- Flieger gerüstet war, landete um 6.10 Uhr als erste Staffel die Staffel B 2 (Ortsgruppe Magdeburg), bestehend aus 3 Siemens-Klemm-Mafchinen.

'RufstcvisratsmltftUeder der Lcuticyen ^avuweric in ueumen- dors sormefey! Bekanntlich handelt es sich ihn die Anklage wegen B i l a n z f ä ! s ch u n a e n . von Denen auch der frühere Reichspoftminlsler Dr. Stinas als Aufnchlsratsmliglicd er­hebliche finanzielle Vorteile aehabt haben soll

Der Bücherfnchverftändiae erklärte. Die nähere Prüfuna der aeti einten B uchnngen habe stets wiederkehrende Posten eraeben Die annieten und den Verdacht rechtfertigten saß die Eiituahmen der-Metser mmer nicktssasensen Bereich nimgen bestimmt anderen Smecfch gedient hätten. Diese getarnten Abhebungen über die Kebeimkonten hätten erheb­lichen Umfang angenommen der

in Die Zehntausend!: gegangen sei. Fm übrigen habe er als Sachverständiger testgcstelU. daß s e l b st in den G e h e i m b ü ch e r n noch geheim e Buchungen vorgenommen worden seien

Eine bedeutsame Wendung brachte der zweite Teil des mehrstündigen Gutachtens des Büchersachverständlgen Hierin befaßte er sich ausführlich mit dem angeklagten Neichsvost- minister a D Dr. S i i n g ! Dessen Nebenbezüge in Höbe von 10 000 Mark jährlich, später 8000 Mark, waren fatzungs gemäß durchaus in Ordnung gewesen Auch er als Sach­verständiger vertrete Den Standvunki. daß die außerordent­liche Tätigkeit des Reichsministers weit über die übliche über- wachungstätigken sonstiger AuMchtsratsmitglieder hinaus­gegangen fei Daher könne man auch nichts dagegen ein­wenden. daß die Verbuchung dieser Bezüge nicht über die RubrikAufsichtsratsentschädigungen", sondern über ein anderes Konto erfolgt seien.

Umtauschen oder zeichnen

nur noch b-s Donnerstag!

Jeder Besitzer vonH i l f e r d i n g"= Anleihe und -wn ,.R c u b c f i tz" nmß spätestens am Donnerstag diese Anleihe in die

4 pro genüge Anleihe des Deutschen Reiches von 1 93 4,

die erste Anleihe des nationalsozialistischen Staates, um- wufchcn. Nach dem 21. Juni wird für Nenbesitz kein Kurs mehr festgestellt. Wer die sicherste, von der national- sozialistischen Regierung gewährleistete Geldanlage sucht, kann noch bis Donnerstag die 4prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 zum Kurs von 95 Prozent bar zeichnen.

Kurze voMische Nachrichten.

Reichsstatthalter Ritter von Epp hat der Landes­polizei H a m v u rg die Tradition der ehemaligen Kolonialpolizeitruppen von Kiautschou verliehen.

*

Ju großer Begeisterung feierte Danzig den I a h r e s t a g der Übernahme der Regierung durch den Nationalsozialismus. Zu der Festtagung der Partei, bei der Präsident Dr. Rauschning die Rede hielt, war auch der Vertreter Polens, Minister Papse, erschienen.

*

Aus Veranlassung der Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas hielt der Warschauer Universitäts- Professor Dr. Zielinski, Präsident der polnischen Jn- tellektuellen-Uuion, auf deren Einladung hin Reichs­minister Dr. Goebbels in Warschau gesprochen hat, in der Universität Berlin einen Vortrag über daS ThemaDer polnische Bauer in der Geistesgeschichte und Dichtung Polens".

Sozialismus der Tat.

Monat um Monat steigt in Deutschland die Zahl derer, die dem wirtschaftlich und seelisch so furchtbaren Schicksal der Arbeitslosigkeit entrissen werden können. Ta denken wir einmal an die Zeit vor etwa zwei, drei Jahren zurück. Welches war denn damals vor allem das soziale Problem?Die Arbeitslosen, besonders die Jugendlichen unter ihnen, von der Straße wegbringen." Erst die nationalsozialistische Regie­rung hat aber, ohne Rücksicht überall dort, wo Rücksicht zu nehmen schon ein Verbrechen am Volke geworden wäre, mit fester Hand zugegriffen und hat den größten Teil der Jugendlichen, willige und unwillige, wieder ordentlich arbeiten gelehrt, das sie in ihrer Mehrheit nur sehr kümmerlich oder gar nicht gelernt hatten. Auch vielen, vielen Tausenden älterer Arbeitsloser konnte endlich, nach oft jahrelanger Zwecklosigkeit des Daseins, wieder Lohn und Brot beschafft werden; ihnen und ihren Familien.

Aber gerade von diesen älteren Arbeitslosen sind noch heute viel zu viele ohne Beschäftigung und ohne Verdienst. Der industrielle Arbeiter, meist durch die Familie an den Wohnort gefesselt, konnte nicht so schnell der Arbeitslosigkeit entrissen werden wie der Jugendliche, nach dessen Arbeitskraft die Landwirtschaft, der Frei­willige Arbeitsdienst und so manche andere, von der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen, riefen. Denn nur langsam vermochte die Wiederbelebung auch der deutschen Industrie, des Handwerks und Handels, des Verkehrs usw. die hauptsächlich in den größeren und Großstädten zusammengeballten Scharen der älteren Arbeitslosen zu vermindern. Und oft, allzuoft wurden sie dort wo etwa sich ihnen eine Arbeits­gelegenheit bot, schnell beiseitegeschoben durch eine jüngere Kraft, die oft billiger arbeiten wollte, arbeiten konnte, weil sie für niemand anders als für sich selbst zu sorgen hatte! Die auch oft dem Betriebsleiter gerade deswegen willkommen war, weil sie billiger arbeiten wollte und konnte! Und dem anderen wurde einZu alt!" gesagt.

Das will der n a t i o n a l s o z i a l t st i s ch c Staat nicht länger mehr mit ansehen. Er will den Sozialismus per Tal, der opfern bedeutet. In der Arbeitsschlacht 1934 muß es gelingen, in weitem Umfange ältere, insbesondere verheiratete und kinder­reiche Arbeitslose wieder in den Wirtschaftsprozeß etn= zugliedern: dabei werden sowohl von Unternehmern als auch von Arbeitern und Angestellten Opfer gefordert, dic im Interesse der Allgemeinheit gebracht werden müssen", heißt es in dem Aufruf des Führers der Wirtschaft, der dann auch sagt, w i e das alles durchgeführt wird. Gerade auf den Nationalsozialismus haben diese älteren Arbeitslosen ihre Hoffnung eingestellt, denn sie empfanden und empfinden es: Er ist der schärfste Gegner des dem liberalistischen Ungeist entsprossenen von diesem ganz durchtränkten Kapitalismus, der den Menschen nur nach feinerArbeitskraft" einschätz: und ihn rücksichtslos beiseitewirft, wenn dieseArbeits­kraft" nicht billig genug.

Vor einiger Zeit wurde wegen asozialen Verhaltens ein Hausbesitzer in ein Konzentrationslager übergefübri weil er sich weigerte, einem Familienvater eine Wobnnng zu vermieten, nur weil dieser eine größere Kinder- schar sein eigen nannte.Besitz verpflichtet", dieser Satz, der in der Weimarer Verfassung stand, aber nur eine bloße Phrase blieb, gehört zum national­sozialistischen Programm, das noch immer und überall zur Tat wurde oder wird. Das gilt nicht minder für den Unternehmer. Ausdrücklich aber wird in dem Auf­ruf auch gesagt, daß bei der Aktion zur Schaffung der Arbeitsplätze für ältere Arbeitslose keine Überalterung der Belegschaft, vor allem aber keine Auswechselung junger, guter Fachkräfte gegen ältere ungeeignete Kräfte stattfinden, daß vielmehr der unentbehrliche Nachwuchs der Facharbeiter gesichert wer­den soll. Schon gibt es einzelne Industriezweige, die über einen Mangel an Facharbeitern klagen, und jener Nack wuchs ist daher um so notwendiger, weil auch er meist jahrelang arbeitslos war und nachholen muß, was so= zubilden ihm die Gelegenheit solange gefehlt bat. Un? wer dem Älteren den Arbeitsplatz freiwillig räumen will der wird sofort in andere Arbeit untergebracht werden denn er bringt ja ein Opfer, das ihm aber nickt dir Arbeit selb ft megnebmen soll.

Des deutschen Volkes größter Besitz ist seine Arbeitskraft; sorgsam und zweckmäßig will der Nationalsozialismus mit diesem Besitz umgehen, denn in langen Jahren ist ein fürchterlicher R a ii b b a n damit getrieben worden. Gewiß sind die Schwierigkeiten, die sich der auch nur allmählichen Lösung dieses ernstesten aller sozialen Probleme entgegenstellen, ganz besonders groß aber der deutsche Nationalsozialismus hat es bewiesen daß für ihn das ernsthaft gemeinte militärische Sckcrzwort galt und gilt:Schwierigkeiten sind dazu da. u m über w unden z u werden ! Dr. Pr

Herabsetzung des Arzneikostenanierls.

In der Sranfcnfaffenbcrfidjermig.

Der Reichsar bei t s m 1 nister hat durch Ver­ordnung bestimmt, daß der vom Versicherten zu tragende A r z n e i k o st e n a n i e i l weiterhin von 0,50 Mark a u f 0,25 Mark bora b g c s e tz t bleibt. Er bat ferner be­stimmt, daß die Krankenkassen Den Familienange­hörigen der Versicherten dic Kosten der Arznei und kleineren Heilmittei bis >u 7g Prozent wieder, erstatten könne:: Pie CP mn^Sdauer der Verordnung ist zunächst bis zum 30. Juni 1935 begrenzt