Zul-aer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstran
Tageblatt für Rhön und Vogelsbergs
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Nr. 145 — 1934
Fulda, Montag, 25. Juni
11. Jahrgang
Systemkrise in Oesterreich.
DMuß-System vor dem Sturz?
Sensationelle Gernchte aus Wien.
Nach Wiener Meldungen gehen in dortigen diplo- matischen Kreisen sehr bestimmt austretcnde Gerüchte über den unmittelbar bevorstehenden Ausbruch der österreichischen Kabinettskrise um. Man spricht in diesen Kreisen von offenen Zerwürfnissen innerhalb der Regierung, die sich anscheinend noch einmal mit einer Kabinettsumbildung helfen will. Danach soll Bundeskanzler Dr. Dollfuß, dessen Terrorhcrrschaft Österreich aus den heutigen politisch und wirtschaftlichen Tiefstand gebracht hat, alsGesandter nach Rom gehen und der jetzige dortige Gesandte, Dr. Ri n telcn, Bundeskanzler werden. Der bisherige Sichcrheitsministcr Fey soll Gesandter in Budapest werden, was er ja schon durch seine letzte Reise dortbin vorbereitet hat.
Diese Nachrichten ans Wien mögen sich nun bestätigen oder nicht, aus alle Fälle sind sie" Kennzeichen für die innere Schwäche des Kabinetts, das ja nur noch einen kleinen Teil der österreichischen Bevölkerung hinter sich bat. Darüber hinaus aber machen die Wiener Gerüchte in einer Beziehung einen höchst merkwürdigen Eindruck. Es ist im allgemeinen nicht diplomatischer Brauch, Minister, die der ganzen Welt wegen ihrer unglücklichen Politik bekannt und noch gar wie Dollfuß und Fey mit dem Blutgeruch eines Bürgerkrieges behaftet sind, anderen Mächten als Gesandte ins Land zu schicken. Wenn nun auch Die bereits angekündigte neue R o m r e i s e des noch amtierenden Bundeskanzlers Dollfuß als V o r- f ü h l ew für jene Pläne gedacht werden kann, so drängt sich andererseits doch noch stärker die Vermutung auf, daß die beiden für die unselige Politik der Dollfußregierung in erster Linie verantwortlichen Männer sich bei einem
Umsturz
im Auslande in Sicherheit bringen wollen.
Man erinnert sich in diesem Zusammenhang auch jener vor einem halben Jahre durch die europäische Presse gegangenen Meldung, wona.h Dollfuß sich aus südslawischem Gebiet angekauft habe. Das wurde damals von Wien aus natürlich abgeftritten. Angesichts der fetzigen alarmierenden Gerüchte aus Wien erhält aber jene Meldung erneute Bedeutung.
Aussälligerweisk sprechen die Wiener Gerüchte bisher mit keinem Wort von dem dritten Hauptschuldigen an dem Edaos in Österreich. dem Minister und Heimwehr-
Oeffentliche Trauer am 28. Juni.
Halbmast am Tag von Versailles.
Auf Anordnung der Reichsregierung.
„Die Reichsregierung hat angcordnct, daß zum Zeichen der Ablehnung des vor 15 Jahren beschlossenen Diktats von Versailles und zum Ausdruck der Trauer, daß das deutsche Volk noch immer unter dem harten Druck dieses Diktats steht, am Donnerstag, dem 28. Juni 1934, sämtliche Dicnstgcbäudc des Reiches, der Länder, der Gemeinden sowie die Gebäude der Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen h a l b m a st flaggen.
Diese Anordnung wird hiermit den Behörden amtlich mit dem Hinzufügen bekanntgegeben, daß eine schriftliche Mitteilung der Anordnung an sie ergeht."
*
„Das Deutschland der Llnierwmfigkeii existiert nicht mehr."
Dr. Goebbels in Halle.
Reichsminister Dr. Goebbels sprach auf dem ersten deutschen Thingplatz in den Brandbergcn bei valle.
Der Tag in Halle gestaltete sich zu einer der größten Kundgebungen — wenn man von den Riesenaufmärschen auf dem Tempelhofer Feld absieht — im Reiche überhaupt. 160 000 Besucher waren gemeldet, aber
etwa 225 000 waren hcrbcigeftrömt,
um Dr. Goebbels, der zum erstenmal wieder seit der Machtergreifung in Halle sprach, zu hören. ^mmer wieder wurde bei der' An- und Abfahrt der Kraftwagen des Ministers von Menschcumassen cingcschlosscn. Der ganze weite Talkessel des Thingplatzes, der mit seiner »estzpiel- stätte nach den Worten des Ministers zu den schönsten in Deutschland gehört, war bis zum Kamm der ihn umgebenden Höhenzüge herauf von den riesigen Kolonnen der Aufmarfchicrtcu besetzt. Zu ihnen sprach nach kurzer Begrüßung durch den Gauleiter, Staatsrat Jordan, Reichsminister Dr. Goebbels in 1 ^stündiger Rede
Er führte u. a. aus: Jedermann weiß, daß uns große Aufgaben gegeben sind, für die es sich zu leben verlohnt, daß wir einen Teil dieser Aufgaben schou gelost haben, und daß ivir mit der Lösung der übrigbleibenden bereits begonnen haben. Wir sind nicht stärker geworden an Waffen. Wir sind
stärker geworden an geistiger Kraft.
Stärke, Zucht und männliche Lebenshaltung sind in Deutschland wieder zum öffentlichen Merkmal unserer
sührer Fürsten Star Hemberg. Ihm schreibt man ii. a. die Mitverantwortung für die Anweisung an die Heimwehren und Ortswehren zu, daß gegenüber den Nationalsozialisten rücksichtslos mit der Waffe vorzugehen ist.
Finanziett ausgehungert.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Kabinettskrise in Österreich durch die erschreckende Ebbe in den Kassen mitverursacht ist. Schon der Ausfall des Fremdenverkehrs ans Deutschland, der bekanntlich je Jahr nicht weniger als 800 000 Deutsche als Kurgäste und mit ihnen durchschnittlich etwa eine halbe Milliarde Schilling nach Österreich brachte, war für die österreichischen Finanzen ein schwerer Schlag. Seit Ende des vergangenen Jahres aber kam eine noch viel größere Gefahr auf: der
stillschweigende Boykott gegen die Hauptquellen der öffentlichen Einnahmen.
Es fing, wie erinnerlich, mit dem Verzicht weitester Volkskreise auf den Tabak an, für den viel rauchenden Österreicher eine schwere Entsagung, die aber seitdem, rasch sich ausbreitend, sich durchgefetzt hat. Der Ausfall an Tabaksteuer machte sich schon im Frühjahr tu empfindlichster Weise bemerkbar: die österreichische Tabakrcgie war früher eine der besten Einnahmequellen des Staates. Von der Anlitabakbewegung aus griff der vollkommen legal geführte Kampf auf andere Gebiete über, so daß schließlich die Dollfußregierung jene lächerliche Verordnung zur Bestrafung solcher Verbraucher, besonders aus den Beamtenfreisen, erließ, die beispielsweise als Raucher bekannt waren. Da die Opposition in Österreich läng st über die Kreise der Nationalsozia- listen h i n a u s g e w a ch s e n ist und 'besonders seit dem blutigen Bürgerkrieg vom Februar durch die Sozialdemokraten und die breiten Massen der Arbeiter ständig verstärkt wird, reichen aus manchen Gebieten die Steuereinnahmen heute kaum noch zur Bestreitung der Verwaltungskosten aus.
Unterdessen gehen die Sabotageakte und Bombenanschläge weiter. Entgegen den amtlichen Behauptungen haben sie an Zahi eher zu- als abgenommen. Auch in Wien wurden wieder zahlreiche Sprengkörper zur Erplosion gebracht, darunter eine Granate, die, aus der Straße gefunden, auf eine Polizeiwache gebracht wurde und dort bei der Erplosion einem Beamten die Hand wegritz und schwere Verwüstungen anrichtete.
nationalen Existenz geworden, und diese Nation hat trotz eines fast entmutigenden Mangels an materiellen Waffen den Mut gehabt, der Welt entgcgenzutreten und ihr unabänderlich das Recht auf Ehre und Gleichberechtigung anznmclden.
Das Deutschland der Unterwürfigkeit, das aus der schmachvollen Novcmberrevolte hcrvorgegangen war, existiert nicht mehr. Das Deutschland von heute, das nun der Welt sein Gesicht zeigt, ist ein Deutschland der Männlichkeit und eines heroischen Stolzes. Dieses Deutschland weist von sich bett Gedanken, mit seinen Sorgen die Welt zu belästigen. Dieses Deutschland ist stolz darauf, daß es sich selbst hilft. Dieses Deutschland bringt jedem anderen Volke alle Hochachtung entgegen; aber cs verlangt von der Welt auch, daß sie ihm die Hochachtung nicht versagt. Diese Nation ist fest entschlossen, ihr nationales Lcbcns- recht zu wahren und zu vertreten.
Wir sind der Überzeugung, daß wir eine große Aufgabe zu erfüllen haben, die an den Grenzen des Reiches nicht aufhörl. Wenn das nationalsozialistische Deutschland das Recht auf Waffen proklamiert, dann tut es das nicht, um einen neuen Krieg zu provozieren, sondern weil wir wissen, daß der Friede niemals beim Feigen ist, sondern nur beim Starken, und daß der Friede nicht mit pazifistischen Phrasen, sondern nur mit Waffen zu sichern ist.
Wir sind der Meinung, daß ein wehrloses Deutsch land inmitten einer gerüsteten Welt geradezu eint
Aufreizung zum Kriege sein muß.
Und der Sache des Friedens ist auch nicht gedient mit pietistischen Redensarten. Wir wissen, daß wir manchmal Anstoß erregt haben, weil wir die Wahrheit sagten. Die Welt kann uns aber nicht zwingen, zu lügen, weil andere lügen.
Das Verhalten des Auslandes, fuhr Dr. Goebbels fort, beruhe auf der offenbar noch immer vorhandenen Einschätzung des neuen Deutschland nach den Erfahrungen, die man mit den Regierungen des alten Systems machte. Tie Methoden würden sich aber ändern, wenn man wisse, ans welchen« anderen Holze die Männer des neuen Reiches geschnitzt sind. Die Zeiten seien vorbei, in denen deutsche Regierungen vor jedem Diktat kuschten. 91 i e in a l s wieder werde die deutsche Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt werden, den zu halten das deutsche Volk nicht in der Lage sei. Deutschland sei glücklich über den Vorsprung, den die nationalsozialistische Revolution ihm in der europäischen Entwicklung gegeben habe.
Stadtkinder aufs Land!
Seldengedenkfeier in der Auhmeshâ des berliner Zeughauses.
Der Reichswehrminister übermittelt eine Botschaft Hindenburgs.
In der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses, der Stätte stolzer preußischer Überlieferung, erfolgte die feierliche Einweihung der Gedenktafeln für die im Weltkriege gefallenen Kommandeure selbständiger preußischer Truppenteile.
Der Feier wohnten neben den Angehörigen der Gefallenen Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, mehrere Staatssekretäre, zahlreiche hohe Offiziere, Führer der SA. sowie Vertreter der Frontkämpferverbände bei. Nachdem eine Ehrenkompagnic der Reichswehr mit zwölf Fahnen und ein SA.-Ehrensturm mit den B l ii 1 f a h n e n von sieben Berliner Stürmen um den Altar herum Aufstellung genommen hatten, leitete ein Choral der Reichswehrkapelle die Weihestunde ein.
Nach den Weihereden des evangelischen und des katholischen Feldbischofs der Wehrmacht nahm Neichs- wchrministcr Generaloberst von Blomberg die Weihe mit folgender Ansprache vor: Der Herr Reichspräsident, Gencralfcld Marschall von Hindenburg, hat mich beauftragt, die Ehrentafeln der im großen Kriege gefallenen Kommandeure in seinem Namen feierlich zu weihen. Der Herr Gencralfeldmarschall ist in dieser Stunde, die uns an der Ruhmesstätte preußisch deutscher Geschichte zusammengcführt hat, mit seinem Gedenken unter uns. Ich habe die Ehre, Ihnen seine Worte zu übermitteln:
„Zwei Millionen deutscher Soldaten haben auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges ihre Treue zum V a t e r l a n d e mit dem Tode besiegelt, unter ihnen eine stolze Reihe von Männern, die als Kommandeure oder Generale ihre Truppe führten.
Ter Führer hat nicht nur sich selbst einzusetzen. Auf ihm ruht schwere V e r a n 1 w o t1 u n g. Tie Truppe zu sühren, ihr den Weg zum Siege zu weisen, den Gefechtszweck mit dem Einsatz geringster Opfer zu er= reiche», steht für ihn im Vordergrund. Wenn aber die Stunde Ben Einsatz der eigenen Person erfordert, wird er a l s V o rbild für ferne Leute zu sterben wissen.
3 5 0 K o m m andeure preußischer Truppen starben 1° svi^Weltkrieg den Heldentod. In diesen Männern war das Führertum lebendig, das uns durch die Höhepunkte unserer Geschichte geführt hat auf dem Weg zu des Vaterlandes Größe und feiner Rettung.
■ Unser heutiges Deutschland, in dem der Sinn für Heldentum wieder erwacht ist und das soldatische Haltung zu würdigen weiß, grüßt seine gefallenen Führer und ehrt in ihnen den deutschen Soldaten des Weltkrieges.
Mit den Angehörigen des Reichsverbandes Deutscher Offiziere, deren Anregung diese Ehruna der gefallenen Kameraden zu danken ist, weiß ich midi eins im Gefühl der Dankbarkeit und Treue gegenüber diesen -toten, deren Namen fortan in der Ruhmeshalle des Zeng- Hanses verewigt werden und im Herzen des deutschen Volkes fortleben sollen."
Im Auftrage des Herrn Gencralfeldmarschalls und Oberbefehlshabers der Wehrmacht weihte sodann der Reichswehrnlinister die Gedenktafeln der gefallenen preußischen Kommandeure.
Generalmajor von der Goltz, unter dessen Führung bte Vorarbeiten für diese Gefallenenehrung lagen übergab darauf die Tafeln in die Obhut des Staa t « - sekretärs Hörner als des Vertreters des preußischen Ministerpräsidenten mit einer Ansprache. Staats- fchotä” Körner übernahm die Tafeln namens des Ministerpräsidenten in treue Obhut. Das Lied vom guten Kameraden, das Lied der Teutschen und das Stürmisch Horst Wessels schlossen die Weihestiinde.
Mit goldenen Lettern, in Marmor gemeißelt, sind an den Pfeilern der Mittclhallc und unterhalb der Gemälde an der Stirnwand die Namen jener 350 hohen Offiziere bte ihrer Truppe bis in den Tod hinein bahnbrechend als leuchtendes Vorbild vorangcgangcn sind.
Answließcnd erfolgte ein Vorbeimarsch der Reichswehr, der SA. und des Kyfshäuserbundes mit webenden Fahnen vor den Führern, die sich dann zum Ehrenmal begaben. Tort wurde vom Rcichswchr- mluistcr ein Lorbecrkranz der Wehrmacht in den Farben der Reichskriegsflagge und ein Eichenkranz des Inf. Regt. Feldmarschall von Hindenburg niedergelegt.
Göring spricht auf dem ^rankentag.
Begeisterter Empfang in Nürnberg.
Nürnberg. Die Stadt der Rcichsvartcitagc hatte am Sonntag wieder einen großen Tag. Ministerpräsident Hermann Göring war gekommen, um auf dem Hesselberg bei den Kundgebungen anläßlich des Franken- tages zu sprechen.
Als das Flugzeug des Ministerpräsidenten „Manfred von Nichtbofen" gegen 14.45 Uhr aus dem Flugfeld landete und der Ministerpräsident dem Flugzeug entstieg, ballten nicht endenwollende Heil rufe der Menge über den Platz. Ministerpräsident Göring, der die ..Richthofen" selbst gesteuert hatte, begrüßte zunächst Gauleiter Julius Streicher, Oberbürgermeister Liebe, die Offiziere der Reichswehr und Landespolizei sowie die Führer des FAD., und fuhr sodann, nachdem der Franken - führer neben ihm Platz genommen hatte, mit dem Kraft Wagen ^nach dem Hesselberg weiter. Ein Sturm der Motor SS. gab dem Ministerpräsidenten das Ehrengeleit.