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Zulüaer Mzeiger

SS.äÄ & Tageblatt für Rhön und Vogelsberg sgstarSSK. ^MS Zulöa- unö Haunetal »Zulöaer Kreisbla« druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- v z v

schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erliicht jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." 1000. Berantwortl. für den

Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Rnsthluß Nr. 2989 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 155 1934

Fulda, Freitag, 6. Juli

11. Jahrgang

Bass

Var Komplott mit der fremden Macht.

Sensationelle Enthüllungen Wer die Schleicher-VerMömng.

Bon feiten glaubwürdiger diplomatischer Vertreter einer großen nichtdeutschen europäischen Macht erfährt die United Preß", daß Frankreich bereits vor einigen Wochen über das groß aufgezogene Komplott Schleichers gegen Hitler unterrichtet gewesen sei. Die offizielle deutsche Mit­teilung, dast Schleicher mit einer ausländischen Macht in Verbindung gestanden habe, wurde anfänglich im Aus­lande nicht sehr ernst genommen. Sie beginnt aber jetzt in offiziellen Londoner Kreisen mehr und mehr Glauben zu finden, und man ist der Ansicht, dast eine Reihe von Umständen auf Frankreich hindeuten. Ein sehr bekannter deutscher Journalist in Paris soll, wie bestimmt versichert wird, der Mittelsmann zwischen Schleicher und der französischen Regierung gewesen sein.

Die Schleicher-Verschwörung soll angeblich B a r t h o u vor kurzem veranlaßt haben, dem Vertreter einer europäischen Macht Mtzuteilen, daß Frankreich nicht bereit sei, Deutschland irgendwelche Konzessionen in der Rüsiungsfrage zu machen, da die Tage des Hitler-Regimes in Deutschland gezählt seien. Wie derUnited Preß" weiter mitgeteilt wird, soll Barthou bei dieser Gelegenheit ver­traulich erzählt haben, daß in Deutschland ein

Komplott gegen Hitler bestehe, dessen treibende Kraft der frühere Reichskanzler General von Schleicher sei. Diese Zusammen­hänge erscheinen in Londoner diplomatischen Kreisen um so wahrscheinlicher, als man wissen will, daß Schleicher während seiner Kanzlerschaft mit dem französischen Generalstab in geheimen Verhandlungen gestanden habe, die zur Zeit seines Sturzes einer Vereinbarung sehr nahe gewesen feien. *

Man liest diese Mitteilung, die in der kühlen Sprache englischer Darstellungsweise gehalten ist, und fühlt wieder eine brennende Scham in sich: Deutsche oder wenig­stens Menschen, die ihrer Geburt und Sprache nach Deutsche waren, haben es fertiggebracht, sich mit einer fremden Macht gegen das eigene Vaterland zusammen­zutun, gegen dasselbe Vaterland, das sich eben erst in kaum anderthalbjährigem, von aller Welt bewundertem Ringen aus den tiefsten Tiefen des Niederganges beraus- gearbeitet hatte, Herausgearbeilei unter der Führung eines Adolf Hitler, um den uns heute ganze Dutzende von Nationen beneiden. Zur gleichen Zeit, da das national­sozialistische Deutschland seine Arbeitsschlachten schlug, von Sieg zu Sieg eilte, Legion um Legion her Arbeits­losenheere wieder in den Schaffensprozeß einreihte und die Welt unwiderleglich von seinem Friedenswillen zu

Aadolf Heß an Lutze und Himmler.

Der Stellvertreter des Führers hat an Viktor Lutze, ' Eh es des Stabes der Obersten SA.-Führung, folgendes Telegramm gesandt:

! «ieber Pg. Lutze! Namens der zu einer Amtstagung hier 'zusammengekommenen Reichsleiter und Gauleiter der NSDAP wünsche ich Ihnen für Ihr schweres Amt und zur Durchführung der Ihnen vom Führer gestellten Auf­gaben v o l l st e A r b c i t s k r a f t z u in E r f o l g. In Ihrem Streben um die Erhaltung des geschichtlichen Rufe« der SA. als ein treues und schlagkräftiges In­strument in der Hand des Führers finden Sie die

> Unterstützung von uns allen.

Dies um so mehr, als wir überzeugt sind, daß die SA. bis zum letzten Mann ihre Ebre daran setzen^ w t r d, die Flecken, die hier und dort aus dem Schild der SA. blieben, zu beseitigen. Wir wissen auch, daß der alte SA.- Mann, dessen Kampf und Opfer die nationalsozmi'w^ Bewegung hat groß machen helfen, unberührt g c b I iebc n ist von dem Treiben der Verräter und nam wie vor Achtung und Dank des deutschen Volkes verdient.

Hèil Hitler! Ihr Rudolf Heß."

An den Reichsführer der SS., H i in m ler, hat der Stellvertreter des Führers folgendes Telegramm gerichtet:

Die hier versammelten Reichsleiter und Gauleiter gedenken mit mir der Leistungen unserer S S., die unter Ihrer Führung in vergangenen schweren Tagen ihre Opserbercitschaft und Treue aufs neue bewiesen hat.

Ihr Rudolf He ß."

Kurze politische Aachrichten.

Der Präsident der Preußischen Staatsbank (Seehand lung), Dr. jur. Franz Schroeder, beging sein Vffäbri- ges.D i e n st j u b i l ä u m. Der preußische Finanzminister, Professor D r. P o p i tz , und der Staatssekretär im preußi­schen Finanzministerium, Dr. Landfried, überbrachten ihm neben den eigenen die Glückwünsche des preußischen Ministerpräsidenten Göring und verbanden damit den Dank für die langjährige, aufopferungsvolle Tätigkeit im Reichs- und Staatsdienst.

Der R c i ch s . K r i e g e r t a g ist jetzt endgültig für dieses Jahr abgesagt worden. Der nächste Reichs-Krieger täg findet 1935 in Kassel statt.

überzeugen wußte zu gleicher Zeit, also mitten in einer Erfolgs serie, die in der modernen Geschichte ohne­gleichen dasteht, betriebenDeutsche" eine Verschwörung gegen ihr Land! Deutsche, die die uns allen bekannten Erfolge der nationalsozialistischen Regierung genau so gut und besser kennen mußten wie jeder von uns!

Und einer der Führer dieser Verschwörung war ein deutscher Minister gewesen, einer gar, dessen kurze Reichs- kanzlertätigkeit zum Inbegriff der Ratlosigkeit und des Mißerfolges geworden war. Schon eine Reihe von Wochen, bevor Adolf Hitler mit eiserner Faust in dieses Komplott hineinfuhr, hat Schleicher mit einer auswärtigen Macht", als die man nach vor­stehender Meldung Frankreich annehmen mutz, in Ver­bindung gestanden, und er scheute sich rächt, als Ver­bindungsmann dabei jenensehr bekannten deutschen Journalisten" zu benutzen, in dem man wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit den früheren Leiter eines ehemaligen linksdemokratischenführenden" Berliner Blattes an­nehmen darf, der seit feiner nur allzu begründeten Flucht nach Paris, dort das üble Handwerk des publizistischen Brunnenvergifters treibt.

Nun erscheint die starre Haltung Frankreichs in den Verhandlungen mit Deutschland noch in einem ganz anderen Lichte: Auf Grund der Zwischenträgereien jener beiden einander würdigen Bundesgenossen konnte der französische Außenminister Barthou in den sonst un­begreiflichen Irrtum verfallen, man brauche Deutschland in der Abrüstungsfrage schon deshalb nicht entgegenzu- kommen, weildie Tage des Hitler-Regimes in Deutsch­land gezählt" seien!

Gebürtige Deutsche waren das. Sie hatten den Ehrentitel des Deutschen verwirkt in dem Augenblick, als sie den ersten Gedanken des Verrates in sich auf­kommen ließen. Voll Ekel und Scham wendet man sich von Menschen, die dem deutschen Volk einen gleichen Dolch­stoß in den Rücken beibringen wollten, wie es die roten Novemberlinge 1918 taten. Was Adolf Hitler und seine Getreuen am M Juni 1034 für jeden einzelnen von ans taten, wird in vollem Umfange erst die Geschichte zu würdigen wissen.

Ein französisches Dementi.

Dem DNB. geht von Havas folgendes Dementi zu:

Die französische Botschaft in Berlin er- klärte auf eine Anfrage hinsichtlich der von der Berliner Presse Donnerstag nachmittag in sensationeller Auf­machung wiedcrgcgcbeneu Depesche der United Preß über die Rolle, die Frankreich angeblich bei den Ereignissen vom 30. Juni gespielt habe, daß sie in der Lage sei, diese widcrsinnige Fabel auf das entschie­denste zu dementieren.

Gtaa neue litauische Memeldirektorium hat alle B e a^m t e n e n t l a s s e n , die in die Mitgliederlisten der verbotenen Parteien eingetragen waren. Das Landes- direktorium Schreiber hatte bekanntlich eine solche Fordo- rung des Gouverneurs ans Entlassung dieser Beamten, ohne vorher eine Stellungnahme des Disziplinargerichts abzuwarten, abgelehnt.

Deutscher Gesandischasissekreèär tödlich verunglückt. flutokatastrophc in Brüffel. Frau und Tochter schwer verletzt.

Auf der Landstraße zwischen Vervicrs und Dolhein prallte der aus Richtung Vervicrs kommende Kraftwagen des Sekretärs der deutschen Gesandtschaft in Brüssel, Karl Werner, mit einem Benzintankwagen zusammen. Durch den Zusammenprall wurde der Personenwagen zur Seite geschleudert und stürzte um. Die drei Insassen des Wagens, der Gesandtschaftssekretär, seine Frau und seine Tochter, wurden schwer verletzt. Man brachte sie in hoffnungslosem Zustande nach Perviers,

wo der Sekretär seinen schweren Verletzungen erlag.

Man hofft, seine Frau und seine Tochter am Leben er» halten zu können, doch ist ihr Zustand ernst. Ob irgendein Verschulden bei dem Unfall vorliegt, konnte noch nicht fest­gestellt werden, doch handelt cs sich bei dem Unglücksplatz INN eine Stelle der Straße, an der bereits im vorigen Jahre vier Menschen bei einem Kleinbabnunglück ge­tötet wurden.

Rechtsanwalt verweigert deutschen Gruß.

Vor dem Reichsgericht in Leipzig.

3u Beginn einer Sitzung des Dritten Strafsenats des Reichsgerichts in Leipzig hat der als Verteidiger auf­tretende Rechtsanwalt Dr. Gustav Melzer sich ge­weigert, dem eintretenden Senat den Deutschen G r u ß zu erweise». Der Vorsitzende, Reichsgerichtsrat Schmitz, forderte den Anwalt zweimal aus, die rechte Hand zu erheben. Als dies nicht geschah, zog der Senat sich zu­rück und verkündete nach kurzer Beratung:Die Verweige­rung des Deutschen Grußes trotz wiederholter Aufforde- rung bedeutet eine e r b e b l i ch e S t ö r u n g der Sitzung im Sinne des Paragraphen 176 des Gerichtsverfassung«- gesetzes. Rechtsanwalt Dr. Melzer wird deshalb von der weiteren Teilnahme an der Sitzung ausgeschlossen.

Das Königspaar von Siam beiSindenburg

In Neudeck.

Der König und die Königin von Siam sind mit kleinem Gefolge in zwei Salonwagen, die in den jahrplanmäßigen Zug eingestellt waren, nach Neudeck abgereist, um einen Besuch beim Reichspräsidenten von Hindenburg abzustatten.

Von deutscher Seite wird das Königspaar aus seiner Fahrt nach Ostpreußen vom Chef des Protokolls, Gras Bassewitz, und vom Attaché Dr. Klugkist vom Auswärtigen Amt, dem ständigen Begleiter der königlichen Gäste auf ihrer Reise durch Deutschland, bealeitet.

*

Nach ihrem Eintreffen in Neudeck statteten der König und die Königin mit ihrer engeren Begleitung dem Reichs­präsidenten einen Besuch ab, an den sich ein Frühstück im engsten Kreise anschloß. Während der Mahlzeit brachte der Reichspräsident einen T r i n k s p r u ch auf das Königspaar aus, in welchem er die hohen Gäste in Deutsch­land und besonders in seinem Hause willkommen hieß. Der König gab seiner Freude darüber Ausdruck, den Reichspräsident von Hindenburg persönlich sehen zu können. Eine Ehrenkompagnie des in Deutsch- Eylau in Garnison liegenden Infanterieregiments erwies dem König bei seinem Eintreffen und seiner Abfahrt mili­tärische Ehrenbezeugimgen.

Auf der Rückreise von Reudeck nach Berlin unterbrach das Königspaar die Fahrt In Marienburg und be­sichtigte dort das Schloß.

Schwere Slraßenkâmyfe in Amsterdam.

Marxistische Hetzer am Werk.

In mehreren Stadtteilen Amsterdams kam cs zu ernsten Zwischenfällen, die sich schließlich zu förmlichen S.tratzenkâmpfen steigerten zwischen einem starken Polizei­aufgebot und einer aufrührerischen Menge, die von kommunistischen Elementen aufgestachelt wurde.

Die Unruhen begannen in dem im Zentrum ge­legenen Arbeiterviertel, in dem sich eine größere Men­schenmenge zuiammengerottet hatte, um gegen die Her­absetzung der Arbeitslosenunterstützung zu protestieren. Die Aufrührer zerstörten in verschiedenen Straßenzügen die Laternen und

errichteten Barrikaden.

Die Polizei wurde aus den Häusern mit Blumentöpfen, Steinen und anderen Wurfgeschossen bombardiert. Erst nach umfangreichem Gebrauch der Schußwaffe konnte die Ordnung wiederbergestcllt werden.

Fast gleichzeitig ist cs in den östlichen Stadtvierteln zu ähnlichen Zwischenfällen gekommen. Auf die Kunde, daß auf dem Ambonpleiu eine Versammlung der nationalsozialistischen Bewegung (RSB.) abgehalten werden sollte, batten sich

große Scharen marxistischer Elemente eingefunden, um die Veranstaltung zu stören. Da man ernste Ausschreitungen befürchtete, rückten starke Polizei- abteilungen von allen Seiten heran. Die Polizcibcamlen wurden mit Pflastersteinen beworfen. Auch hier mußte des öfteren

von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden.

Bei den Zusammenstößen gab es eine ganze Anzahl mehr oder weniger schwer Verletzter. Ob auch Tote zu beklagen sind, war nicht sofort festzustellen.

Aufdeckung einer Verschwörung

Putschabsichten des unterlegenen Präsidentschafts­kandidaten Villareal.

Mexiko, 6. Juki. (Funkmeldung.) Das mexikanische Innenministerium machte die aufsehenerregende Mittei­lung, daß der bei den Wahlen am Sonntag unterlegene Präsidentschaftskandidat General Billarcal einen Auf­stand gegen die Regierung vorbereite. Er werde jedoch sorgfältig bewacht, um den Ausbruch eines Aufstandes nach Möglichkeit zu verhindern. In die Verschwörung Villareals sollen noch andere führende Politiker verwickelt sein, die zum Teil vor kurzem nach den Vereinigten Staaten gereist sind, um dort mit dem früheren General Pablo Gonzal.es über den Kauf von Waffen zu verhandeln. Weitere Einzel­heiten über den geplanten Aufstand fehlen noch.

Die Hessische Kirche an den Reichskanzler.

EPH. Der Landesbischof hat folgendes Telegramm an den Herrn Reichskanzler nach Berlin gesandt:

Evangelische Landeskirche Nassau-Hesien sende: heißen Dank für starke rettende Tat nebst Glückwunsch und erneutem Gelöbnis unerschütterlicher Treue, und erfleht Gottes Beistand für den geliebten Führer.

Landesbischof Sie Dr. Dietrich."