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» 6 «*»<<* M Wn un» V»g°l-b°v KHÄffg r». M» 5aun=tol.$ul»a« KrcuMoV schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Konigstr. 42. ReüaktivN UN- Gesihästsstelle: Könlgstraße 42 $Ctnfpte^>/ln^lug Nk, 5989

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erliicht jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!. für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 156 1934

Fulda, Samstag, 7. Juli

11. Jahrgang

Der Untergang derDresden" vor dem Seegericht.

Die Schiffsleitung gerechtfertigt.

Das Seeamt Bremerhaven verhandelte unter Vorsitz des Richters Grüder über den Unfall des Lloyd- dampfersD r c s d e n", der bekanntlich am 20. Juni abends auf einerKraft-durch-Freude"-Fahrt fünf See­meilen nördlich von Utfire (Norwegen) auf Grund ge­laufen war und später sank.

Zunächst wurde der Führer des Schiffes, Kapitän Petermöller, vernommen.

Nach seinen Ausführungen befand sich dieDresden' am Unglückstage bei Kopervik. Petermöller nahm zwei norwegische Lotsen, Lind und Jacobsen, an Bord, von denen Jacobsen, der auch während des Unfalls die Führung aus der Brücke hatte, schon auf verschiedenen Reisen Lotsendienste geleistet hatte.

Dieser Lotse erklärte auf Anfrage, mit dem Gewässer vertraut zu sein.

Kapitän Petermöller selbst, der 48 Stunden auf der Brücke im Dienst gewesen war, übergab das Kommando seinem Ersten Offizier von der Osten und Jacobsen. Der Lotse hatte keinerlei Anweisung vom Kaviiän. Er sollte lediglich das Schiff nach Kopervik bringen. Auf die Frage des Reichskommissars. Konteradmiral a. D. Hermann, wen der Kapitän in diesem Fall für die verantwortliche Persönlichkeit halte.

erwidert Kapitän Petermöller, daß in diesem Falle der Lotse neben der Schiffslcitung für seine Kurs­änderungen verantwortlich zu machen sei.

Anschließend fand die Vernehmung des Ersten Offiziers von d e r O st e n statt Das Revier war ihm bekannt. Um 19.10 Uhr sei auf Anordnung des Lotsen eine Kurs­änderung erfolgt. Er habe kontrolliert und gesehen, vaß der neue Kurs auf Slndcsnacs füorte. Er habe bei dieser Kursänderung keine Bedenken gehabt. Vom Vorsitzenden befragt, aus was er nach seiner Ansicht diesen Unfall zurückführe,

erklärte von der Osten, daß hier nur ein verborgener Felsen oder eine vertriebene Boje in Frage kommen könne.

Die Zukunft der SA.

Der Chef des Giabes über die SA.

Unterredung mit Viktor Lutze.

Der Chef des Stabes der SA., Viktor Lutze, wurde von einem Vertreter desAngriff" über die Zukunft der SA. befragt:Mein Chef des Stabes, wußten Sie eben­so wie der Führer, Hermann Göring, Dr. Goebbels und einige andere aus der Umgebung des Kanzlers schon vor Wochen von der bevorstehenden Rebellion der ehe­maligen SA.-Führer?"

Ich erfuhr von dem verräterischen Treiben Röhms und seiner Umgebung erst, als sich die Lage wirklich zu- gespitzt hatte. Ich wurde dann als einer der ältesten SA.-Führer Deutschlands, der übrigens auch schon seit langem Front gemacht hatte gegen die Linie der Obersten SA.-Führung, vom Führer hinzugezogen, um bei der Niederschlagung der Rebellen mitzuwrrken. Zu dem Kreis der Vertrauten und Freunde Röhms gehörte ich nie." _

Kam die ehrenvolle Berufung zum Chef des Stabes der SA. für Sie überraschend?"

Ja, das war schon eine Überraschung für mich.

Ich hatte niemals daran gedacht, daß ich einmal Chef des Stabes werden würde, vor allem deswegen nicht, weil ich auch nicht den Ehrgeiz hatte, cs zu werden."

Glauben Sie, daß die Verräter mit ihren verbrecheri­schen Plänen bei der SA. irgendwie Aussicht auf Erfolg gehabt hätten, wenn der Führer dem Spuk nicht im letzten Augenblick ein jähes Ende gemacht hätte?"

Der Chef des Stabes erklärt mit aller Entschiedenheit, daß kein SA. Mann zu dem Verräter Röhm gestanden hätte.Bei dem ganzen Spuk handelte cs sich lediglich um eine reine Führer-Revolte. Hub auch von den Führern war cs nur ein ganz kleiner Kreis, der die Rebellion mitmacheu ivoütc."

Es ist also tatsächlich so, daß der einfache und unbe­kannte SA.-Mann und seine Führer nichts von dem seit Wochen vorbereiteten verräterischen Unternehmen der obersten Führer Clique wußten und daß sie infolgedessen keineswegs belastet siud?"

Nein, die SA. braucht sich wirklich nicht zu schämen, weil ein kleiner Kreis ihrer bisherigen Führer zu Verrätern wurde. Sie sollte von jenen nur mißbraucht werden, steht aber heute makellos da. Mit Stolz kann ich sagen, daß

die gesamte SA. sauber ist und demnächst wieder mit erhobenem Haupt das Braun­hemd tragen kann. Der Führer steht selbstverständlich treu ,9 ihr und liebt sic. Wäre sein Verhältnis zu ihr WWHr r ein bisschen getrübt, er hätte sie ja auflo.en

Dann fand die Verlesung der L o t s e n b e r i ch t e statt. Aus ihnen geht hervor, daß es allgemein üblich sei, daß die Lotsen das Kommando führen. Die Karten seien von beiden Lotsen wenig oder gar nicht angesehen worden, da sie mit dem Revier genügend vertraut waren. Aus den Lotsenberichten geht weiter hervor, daß die Unfallstelle seit 1864 nicht mehr nachgemessen worden ist und daß sich an dieser Stelle bereits vor Jahren ein Schiff die Schraube abgeschlagen habe.

Im zweiten Teil der Seeamtsverhandlung wurden die Maßnahmen während des Unfalls behandelt. Kapitän Peter Möller ließ bei der Grundberührung sofort die Maschinen stoppen, trotzdem sei das Schiff über Grund gegangen. Er versuchte schnellstens unter Land zu kommen, um Schutz zu finden.

Das Schiff bekam bis zu zehn Grad Schlagfeitc.

Von der Brücke aus wurden sofort die Schotten ge­schlossen und die P a s s a g t e r e auf Steuerbordseite ver­teilt. Auf Notsignale traf als erster der norwegische DampferKong Haakon" an der Unfallstelle ein, der nach seiner Meinung eine ganz besondere seemännische Leistung vollbracht hat,

indem er sich trotz der Schlagseite des Schiffes längs scits gelegt und 535 Passagiere von Bord zu Bord übernahm.

Der später eingetroffene norwegische Dampfer Kronprinzessin Martha' übernahm dann den restlichen Teil der Passagiere. Die Rettungsboote des Dampfers ,',Dresden" richteten einen Pendelverkehr zwischen Schiff und Land ein, so daß bis 20.46 Uhr sämt­liche Passagiere gerettet waren.

Das Secarut verkündete dann als Spruch, daß die G r u n d b e r ü h r u n g derDresden", die den Verlust des Schiffes zur Folge hatte, auf das von der norwegischen Behörde inzwischen festgestellte Vertrei­ben einer Boje zurückzuführen sei, und daß d i < Schiffs leitung kein Verschulden treffe.

können. Oder er hätte nicht die Alte Garde damit beauf­tragt, dort, wo noch etwas faul sein sollte, für gründliche Säuberung zu sorgen."

Auf die Frage, ob von der ehemaligen Obersten â.- Führung nicht absichtlich politisch unzuverlässige Elemente von den Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnationalen und aus dem Stennes-Lager in der SA ausgenommen worden sind, erklärt der Chef be^ Stabes, daß er dies nicht unbedingt bejahen möchte. Er sei allerdings der Meinung, daß einige der nun gerichteten früheren SA.-Führer die Aufnahme solcher Elemente gewünscht hätten, um dadurch llnzufric- deue in der SA. zu sammeln.Wir wird sich nun m Zu­kunft das Verhältnis zwischen der SA. und den L-chutz- staffeln gestalten?" . .

Es soll wie bisher zwischen diesen beiden Forma­tionen ein rein kameradschaftliches Verhältnis herrschen. Beide werden auch zukünftig getrennt ihren Aufgaben nachgehen und sie getrennt zu lösen haben.

über die Neuorganisation der SA.

kann Der neue Cb es des Stabes heute natürlich noch keine näheren Angaben machen. Er gibt allerdings mit aller Bestimmtheit seiner Überzeugung Ausdruck, dar, eme Neu­organisation durchgefübrt werden muß und durchgefuhrt werden wird, weil sie eben unbedingt notwendig rst. Ob in diesem Zuge eine zahlenmäßige V e r r i n g e r u n g der Sturmabteilungen erfolgen wird, ist n t ch t g a n z aus - geschlossen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Chef des Stabes Lutze aus den braunen Formationen ein unbedingt sauberes und was in diesem Zusammen­hang von besonderer Bedeutung ist etn po litisw zuver­lässiges Instrument der Bewegung zu machen ent ^Wird dann zukünftig jeder SA.-Mann Mitglied der NSDAP, sein müssen? . _

Ich bin der Meinung, daß es auf die Dauer un­umgänglich sein wird, daß bei SU-^ionn, tu erster «inte aber der SA.-F ü h r c r , Parteigenosse ist. schließ­lich muß er wenn cr Garant einer Weltanschanung sein will, dieser' nationalsozialistischen Bewegung mit Haut ""d âc^Entscheidunq darüber, ob die Alten Kämpfer für ihre Verdienste cincil Ersatz für den E h r e n d o l ch er­halten der dann !wn Adolf Hitler selbst und nicht wieder vom Chef des Stabes verlieben wird, liegt beim Führer selbst.

Telegrammvechsel Goebbels-Lutze.

Zwischen Reichsminister Dr. Goebbels und dem neuen Chef des Stabes der SA., Viktor Lutze, die beide schon in den ersten Anfängen der Bewegung im Ruhrgebiet zu­sammen gegen den roten Terror gekämpft haben, fand er« ToleLNUMAweStsel statt.

Rückkehr vom Begräbnis.

Daß die Abrüstungsverhandlungen rest­los zusammengebrochen sind, ist bekannt, bemerkenswert ist jetzt aber, mit welcher Offenheit von feiten Englands diese Tatsache zugegeben und unverhüllt die Notwendig­keit weiterer Aufrüstung betont wird. Großsiegelbewahrer Eden, der seinerzeit in Berlin die Verhandlungen mit Adolf Hitler über die von Deutschland gewünschten Änderungen des englischen Memorandums geführt hat, betonte in seiner in Stoke gehaltenen Rede, aus der fran­zösischen Note vom 17. April sei hervorgegangen,daß es keine Garantien für die Durchführung einer^Ab- rüstungskonvention gebe, die es nach Pariser Auffassung Frankreich ermöglichen würden, einem sofortigen be­schränkten deutschen Aufrüsten zuzustimmen" Keine Garantie, die England geben könne, würde ausreichen, um das Sicherheitsbedürfnis Frankreichs in einem solchen Grade zu befriedigen, daß Frankreich auf die englischen Wünsche einer "Abrüstung und aus die deutschen Wünsche nach Ergänzung seiner Defensivmittel cingehen könnte. Das ist deutlich gesprochen und in Hinblick auf die be­vorstehende Reise Barthous nach London könnte das heißen: Wenn du vorhast, bei deinem Besuch das Pro­blem der Abrüstung noch einmal auszurollen, so kann» du dir diesen Besuch ersparen! Barthou scheint aber auch den Plan eines feierlichen Bündnisses mit England als aussichtslos aufgegeben zu haben. Der Zweck seiner Reise dürfte ein Bericht an England sein über die Erfolge seiner Fahrt nach Polen, der Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien. Er wird Frank­reich als den starken Mann im kontinentalen Europa hinstellen wollen, um zu versuchen, sich für eine mili­tärische Annäherung, wenn es kein Sicherheitsbündnis sein kann, wertvoll zu machen. England, das jetzt außerhalb Europas genug mit sich selbst zu tun hat, dürfte auf diese neue Anbiederung Frankreichs aber nur eingehen, wenn es die Überzeugung gewönne, daß da­durch in Europa eine gewisse Beruhigung etnireten könnte. Nur dann hat England zur Zeit ein Interesse und die Interessen seiner einstigen Bundesgenossen uno ihm ziemlich gleichgültig geworden. Glaubt Bartbou aber wirklich, daß er England wird davon überzeugen können? _ ..

Die Rede Edens hat die gesamte englische Pree mobil gemacht, und die Zeitungen berichten ausführlich über die englischen Aufrüstungspläne.Daily Mail' zufolge sieht das von Sachverständigen aus­gearbeitete und genehmigte Programm den Bau von 600 Flugzeugen und die Ergänzung der englischen Kreuzerstärke auf den Beatty-Standard vor, das beißt, daß mindestens 2 0 neue Kreuzer während der nächsten zwei bis drei Jahre gebaut werden sollen. Ferner ist vorgesehen, das Armee-Arsenal Woolwich, das in der Nähe von London liegt, zu verlegen, und zwar in das Innere des Landes, da das Arsenal, das 20 000 Arbeiter beschäftigt, augenblicklich vom europäischen Festland aus durch Flugzeuge und sogar durch Geschütze erreicht werden kann.

Wenn jetzt in diplomatischen Gesprächen noch von Abrüstung" die Rede ist, so klingt es, wie wenn sich trauernde Hinterbliebene auf dem Rückweg vom Begräb­nis über den Begrabenen unterhalten.

DerTaq der deutschen Rose" genehmigt.

Für die am I 4. u n d I 5. I u l i stattfindende Aktion Tag der deutschen Rose", die von der Obersten Leitung der PO., Amt für Volkswohlfahrt, in Verbin­dung mit dem Reichsnährstand und der Deutschen Gesell­schaft für Gartenkultur als Ausnah m e s a m m l u n g des Deutschen Frauenwerks für das HilfswerkM utter u n d Kind" durchgcsührt wird, ist nunmehr die Ge­nehmigung des Stellvertreters des Führers, Reichs­minister Heß, und des Rcichsfinanzministcriums erteilt worden.

In dem Telegramm des Reichsministers Dokior Goebbels heißt es:Ich freue mich, Dich als neuen Cbef des Stabes der SA. begrüßen und beglückwünschen zu können. Ich sehe Deine erste Ausgabe darin, dafür Sorge zu tragen, daß nicht offene oder getarnte Gegner die' Möglichkeit haben, ihre Abneigung gegen den Nationalsozialismus an unserer im Kern und in der Masse braven und tapferen SA. auszulassen. D e n n d i c SA. in ihrer Gesamtheit, vor allem die "alte Garde, mit der wir beide schon vor zehn Jahren im Ruhr gebiet Schulter an Schulter kämpften, bat mit d e in T r c u e b r u ch der beseitigten Hochverräter nichts z n tun Sie ist anständig und intakt geblieben und wird unter Dir als Chef des Stabes mit alter Bravour und Hingabe d i e Aufgaben meistern, die der F ü h r c r ihr, wie so oft in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft stellen wird. Dazu wünsche ich Dir und allen SA. Käme raden Glück und vollen Erfolg.'

DaS Telegramm des Chefs des Stabes Lutze lautet:

Ich danke Dir herzltch für Deine Gluckwunfche. Immer war der SA. Mann treu und ist auch heute noch der alte, nachdem die Verräter gerichtet sind. Sr wie wir beide in den ersten Anfängen der Partei zu sammenstanden, so werden wir auch in Zukunft immer zusammcnstcbcn, zum Wohle der Bewegung und all ihrer Gliederungen. E i n Block d e S Willens! E i we Geschlossenheit des Zieles!'