Zulöaer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: ^öer Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Hauptschriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zul-a- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 157 — 1934
Fulda, Montag, 9. Juli
11. Jahrgang
Rote Revolte in Holland.
Rote Kähnen.
Von Adolf Hitler aus Deutschland vertrieben, setzt der Kommunismus seine verhetzende, zerstörende und blutige Arbeit in den anderen Ländern in verstärktem Maße fort. Wem über das Wesen kommunistischer Agitation, nachdem es in Deutschland schonungslos und rechtzeitig aufgedeckt worden ist, noch nicht die Augen aufgegangen wären, dem mutzte es klarwerden, durch die Ereignisse der letzten Monate. Erinnert sei nur an die blutigen Stratzenkämpfe in Wien und Paris. Dazu kommt jetzt der Aufruhr in A m st e r d a m.
.Holland, das bisher noch von der kommunistischen Seuche ziemlich verschont geblieben war, ist jetzt zum Tummelplatz der kommunistischen Hetzer und Banden- sührer geworden. Wenn man bisher nur die Vermutung haben konnte, daß hinter den Unruhen der letzten Tage Kommunisten als Drahtzieher und Führer stehen, so ist es jetzt ganz deutlich zutage getreten. Auf den Barrikaden und aus den zerschossenen Fenstern der belagerten Häuser heraus wurden rote Fahnen gehißt zum Zeichen, daß die 3. Internationale hier ihre blutigen Finger im Spiel hat. Auch das ganze Vorgehen und Verhalten der Aufrührer zeigt die Taktik der kommunistischen Stratzenkämpfe, wie sie an anderen Orten beobachtet wurde. Wird Europa jetzt endlich einsehen, welchen unermeßlichen Dienst der westlichen Welt das tatkräftige und voraussehende Eingreifen von Hitler-Göring gegen den Kommunismus geleistet hat?
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Guerittakantpfe m Amsterdam.
Kriegsmarine eingesetzt.
In Amsterdam wiederholten sich an verschiedenen Stellen der Stadt die Ausschreitungen aufrührerischer Elemente. Das allgemeine Interesse konzentriert sich wieder auf den Jordaan, in dem jedoch diesmal so starke Militär- und P o l i z e i k r ä f t e zusammengezogen waren, daß die Behörden im Gegensatz zum Vorabend der Lage völlig Herr waren. Wiederholt drangen Mili - t ä r'st r e i f e n in die Häuser ein und nahmen verdächtige Elemente fest, die sich auf den D ä ch e r n^aufgehalten hatten. Bei mehreren Verhafteten wurden Schußwaffen gefunden.
Dagegen kam es im nördlichen Stadtteil auf der anderen Seite des Amsterdamer Hafens, in dem eine Abteilung Marine-Infanterie Patrouillcndienstc ausführte, zu heftigen Stratzenkämpfe» zwischen einer zahlreichen Menge und der Polizei, die bald durch Militärabteilungen verstärkt wurde.
Sanitätsautomobile fuhren hin und her, um die Verwundeten'zu bergen. Auch hier wurde aber der Widerstand gänzlich gebrochen. Da es noch in mehreren
anderen Stadtteilen zu Zwischenfällen kam, wurde die Polizei überall durch M i l i t ä r st r e i f e n verstärkt. Zur Niederkämpfung der Aufrührer hat der Umstand wesentlich beigetragen, daß Militär und Polizei
rücksichtslos von den Waffen Gebrauch machten.
Die genaue Zahl der Toten und Verletzten, die die Stratzenkämpfe des Freitag gekostet haben, steht noch nicht endgültig fest. Bis zur ersten Morgenstunde des Sonnabend zählte man fünf Tote, elf Schwerverletzte und 50 Leichtverletzte, von denen die meisten den Krankenhäusern zugesührt werden mutzten.
Etwa zehn Personen wurden als Rädelsführer oder wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verhaftet. Auf Anordnung des Bürgermeisters wurde die Bürg erwehr alarmiert, die zur Bewachung der öffentlichen Gebäude und Werke eingesetzt ist. Ferner wurde ein Kompagnie Infanterie aus Amersfoort nach Amsterdam dirigiert. Am Sonnabend früh trafen
weitere Truppenabtcilungcn in Amsterdam ein. Mit der Mobilisierung der etwa 4000 Mann betragenden Bürgerwehr wird fortgefahren.
Auch in anderen Städten des Landes, insbesondere im Haag und Haarlem, und in der Bergwerksstadl Heerlen wurden von kommunistischen Drahtziehern Versuche unternommen, um Zwischenfälle hervorzurufen. Die Polizei war jedoch überall auf dem Posten und griff von vornherein energisch durch, so daß es zu keinen ernsteren Zusammenstößen kam.
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Hstlanö Will die Hstzer auSWsisen.
Abflauen der roten Revolte.
Die niederländischeRegierung beabsichtigt, eine größere Anzahl unerwünschter ausländischer Elemente a u s z u w e i s e n, nachdem festgestellt worden ist, daß als Drahtzieher der blutigen Unruhen in A m ft e r dam eine Reihe emigrierter Kommunisten und Marxisten in Frage komme.
Das Gebäude der kommunistischen Zeitung „De Tribune" in Amsterdam wurde von einer starken Polizeiabteilung besetzt. Die Setz- und Druckmaschinen sind beschlagnahmt worden. _
Die Unruhen waren am Sonnabendabend abgeflaut, nachdem cs noch nachmittags erneut zu schweren Kämpfen zwischen Polizei und Kommunisten gekommen war. Im Arbeiterviertel Jordaan, namentlich in der als sehr kommunistisch bekannten Tuinstraat, mutzte Militär unter Anwendung der Schußwaffe eine große Barrikade stürmen. Wiederum gab es eine Reihe Schwerverletzter. Dann aber schienen viele der Aufrührer endgültig die Lust verloren zu haben, sich nochmals dem Kugelregen der Polizei und des Militärs aus- zusetzen.
Kurze politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg hat dem Präsidenten des Reichsgerichts, Dr. Dr. e. b. Bumke, zu seinem 60. Geburtstag telegraphisch seine Glückwünsche ausgesprochen. Ebenso hat der Herr Reichsjustizminister Dr. Gürtner dem Präsidenten des Reichsgerichts, Dr. Bumke, ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben zugehen lassen.
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Rach 42tägiger Verhandlungsdauer wurde die Beweisaufnahme im Gereke-Prozeß geschlossen^ nachdem der Büchersachverständige noch über einige Spezialfragen gehört worden war. Mit der Urteilsverkündung ist für Ende der nächsten Woche zu rechnen.
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Der englische Kreuzer HMS. „Leander" traf, von Schweden kommend, in Stettin ein und machte am Dampfschiffbollwerk fest, wo eine große Menschenmenge das Schiff erwartete. Dies ist für Stettin der erste Besuch eines englischen Kriegsschiffes nach dem Weltkriege.
Eine Richtigstellung.
Wie eine Reihe von Anfragen beweisen, sind durch eine verkürzte Wiedergabe der Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels am Sonntag, dem 24. Juni, auf dem Essener Gauparteitag hielt, hier und da Mißverständnisse entstanden. Um die darauf bezüglichen Briefe und Anfragen, die im Propagandaministerium eingelaufen sind, erschöpfend zu beantworten, gibt das Deutsche Nachrichtenbüro den in Frage stehenden Passus dieser Rede unverkürzt wieder. Er lautet:
„Wir haben bei den Reaktionären verschiedene Erscheinungsformen festzustellen, in denen sie aufzutreten pflegen. Sie tarnen sich meistens: sie treten, ohne intelligent zu sein, als Intellektuelle auf; ohne den Be- dürjutsscn, des Tages zu dienen, sind sie Journalisten; ohne die Kirche zu verteidigen, tragen sie geistliches Gewand, und hier und da benützen sie den Titel des Reserveoffiziers, ohne in Wirklichkeit etwas mit Soldatentum oder Offizier zu tun zu haben. Die breite Masse der zu diesem Stande Gehörigen lehnt solche Abtrünnlinge ab und weist es weit von sich, mit ihnen in einem Atem genannt zu werden. "
Wie aus dieser wörtlichen Redewiedergabe ersichtlich ist, hat es Reichsminister Dr. Goebbels ferngelegen, diese hier genannten Stände an sich anzugreifen; im Gegenteil, er hat ausdrücklich betont, daß es sich um Ab- trünnlinge der Stände handelt, die von diesen Ständen mit Recht wegen ihrer Sabotage des neuen Regimes abgelehnt werden.
Was Schleicher plante.
„Schleichers poiiiischer Traum."
Neue Enthüllungen einer englischen Zeitschrift.
nie englische Wochenzeitschrift „New Statesman and Nation" veröffentlicht einen „Schleichers politischer Traum" überschriebenen Artikel „eines^Korrespondenten, der i n enger persönlicher Fühlung mit Generalvon Schleicher gestanden hat". In diesem Artikel heißt cs wörtlich: Drei Tage vor Schleichers Tod sprach ich in Paris mit einem Mann, der sein besonderes Vertrauen besaß. Dieser Mann sagte mir, Schleicher sei der festen Ansicht gewesen, daß jetzt die Zeit zum Handeln gekommen sei. Er legte mir die Lage dar und das, was er als „Heilmittel" ansah: einen kurzen Zeitraum miü- tärische Herrschaft, und dann das „soziale Reich" (?).
Nach weiterer Auszählung der außenpolitischen Punkte des Programms Schleichers fährt der Korrespondent fort: „Schleicher hatte Fühlung mit einflußreichen französischen Staatsmännern gesucht und gesunden. Sein einziges Ersuchen — und dies war grundsätzlich zugestandcn worden — war die Rückerstattung einiger verlorener deutscher Kolonien. Der Korrespondent erwähnt, daß er auf die Frage: „Aber Hitler muß doch wohl bekannt sein, was im Oiaugc ist; haben Sic leine Angst für Schleicher?" vom Vertrauensmann Schleichers die Antwort erhielt: „Man wird nicht wagen, ihn anzurühren."
Wenn man diese „Bekenntnisse einer schönen Seele" liest, weiß man nicht, worüber man sich mehr verwundern soll: über die politische Instinktlosigkeit der Schleichcr- Leute oder über ihren Größenwahn. Ausgerechnet Herr von Schleicher, dessen kurzer Zwischenakt der Kanzlerschaft damit begann, daß er am Rundfunk eingestand, er habe gar kein Negierungsprogramm, ausgerechnet e r will die „Zeit zum Handeln" erkannt haben? War nicht gerade er es, der als Kanzler die Dinge treiben ließ, wie sic wollten? Welche groteske Selbstüberschätzung eines Mannes, der es verstanden hatte, sich mit dem mystischen Dunkel des Geheimnisses zu umgeben, und sich dann im hellen Tageslicht als Attrappe erwies!
Die Offenbarung aber: „Man wird nicht wagen, I _ ibu anzu r ü h r en", ist selbst auf dem ernsten Hinter- -Muld der Ereignisse von solcher Lächerlichkeit, daß sie keines kommentierenden Wortes bedarf.
Der Sei^^nnenminifler an die Polizei.
Reichsinnenminister Dr. Frick hat an die Landesregierung zur Bekanntgabe an die Polizeibeamten folgenden Erlaß gerichtet: Bei der N i e d e r s ch l a g u n g d e r Revolte meuternder SA.-Führer hat die Ponzer un Reich in all ihren Sparten die von ihr erwarteten Ausgaben pflichtgemäß erfüllt. Sie hat damit zum ersten Male in aller Öffentlichkeit bewiesen, daß sie in Verbundenheit zum Volke die Befehle des Führers oder der von ihm Beauftragten rückhaltlos im nationalsozialistischen srnne zu erfüllen bereit lind in der Lage ist. Ich spreche der Polizei im Reich hierfür meine volle Anerkennung aus.
Deutsche Rudersrsiege in Henley.
Am Schlußtagc der klassischen Henley-Regatta wurden vor Tausenden von Zuschauern die Entscheidungen im Zweier o St um die Silver-Goblets und tm Einer um die Diamond Seulls ausgetragcn. Jm Zweier o. St. triumphier, ten die Berliner Brann Möller (Wikings im Endlau über die englischen Brüder Bigland tRomü-Ehestcr) mit IV, Längen in 8 :09, während die DiamonmSculls, wie schon 1932, eine Beute des Berliners Dr. Herbert Buhtz in 8 :10 wurden. Mit dieser Zeit, die den bestehenden Rekord erreichte wurde der Amerikaner Rutherford sicher geschlagen.
Görings Dank an Oie ».anöespoiizet.
Ministerpräsident Göring bat der preußischen Landespolizei folgenden Dank ausgesprochen:
Die preußische Landespolizei hat in ernsten, schweren Stunden, vom höchsten Vorgesetzten bis zum jüngsten Wachtmeister, in unbeirrbarer Pflichtauffassung und in alter soldatischer Disziplin ihren Dienst versehen. Sie bat wesentlich dazu beigetragen in kmncrao- fdjaftlidicm Zusammenwirken mit SS.. Geheimer ^waw - Polizei und Feldjägerkorps die geplante Revolte im Keim zu ersticken und damit ihre u nvcrbr sich l t w c Treue z u unserem Führer und zum ^ t a a t bereu un. Ich bin stolz auf meine Landcspoljzei und spreche ihr meine Anerkennung aus."
Der Gauparteitag in Königsberg.
Rudolf Hetz begrüßt Ostpreußens Kämpfer.
Der Gauparteitag in Königsberg wurde mit einem Treffen der Alten Garde der NSDAP, eröffnet, auf dem Gauleiter Oberpräsident Koch eine Ansprache hielt. Dabei erklärte er im Hinblick aus die Vorgänge des 30. Juni it. a.: Als er an jenem Sonnabend mit dem Führer telephonisch gesprochen habe, da habt er ihm erklären können: „Über Ostpreußen brauchen wir nicht zu diskutieren; dafür garantiert schon die Alte Garde."
Der Sonntagmorgen begann mit einem A u f in a r f d und Gauappell in Zögershof. Etwa.300'41 An gehörige der PO., der HI. und dcs Arbeitsdienstes, dazu Flieger und ein Ehrensturmbann der SS., waren au] dem Riesengelände aufmarschècrt. Der Stellvertreter Dee Führers, Reichsminister Rudolf Heß, schritt Die Fronten ab und hielt dann von einer Tribüne herab eine Ansprache. Er sagte u. a.:
Es fei nicht nur unsere Meinung, cS fei auch die Meinung maygcblichcr Männer des Auslandes, daß Adolf Hitler am 30. Juni einen Krieg, mellewst einen europäischen Krieg, verhindert hat.
Und es sei weiter sicher, daß die Entwicklung Deutschlands letzten Endes znm B o l s ch c w i s »i u s bingeführt hätte. Wir müßten unserem Führer d a n k e n , daß er durch sein männliches und soldatisches Handeln im rechten, vielleicht im letzten Augenblick all dies Unglück verbinden habe. Unser Dank solle noch mehr als bisher die Treue ietn. Treue heiße Disziplin und Gehorsam.
Nachmittags fand im großen Schlageter-vaus der Gaukon groß der Politischen Leiter, HJ.-Fnbrcr und Führer deS RS. Arbeitsdienstes Gau Ostpreußen statt. Rach den kurzen Eröffnungsworten des Gauleiters Erick Koch nahm der Stellvertreter des Führers das Won zu seiner großen Rede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde. Die Rede wurde immer wieder von jubelndem Beifall unterbrochen. Ganz besondere die Worte, die dcr Stellvertreter des Führers über den Friedenswillen des Frontkämpfers sagte, fanden anhaltenden lauten Beifall.
Den Wortlaut der Rede, die der Stellvertreter des Führers auf dem Königsberger Gauparteitag hielt, bringen wir auf Sette 2.