Fuldaer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda. Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach. H. Hauptschristleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.
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Nr. 158 — 1934
Fulda, Dienstag, 10. Juli
11. Jahrgang
Der Wald brennt!
SenWlands größter Waldbrand.
Riesenhafter Schaden.
Panik im eingeschlossenen Dorf.
Die Hoffnung, daß das Riescnfeuer bei Waren am Müritzscc gebrochen sei, wurde wieder zunichte. Gegen 1 Uhr mittags nahm es noch einmal große Gewalt an. Die Gegend in der Nähe des Dorfes Speck war wiederum in eine einzige große Rauch- und Feuerwolke gehüllt, so daß die Hilfsmannschaften, die dort in der Nähe postiert waren, zunächst zurückgezogen werden mußten. Es hat den Anschein, als ob man dem Brand noch immer keinen Einhalt aebietcn kann. Bei der Brandleitun«
herrschte jetzt nach der neuen Unglücksmeldung wiederum fieberhafte Tätigkeit. Es läßt sich noch kaum übersehen, wie groß der ungerichtete Schaden sein wird. Bis jetzt ergeben vorsichtige Schätzungen, daß bisher für zwei Millionen Mark des wertvollen Baumbestandes ver- nichtet wurde.
Auch unter dem großen W i l d b e st a n d des Gebietes haben die Flammen gewütet. Unter den Tieren müssen sich furchtbare S ch r e ü e n s s z e n e n abgespielt haben. Ganze Rudel flüchteten aus dem brennenden Wald, jagten dabei aber wieder in ein anderes brennendes Gebiet hinein und wurden so ein Opfer der Flammen.
Aufregend itnb dramatische Szenen spielten sich in dem Dorfe Speck ab. Die Flammen umgaben das ganze Dorf und kamen immer näher. Die Männer beteiligten sich fieberhaft an den Löscharbeiten, und die Frauen sollten mit Kähnen in Sicherheit gebracht werden.
Immer näher rückte das fressende Element, der Zaun eines Hauses fing bereits Feuer.
Unter den Frauen brach eine Panik aus. Laut erklangen ihre Hilferufe; viele unter ihnen sanken auf die Knie und beteten.
Und in letzter Minute kam die Rettung. Der Wind schlug plötzlich um und gab dem Feuer eine andere Richtung. Nur dadurch wurde das Dorf, das ein sehr schönes altes Schloß besitzt, gerettet.
Das wunderbare N a t n r s ch n tz g e b i c t bei Speck, in dem Elche und Wisente lebten, ist mit z e r st ö r t worden. Als sich von allen Seiten die Flammen heranwälzten, schlug man kurzerhand die Wildgattcr ein und ließ das Wild lausen. Viele Tiere sind dadurch, so hofft man, gerettet worden.
DieGewalt der Flammen war so groß, daß sie über einen 250 Meter breiten See hinwegsprangen. Es entspann sich ein Wettlauf zwischen den Hilfsmannschaften und dem vorwärtsstürmcndcn Feuer. Selbst Autos wurden von den Flammen überholt.
Durch die ungeheure Hitze wurden Telephon- leltungen zerstört, dadurch konnten viele Nach richten erst verspätet durchgegeben werden.
Großer Waldbrand in der Oberlausitz.
. zluf einem Kahlschlag des nördlich von Groß-Radisch der N i e s k h lObcrlausitz) gelegenen Berges Dubrau brach ein Brand aus, der auf den Wald Übergriff. Nachdem es den Wehren sowie mehreren Arbeitsdienstabteilunge»
^cr Bevölkerung gelungen war, den Brand bis $nm .'k. "uf feilten Herd zu beschränken, sachten heftige Windhosen später das Feuer wieder an. Die Flammen griffen immer weiter um sich und gefährdeten auch die Ortschaft Groß-Radisch, so daß
Reichswehr eingesetzt
werden mußte. Ani Abend war das Feuer so weit ein- gedämmt, daß eine Gefahr nicht mehr bestand. Ergriffen wurde von dem Brande eine Fläche von etwa 1000 M orgc n.
Die Gifhorner Heide in Flammen.
Ein großer Wald- und Heidebrand brach in der G i s - h o r n e r Heide (Hannover) aus. Feuerwehren der be- nachbarten Ortschaften und Freiwilliger Arbeitsdienst
wurden zur Bekämpfung ausgeboten, bei der auch viele Ausflügler tatkräftig zugriffen.
Nach mehrstündigen übermenschlichen Anstrengungen aller am Löschwerk Beteiligten gelang es, das offene Feuer zu ersticken, wenn auch aus weite Strecken hin das Heideland in der Tiefe noch glühte. Große Flächen bieten ein trostloses Bild verkohlter Birken und Kiefern. Dem Feuer sind annähernd tausend Morgen Wald und Heide zum Opfer gefallen. Der Brand wurde wahrscheinlich durch die Unvorsichtigkeit einiger Ausflügler verursacht.
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Eine Glashütte vom Waldbrand bedroht.
Wie aus Finsterwalde gemeldet wird, brach bei Tröbitz am Tagebau der Grube Hansa ein großer Waldbrand aus. Das Feuer griff, durch den starken Westwind angefacht, mit ungeheurer Geschwindigkeit um sich. Die gesamten Wehren der Umgebung sowie der Freiwillige Arbeitsdienst aus Finsterwalde und Bad Erna und die Technische Nothilfe Finsterwalde waren schnellstens zur Stelle. Trotzdem dehnte sich das Feuer bis an die Bahnstrecke Halle —Cottbus aus. Eine in der Nähe liegende Glashütte mußte von den Wehren dauernd unter Wasser gehalten werden. Durch die Rauchentwicklung und die Hitze wurden die Löscharbeiten sehr erschwert. Es gelang aber, die Flammen an der Glashütte zum Halten zu bringen. Das Feuer dürfte etwa 200 bis 250 Morgen Wald vernichtet haben.
Berhinderi Waidbrände!
Eine Mahnung des Reichssorstmeisters.
Durch die Waldbründe der letzten Tage sind ungeheure Werte deutschen Volksvermögens vernichtet worden. Die Ursache war in den meisten Fällen sträflicher Leichtsinn und Nichtbefolgung gesetzlicher Bestimmungen. Vom R e i ch s f o r st m e i st e r wird nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß jegliches Umgehen mit Feuer, insbesondere
Rauchen, Abkochen, Anzünden von Lagerfeuern im Walde und auf allen durch den Wald führenden
Wegen verboten ist. Zuwiderhandelnde setzen sich nicht nur empfindlichen Strafen aus, sondern sind auch in jedem Falle für den Schaden haftbar.
Jeder deutsche Volksgenosse, der sich im Walde aufhält, bat von sich aus für den Schutz der deutschen Forsten zu sorgen und Leichtsinnige an ihrem sträflichen Tun zu hindern. Den Anordnungen der F o r st b c a m t e n und Waldbüter zum Schutze des Waldes ist unbedingt Folge zu leisten. Die Leiter der Schulen und die Führer der Hitler-Jugend und des Jungvolks werden besonders dringend ersucht, aufklärend zu wirken.
Kaiasirophale Hitze in England.
Tausende von Hitzschlägcn. — Soldaten kämpfen gegen Heidebrände.
Die Hitzewelle, die zur Zeit über England herrscht, erreichte ihren Höhepunkt. An manchen Orten wurde die für England außerordentlich hohe Temperatur von 32 Grad Celsius gemessen, die höchste Julitempcratur seit 41 Jahren. Rach Aussagen der Wetterpropheten ist vorläufig noch
kein Ende der Hitze abzuschcn, die seit fünfzehn Tagen ununterbrochen andauert. Während des Wochenendes sind Tansendc von Menschen infolge Hitzschlages zusammengebrochen. Bisher wurden fünf Todesopfer gemeldet.
In allen Landcstcilen sind große Busch- und Heidebrände ausgebrochen, die gemeinsam von Polizei, Militär und Feuerwehr bekämpft werden. Der berühmte Rhododendron-Wald des Lords Malmesbury bei Christchurch wurde durch einen Riesenbrand dem Erdboden gleichgemacht. Infolge des Wassermangels ist es beinahe 'unmöglich, die Brände wirkungsvoll zu be kämpfen. Ans dem englischen Truppenübungsplatz Aldershot wurden 800 mit Stahlhelm und Gasmasken be waffnete Soldaten zur Löschung von zwei großen Heidcbrändc herangezogen. Außenminister Sir John Simon und seine Frau beteiligten sich an^der Be- kümpfuna eines Buschfeuers in der Nähe von Tadworth in der Grafschaft Surrey. Die Küstenstadt St. Andrews in Fife wurde von einem Wirbelsturm heiingcsucht, der den ganzen Ort in eine Staubwolke hüllte.
Dr. Stuckart zum Staatssekretär im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ernannt.
' Berlin. Der Reichspräsident hat den Staatssekretär im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Dr. Wilhelm Stuckart, unter Belastung in dieser Stellung, zum Staatssekretär im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, die Ministerialräte Dr. Helmut Bojunaa und Reinhard «unkel vom preußischen Kultusministerium zu Ministerialdirektoren im RaichserziehungSministerium ernannt
Außerordentliche Kundgebungen für den Führer.
Auf seiner Fahrt von Berchtesgaden nach München wurden dem Führer am Sonntag überall und aus allen Kreisen der Bevölkerung außerordentliche Kundgebungen bereitet, in denen der Tank des Volkes für das tatkräftige, Staat und Volk rettende Handeln des Führers am 30. Juni überzeugend und rührend zum Ausdruck kam.
„Das Ereignis des Tages."
Das Auslandsecho der Heß-Rede.
Die große Rede des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, findet in der ausländischen Presse allergrößte Beachtung. Besonders die Pariser Presse widmet der Rede breitesten Raum und unterstreicht dabei in erster Linie die Aussührungen, die unmittelbar an die Adresse Frankreichs gerichtet sind.
Der „Matin" stellt einleitend fest, daß Rudolf Heß zu den
Überlegtesten Führern des neuen Deutschland gehöre, der geeignet sei, das Zeichen für die neue Phase des Nationalsozialismus zu aeben. Seine Ausführungen seien bedeutsam, weil sie viele Gedanken enthielten, von denen man annehmen könne, daß sie vorher gründlich mit bem Führer durchgesprochen worden seien. — „Echo de Paris" unterstreicht den
Aufruf an alle ehemaligen Frontkämpfer und die besondere Hervorhebung der französischen Kriegs teilnehmer. — Der rechtsstehende „Jour" führt aus: Kein Franzose weigere sich, diese bewegten Worte anzuhören. Man erkenne auch in Frankreich den moralischen Wert und die geschichtliche Bedeutung an, die eine deutsch- französische Verständigung haben würde. In Deutschland werde immer vergessen, daß man Frankreich nicht von den Vorteilen einer Verständigung überzeugen müsse, sondern davon, daß eine solche Verständigung möglich sei. Deutschland müsse das Vertrauen Frankreichs gewinnen. Heß sei das noch nicht ganz gelungen.
AuchHie englische Presse weist aus die Wichtigkeit der Rese hin. „Nationalsozialistische Aufforderung an die Frontsoldaten der Welt" und „Friedensangebot an Frankreich" lauten die Übertritten des „Daily Telegraph". — Die „Dailv Mail" meldet: Herr Heß setzte sich energisch für eine Einigung mit Frankreich ein, indem er sich aus die Tatsache berief, daß die Frontsoldaten aller Länder den Frieden wünschen. Be sonders beachtet werden die Äußerungen des Stellvertreters des Führers über
Deutschlands VerteidigunaStvillen gegen einen feindlichen Einfall, die als „Warnung an Frankreich" gedeutet werden. Tie Blätter heben den ungeheuren Beifall hervor, mit dem diese Worte wie auch andererseits die Friedensaufsorderung an Frankreich ausgenommen wurden. — Die „Times" sagt, die Rede von Heßsei
das Ereignis des Tages, und widmet ibr zwei Spalten des MittelblatteS unter der Überschrift „Die Soldaten und der Frieden" Das Blatt hebt hervor, daß die Rede mit einem zündenden Appell für den Frieden endete.
Die gesamte belgische Presse bringt lange Auszüge aus der Rede. Besonderen Eindruck hat die offene Art gemacht, mit der das deutsch-französische Vcrbäl: - it i s in der Rede behandelt wird. Peinlich berührt sind natur lich die Kreise, die in den letzten Tagen versucht haben, vurch einen maßlosen Hetz- und Lügcnscldzug die belgische öffcitt licke Meinung gegen Deutschland aufzubringen. Es ist itn- verkeunbar, daß die Rede eine erfolgreiche Gegenwirkung gegen die Hetzkampagne der letzten Tage ausgelöst hat.
Der Film in der GÄute.
großzügige Aktion des Reichsministers Rust für den Unterrichtsfilm.
Der Reichserziehungsminister Rust bat sich in einem umfangreichen, an die Ünterrichtsverwaltungcn der Länder und an die Ober- und Regierungspräsidenten gerichteten Schreiben ausdrücklich für die Förderung des Films in der Schule eingesetzt. Reichsminister Run weist in diesem Schreiben darauf hin, daß der Unierrichwiilm eines der bedeutungsvollsten Hilfsmittel der Schule sei, das bisher die ihm gebührende Stellung noch nicht gefunden habe. Der Film der möglichst unmUteloar im Klassenunterricht einzusetzcn sei, solle nicht andere Unterrichtsmittel verdrängen, er solle aber als
gleichberechtigtes Lehrmittel
überall dort an die Stelle des Buches usw treten, wo ba« bewegte Bild eindringlicher als alles andere zum Kinde spreche. „Es ist mein Wille", so beißt es in dem schreiben weiter, „daß dem Film ohne Verzögerung tn der Schule die Stelle geschaffen wird, Die ihm gebührt: er wird dann, worauf ich besonderen Wert lege, gerade bei den neuen Nnterrichtsgegenständen der Rassen- und Volk s • künde von vornherein mit eingesetzt werden können. Zur Erreichung dieses Zieles ist es nötig, daß innerhalb weniger Jahre die deutschen Schulen mit Film- g e r ä t c n ausgerüstet werden, und daß aus dem engen Zusammenwirken von erfahrenen Lehrern. Fachleuten und Filmschaffenden die erforderlichen Unterrichtsfilme entstehen." . .. .
Es ist zu erwarten, daß der großzügige Plan nicht nur von großem Nutzen für Schule und Erziehung sein wird, sondern daß er auch nicht unerhebliche Bedeutung unter dem Gesichtspunkte des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung gewinnen kann.