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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotations­druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach-H. Haupt­schristleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königftr. 42.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- un- Haunetal »Zulöaer Kreisbla«

Reöaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernsprech-Bnsthluß Nr. 1989

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 160 1934

Fulda, Donnerstag, 12. Juli

11. Jahrgang

Die zweite Diktatur Dollsutz.

Neuorientierung im österreichischen Kabinett: Von links nach rechts: Dollfust, Starhemberg, Fey, Tauschitz.

Die neue Wiener Regierung.

D i e vier wichtigsten Ministerien für Solls.

Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat namens der Gesamt­regierung dem Bundespräsidenten die Demission der Bundesregierung angeboten., Der Bundespräsident hat die Gesamtdemission der Regierung nicht angenommen, sondern nur den Rücktritt einzelner Mitglieder des Kabinetts. Das neue Kabinett ist folgendermaßen zu­sammengesetzt.

Regierungschef Dollfuß jnit Bundeskanzleramt, auswärtige Angelegenheiten, Sicherheitswesen, sowie Landwirtschaft und Landesverteidigung.

Vizekanzler Starhemberg, Bundesminister Fey, Unterrichtsminister Schuschnigg, Sozial­minister Neustädter-Stürmer, Finanzminister Buresch, Handelsminister Stockinger, Justiz- minister Berger-Wald enegg, Staatssekretär für Sicherheitswesen K a r w i n s k y, Staatssekretär für Äußeres der bisherige Berliner Gesandte, Ingenieur T a u s ch i tz.

Bundeskanzler Dr. Dollsutz nahm, wie es in der Verlautbarung aus Wien heitzt, die Rekonstruktion der Regierung vor, um auf diese Weise eine konzentrierte Zusammenfassung der wichtigsten auf die Sicherung von R u h e und O r d n u n g bezüglichen Ressorts in seiner Hand durchzuführen und so

die letzten Reste staatsfeindlicher Bewegungen zu beseitigen. Es werde ohne Verrua eine Reibe von

Was bringt Barthou aus London mit?

Platonische Vereinbarungen zum Ostlocarnopakt.

Außenminister Barthou ist von seiner Londoner Reise nach Paris zurückgekehrt. Pressevertretern gegen­über erklärte er sich über seine Londoner Bespechungen höchst befriedigt. Die Pariser Presse macht sich diese Zufriedenheit ebenfalls zu eigen und bringt spaltenlange Kommentare über die Ergebnisse Der Reise, Die im wesent­lichen dazu geführt habe, daß England nicht nur jeden Widerstand gegen ein O st l o c a r n o aufgegeben, sondern sich sogar allerdings unter gewissen Bedingungen bereit erklärt habe, in Berlin und Rom für diesen Pakt Propaganda zu machen. Die Bedingung, die man englischerseits an einen solchen Schritt geknüpft hat, liegt aus dem Gebiete der A b r ü st u n g.

Die englische Presse ist sich im großen und ganzen darüber einig, daß Barthou nicht mit leeren Händen nach Paris zurückreist, teilt aber keineswegs den von franzö- sicher Seite ausgedrückten großen Optimismus. Die allge­meine Ansicht geht dahin, daß eine gewisse platonische Und mit Klauseln versehene Vereinbarung zu dem Ost- locarnopakt erzielt worden sei. Unter den Kommen­taren zu dem Ergebnis der Besprechungen Barthons in London verdient ein Leitartikel derTimes" besondere Beachtung.Der neue Pakt", schreibt das Blatt, mutz ebensoviel Wert für D c u t s ch l a n d mic für die anderen Teilnehmer besitzen. Er muß verhandelt werden auf einer

Grundlage der vollständigen Gleichheit.

Die vorläufigen Verhandlungen sind kaum derart gewesen, Deutschland davon zu überzeugen, daß eine volle Gegen I ettigfett beabsichtigt ist. Wenn aber das Ostlocarno ein nützliches Werkzeug der Befriedung sein soll, so darf diese Seite des Problems nicht unbeachtet gelassen werden. Der vorgeschlagene Pakt der gegenseitigen Unterstützung muß Deutschland umfassen und damit dazu beitragen,

Deutschland zum Völkerbünde zurückzubringen, ein Beiscitelassen Deutschlands würde seine Rückkehr nach Genf doppelt schwierig machen. Auch P o l e n darf nicht ausgeschlossen werden. Die Verhandlungen werden wahr­scheinlich außerordentlich schwierig werden. Die Stellung der englischen Regierung ist besonders delikat. Es ist eine jcststelu'Nde Tatsache, daß England

Maßnahmen durchgeführt werden, die im besonderen eine Erweiterung der auf Sprengstoffanschläge bezüg­lichen Gesetze und Vorschriften betreffen. Auf Den Besitz von Sprengstoffen wird die Todes st rase gesetzt, falls nicht innerhalb einer kurz bemessenen Frist, innerhalb deren dem unbefugten Besitzer Straflosigkeit zugestchert wird, die restlose Ablieferung der noch vorhandenen Sprengstoffvorräte erfolgt.

Das neue Kabinett trägt mit dem Ausscheiden der beiden Landbundmitglieder einen ausschließlich christlich­sozialen Heimwehrcharakter.

Das zweite Kabinett Dollfuß kündigt eine zweite Diktatur an, denn Dr. Dollfuß hat durch Übernahme des Ministeriums für Landesverteidigung seinen Machtbereich bedeutend erweitert.

Mussolini will Giarhemberg sprechen.

Ferner wird bekannt, daß Ministerpräsident Musso­lini den österreichischen Vizekanzler Starhemberg zu einem Besuch nach Rom eingeladen hat. Dieser Besuch soll am 14. Juli, also vor dem Zusammentreffen mit Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der für Ende Juli in Aussicht genommen ist, stattfinden.

In der Unterredung soll die Rolle der Heim- wehr in den noch immer äußerst verwickelten inner- politischen Verhältnissen Österreichs einer eingehenden Untersuchung unterzogen und dabei auch die weiteren Aufgaben der Heimwehren geklärt werden. In diesem Zusammentreffen zwischen Mussolini und Starhemberg wird in Wien ein sehr bedeutungsvolles politisches Er­eignis gesehen.

keine neuen Verpflichtungen eingehen wird. Die englische Teilnahme an den bevor­stehenden Verhandlungen wird daher voraussichtlich in­formell und ihr Zweck darauf gerichtet sein, die Gefahren zu vermeiden, daß Europa noch einmal in zwei gegen­seitig mißtrauische Staatsgruppen chigcteflt wird."

-i-

DieOrganisierung des Friedens", wie sie Barthou plant, hat mit Frieden nichts zu tun, im Gegenteil, sie kann nur dazu dienen, ^die unerträgliche Spannung in Europa zu verstärken. Sie besteht in der Idee der R e g i o n a l p a k t e. Darunter sind Verträge bestimmter Staatengruppen im Osten, im Mittelmeer, int Balkan, am Ärmelkanal zu verstehen, in denen sich die be­teiligten Staaten verpflichten, automatisch gegen das Vertragsmitglied, sobald es zum Angreifer gegen ein anderes Mitglied wird, Krieg zu führen. Barthou hofft offenbar mit dem Abschluß solcher Pakte zweierlei zu er­reichen. Einmal sollen sich die europäischen Nationen vurch sie binden, ehe Deutschland die U m = r ü st ung fei n e r Wehrmacht durchgeführt hat, die Frankreich nicht mehr verhindern kann. Einer Um­gruppierung der europäischen Mächte zugunsten Deutsch­lands und damit eine Zerstörung der unbedingten Vor­machtstellung Frankreichs soll vorgebeugt werden. Zwei­tens soll durch das System der Regionalpakte erreicht werden, daß alle Nationen sich g e g e n c i n e R c v i s i o n o c rF r jede n s v e r t r ä g e" erklären. Das wichtigste Teilstück in diesem Netz, das Barthou Deutschland über­werfen möchte, damit cs sich darin verstricke, ist der Ost- pakt, den Barthou mit Litwinow ausgearbeitet hat.

Italienische Beunruhigung.

Nom, 11. Juli. Ueber das Ergebnis der Londoner Unterredungen Barthous ist man in italienischen Kreisen beunruhigt, umso mehr, als sich aus den amtlichen Mit­teilungen, der englischen Presse und der Agentur Havas kein klares Bild gewinnen läßt. (Diese Beunruhigung findet auch ihren Niederschlag in den italienischen Blättern.

Der Führer spricht am Freitag.

Die Übertragung der Reichstagsfitzung am 13. Juli.

Die Reichssendeleitung teilt mit: Am Freitag, oem 13. Juli, abends 20 Uhr, übernehmen alle deutschen Sender vom Deutschlandsender die Übertragung der Reichstagssitzung mit einer Rede des Führers, Reichskanzler Adolf Hitler, und einer Erklärung der Reichsregierung. Die Stunde der Nation wird auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Der politische Kurzbericht fällt aus.

Der Protei der Michsregierung in der Memeifrage.

Die Botschafter der Großmächte beim R e i ch s a u ß e n m i n i st c r.

Der Reichsautzenministcr hat die Botschafter Frank­reichs, Englands, Italiens und Japans empfangen, um sie nachdrücklich auf die Verhältnisse im Memelgebiet und die Notwendigkeit eines unmittelbaren Eingreifens der Signatarmächte hiuzuweifen.

Die Absetzung des deutschen Oberbürger­meisters von M c m c l durch die litauische Regierung dürfte den letzten Anstoß gegeben haben zu diesem Schritt der Reichsregierung, der ihrer Protestnote bei den Signa­tarmächten den notwendigen Nachdruck verleihen soll. Es liegt hier eine besonders dreiste Verletzung des Memelstatuts vor. Wenn hier von der litauischen Regie­rung als Grund der Absetzung des Oberbürgermeisters die Nichtkenntnis der litauischen Sprache vorgegeben wird, so dürste cs den Litauern nicht un­bekannt sein, daß im Memclstatut der Gebrauch der deutschen Sprache als gleichberechtigt anerkannt ist.

Neue Ltnruhen in Rotterdam.

Während in Amsterdam und in fast allen übrigen Städten des Landes seine neuen Zwischenfälle von Be­deutung zu verzeichnen waren, kam cs in R o t 1 e r d a m zu ernsten Straßentumultcn.

Zur Unterdrückung dieses Aufruhrs mußte ein starkes Aufgebot von städtischer und Militärpolizci eingesetzt werden, das den ganzen Stadtteil abricgelte. Hierauf wurde die Parole ausgcgcbcn, daß sedcr, der sich ohne Erlaubnis noch auf den Straßen aufhalte Gefahr laufe, erschossen zu werden.

Auf diese Weise gelang es, das von den Aufrührern auf gerissene Straßcnpflastcr wieder auszudessern und auch die zerstörten Lichtanlagen wieder herzustellen.

Die Beisetzung des m'ederkäntzischen Prinzgemahls.

U n übersehbar c M e n s ch e n M a s s e n ehrten den Toten.

Die sterbliche Hülle deS vor einer Woche verstorbenen Prinzgemahls Heinrich der Niederlande wurde vom Haag zu der in Delft gelegenen Familiengruft des Hauses Oranicn-Nassau übergeführt.

Sämtliche von dem Leichenzug berührten Straßenzügc waren von u n ü b c r s e h bare n M e n s ch e n m asse u umsäumt überall bildeten militärische Formationen Spalier. Alle Ministerien und staatlichen Institute sowie die Börse und viele Geschäftshäuser hatten ge - s ch l o s s c it. Dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, war der von acht schwarzen Pferden gezogene Leichen- wagen gänzlich in Weiß und Silber gehalten. Auch Die Perde trugen weiße Prunkdecken. Unter den Trauer- gästen bemerkte man Herzog Adolf Friedrich von Mecklen­burg, Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg, den Erbgroßberzog von Oldenburg, Prinz Karl von Belgien und viele andere. Die K ö n i g i n und die Thronfolgerin wohnten Dem Abmarsch des Zuges bei und fuhren dann in Automobilen nach Delft voraus.