Zulöaer Anzeiger
Ä%e LWD G Tageblatt für Rhön UN- Vogelsberg Bei Liefermrgsbehmderung durch „Höhere Ge- ^ / ✓ v süM' Sä ^>^2 Zul-a- un- Haunetal * Sulöaer Kreisbla« druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- v z v
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Nr. 166 — 1934
Fulda, Donnerstag, 19. Juli
11. Jahrgang
Ane Ehrenpflicht
Erneuter Aufruf an die Betriebsführer zum Eintritt in die Deutsche Arbeitsfront.
Der Stellvertreter des Führers der Wirtschaft, Graf von der Goltz, erläßt an die Betriebsführer einen Aufruf zum Eintritt in die Deutsche Arbeitsfront, in dem P u. a. heißt: Es ist E h r e n s a ch e jedes deutschen Unternehmers, Mitglied der Deutschen Arbeitsfront zu sein sein und damit den Willen zu nationalsozialistischer Volksgemeinschaft aller schaffenden Deutschen zu betätigen. Die Zugehörigkeit zur Organisation der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung macht die Mitgliedschaft zur Arbeitsfront nicht überflüssig. Beide haben nach dem Gesetz und dem Willen des Führers völlig verschiedene Aufgaben zum gleichen nationalsozialistischen Endziel.
In beiden Organisationen der Gemeinschaftsarbeit auf ganz verschiedenen Lebensgebieten ist der Platz für jeden schaffenden Unternehmer. In keiner ist Platz für Auseinandersetzungen zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft. Hier hat das Gesetz zur Ordnung der natio- ualen Arbeit beide, Führer und Gefolgschaft, ohne Mittler aufeinander angewiesen. Hier hat der nationalsozialistische Staat den Treuhänder und seine Sachvcrständige nbeiräte bereitgestellt zur nationalsozialistischen Betreuung einzelner und allgemeiner Fragen der Sozialpolitik — nicht als Sachwalter von Parteien, die sich selbst auseinandersetzen und hören sollen, sondern als entscheidende Vertreter letzter Gerechtigkeit.
Sozialpolitische Betreuung oder Vertretung in der Wirtschaftsorganisation ist gesetzwidrig und verboten.
Ebenso ist nach dem Willen unseres Führers Adolf Hitler die Deutsche Arbeitsfront nicht die Stätte, wo die
Wenn der Klassenkampf tobt...
Ernüchterung m Gan Franzisko.
ft o m m u N i st i s ch e Wühler von der Menge v c r p r ü g e lt.
Die Streikleitung in San Franzisko hat das Anerbieten gcmadjt, den Streik durch einen Schiedsspruch bei- zulegen. Dieser Beschluß, eine Schiedsgerichts- lösung anzustrebcu, wird als Beweis dafür aufgefaßt, daß die besonneneren Elemente wieder die Oberhand erhalten haben.
Die Wendung ist hauptsächlich dadurch herbeigeführt worden, daß mehrere hundert Mitglieder,' des vom Vürgerausschuß organisierten Selbstschutzes, der anscheinend auch von den weniger radikalen Arbeiterkreisen unterstützt wird, eine Reihe von kommunistischen A k t i o n s z e n t r e n z c r st ö r t c n. Bis zum Dienstagabend waren bereits über 300 Kommunisten von der Polizei in Haft genommen.
Einige Kommunisten wurden von der Menge so verprügelt, daß sic ins Krankenhaus gebracht werden mußten.
Die Behörden kündigten an, daß sie die Staatszugehörigkeit aller Verhafteten untersuchen und sämtliche Aus - k ä n d e r, die an der Streikhetze teilnahmen, der Bundesbehörde zur Ausweisung übergeben werden. Diese ^äitbentngSatfion sowie die ständig wachsende Einsicht, °aß weder die unmittelbar betroffene Bevölkerung noch ^ öffentliche Meinung des ganzen Landes den General- als gerechtfertigt ansieht, haben das Einlenken des ^uikausschusses herbeigeführL
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Der Generalstreik in San Franzisko.
Ausweisung von Ausländern?
Washington, 19. Juli. (Funkmeldung.) General- wVsanwalt Cummings teilte am Mittwoch mit, daß der Gouverneur von Kalifornien Roosevelt auf drahtlosem -wege ersucht habe, A u s l ä n d e r, die in Zusammenhang . dem Generalstreik in San Franzisko a u f w i c g l e - m f ch e Tätigkeit verfolgten, aus Amerika a u s z u - w e i s c n. Die Forderung ist an das amerikanische Arbeits- »nnisterium weitergeleitct worden.
DK anlisaschistMen Sianlerelen der Kommunisten.
In allen Ländern macht sich das Bestreben der Kommunisten bemerkbar, eine „proletarische Ein de l t sfro n t", die sich gegen den Faschismus und Nationalsozialismus richten soll, zu bilden. Diese neue ..Klasscnkampfparole" wird zunächst natürlich an die sozialdemokratischen Parteien ausgegeben, n der Hoffnung, hier Beistand und Bundesgenossen zu Nnden. Auf fruchtbaren Boden ist die Anregung in Ls" "k reich gefallen, wo die sozialistische Partei be- lcylossen hat, mit den Kommunisten zusammen in einer gemeinsamen Aktion einzutreten, und zu diesem Zweck bereits entsprechende Verpflichtungen eingcgangen worden sind.
Auch die österreichische Sozialdemokratische Partei scheint mit einem Abschwenken zum Kommunismus zu liebäugeln. So veröffentlicht die Brünner
der Unternehmer.
materiellen Fragen des täglichen Arbeitslebens entschieden, die natürlichen Unterschiede der Interessen der einzelnen Arbeitsmenschen aufeinander abgestimmi werden.
Sache des Unternehmertums ist es in erster Linie, dem Gesetz des Führers Geltung zu verschaffen. Wer ohne zum Betrieb zu gehören für den Betriebsführer mit der Gefolgschaft über Interessenfragen verhandelt, handelt gesetzwidrig. Wer statt mit der Gesolgschaft mit betriebsfremden Vertretern verhandelt, handelt gesetzwidrig. Wie soll der Arbeiter das Gesetz achten, wenn es sein Betriebssichrer selbst nicht tut! Demgemäß weise ich darauf hin:
Jeder Verband, der sozialpolitische Jntcressenvermitt- lung für Arbeitgeber betreibt, wird als gesetzwidrig aufgelöst und der Schuldige verfolgt.
Jeder Betriebsführer, der die Gesetze unseres Führers nicht achtet, erscheint unfähig, im nationalsozialistischen Staat einen Betrieb zu führen und setzt sich ehrengerichtlicher Verfolgung aus. Und jeder Betriebsführer sorge durch Mitarbeit in der Arbeitsfront, daß die hohen erzieherischen Gedanken ihrer Schöpfung — und durch Mitarbeit in der Wirtschaftsführung — die hohen Gemeinsch afisaufgaben deutscher Volkswirtschaft ihre Verwirklichung finden. Beide Wege gemeinsam führen zur Vollendung des Nationalsozialismus als des Willens unseres Führers.
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Graf von der Goltz beim Führer.
Ncèchslanzler A d o l f H i t l c r empfing am Mittwoch den mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Führers der Wirtschaft betrauten Grafen von der Goltz zur Besprechung organisatorischer Fragen.
„Arbeiterzeitung", das Organ der Sozialdemokraten Österreichs, einen Aufsatz des Parteiführers der österreichischen Sozialdemokraten, Dr. Otto Bauer, in dem dieser feststellt, daß in der letzten Zeit zahlreiche Sozialdemokraten zu den Kommunisten abgewander t s e i e n. Er meint, daß eine Umbildung der Partei notwendig sei und daß man vor der Aufgabe stehe, das gesamte Programm der Sozialdemokratie umzugestalten. Man kann vermuten, daß Dr. Bauer unter dem Eindruck des französisch-russischen Paktes und vielleicht auch der m a r r i st i s ch e n E i n h e i t s f r o n t i n F r a n k r e i ch zum Kommunismus abzuschwenken beabsichtigt.
Dagegen haben die Kommunisten in der Tschechoslowakei auf ihr Angebot eines Zusammengehens von den deutschen und tschechischen Sozialdemokraten und der tschechischen nationalsozialistischen Partei eine Ablehnung erhalten. In den Antworten der drei Parteien wird gesagt, daß das Angebot gemeinsamer Aktionen im Hinblick auf die ständigen Angriffe der Kommunisten gegen die Rcgicrungssozialisten nicht als ernst betrachtet werden könne. In der Antwort des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokraten heißt cs u. a., daß die von den Kommunisten vorgetragenen Losungsworte unsinnig seien.
Opfer der GireMcke in Katalonien.
Die sozialen Kämpfe fordern in Katalonien weitere Opfer. Im Minengebiet von Salem herrscht Streik. Am Sonntag wurde ein Streikbrecher getötet. Dienstag wurde der Leichnam eines Streikbrechers gefunden, Der sechs Schüsse aufwies. In Barcelona selbst gab es in den beiden letzten Tagen zwciT odcsopfcr. Die Polizei hat jetzt endlich energische Maßnahmen gegen die Inbrandsetzung von Straßenbahn- w a q c n ergriffen. Einer dieser Brandstifter hatte eine Flasche mit Zündflüssigkeit bei sich, die, als er von einem Polizeiagenten niedergeschossen war, Feuer fing und den schon tödlich Verletzten in Flammen h ü l l t e. Ein anderer Brandstifter wurde sestgenommen und konnte nur mit Mühe davor bewahrt werden, von Der Menge gelyncht zu werden.
Die Verfolgung der Aativnalsozialisten in Ssterretch.
Die österreichische Regierung hat ein Gesetz beschlossen, wonach diejenigen Personen, die sich gegen das Spreng- stoffgcsctz vergehen, den SchutzihresObdachs durch das sogenannte Mielgesetz verlieren sollen. Schwerer noch wiegt der Umstand, daß dieser
Verlust des geschützten Obdachs auch jenen droht, die in ihrer Wohnung National» s o z i a l i st c n in größerer Zahl zu einem Besuch oder zu einer Versammlung empfangen oder in deren Wohnung „illegales" Propagandamaterial durch Vervielfältigungsapparate hergestellt wird.
In Hall (Tirol) wurden 5 2 Nationalsozialisten unter dem Verdacht verhaftet, einen Anschlag auf das Salinenwerk vorbereitet zu haben.
Ein Fahrrad 11 Katt - TennisMuhe 30 Pfennig.
Japans „Dumping".
Die japanische Wirtschaft beschränkt sich nicht darauf, den Binnenmarkt zu verteidigen und den importierenden fremden Firmen im Lande selbst Konkurrenz zu machen. Sie ist auf der ganzen Linie, auf allen Märkten der Welt zur Exportoffensive vorgegangen. Der Erfolg war durchschlagend. Wie der Vize-Finanzminister Kuroda auf einer Wirtschaftstagung in Osaka ausführte, ist der Export Japans im letzten Wirtschaftsjahre um die ungeheuere Summe von 1,9 Milliarden Den. das sind mehr als 32 Prozent des Vorjahres, gestiegen. „Und", fügte der Minister hinzu, „das Tempo der Zunahme hat sich in diesem Jahre noch beschleunigt."
Seit drei, vier Jahren etwa hat Japan seinen Außenhandel mit großer Systematik und mit der diesem Volk eigenen Zähigkeit ausgebaut. Nach anfänglichen Rückschlägen ist es ihm seit etwa einem Jahre gelungen, bis auf die entferntesten Märkte vorzudringen. Es macht den Engländern in Indien und in Südafrika Konkurrenz. Japanische Waren beherrschen die Südsee vollkommen und überschwemmen die holländischen Kolonien. Am erstaunlichsten ist das japanische Vordringen in Südamerika. Wo vor ein paar Jahren die japanische Handelsflagge noch vollkommen unbekannt war, erfolgt heute der Einbruch in nordamerikanisches Absatzgebiet. Damit nicht genug — auch E u r o p a hat sich in steigendem Maße des japanischen Vordringens zu erwehren.
Für die alten Wirtschaftsmächte ist die Lage im Fernen Osten bedrohlich. Noch sind sie wirtschaftlich nicht einig, weil sie politisch ihre Interessen absolut nicht aus einen Nenner zu bringen vermögen.
Man wirft der japanischen Industrie D u m p i na vor. Das ist nicht richtig. Dympen beißt, zu einem Preise verkaufen, der unter den Gestehungskosten liegt, entweder, um den Konkurrenten auf dem Weltmarkt aus dem Felde zu schlagen, oder — mit Regierungsunterstützung — zur Erreichung bestimmter politischer Ziele. Japan dumpt nicht. Einmal sind Die Preise für die Fabrikate seiner Industrie im Inland nicht höher als für den Export. Ein gutes Fahrrad kostet 14 Nen, das sind 11 Mark, ein Paar T e n n i s s ch u h e 3N Pfennig. Trotzdem schütten Industrie und Erportfirmen bei uns nicht gekannte^ Dividenden aus. 20 bis 30 Prozent sind durchaus keine Seltenheit. Nein, der Aufschwung ist durchaus echt. Und dic Gründe für die Möglichkeit in Japan, die Preise auf dem Weltmarkt zu unterbieten, liegen klar auf der Hand Sie liegen in einer Abwertung der Währung, der keine Preiserhöhung gefolgt ist, in einer Rationalisierung bei Wirtschaft, der keine Arbeitslosigkeit gefolgt ist. Sie liegen in einem niedrigen Stand der Löhne, der durch einen niedrigen Stand der Preise für die Lebenshaltung aus» geglichen wird. Sie liegen aber auch, das darf nicht vergessen werden, in der großen Bedürfnislosigkeit, der unerhörten Energie, dem fröhlichen, aber nicht unterzukricgen- den Lebenswillen, der in diesem jungen, unverbrauchten Volk steckt.
To günstig die Aussichten für die japanische Industrie trotz aller zu erwartenden Gegenmaßnahmen von außen her zu bewerten sind, verstärkt noch durch große Staats aufträge für eine Verstärkung der Rüstung, so schwierig ist die Situation auf anderen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens. Die Landwirtschaft ist schwer notleidend. Ihre Hauptprodukte, Reis und Seide, leiden unter den niedrigen Weltmarktpreisen. Seide, die zu normalen Zeiten mit 2000 Mn, in den allerbesten Zeiten mit bis zu 4000 Den bezahlt wurde, ist jetzt unter 500 Neu gesunken. Und der Reis ist jetzt in einem Augenblick gestiegen, in dem der Bauer aus Not vom eisernen Bestand verkauft hat und wieder zurückkanfeu muß. Das einzige was den Bauern noch etwas über Wasser hält, ist Die Heimarbeit, die hier auf dem Lande sehr verbreitet ist und einen wesentlichen Bestandteil der japanischen Industrie bildet. Die A r m c e, bic in diesem Soldatenlande auch politisch eine große Rolle spielt, setzt sich mit Energie für eine Besserung der Not ein, weil sie aus dem Lande ibr bestes Soldatcnmaterial rekrutiert. Auch die politischen Parteien, die aber keine überragende Bedeutung mehr haben, wollen die Regierung zu energischen Maßnahmen zwingen.
Der zweite wunde Punkt der japanischen Wirlschafts Tage sind die Staatsfinan; e n. So wird inan, wie der Vizeminister Noshino vom WirtschaftsmiNurerium in einem Gespräch bestätigte, um eine „v o r s i ch : i g c Erhöhung der Steuern" nicht herumkommen. Er gab zu, daß das eine Erhöhn n g Der P r e t s c ganz allgemein zur Folge haben müsse. Vielleicht 'vürbe damit nach zwei Jahren auch hier eintreten, was bisher immer noch eine Folge eines Währnnasstnrzes war. i ie übrige Welt wäre damit vor einem großen Alpdruck befreit.
Freispruch für Sirtsiefer beaübast.
Im Prozeß gegen den früheren preußischen Wobl- fahrtsministcr Dr. Hirtsiefer und vier weitere Angeklagte stellte der Staatsanwalt seine Strafanträge. Er beantragte gegen den Angeklagten Gerlich 300 Mark und gegen Den Angeklagten P c t e r s 200 Mark Geldstrafe. Im Falle Der Verleihung des Ehrendokwrtitcls an Hirt f i e f e r beantragte der Staatsanwalt die Einstellung des Verfahrens aus Grund der politischen Amnestie. In Den übrigen Anklagefällen beantragte er Freispruch mangels Beweises.
Das Urteil ist Ende dieser oder Anfang nächster Woche zu erwarten.