Ärl-aer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich ; Ehrenklau, Fulda, Königstratze 42. Rotations- 1 druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach, H. Hauptschriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.
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Nr. 168 — 1934
Fulda, Samstag, 21. Juli
11. Jahrgang
Die Knebelung des Memellandes.
Ssgland weicht in der Aiemelfrage aus.
Deutschland soll nach Genf gehen.
Zweimal hatte der deutsche Außenminister von Neurath die vier Signatarmächte des Memelstatuts, England, Frankreich, Italien und Japan durch ihre Berliner Botschafter schon darauf aufmerksam gemacht, welche schwere Verletzungen dieses Statutes die litauische Negierung in letzter Zeit begangen hatte. Jede einzelne dieser vier Signatarmächte ist dem Statut gemäß in der Lage, beim Völkerbundsrat eine Beschwerde über diese Verletzungen einzubringen. Die Beschwerde des deutschen Außenministers hat nun ihre erste Antwort gefunden: Das war eine Erklärung des englischen Lordsiegelbewahrers E d e n im Unterhaus, die bestätigt, daß die englische Regierung „verschiedene angebliche Verletzungen des Statutes von feiten der litauischen Regierung und insbesondere über die kürzliche Entlassung des Präsidenten des Memeldirektoriums, Dr. Schreiber", empfangen hätte. Obwohl auch, wie erwähnt, England zu den Garanten des Memelstatuts gehört, erklärte Minister Eden namens seiner Regierung,
der einzige Standpunkt der deutschen Regierung in dieser Frage gehe aus ihrer Mitgliedschaft i in V ö l k e r b u n d s r a t hervor, und alle Beschwerden müßten angemessencrweisc an die Körperschaft gerichtet werden.
Wenn, wie Herr Eden versichert, die englische Regierung schon von jeher die Vorgänge im Memelgebiet aufmerksam verfolgt habe, so muß es um so mehr auffallen, daß man in London von der dauernden Verletzung des M c m e l st a t u 1 s durch die Litauer und der fortdauernden Entrechtung der deutschen Bevölkerung nichts gemerkt hat.
. Unzutreffend ist die Feststellung Edens, daß für einen deutschen Protest in der Memelfrage die Mitgliedschaft im B ö l k erbund die Grundlage darstellen müsse. Es ««tiß^araus hingewiesen werden, daß die Signatarmächie ber Äemelkonvenüon neben ihrer juristischen auch eine moralisch e Verpflichtung für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Memelgebiet tragen. Auf jeden Fall hat die deutsche Regierung dauernd das Recht, die Signatar- mächte an diese Verpflichtung zu erinnern. Das litauische Vorgehen schafft, wie das deutscherseits fortlaufend betont worden ist, au der deutschen Ostgrenze eine außerordentlich e r n st e L a g e , und es war schon deshalb eine Pflicht Deutschlands, sich an die Signatarmächtc mit der Aufforderung um Abhilfe zu wenden
Die Beamtenentlassuugen dauern an.
Die litauische Telegrapheu-Agentur hatte bestritten, daß die Meldungen über die in die Hunderte gebende Zahl von B e a m t e n e n t l a s s u n a e n
Glückliche Fahrt!
Nie Taufe des Mauberschiffes
. „9er DeuiHe".
D r. Ley spricht.
Die schon nach cinhalbjähriger Durchführung so Schwoll cutwickcltc Arbeit der NS. - Gemeinschaft ««rast durch Freude" erreichte mit der feierlichen E"ir des neuen Urlauberschiffes „Der Deutsche" in ^'nerljaven einen besonderen Höhepunkt. ~
Tas schmucke weiß gestrichene Schiff hatte am Lüd- knde der Columbus-Kaje angelegt. Dann traf der Zug »in den bayerischen Urlaubern ein, die sich sogleich an Vord des Schiffes begaben. Dr. Ley traf im Flugzeug w Begleitung des Leiters des Reichsamts für Reisen und Räubern, Dr. Lasfercntz, ein und begab sich sofort an ^ord des Schiffes.
Als erster ergriff sodann Dr. L a f f e r e n tz ba^ Wort. Es sei ein beglückendes Gefühl, fcststellcn zu können,
daß in der kurzen Zeit des Bestehens der „Kraft durch Freude" schon 40 Wy deutsche Volksgenossen an Seefahrten hätten teilnehmen können.
Es ist damit zu rechnen, daß schon im September zwei weitere Dampfer in den Dienst unserer Sache gestellt werden, so daß bann zu gleicher Zeit immer 5000 Menschen sich dem Zauber des Meeres hingeben können.
Der zweite Taufredner, Oblt. zur See Beck, vom Ehej der Reichsmarine mit der Vertretung beauftragt, bezeichnete es als besonders erfreulich, daß der Taufakt die Verbindung zwischen der Reichsmarine und der Handelsmariüe fördere und vertiefe.
. Der Stabsleiter der PO Dr Robert Ley, nahm sodann ’
das Wort zur Taufrcde.
Immer wieder von Beifall unterbrochen, führte er u. a. aus: Die Fahrten und Reisen mit „Kraft durch Freude" wllen in dem deutschen Menschen nicht einen Schein von -Wohlstand und Reichtum erzeugen, sondern nach Er- Yolung, Freude und Ausspannung den Weg weisen und die Zähigkeit wachrufen für den wiederaufzunehmenden um das tägliche Brot. Angesichts der großartigen Leistung der schnellen Indienststellung des neuen Urlauber
im Memelgebiet den Tatsachen entspräche. Gegenüber diesem Dementi muß folgendes festgestellt werden: In den letzten Monaten sind l75Meme!länder entlassen worden; 400 Memelländer sind im litauischen Staatsdienst tätig, davon 135 in Litauen selbst.
Von den 1000 Beamten und Angestellten der autonomen Organe des Memelgebietes sind in den lebten Monaten seit der Amtszeit des jetzigen Gouverneurs 200 entlassen worden, besonders höhere Beamte. Außerdem sind 110 reichsdeutsche Lehrer und Beamte ihres Amtes enthoben worden, so daß jetzt überhaupt nur noch fünf Reichsdeutsche im memclländischcn Staatsdienst tätig sind.
Die wirklichen Zahlen sind zweifellos höher, da über die Entlassungen usw. amtlicherseits keine Angaben mehr gemacht werden dürfen. Hinzu kommen noch 7 0 0 Gemeindevorsteher im Memelgebiet, deren Entlassungen durch den Kriegskommandanten oder den Gouverneur bereits angekündigt sind
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Bekenrüms MM deutschen Osten.
Reichspressetagung der Hitler-Jugend in Schneidemühl.
In Schueidcmühl trafen am Donnerstag die Leiter der nationalsozialistischen Jugendpresse aus dem ganzen Reich zu einer Tagung zusammen, die unter der Leitung des Abteilungsleiters Presse der Reichsjugendführung, Gustav Staebe, stand.
Insgesamt sind 21 Gebiete durch die^Abteilungs- leiter P vertreten. Gebietsführer Gustav Staebe er» öffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er darlegte, warum man gerade im Osten des Reiches zusammengekommen sei. Die Heranwachsende Jugend liebe den deutschen Osten und habe die Pflicht, Volk in seinen leeren Raum zu verpflanzen. Durch das Volkstum im Osten müsse das vom Liberalismus des westlichen Europa ausgestreute Gift überwunden werden.
Der alte Ruf „Een Ost!and woll'n wir reiten" solle wieder wachwerden, nicht in der Absicht einer unfreundlichen Aktion gegen die Nachbarn, sondern um den zur Verfügung stehenden Raum für Kraftquellen zu benutzen. Gustav Staebe erklärte dann, daß die HJ. in bedingungsloser Treue hinter ihrem Führer Adolf H i t l e r dem wahren Vertreter des jungen Deutschlands, stehe, und schloß mit einer kurzen Charakterisierung der HI.-Presse, die dem Gesetz der organischen Entwicklung zufolge die P a r t e i p r e s s e von morgen sein werde. Mit Begrüßungsansprachen des Regierungspräsidenten Dr. Br è sg e n und Oberbürgermeister Stöhr, MdR., schloß die Eröffnungssitzung.
schiffes spreche ich all denjenigen Stellen meinen wärmsten Dank aus, Die an diesem beinahe unmöglichen Werk mitgewirkt haben. Ich spreche an dieser Stelle der heldenmütigen Besatzung der „Dresden" und seinem Kapitän Petermöller noch ein letztes Mal meinen Dank für das unvergleichliche heroische Verhalten aus.
Und nun, deutsches Schiff, sei getauft auf den Namen „Der Deuticbe".
Anschließend sprach Fräulein R e i s i 11 ger , die von der Gaulcituug München zur Durchführung des Taufaktes auserwählt war, die Taufworte: „I ch taufe dich „D er D c u t s ch e" u n d wünsche dir alle Zeit g l ü ck l i ch c F a h r t".
Das Horst Wessel-Lied und das Deutschlandlied beendeten den feierlichen Taufakt. Darauf verließ „Der Dcutfche" den Heimathafen, um sich nach den norwegischen Fjorden zu begeben.
Nur nicht drängeln!
Die Gretchenfrage — „Blinder Eiser ..." — Der gute Käufer.
Wir haben es ja nach dem Kriege zu Dutzenden von Malen erlebt und, wenn es auch jetzt wieder geschieht, hat es daher für uns nicht mehr den Reiz der Neuheit: In den Kabinetten der Westmächte wird irgend eiwas zusammengekocht und uns plötzlich auf den Tisch gestellt mit der unsanften Drohung, den Brei sofort mit geschlossenen Augen herunterzuschlucken. Tun wir es nicht, dann sind wir — natürlich! — die „F r i e d e n s st ö r e r", sind es auch schon dann, wenn wir uns nur sträuben, den Löffel sogleich anzusetzen. Man will uns ja auch kaum, am liebsten gar nichi gestatten, erst einmal zu prüfen, was denn da nun eigentlich zusammengekocht worden ist, und ob nicht Deutschland nach dem Herunterschlucken des Breies ein gewaltiges Bauchgrimmen kriegen wird. Mit einem sonderbar heftigen Eifer drängt man von England aus die Reichsregierung, ein Ja zu den Pakt entwürfen zu sprechen, die man ihr mit reichlich ausfallender Eile am Tage vor der großen Hitler-Rede vorgelegt hatte. B a r t h 0 u sparte — ausgerechnet bei einer Feier für die in Frankreich gefallenen polnischen Freiwilligen! — dem dabei anwesenden Pariser Botschafter Polens gegenüber nicht mit drastisch-drohenden Anspornungen an die Adresse der Warschauer Regierung, schleunigst zum N 0 r d 0 st p a k t ein Ja und gleich noch ein 'Amen zu erklären. Deutschland gegenüber glaubt man sich's ja leisten zu können, weil man es früher des öfteren erlebte, daß aus einem deutschen Nein bald ein Ja wurde. Aber damit steht's jetzt ein bißchen anders aus. Über unsere Köpfe hinweg Tatsachen zu schaffen und uns dann, um unsere Zustimmung dazu zu erzwingen, einfach so etwas wie eine „moralische" Pistole auf die Brust zu setzen, sollte man sich nun doch allmählich abgewöhnt haben! Das wirkt bei uns seit dem 30. Januar 1933 nicht mehr. Wirkt jetzt um so weniger, weil die Köche jenes edlen Breies sich über den Inhalt des Topfes. den sic vor uns hingestellt haben, selbst nicht einig sind. In London spricht man darüber anders als in Paris und infolgedessen wird man es in.beiden Kabinetten gestatten, daß Teuischiand zunächst erst einmal sich erkundigt, was man denn dort eigentlich mit diesem Nordostpakt meint und will. Und wird dann die Gretchenfrage an sie stellen: Wie haltet ihr's mit eurem früheren Versprechen der deutschen Gleichberechtigung? Denn ohne sie ist der Pakt für Deutschland nicht bloß sinnlos, sondern auch gefährlich.
Mit dieser nervös überreizten Stimmung auf politischem Gebiet steht in Widerspruch die Gestaltung der wirtschaftspolitischen Beziehungen Deutschlands besonders mit England und Frankreich. Und zwar gerade hinsichtlich einer Frage, die eine Zeitlang doch recht „zugespitzt" erschien! Es handelt sich dabei um den Transfer — also um die Überweisung in fremder Währung — der Zinsen- und Tilgungssummen für die Dawes- und die D 0 u n g - A n l c i h e. Mit England haben wir uns geeinigt: die Zinsen beider Anleihen werden transferiert, die Tilgungssummen nicht. Dafür erklärte sich England zu wirtschaftlichen Zugeständnissen bereit. Auf derselben Grundlage einigten wir uns erst mit Holland, jetzt mit Frankreich: die Verständigung mit der S ch w e i z ist auch erreicht. Außerdem haben die Wirtschaftsverbandlungen gerade mit Frankreich in letzter Zeit sich günstig entwickelt. Und der Besuch des Gouverneurs der New-Zorker Reservebank, Harrison, in Berlin, führte zu der offiziellen deutschen Erklärung, daß aus derselben Grundlage wie mit England auch mit A m e r i k a Vereinbarungen über den Transfer der „Reichsanleihen"-Zinsen getroffen werden sollen und können. Die Zinskupons sind aber erst am 15. Oktober bzw. 1. Dezember fällig, also könne man in aller Ruhe verhandeln. Mit A m e r i k a sich zu verständigen, ist für Deutschland besonders schwierig, aber wichtig, weil diesesjLand - auch für die Dawes und die Noung-Anleihe unser Hauptgläubiger ist. Aber es mußte versucht werden, obwohl unsere Handelsbilanz mit diesem Lande stark passiv ist, Amerika an uns mehr verkauft als wir von ihm kaufen, — uud wir unsere Schuld zinsen Dod) nur in Waren, also durch einen Ausfuhrüberschuß an das betreffende Land bezahlen können! England, Frankreich, Holland, die Schweiz, Schweden, — alle diese Länder importieren von uns mehr als wir von ihnen. Bei Amerika ist's umgekehrt. Darin liegt die Schwierigkeit, — aber ehe sie in Behandlung genommen werden konnte, trat der Schritt der Treuhänder der Dawes- An l c i h c dazwischen!
„Ich hab's gesagt und damit meine Seele gerettet", haben diese drci .Herren Treuhänder wohl bei ihrer Er klärung gedacht, falls sie jene alte lateinische Bekrästi guugs- und Schlußformel fannten. Sie hatten sich mit ihrer „Seelenpcin' dabei allzu hastig vorgedrängelt, — aber die Wirklichkeit hclu abweisend den Finger. Wir können Schulden an das Ausland nur mit Fertig waren, also durch Verarbeitung v 0 n R 0 h stoffen, bezahlen, und als rohstoffarmes Land müssen ivir die entsprechenden Bezüge dieser Waren erst mal so einrichten, daß sic unsere n Bedarf befriedigen. Aber wenn man uns zu wenig Waren abkauft, dann sind wir genötigt, auch unsere Rohstofskäufe im Ausland zu kürzen, wie eS seit dem April geschieht. Die Preise an den Roh ftoffmärften stagnieren und außerdem sind die Vor röte noch zu groß. Sehr ernsthaft beschäftigt man sich in der Welt damit, was Deutschland alles „im Schilde führt", um feine von der mangelnden Einsich: der anderen erzwungene Drosselung der RoWokfeinfttbr durch eine