Fuldaer Anzeiger
Ä. *eä sä ft’ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 174 — 1934
Fulda, Samstag, 28. Juli
11. Jahrgang
Der Friedensschritt Adolf Hitlers
Eine befreiende Tat.
Der Eindruck des Hitler-Briefes an Papen in Ö st e r re i ch.
Das h a l b a m t l i ch e O r g k n der österreichischen Regierung, die „Rcichspost", läßt durch zahllose Vertreter ein Extrablatt mit dem Wortlaut des Schreibens des Führers an den Vizekanzler von Papen verteilen. Das Extrablatt trägt die Aufschrift „Reichskanzler Hitler macht Frieden mit Österreich. Herr vo» Papen als Gesandter nach Wien entsandt."
Es folgt sodann der vom Deutschen Nachrichtenbüro verbreitete Wortlaut des Schreibens. Im österreichischen Rundfunk wird
in regelmäßigen Abständen von einer halben Stunde
der Wortlaut des Schreibens wiederholt.
Dieser entscheidende Schritt des Führers zur Entspannung der Lage und zur Wiederherstellung normaler und freundschaftlicher Beziehungen hat in allen Bevölkerungskreisen das größte Aussehen erregt.
Nach der lähmenden Spannung und der maßlosen Erregung der letzten Tage geht es wie ein Aufatmen durch das ganze österreichische Voll, überall hört man Stimmen laut werden: Frieden mit Deutschland, Frieden mit unseren Brüdern jenseits der Grenze.
Der Beschluß des Reichskanzlers wird in den leitenden diplomatischen Kreisen ausnahmslos als
die entscheidende Tat von der größten Tragweite sowohl für die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich als auch für die gesamte europäische Lage beurteilt, überall wird die Auffassung laut, daß damit eine entscheidende Wendung eingetreten ist und daß der Entschluß des Führers im wirklichen Interesse der beiden deutschen Staaten liegt.
Das Extrablatt der „Reichspost" wurde am Freitag früh von mehreren Flugzeugen in Kärnten un^ Steiermark über den wenigen noch vorhandenen Kampfgebieten in zahlreichen Exemplaren abgeworfen. Die Regierung hofft, daß damit eine sofortige Einstellung dex Kampfhandlungen erreicht werden wird.
Die Mission des Vizekanzlers von Papen.
Amtlich wird mitgeteilt: Im Anschluß an das von dem Herrn Reichskanzler an den Vizekanzler v. Papen gerichtete Schreiben vom 26. 7. 1934 hat sich der Herr Reichspräsident einverstanden erklärt, den Vizekanzler von seinem Amt als Stellvertreter des Reichskanzlers und als Saarbeauftragten zu entbinden, um ihn mit der vom Reichskanzler oorgejchlagenen wichtigen Aufgabe eines Gesandten in befristeter sondsrunsfion in Wren zu betrauen. Das Agrement für Herrn v. Papen wurde heute in Wien nachgesucht.
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Für Ruhe und Frieden
im deutschen Bruderland.
Der „Völkische Beobachter" zu den Ereigniffen in Österreich.
1 3« den blutigen Vorfällen in Österreich schreibt der „Höllische Beobachter" u. a.: Ein gewisser Teil der aus* Mischen Presse benutzt auch diesen traurigen Anlaß, um ationalsozialismus mit Verdächtigungen überhäufen und ihm die direkte Schuld am Tode des ^"ndeskanzlers Dollfuß vorzuwerfèn. Kaum waren die unklaren Meldungen über das Attentat und den -putsch bekanntgeworden, als auch schon
diese Preffehetze huschte. Heute sind zahlreiche Einzelheiten über die letzten
in Österreich bekannt, und alle sind eindeutige ^eivctsc dafür, daß der Nationalsozialismus, der derartige Gewaltakte schon allein auf Grund seiner organischen âitanschauung ablehnt, mit diesen Vorgängen nichts zu 111 hat. Absurd und verbrecherisch ist cs aber,
sogar die deutsche Regierung
der Teilnahme oder Unterstützung des Attentats zu bc- âlcutlgen. Es wird hoffentlich bald möglich sein, über oie ganzen Vorgänge in Wien ein klares und lückenloses Md zu bekommen. Wenn aber in diesem schwergeprüften ^-and endlich ruhige und gesicherte Verhältnisse cinkchrcn Wi en, dann hat die Regierung, die das Kabinett Dollfuß ablost, die erste und einzige Pflicht,
Neuwahlen anszuschrcibcn
und dem Volk damit Gelegenheit zu geben, seinen Willen uvcr die weitere Zukunft kundzutust.
v „ ^'rsc Forderung muß gestellt werden, denn gerade oas nattonnlsozialistische Deutschland hat ein unbedingtes âcreßc daran, daß endlich in dem deutschen Brudcrland -liihc «Mb Frieden cinzieht.
©ie Wiederherstellung der Ordnung
eine innere Angelegenheit. mrv,^m Gegensatz zu einigen marxistischen englischen dw die traurigen Vorfälle in Österreich zu einer , gegen Deutschland benutzten, fällt der unh r ein durchaus sachliches Urteil betont, bah die Ereignisse in Österreich durchaus auf
innere Spannungen zurückzuführen seien, und daß auch die Wiederherstellung der Ordnung eine innere Angelegenheit der österreichischen Regierung sei.
Die Zeitung betont, daß kein Beweis dafür vorliege, daß der Aufruhr von Deutschland unterstützt worden sei. Da also der Streit lokalisiert sei, ergebe sich der Schluß, daß alle Vorschläge unbeachtet gelassen werden sollten, die etwa das Eingreifen der einen oder der anderen Macht verlangten.
Ein übereiltes Vorgehen wäre unberechenbar, und alle Anregungen hierzu sollten im Interesse Eurobas unbeachtet gelassen werden. Die Unruhe in Österreich sei vcr-
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Papen deutscher Gesandter in Wien.
eines deutschen Gesandten in Wien zu übernehmen, um das deutsch-österreichische Verhältnis wieder in normale und freundschaftliche Bahnen zu lenken.
ursacht durch das Fehlen einer Mehrheit und das Vorhandensein dreier • starker Minderheitsgruppen zwischen denen zu große Gegensätze beständen, um
die Bildung einer wirklich nationalen Regierung
zu erlauben. Solange dieser innere Streit nicht beigelegt sei, müsse die Lage in Österreich für Europa eine schwere Serge bleiben, aber Europa müsse sich aus die Rolle des wohlwollenden Zuschauers beschränken. Jeder Versuch, von außen her einzugreifen, würde die Herstellung des inneren Friedens in Österreich unmöglich machen und eine Gefahr für die österreichische Unabhängigkeit und den europäischen Frieden sein.
„Die deutsche Haltung einwandfreie
In einem Leitartikel sagt „Daily Mail": Herr Hitler hat Schritte getan, die zeigen, daß das vom Reichspräsidenten von Hindenburg bekundete Beileid zum Tode des Bundeskanzlers Dollfuß nicht bloß formal ist. Die Besorgnis vor internationalen Verwicklungen hat
Flugzeugabstürze
Schweizer Verkehrsflugzeug
in Württemberg verunglückt.
Absturz aus 1 000 Meter Höhe.
Das schweizerische Verkehrsflugzeug „Curtiß Condor", das auf der Strecke Zürich—Stuttgart sU^t, ist m der Nähe der Gemarkungsgrenze Wurmmgen—Wci.hc n im Oberamt Tuttlingen (Württemberg) abgeMrzt Be.m Aufschlagen auf bett Boden geriet die Maschine in Brand. An Bord befanden sich acht Fluggäste und die dreiköpfig
bem Absturz wird noch ergänzend nütgeteilt: Aus bisher nicht geklärten Ursachen stürzte das^Flugzeug au» einer etwa tausend M c t e r hohen Wolkendecke in einen Wald ab und wurde vollständig zer t r ü m m c r t. Der Motor wurde etwa
einen Kilometer von der Unfallstelle entfernt aufgefunden und in weitem Umkreis lagen Flügel und Metallteile. Das Meldebuch des ^Meugführers verzeichnete als letzten Eintrag „Zurich, 9 Uhr 25 1500 Steter ^obc, Wetter klar, wolkenlos". Die Unfallstelle, an der sich sofort eine große Menschenmenge an)antmelie, tvurbi abgesperrt. mitten rm ay albe auf einem Berge nahe bit ~ utthngen. Eine UntcrsuchungSkommission traf von Böblingen ein.
Beileid des Reichslustfahrtministers.
Der Reichsminister der Luftfahrt, G ö r i n g , bat dem eidgenössischen Luftamt in Bern und der Direktion der schweizerischen Luftverkehrsgesellschaft anläßlich des Flugzeugunglücks bei Stuttgart im Namen der deutschen Luftfahrt aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen.
sich infolge der Vorsicht und Zurückhaltung der Nachbarn Oesterreichs erheblich vermindert. Die deutsche Haltung ist einwandfrei gewesen.
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Versöhnungsschrrti zur Entspannung der Lage.
England zur Ernennung von Papens.
Die durch den Reichskanzler erfolgte Ernennung Herrn von Papens zum Gesandten in Wien erregt überall in England das größte Aufsehen und wird allgemein als Versöhnungsschritt des Reichskanzlers gegenüberLst erreich gewertet.
Reuter berichtet aus Berlin, daß Hitlers bemerkenswerter Schritt zur Überzeugung der Welt von Deutschlands sympathischer Haltung gegenüber Österreich einen tiefen Eindruck in diplomatischen und amtlichen
Kreisen
gemacht habe. Die Tatsache der Ernennung eines so wichtigen Staatsmannes zum Vertreter Deutschlands stelle eine weitere Geste der Versöhnung gegenüber Österreich dar.
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Österreichische Krüchilinge an der deutschen Grenze verhaftet.
Aus der Gegend von Kollerschlag versuchten österreichische Flüchtlinge, die deutsche Grenze zu erreichen. Hierbei entwickelte sich eine Schießerei mit schwcr- bewaffneten Heimwchrhaufen. Acht Flüchtlinge erreichten, teilweise verwundet, die deutsche Grenze, wobei sie drei österreichische Zollbeamte, die sich ihnen in den Weg stellten, überwältigten und sie über die Grenze schleppten.
Die deutsche Grenzpolizei erschien sofort an Ort und Stelle und verhaftete die österreichischen Flüchtlinge. Die österreichischen Beamten wurden den österreichischen Grenzbehörden übergeben.
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Die Sauherungsakiwu
in Steiermark und Kärnten.
Aus dem steirischen Kampfgebiet wird am Freitag- morgen gemeldet, daß sich an einzelnen Stellen Aufständischen in erbitterten Kämpfen den Ordnungstruppen ent- gegenstellen. Es seien leider noch viele unnötige Opfer gefallen, weil den Kämpfenden die Entwicklung der Lage noch nicht bekannt ist.
Im mittleren Enns-Tal konnten die Kämpfe unter großen Verlusten erfolgreich für die staatliche Exekutive abgeschlossen werden. Das Heer und Heimwehr stießen gegen Admont vor. Der Ort Liezen, wo heftig gekämpft worden ist, ist frei von Aufständischen.
Oie Opfer des Flugzeugunfalls von Tuttlingen.
Bei dem Absturz des schweizerischen Verkehrsflugzeuges „Condor" sind insgesamt zwölf V ers0 ne n ums Leben gekommen, nämlich neun ^luggapc, ein Pilot, ein Funker und eine Stewardeß. Unter den Fluggästen befanden sich eine Frau und cm etwa drei Jahre altes Kind. Sechs Fluggäste sind Deutsche. Die UnglückSsteNc ist jettt in weitem Umkreise von « l.. Fliègcrstürmen des VDL. und Feuerwehr abgesperrt.
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Gportßisger Wolf von ©ungern tödlich «-gestürzt.
Der bekannte deutsche Svortflieger Freiherr Wolf v o n D u ii g e r n ist in der Nähe von A u g s b u r g ab gestürzt und kurz nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen erlegen. .
Bon Dungern batte sich zu dem dresiahrigen Europa rundflug gemeldet und unternahm in den letzten Tagen Probeflüge mit einem neuen Svertftugzcugmuster als Vorbereitung für den großen internationalen Wettbewerb. Zur Zeit des Unfalls herrschte stark böiges Wetter. _
Von Dungern, der als Referent in der ^portslug Abteilung des Reichslnftsahrtministerinms tätig war, bat mit besonderem Erfolg an zahlreichen Veranstaltungen und Wettbewerben in den letzten Jahren teilgenommen, u. a. an den Europarundflügen 1929 und 1930 und an dem Deutschlandflug 1933. Die deutsche Luftfahrt verliert in ihm einen ihrer besten und aussichtsreichsten Svortflieger.