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Zulöaer /Inniger ®£ SL A Tageblatt für Rhsn und Vogelsberg WHM-MLAZ iänsrÄ. %% Zulöa- und Haunetal >Zulöaer Kretsblatt SXääw > Friedrich Ehrenklau Lauterbach, 'H Haupt- V / V auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!. für den

Mistleüer: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. ReSaStion und Gefthästsstklis: Königstraße 42 Zeensprech-^nsthluß Nr. 2444 Anzeigenteil Ferdinand EhrenNau, Lauterbach-H.

Nr. 183 1934

Fulda, Mittwoch, 8. August

11. Jahrgang

Die Abschiedsstunde in Tannenberg

3m letzten Großen Hauptquartier.

Bon dem nach Tannenberg entsandten 6 L. - B e r i ch t e r st a t t e r.

Braunrot gegen den blaßblauen Morgenhimmel, stehen die mächtigen Türme des Nationaldenkmals. Schwer hängen die Fahnen der Trauer herab. Unüber­sehbar ist die Menge, die seit dem frühesten Morgen heran- marschiert, und doch liegt lautlose Stille über dem Mal des Schlachtfeldes von Tannenberg. Seit morgens 5.30 Uhr liegt der Generalfeldmarschall, unser Hinden­burg, darin aufgebahrt.

In dem weiten Rund der Mauern und Türme ist der grüne Rasen umrahmt von schwarz verhangenen Bänken, die sich mehr und mehr mit den geladenen Trauergästen füllen. Inmitten ragt hoch das Kreuz: die Hänge der Grabeshügel bedecken sich mit unzähligen riesigen Kränzen, und immer wieder tragen SS.-Münner neue Zeichen der Liebe und Verehrung herbei.

Nun bekommen die roten Umfassungsmauern einen feldgrauen Schein: Reichswehrsoldaten im Stahlhelm rechen sich dort auf, stehen unbeweglich, wie in Erz. Matrosen in Paradeuniform setzen die Reihen fort.

Es geht auf elf Uhr. Die Tribünen vor dem Redner­pult haben sich mit den Ehrengästen gefüllt. Die wenigen überlebenden alten Freunde des Verewigten sind dabei: unter ihnen GeneralfeldmarschaU von Mackensen. Die Mitglieder der Reichsregierung begrüßen das Diplo­matische Korps in seinen goldübersäten Galauniformen. Neben dem Rednerpult wächst Beet um Beet aus den herrlichsten Kränzen der fremden Staatsvertretungen; die Botschafter und Gesandten bringen persönlich unter Ehrenbezeigungen die Kränze an den Platz.

Dann erheben sich die Tausende in stummer Achtung, grüßen die Angehörigen des Heimgegangenen und gleich darauf die einmarschierenden Fahnen. Wieder stehen sie auf: Adolf Hitler betritt die Ehrentribüne, begrüßt stumm, mit innigem Händedruck, die Angehörigen Hinden­burgs. Leiser Trommelwirbel: langsam wird d e r in i t der Kriegs flagge bedeckieSarg von Offi­zieren aus bém Turm herausgetragen, voran auf schwar­zem Samtkissen die Orden des Feldherrn. Die Truppen präsentieren, die Fahnen haben sich gesenkt, wir stehen mit erhobener Hand. Des Führers Züge sind erstarrt in

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MM- -W

Ankunft des Trauerzugcs am Tannenberg-Denkmal.

In der Frühe des 7. August traf der Trauerzug mit der sterblichen Hülle des Reichspräsidenten im Tannenberg. wnoual-Denkmal ein. ' Unser eindrucksvolles Bild zeigt den Einzug des Sarges au, der Gcfdyutikifette durch das Tor des Denkmals. Rechts und links halten die Schwadronen Paradenufstellung genommen.

schmerzlicher Trauer. Wieder steht er vor Hindenburg, wie so oft in den letzten anderthalb Jahren. Aber nun verkörpert der Lebende allein die wundervolle Einheit, zu der sich diese beiden so verschiedenen deutschen Schicksals­formen zusammengefunden hatten.

Der Heimgegangene hat keine Lobrede an seinem Sarge gewünscht, hören wir von dem Feldbischof D. Dohr­mann:Befehlt mich der Gnade Gottes!" Hier ersteht die innere Größe Hindenburgs noch an seinem Sarge. Sein Weltruf, seine Autorität als Feldherr und Staats­lenker müssen zurücktreten hinter der wahren Bescheiden­heit. Dieser Mann, der nichts kannte als Pflicht und persönlichen Einsatz, und der jede Herausstellung seiner Person ablehnte wieder eine Parallele zu dem inneren Wesen unseres Führers und Kanzlers.

Auf der Rednertribüne ruft der Führer die Erinne­rung wach an die brüllende Schlacht vom August 1914 und an den jubelnden Glockenklang, der den kaum glaub­lichen Sieg über die russische Riesenarmee kündete, und der Führer folgt einem ausdrücklich ausgesprochenen Wunsch des verstorbenen Feldherrn, wenn er in dieser ans Herz greifenden Grabrede nicht zuletzt auch der in der

Adolf Hitler am Grabe Hindenburgs

Vor der vieltausendköpfigen tief ergriffenen Menge rief Adolf Hitler dem toten Feldherrn Worte des Abschieds und Gedenkens nach. An Herrn und Frau Oberst von Hindenburg, die Trauergäste, die Generäle, Offiziere und Soldaten der- Wehrmacht wandte sich der Führer und führte folgendes aus:

Ziveimal in seinem Leben wird der Soldat zumeist in Ehren genannt: Nach einem Siege, nach seinem Tode.

Als der N a m e d c s G e n c r a l s e l d m a r s ch a l l s und Reichspräsidenten zum ersten Male im deutschen Volke erklang, da lag hinter ihm schon ein langes abgeschlossenes Leben an Kampf und Arbeit. Als junger Offizier des großen Königs stritt der 17jährige auf dem Schlachtfeld von Königgrätz und erhielt die Weihe der ersten Verwundung. Vier Jahre später erlebt er a l s Z e u g e d i e P r o k l a m a t i o n s e i n c s könig­lichen Kriegsherrn zum Deutschen Kaiser. In den Jahren darauf arbeitet er mit an der Gestaltung der Kraft des neugefügten Deutschen Reiches. Als der ko m in a n d i e r c n d e General von Hindenbura am

Welt einzig dastehenden Leistungen der deut­schen Krieger gedenkt.

Wieder läuten die Glocken wie vor 20 Jahren, diesmal nicht mehr nur dem Sieger der größten Schlachten des Weltkrieges, diesmal rufen sie unsere stolze Trauer dem zur großen Armee einberufenen Toten nach.

Unter dem Donner der Geschütze und dem Klang der Nationalhymnen wird der Sarg des toten Feldherrn und Staatsoberhauptes in den Turm getragen. Hinter dem Feldbischof schreiten der Sohn Hindenburgs und der Führer. Greise Freunde des großen Toten folgen, wäh­rend die Musik in den Parademarsch des III. Garde-Regi­mentes übergegangen ist. In der schwarzen Toröffnung der Gruft sieht man noch lange die Angehörigen und die Generalität im Gebet verharren.

Hindenburg ging in die Ruhe ein, in das letzte Große Hauptquartier, wie es Adolf Hitler nannte. Nun zieht der endlose Strom der Deutschen an seinem Grabe vorbei, bei dem die Reichswehr Wache hält.

P.A.R.

18. März 1911 seinen Abschied nimmt, blickt er zurück auf die abgeschlossene Laufbahn eines preußischen Offiziers in Feld- und Friedensdienst.

Es war eine st o l z e Zeit. Nach jahrhunderte­langer Ohnmacht, nach ewiger Wirrnis und Zersplitte­rung waren die deutschen Stämme durch die geniale Führung eines Mannes geeint, die deutsche Nation damit neu geschaffen worden. Das Bild der Schwäche, das die Deutschen in früheren Jahrhunderten so beschämend und oft geboten hatten, wich dem Ausdruck einer ungeahnten Kraft.

Ein herrliches Gefühl, in dieser Epoche der Wieder- crstehung eines Deutschen Reiches in immer gleicher Pflichterfüllung mitgeholfen zu haben in den Stürmen der Schlachten, wie in der unermeßlichen Arbeit der Erziehung und Vorbereitung im Frieden!

Und doch war der Name dieses Mannes genau so wie der unzählig anderer Offiziere dem deutschen Volke verborgen geblieben. Ein kleiner Kreis in der Ration nur kennt diese Namenlosen der stillen Pflicht­erfüllung.

Als das deutsche Volk 3'/- Jahre später mm ersten­mal den Ramen des Generalobersten Paul von Hinden­burg zu Gehör bekommt, da brausen die Wetter des Weltkrieges über Europa. In schlimmsten Stunden hat der Kaiser den General aus der Ruhe abberufen und ihm den Befehl über die Armee in Ostpreußen übertragen.

Und sechs Tage später erdröhnten hier inmitten dieser schönen Landschaft des alten Ordenslandes die Kanonen, und drei Tage nachher läuteten es die Glocken dnrck Deutschland:

Die Schlacht von Tannenberg war geschlagen! Ein Sieg war errungen worden, dem die Weltgeschichte

kaum einen zweiten zur Seite stellen kann.

Ungeheuer die Folgen. Ein teuresdeutsch es Land wird der w e i t e r e n V e r w ü st u n g entrissen. In ergriffener Dankbarkeit wiederholen sich im ganzen Reick Millionen deutsche Menschen den Namen des Heerführers, der mit seinen Gehilfen diese wunderbare Rettung vollzog.

Welch ein Geschehen umschließen die 20 Jahre vom 28. August 1914 bis heute!

Ein Krieg, der alle Erinnerungen und Vorstellungen der Vergangenheit in ein Nichts vergeben läßt. Eine u n erhörte Kampf- und Schlachtenfolge! Nervenzerreißende Spannungen, furchtbare Krisen und einzigartige Siege lösen einander ab. Hoffnung kämpft mit Verzagtheit, Zuversicht mit Verzweiflung. Immer wieder aber ivirb die Nation emporgerissen zum Schutze ihres Daseins, erfüllen in Treue und Gehorsam Millionen deutsche Männer ihre Pflicht. Für das nächste Jahrhundert wird es das deuticke Volk nicht nötig haben, seine W a t t e n e b r e zu rehabilitieren! Niemals sind Soldaten tapfe­rer gewesen! Niemals ausdauernder! Niemals opfer­bereiter als in diesen 4Vs Jahren die Söhne unseres Volkes Die Wunder dieser Leistungen, sind unbegreiflich, wenn man nicht die Kraft der Persönlichkeit abwägt und ermißt.

Eine Zaubergewalt lag im Namen des Generalfeld- marschalls, der mit seinen Armeen im damaligen Rußland die größte Militärmacht der Welt endlich doch zu Boden zwang.

Und als ihn leider zu spät der Ruf des Kaisers an die Spitze des gesamten Feldheeres stellte, da gelang es ihm, mit seinen genialen Mithelfern, nicht nur die schwerste Krise für den Augenblick zu bannen, sondern den deutschen Widerstand im Angriff noch zwei Jahre später zu unerhörten Siegen mitzureitzen.

Und selbst das tragische Ende dieses größten Ringens kann geschichtlick keine Belastung dieses Feldherrn, son­dern nur eine Verurteilung der Politiker sein!