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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 186 - 1934

Fulda, Samstag, 11. August

11. Jahrgang

Saar-Sängerfest verboten.

Unverständliche Haltung der Abstimmungskommission. Das Fest nach Trier verlegt. Empörung über diese neuen Schikanen.

DieSaarbriickcr Zeitung" meldet:Wie wir er­fahren, ist das für den 7. und 8. September angcsetzte eäiigerfeff des Saar-, Mosel- und Rahe-Gaues verboten worden.

Zu dem Fest wurden einige zehntausend Sänger ans dem Reich erwartet. Umfangreiche Vor- bereitungen waren bereits getroffen, da nach den An­gaben maßgebender Stellen Per Regierungskommission auf Grund der früheren Erfahrungen mit Pen Sängern keine Bedenken gegen das Fest bestanden und seine Ge­nehmigung daher als eine Frage von lediglich formaler Bedeutung angesehen werden konnte.

Die Formalität bat, wenn wir genau unrerrichtet sind, in Per Zustimmung der A b sl i m mungsko in m issi o n bestanden. Offenbar ist sie nicht erfolgt."

*

Es ist völlig unverständlich, wie man einem Sänger- I fest, also einer ganz unpolitischen Veranstaltung, die Ge- I nehmigung verweigern kann, deren Unbedenklich- I leit nach der obigen Meldung ausdrücklich an I erkannt wird. Man erinnert sich Pabei an die Tatsache, I daß gegen das antifaschistischeSportblntt" der saar- I ländischen Kommnnistengruppe in Völklingen bei K den maßgebenden Stellen keinerlei Bedenken bestanden, I obwohl es sich dort um eine rein politische Veranstaltung g handelte, wie deren Verlaus auch belvies.

Nach Trier Verlegt.

Saarbrücken, 11. August. (Funkmeldung.) Das von der Volksabstimmungskommission im Saargebiet ver- öatenc Sausest des Deutschen Sängerbundes ist nunmehr | nach Trier verlegt worden.

DieSaarbrücker Z e i t u n g" vervffentlickst heute I den Briefwechsel zwischen der Bauleitung des Deutschen I Längerbunbes und den behördlichen Stellen. In dem ab-

Furchtbares Zugunglück in Rumänien

Zwei Venzinzöge in Nammen aufgegangen.

Acht Bahn beamte Verb rannt.

Bei der Eisenbahnstation Nccca aus der Strecke BukarestC^iiova stießen zwei Benzintransportzüge zu­sammen. Alle Wagen und die Lokomotiven entgleisten. In Öligen Augenblicken war, da das Benzin nullte?, die unffliickstzäUe in ein Flammenmeer gehüllt, aus dem kurz hintereinander die gewaltigen Explosionen der Benzin , zu vernehmen waren. Das Feuer war aus eine Ent '""ung von 40 Kilometer zu sehen.

. , l'ber das Unglück werden noch folgende Einzelheiten Bei dem Zusammenstoß schoben ftcb die beiden £ in otivcn der Benzinzüge übereinander. Das aus "okomolivkesseln herausschlagende Feuer feste i ow Mengen Benzin und P e t r v l e u IN , die aus bg'/Meisten Tankwagen ausgeslossen waren, in iUrand ® , "^ furchtbarer Explosionen erfolgte dann. Wenige S?^ Ee nach der Katastrophe fingen die Aiitiva«ousgebäude von Recca Feuer. Trotz größter U'erdci^""^" konnte der Brand nicht eingedämmt

den Der der ein-

wi,r^ "En Bahnanlngen sowie beide Güterzüge M "bn^ein Raub der Flammen. Der größte Teil des I 3 i "fonals kam bei der Katastrophe ums Leben. DM Brcuiu^ Lokomotivführer und beide Heizer nebst vier ' .^^ sich nicht mehr schnell genug aus i motten tonnten, sandcu den Tod. übrio».?- ^"ft außerordentlich groß. Der Betrieb gestern eingleisigen Bahnstrecke mußte werden.

EitWiche Bluttat eines Keistsskranken.

"1 lv c * ders o u c u c r m ordet, z w ei weitere schwer verletzt.

krank sOstprh bekam der als harmlos geisteS- Pnnsa»,^!"^ Fleischer Max Lübek nachts einen Wahn kehrlinns ^H'krbei drang er in das Zimmer des Fleischer

yorrcf ""' ^1" er im Schlaf die Kehle

Aesstrtt^" hinzukommeudeii Bruder verletzte er durch eignete tiA K111 ^ops und an den Armen sehr schwer. El mit Dem > « " cilL "" Hanse befindliches Gewehr an denden n»,.Ä's 601 Straße den in der Nachbarschaft wob sollte hm}1 url ^*fi«P Rehm, der früh aufs Feld fahren inzwischen Bauchschuß schwer verletzte. Rehm ist Fra« öe? X' ;1^11- Die in her Nachbarschaft wohnende sehen mnnt. rcr Riorih, die nach der Ursache des Lärms Thrans uar^ü^b durch einen KuiZchnß schwer verletzt u "^m sich der Geisteskranke ans dem väterlichen

lehnenden Bescheid der Abftimmungskommission heißt es, sie (die Abstimmungskommission) ist der Meinung, daß derartige Veranstaltungen, welche eine große Menge von auswärtigen Besuchern in das Saargebiet bringen würden, angesichts der bevorstehenden Abstimmung grundsätzlich un­terbleiben sollten. Die Saarbrücker Zeitung schreibt dazu u. a.: Für diese negative Entscheidung ist also trotz des Drängens der Gauführung ein Vierteljahr gebraucht worden. Sie erfolgt einen Monat vor dem Fest und macht die gesamte organisatorische Vorarbeit zu­nichte. Sie stellt darüber hinaus aber auch bei der Größe des Festes ein Autzer-acht-lasfen wirtschaftlicher Gesichts­punkte für das Saargebiet dar, was bei dem Charakter gerade dieser Veranstaltung heute doppelt unverständlich ist.

Das Gesetz, daß die Volksseele sich immer wieder über politische Bedrängnisse erhebt, wird sich auch an der Saar bewahrheiten und das Verbot der Abhaltung des Eausestes in Saarbrücken wird den Saarsängern der stärkste Ansporn sein, diesem Gesetz durch verdoppelte Arbeit zum Durchbruch zu verhelfen durch alle Widerstände; denn die Saarfrage wird nicht von der Außenperipherie her entschieden, in der die Abstimmungs- und die Regierungskommission stehen, sondern von dem unzerstörbaren inneren Zentrum, das im Natürlichen, Sittlichen und Kulturellen wurzelt, in dem alles Deutsche gerade an dèr Saar geschloffen steht. Don diesem wesentlichen u. deshalb entscheidenden Gesichtspunkt her muß also mit aufrichtigem Verwundern festgestellt werden, daß eine der ersten Taten der Abstimmungskommis­sion in völligem Einvernehmen mit der Regierungskommis- fion darin besteht, ein Sängerfest im Saargebiet zu unter­binden das ein hochkünstlerisches Gesicht hat, das nieman­dem im Saargebiet irgendwie Vnlaß zu berechtigtem Anstoß geben konnte, das allerdingsdeutsch ist von der tief­sten Wurzel her. In Saarbrücken wäre dieses Sängerfest natürliches unP tiefstes Bekenntnis gewesen. Wenn es jetzt über dieses Bekenntnis hinaus leidenschaftlicher Protest wird, bann ist das nicht unsere Schuld.

Stall ein Pferd, mit dem er in Richtung Pachollen davon­ritt. An der Brücke kurz vor Pachollen hat er das Pferd durch Messerstiche schwer verwundet.

Bettlerin mit 150000 Mark Vermögen

Sie starb durch ein vergiftetes Brötchen.

Wiebedürftig" oft Bettler sind, geht am besten <ms einer Entscheidung des New-Yorker Erb­schaf 1 s g c r i ch l s hervor, das das Vermögen einer Frau, die jahrelang vom Betteln gelebt hat, auf über 62 000 Dollar gleich I 55 0 0 0 M a r k bei dem gegen­wärtigen Kurse des Dollars festsetzte. Der Tod der Bettlerin ist eine der seltsamsten Tragödien des an merk­würdigen Menschenschicksalen reichen New-Yorker Lebens: Ein A u l o in c ch a n i k c r hatte sich in einem Automaten­restaurant dadurch das Leben genommen, daß er ein belegtes Brötchen vergiftete und einen Teil davon. Er starb kurz darauf im Waschraum des Restaurants. Die Bettlerin, die sich gcwohnhcits- mäßig in Automatenrestaurants herumtrieb und dort Speisenreste verzehrte, a h n u n g s l o s von dem ver­gifteten Brötchen und starb gleichfalls. Bei der Leichen­schau wurde festgestellt, daß die Todesursache bei beiden auf dasselbe Gift zurückzufüyren -st. Weitere Nach­forschungen brachten dann die Ü b errasch u n g , daß die von den Resten lebende Bettlerin in Wirklichkeit eine s ch w c r r c i ch c F r a u war.

Anfall emss iM^mf^ Zerstörers.

Drei BesatmngSmitgliedrr getötet, 17 verletzt.

Bei Der Rückfahrt des zweiten ira! ionischen Flotte it g e I ch w a d e r s von der römischen Küste nach Tarent ereignete sich ein schwerer UniaU. _ -er Tor v e v v h v o i's z c r st örerUsodimare' streß in Den ersten Morgenstunden in Per Meerenge zwischen Per Insel Procida und dem Kap M'eiw, also am Eingang titln Golf von Neapel, mit Pein K ü st e n d ampser Pallas" zusammen. Der Zerstörer erhielt ein starkes Leck auf Per SteuerborPfeite des Bugs, konnte icdoch noch mit eigener Maschinenkraft die.R^apelcr '^-^èks er­reichen. Von der Besatzung des Kriegsschiffes sind bei dem ün mMenstoß 3 tot und 1 < v e r w n u de 1. Der M^ ndmnpfer erlitt sonderbarerweise keine Be schädignng.

Kuvun Plant Entsendung etneS FlngzeugniutterschiffeS nach Futschau.

Tokio Das .japanische Marineministertum teilt mit, in slormuta. Per japanischen Flottenbasis, und in ^afebo seien aüe'notwendiaeu Aiaßnahmen getroffen worden, um im Not- falle die japanischen Streirkräste in Futschan weiter zu ver- irfen Die Negierung beabsiäuigc, uu >raöc einer Verschärfung btt Lage ein Flugzeugmutterschiff nach huW» zu senden.

Die Amnestie und ihre

beschleunigte Durchführung.

Wesen und Bedeutung der vom Führer und Reichs­kanzler verkündeten Amnestie gehen aus ihrem Wortlaut ohne weiteres hervor. Gleichwohl muß man sich ihre Reichweite und ihren Leitgedanken klarmachen, um auch bei die,er Gelegenheit wieder zu erkennen, wie des Führers staatsmännische Arbeit erfüllt ist von dem ein­zigen Wunsch, das ganze Volk als eine geschlossene Ein­heit in den Rahmen des Reiches zu fügen.

dkdols Hitler hat es in seinen Reden und in gelegent­lichen Anssprüchen oft genug betont, daß er jedem die pichen will, der ehrlichen Willens mitarbeiten will. Er hat seine Bereitwilligkeit mit der neuen Amnestie noch einmal aufs eindringlichste gekennzeichnet. Das Strasfreiheitsgesetz befaßt sich in seinem entscheidenden ^etl vor allem mit Den politischen Vergeben, und auch hier läßt Per Führer Gnade vor Recht ergeben. Wie er länger als ein Jahrzehnt durch das Land zog und nm die Herzen seiner Deutschen warb, so wirbt er jetzt, mit der höchsten Stellung bekleidet, die das Reich überhaupt zu vergeben hat, um Diejenigen, die aus irgendeiner Ver­blendung heraus noch nicht aus den rechten Weg zu ihm und dem neuen Reich gefunden haben.

Das gilt auch für- Schutzhäftlinge, die mit den Er­eignissen des 30. Juni in Verbindung sieben. Auch ihnen gibt der Führer die Möglichkeit, ihren endgültigen Frieden mit ihm zu machen. Kurz, er will das Vergangene ver­gangen sein lassen in dem Wunsch, das Vermächtnis des verewigten Reichspräsidenten durchzuführen, der in Pots­dam das weltgeschichtliche Bündnis mit ihm schloß, und darüber hinaus für die kommenden großen außen­politischen Entscheidungen der Welt wieder beweisen, daß wir Teutsche heute ein einziger Block sind und nicht mehr das Volk der Parteien nnd Jnteressen- klüngel.

So gibt Adols Hitler einen neuen Beweis seines Friedenswillens und seines staatsmännischen Weitblicks. Inzwischen sind nun auch vom Reichsjustizminister D u t ch- s ü h r u n g s a n w e i s u n g e n erlassen, die sich in der Hauptsache mit Bestimmungen technischer Art für die Justizbehörden besassen. Darin wird ausgcführi, daß das Gesetz beschleunigt durchzusühren ist, nötigenfalls unter Zurückstellung minder dringender Sachen. Vorweg sind solche Sachen zu bearbeiten, in denen Freiheitsstrafen vollstreckt werden oder Untersuchungshaft besteht. Bei den anhängigen Verfahren entscheidet die Staatsanwaltschaft nach Lage der Akten. Ist die zu erwartende Strafe höher, als im l. Teil des Gesetzes angeführt ist, so kann die Amnestie nicht eintreten. Besondere Gesuche seitens der Betroffenen sind nicht erforderlich. Die Amnestierungen erfolgen von Amts wegen. In Zweifelsfällen wird der Betroffene im übrigen von Per Staatsanwaltschaft gehört werden.

Bei Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten und Er- fatzfreiheitsstrafen für Geldstrafen bis zu 500 Mark sind Diese durch das Gesetz ohne Rücksicht auf Pie Art der Straftat und auf die Vorstrafe des Täters zu erlassen. Bei Verurteilten, die solche Strafen verbüßen, haben die Gefangenenanstalten Die Strafen alsbald zu unterbrechen und hiervon Der Pollstrcckungsbehörde Anzeige zu machen. Die Vollstrecknngsbchörden haben den Eintritt des Straferlasses durch Verfügung festzustcllcn und unabhängig von den Den Sefangencnanftaltcn ob­liegenden Maßnahmen die Vollstreckung von Freiheits­strafen sofort zu unterbrechen. In Zweifelsfällen ist umgehend die Entscheidung des Gerichts (§ 458 StPO.) herbeizuführen.

Die Landesjustizverwaltungen werden ertudpt, Pie Fälle des Straferlasses zu wählen und das Ergebnis bis zum 1. Oktober 1934 mitzuteilen. Man darf annehmen, daß das zahlenmäßige Ergebnis Per Amnestie außer­ordentlich groß sein wird, wie es nach dem Wortlaut des Gesetzes zweifellos im Sinne des Reichskanzlers liegt.

1200 Einwanderungsscheme für jüdische Arbeiter nach Palästina.

Maßnahmen gegen illegale Einwanderung.

Die Palästina-Mundatsregicrung gab einmalig und über die regelmäßige, zweimal im Jahr erfolgende Zu­teilung von Einwanderungszertisikaten hinaus 1-00 Er­laubnisscheine für jüdische Arbeiter zur Einwanderung nach Palästina frei. Dies ist das zweite Mal in der Ge­schichte des Mandatslandes Palästina, daß ausnahms­weise zwischendurch Einwanderungszeriifikate st «gegeben wurden. Die Einwanderungszcrtisikate sollen Diesmal zugunsten Per sogenannten Schwerindustrie m Palagma gegeben worden sein, P. h. der Palestine Potash E onipanv, die Kali und Brom am Toten Meer gewinnt, und der Palestine Electric Corporation, die ein Kraftwerk am Jordan unterhält, sowie Per Resher Zementfabrik in

3nr Abwehr Per illegalen Einwande- runa von Juden nach Palästina, Pic in steigendem Maße durch hierfür entstandene Organisationen über Pic Grenze geschmuggelt werden, Hai sich ein arabischer Grenzschutz gebildet, Per Per Polizei jeden Juden, den er bei Der ungesetzlichen Überschreitung Per Grenze ertappt, zufübrt. Alle paar Tage werden die Zahlen der auf solche Weise verhafteten Juden veröffentlicht. Die Polizeibehörden führet- Juden, Pic Pie Grenze ungesetzlich überschreiten, dem Gericht und Gefängnis zu.