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Zul-aer /lnzeiger

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CsE, S£ C Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Kiedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt. v ZV auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!. für den

WiMter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Ze-aktion UN- Gefthästsftelle: KönisstraKe 44 Zernfprech-RnfHluK Nr. 4-8- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

$r. 206 1934

Fulda, Dienstag, 4. September

11. Jahrgang

SSAVMSMW

Schwerster Streik in der Wirtschaftsgeschichte Amerikas.

Eine Million Vaumwoll-, Woll- und Kunstserdenarbeiter im Ausstand. Beginn des 7. Internationalen Stratzenkongresses in München. Zahlreiche Strandungen durch schwe­ren Sturm über Dänemark. Offizielle und inoffizielle Stimmen zur Politik Oesterreichs.

2000 Fabriken in Amerika stillgelegt.

Der Riesenstrerk in USA.

In der Nacht zum Sonntag begann der größte Streik, der jemals von dem amerikanischen Gewerkschaftsbund ins Werl gesetzt worden ist. Annähernd e i n e M i l l i o n Angestellte der Baumwoll-, Woll- und Kunstseiden­industrie dürfte die Arbeit eingestellt haben. Da der Mon- tag ein nationaler Arbeitsfeiertag war, wird es erst später möglich sein, sich ein klares Bild davon zu machen, in welchem Umfang in den einzelnen Staaten die Arbeit ruht.

Die Forderungen der Textilarbeiter

lauten wie folgt, 1. Sechsstündiger Arbeitstag und fünftägige Arbeitswoche bei gleicher Bezahlung für alle Bezirke; 2. keine Verminderung der jetzi­gen W o ch e n l ö h n e ; 3. Aufhören des Brauches, die Zahl der von einem Arbeiter bedienten Webstühle zu ver­mehren, ohne zugleich den Lohn zu erhöhen; 5. Anerken- mng des Verbandes als Vertreter der Arbeiter bei Arhandlungen; 6. Einsetzung eines Schiedsgerichts; '.stärkere Vertretung des Bundesamtes zur Behebung der Wirtschaftskrise in den Arbeitsämtern der einzelnen Azirke.

Streikende verlieren die Wohnung.

Die Lage ist insofern eigenartig, als es eine ganze Reihe kleiner Industriestädte gibt, in denen die gesamte Einwohnerschaft in der Tertilindustrie beschäftigt ist. Die Arbeiter wohnen dort in Siedlungshäusern, die gewöhnlich den Fabriken gehören.

Die Fabriken haben infolgedessen den Arbeitern ge­droht. im Falle eines Ausstandes ihnen sofort ihre Miet­wohnungen zu kündigen, um Platz für Arbeitswillige zu hoben.

Der Welt-Stratzenkongreb.

Die Straßen Adolf Hitlers.

Frievensarbeu des Straßenbaues

Der Gcneralinspektcur des deutschen Straßenwesens, è - o d l, hielt in der Eröffnungssitzung des VH. Jnrer- mwnaleu Straßenkongresses in München eine Rede, in °» er nach einem Rückblick aus die Geschichte des Straßen- "ussührte: Rach den Plänen unseres Führers Reichskanzlers gebt Deutschland einen entschiedenen, W großen Schritt im Straßenbau weiter. Es begnügt Inch, mit der Errichtung vereinzelter reiner Auw- ichasst zwischen wichtigen Verkehrspunkten, sondern mir geschlossenes Netz teiltet Autobahnen für den werlandverkehr auf weiten Strecken in einer ^lamtlânge von rund 7000 Kilometer, das ganz -""Eschland weitmaschig überspannt und die ent= Westen Wirtschaftsgebiete eng miteinander ver­knüpft.

|tQJcr tägliche Aktionsradius des Personen- und Last- J Mens wird auf diesem reinen Kraftwagenstraßen- « mindestens doppelt so groß sein, als er bisher aus bestehenden Straßennetz war. Die Reichs- Jh Miieit sind heute kein Projekt mehr. An Streif 11 des Reiches wird an ihnen gebaut. Die ersten werden noch im Laufe dieses Jahres befahrbar, dem Bau der Reichsautobahnen wird ein planvoller

jk« Ausbau unseres Reichsstraßennctzcs

NI ?^ußt durchgeführt. Auch wir haben den Bau einer an ni"4 Fa 6 e in Angriff genommen, die sich würdig j*en ^"e der österreichischen, italienischen, schweizeri- bäufin w französischen Alpenstraßen stellen wird. Sehr ZUgt, wdrcn Großtaten der Kultur und besonders des ge!cki^,,.""ds verknüpft mit dem Namen einer großen übe/n Persönlichkeit, die die Nation führte. Weil Napn, Grenzen Frankreichs hinaus sind die Straßen mit 0 2 bekannt; der Name Mussolini ist Hennen , Straßenbau Italiens verknüpft, und wir die «, ^k Straßen, vor allem die Reichsautobahnen, keinem Adolf Hitlers, denn sie sind Enewje , ^"ischen Geist, seiner Anregung und seiner O^eit uni1 berdanken und entstehen unter seinem persön- ^vhaften Einfluß. selbst ^, Straßen sind ein Werk des Friedens.

Kurden fic ursprünglich zu anderen Zwecken gebaut Teile der Wirtschaft von einer derart rand bi c leben, desto stärker wird im eigenen oder zu uâ^wigung, die friedliche Tätigkeit zu stören Bitte ksurechen, desto stärker wächst im eigenen Land 1 we begonnenen Arbeiten bei einem l a n " -

Streikführer warnt vor Ruhestörungen.

Der Vorsitzende des Streikausschusses, der in England geborene Tertilarbeiter Franeis Gorman, warnte in einer Rundfunkansprache vor Ruhestörungen, die sogara n - gesichts von Herausforderungen" unter­bleiben müßten. Die Streikführer haben auch Abord­nungen an die Gouverneure der in Frage kommenden Staaten gesandt mit dem Ersuchen, die Ordnung im Not­fall unter Heranziehung von Truppen aufrechtzuerhalten. Sie fürchten, daß die Kommunisten die Gelegen­heit benutzen werden, die Streikenden zu Gewalttätig­keiten aufzureizen.

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Mit allen Mitteln des Klassenkampfes soll also dieser riesenhafte Lohnstreii durchgeführt werden. Arif beiden Seiten fährt man das schwerste Geschütz auf, um sich zu bekämpfen, aber wie es stets bei derartigen Wirtschaftskämpfen auf marristftch-liberalistischer Grund­lage war, so wird es auch hier kommen: Es wird nur Besiegte geben und eine schwer wiederautzu- machende Schädigung der für Unternehmer und Arbeiter gemeinsamen Plattform, nämlich des ge­samten Wirtschaftslebens, einschließlich vor allem auch des Konsumenten.

Die Maßnahmen, die R-o » s e v < l t in seiner Niro- Gesetzgebung getroffen hat, um dem daniederliegenden amerikanischen Wirtschaftsleben wieder aufzuhelsen wer­den völlig vom Geiste des Kapitalismus getragen und dieser ruft immer als Gegenspieler den Morris- mus und in seinem weiteren Verlauf den Kommn- n i s m u s auf den Plan mit ihren zerstörerischen und eigennützigen Kampfmitteln. Denn der Manismus ist ja nur ein Kapitalismus mit umgekehrten Vorzeichen.

anhaltenden Bestand des Friedens weiter- zuführen und zu vollenden. Ich bin überzeugt, daß die europäischen Länder ihre Straßenbauprogramme, die meist auf ein Jahrzehnt abgestelll sind, ungestört durch- führen werden. Ich bin überzeugt, daß ähnlich wie internationale Eisenbahnlinien entstanden sind, internationale Antobahnlinien entstehen werden. Internationale Aufgaben für unser Arbeits­gebiet, den Straßenbau, sind in reicher Fülle vorhanden.

Der VII. Internationale Straßenkongreß begann in der Technischen Hochschule in München. Präsident Mabieu - Paris leitete die Verhandlungen. Er erklärte

Aiplomaten-Empfang beim Ziihrer.

91 m 1 2. September im Reichspräsidenten- Palais.

Nachdem das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers vereinigt und der Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler in der Volksabstimmung vom 19. August mit neun Zehntel Mehrheit als Staatsober­haupt bestätigt niorbcu ist, werden die in Berlin akkredi­tierten Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger der fremden Mächte vom Führer und Reichskanzler zur Ent­gegennahme ihrer offiziellen Antrittsbesuche und der Glückwünsche der fremden Staatsober­häupter und Regierungen am Mittwoch, dem 12. Sep­tember, im Reichspräsidentenpalais feierlich empfangen werden.

unter allgemeiner Zustimmung, er freue sich, fefifienen zu können, daß in Deutschland die Wichtigkeit der Straße, besonders auch der Autostraße, so klar erkannt sei, w i e in keinem anderen Lande der Welt mehr, ab­gesehen vielleicht von Italien.

Der Generalinspcktcur für das deutsche «traxenwesen, ^r Todt, begrüßte den Kongreß als Vertreter der Reichsregieruug. Unter stärkstem Beifall wurde dann die Hülle von dem Geschenk der Reich § r e g i e r u n g abgenommen. Es handelt sich um einen kunstlertsch und technisch gleich wertvollen Rossebändiger aus Nymphen- burger Porzellan. Generalinspekteur Dr. Todt gab dem Wunsche Ausdruck, das Geschenk möge im Verwaltungs­gebäude des Ständigen Internationalen Verbandes in Paris einen entsprechenden Platz finden.

Vernichtete Dollarmillionen.

Der riesige Textilstreik in den Vereinigten Staaten von Amerika stellt den schwersten und umfang­reichsten W i r t s ch a f t.s k a m p f in der Ge­schichte der USA. dar. Insgesamt hat der Streik etwa eine Million Angestellte und Arbeiter erfaßt, nicht weniger als 2000 Jndustriewerke sind wenigstens zunächst stillgelegt. Über die amerikanische Web­industrie ist eine Krise hereingebrochen, die, zusammen mit der Finanzkrise, zu einer Katastrophe werden kann, falls die streikenden Gewerkschaften den Kamps lange genug aushalten können. Die Aussichten dazu sind gering. Präsident Roosevelt, der zur Zeit aus seinem Sommersitz weilt, hat wissen lassen, er werde sich in keiner Weise in den Kamps einmischen, weder nach der einen noch nach der anderen Seite; er ist auch aus die Meldung vom Ausbruch ves Generalstreiks in der Webindustrie nicht nach Washington zurückgekehrt.

Die berühmteprosperity, der ungeheuerliche wirt­schaftliche Aufschwung Nordamerikas, der schon um Die Mitte des Weltkrieges einsetzte und sich bis über die Mitte der zwanziger Jabre hielt, galt den Amerikanern als eine Art selbstverständlicher Dauerzustand. Um so un­sanfter wurden sie aus dieser Illusion herausgeschreckt, als die Weltwirtschaftskrise auch vor den ameri­kanischen Fabriken, Bergwerken und Warenhäusern nicht Haltmachle Der sranzösische Angrifs aus das englische Pfund, der gleiche Angriff auf den amerikanischen Dollar, begleitet von monatelangen Abzügen großer französischer Goldbestände aus den amerikanischen Banken, wachsende Teuerung, zahlreiche Außenstände, zunehmende Arbeits­losigkeit zwangen den Amerikaner zu der Einsicht, daß die europäische Wirtschaftskrise keine lokale Angelegenheit der Alten Welt war, wie er bis dahin vielfach geglaubt hatte. Im Sommer veraanaenen Jahres Jam dann nach einem sensationellen Aufstieg Der Kurse an der 'N e w - N o r k e r Börse ein vernichtender Zu­sammenbruch der Hausse, der Tausende von selb­ständigen Unternehmen ruinierte. Die Preise der 9iobT Produkte verdoppelten sich, großenteils infolge der Ent­wertung des Dollars. Die Kaufkraft der Bevölkerung ver­mochte nicht Schritt zu halten. Das Einkommen der arbeitenden Bevölkerung war um 57 Prozent ge­ringer geworden als 1926. Über ein Drittel Der amerikanischen Arbeiterschaft, die 1926 noch in Lohn stand, hatte schon Mitte des Jahres 1933 keineBcschäftigung mehr. In einer berühmt gewordenen Rundfunkrede wandte sich Präsident Roosevelt an das ganze amerikanische Volk mit dem Ersuchen, für einige Monate persönliche Vorteile des einzelnen zurückzustellen, Die von der Regierung fest­gesetzten Mindestlöhne zu zahlen, die Arbeiter nur noch 35 Stunden und die Angestellten 40 Stunden arbeiten tu lassen und Neueinstellungen vorzunebmcn. Den Betrieben. Die das Arbeitsbeschasfungsprogramm der Regierung unterstützten, wurde derBlaue Adler" verliehen. Die amerikanische Industrie schwenkte damals mit Ausnahme einiger Großbetriebe in die Linie der Regierung ein; für kurze Zeit kam der Kampf gegen die Wirtschafiskrise zum Stehen. Dann begann er in verschärftem Maße Es zeigte sich, daß die Inflation, einmal ins Land ge­lassen, sich nicht wie ein Stauwerk handhaben und nach Belieben regeln ließ. Eine Streikwelle setzte ein

Wirtschaftskämpfe verlaufen in Amerika mit einer Erbitterung und Schärfe, wie sie Europa kaum kennt. Eine soziale Gesetzgebung, wie sie Deutschland hat, gibt es drüben nicht. Die Erwerbslosen sind fast aus­nahmslos auf private Wohlfahrtspflege angewiesen. Dementsprechend ist die Zahl derer, die im Fall großer Streiks nichts zu verlieren und alles zu gewinnen haben, stets erheblich größer als die Zahl Der Mitglieder einer Berufsbranche in einem bestreikten Gebiet. Ebenso hat der Verlauf Der bisherigen großen Streiks in Amerika aus­nahmslos schwere blutige A u s s ch r e i l u n g e n ge­zeitigt, so bei dem Tertilstreik in Lawrence, bei dem Berg- arberterstreik in Colorado, bei dem es Dutzende von ^otcn gab, bei dem Ausstand der Koblenarbeiter in Kcntuckv und am schlimmsten bei Dem Streik in Den yabmen Carnegies in Pittsburgh, wo die Zahl der Loten uns. Verwunderen in Die Hunderte ging.

Beide, Unternehmer wie Gewerkschaften, sind ent­schlossen. bis zur Entscheidung zu kämpsen. L ie Lage der Streikenden wird dadurch begünstigt, ^daß die neuen Wirischaflsqcsetze Roosevelts ihnen das Llreikrechl aus­drücklich unbilligen, ferner durch Die Tatsache, daß Die Kaffen Der Unternehmer an sich natürlich die Kapital­kräftigeren. infolge der seit Jahren anhaltenden Krise keine großen Rücklagen haben können. Das letztere aber gilt noch viel mehr von Den Kassen der Gewerkschaften. Diese sind infolge der enorm gestiegenen Arbeitslosigkeit und Der dadurch verursachten Beanspruchung durch die Erwerbslosen nur wenig leistungsfähig (Die Schätzungen der Arbeitslosenzahl in Amerika, das keine behördliche Ersasiung Der Erwerbslosen kennt, liegen zwischen 12 und 17 Millionen