Zul-aer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbellag«: Der 5F'*1**ktf**l' Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm
Sonntag". Bezugspreis: monatlich 170 KM. E-ÄMvLAV breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf.. im
«ei Lleferungsbehinderung durch „Höhere ®«> * ' / V V Textteil <90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung
FL»«' Sä U'^GL §ul-a- und Haunetal * Zul-aer Kreisblatt £% S SrSÄ« druck: Friedrich Ehrenklau Lauterbach/H. Haupt- v XV auf Nachlaß.— „DA." 1000. — Verantwort!, für den
chliftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Redaktion UN- Geschäftsstelle: K-ntgstraße 42 ^ Zemsprech-HnsthluK Nr. 444- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach.-.
Nr. 212 — 1934
Fulda, Dienstag, 11. September
11. Jahrgang
Die Reichswehr vor dem Oberbefehlshaber.
SKlchtengetümmel bei Aörnberg. Gefechtsübungen der Reichswehr auf der Zeppelinwiese.
Dem letzten Tag des Parteitages gab in diesem Jahre die R e i ch s w e h r das Gepräge, die zum erstenmal in Nürnberg auftrat. Vor den Tribünen aus der Zeppelin- wiese ist diesmal ein Befehlsstand ausgebaut, der mit schwarzweißrotem Tuch und mit der Kriegsslagge um- HM ist.
Mit Heilrufen begrüßt, erscheinen Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg, die Chefs der Heeresund der Marineleitung, General Frhr. v. Fritsch und Admiral Dr. e. H. R a e d e r, sowie andere hohe Offiziere. Während das ganze Feld in erneutem Begeisterungssturm um den eintretenden Führer und Reichskanzler auf- braiist, macht der Neichswehrminister Meldung.
Miemrauhende GèfechtsbilSe!-.
Dann reitet eine kriegsstarke Eskadron des 18. Reiterregiments im Trab ein. Die Maschinengewehr- züge, die Bomben- und Minenwerfer folgen. Die Eskadron entwickelt sich zur Marschkolonne in vollem Galopp. Der Schwadrousstab an der Spitze, rast die ganze Eskadron um das Rund. Die Arena dröhnt vor Beifall. Dann führt die Eskadron eine Gefechtsübung vor. Ihre Maschinengewehre hämmern, ihre Minenwerfer jagen, was sie können aus dem Rohr. Im Galopp rückt die Eskadron ab.
Jetzt trifft die Nachrichtenabteilung 7 ein. 12 motorisierte und bespannte Funkstellen ziehen in einem für die bespannten Funkstellen rasenden Galopp zu den stellen, wo sie ihre Nachrichtenstützpunkte aufbauen wollen. Die Gruppe beginnt mit der Arbeit. In Kürze ist das ganze Feld mit einem Netz von Drähten über- iMM, die an dünnen Stahlstangen schweben. Alle Stäbe smd miteinander verbunden. Der Abbau dauert
knapp eine Minute.
Nach den Sonderübungen der einzelnen Waffengattungen wird das Gefechtsfeld frei gemacht für das letzte große militärische Schauspiel, das Gefecht der verbundenen âffen, das ein großartiges Schlachtenbild abrollen läßt. P-onierabteilungen stellen eine ganze Landschaft mit Vugeln, Bäumen und Häusern hin. Ein Kampfwagen <ntt in Tätigkeit, kommt nicht weiter. Eine Reiter- patrouille von der anderen Seite soll aufklären, reitet bltrch lichte Taunenschonung vorwärts. Ein Meldereiter sagt im Galopp zurück und meldet dem Jnfanteriestab, wo der Gegner erkannt ist. Die erste Infanterie, eine leichte Naichinengewehrtruppe, geht ins Gefecht. Schon schlagen die Granaten in das Vorgelände. Jetzt rasen schwere Maichinengewehre im Galopp heran. Ununterbrochen dämmert die Artillerie. Das Hämmern der Maschinen- aewehre ist ohrenbetäubend.
Nah ., ^" imposante Vorbeimarsch der TA. an dem Führer auf dem Adolf-Hitler-Platz in Nürnberg.
^ Fjiku-^è^ SA.-Appell in der Luitpoldarena fand gegen Mittag dès Sonntags der Vorbeimarsch der Soldaten Unser "uf dem Adolf-Hitler-Platz in Nürnberg statt, der ebenfalls zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde.
6 âeigt die Hochland-SA. mit ihren charakteristischen Kniestutzen. Rechts sieht man den Führer, der von seinem Auto aus den Vorbeimarsch abnimmt.
Meldehunde jagen durch die Schützenreihen.
Jetzt fahren Minenwerfer hinter dem niedrigen, mit Birken bestandenen Hügel auf. Nachrichtenabteilungen jagen in vollem Galopp im Schutz der Hügel über das Feld. Da setzt die blaue Abteilung neue Reserven ein. Artillerie jagt heran. Der Einsatz ist entscheidend. Man richtet sich zum Vorgehen ein. Pioniere bringen die Bohlen für eine Brücke heran, um einen markierten Bach zu überschreiten, der vor der Front liegt. Die Sanitätskolonnen rücken heran. Sanitäter holen Verwundete. Neue Minenwerfer, die im Galopp herangeführt werden, greifen ein. Tankgeschütze beginnen zu feuern. Hornruf:
„Das Ganze halt!"
Der Gefechtsnebel ist so dicht, daß alles drüben verschwindet, Reiter, Geschütze, Wagen und Infanterie- linien, Landschaft und Kämpfer. Gespenstisch rasen die Silhouetten der Reiter durch das dumpfe Grau. Nun folgt der Aufmarsch aller beteiligten Truppen vor der Ehrentribüne zur Paradeaufstellung.
Parademarsch vor Adolf Hitler.
Es waren mindestens eine Viertel Million Du schauer, die den Vorfüürunaen beiwohnten. Aus
Ostpakt für Deutschland unannehmbar.
Deutschlands Stellungnahme zum
Plan eines Ostpakts.
Die deutsche R e i -M regier ung hat nach sorgfältiger Prüfung des rannten Planes eines sogenannten Ostpakts die beteiligten Regierungen nun« mehr über ihre Stellungnahme unterrichtet.
Wie man weiß, handelt cs sich bei dem vorgeschlage- nen neuen Sicherheitssystem in Osteuropa vor allem um die Verpflichtung der acht Pakttcilneh- m e r, nämlich Deutschlands, der «Sowjetunion, Polens, Litauens, Lettlands, Estlands, Finnlands und der Tschechoslowakei, zur automatischen gegenseitigen militärischen Unterstützung im Kriegsfälle. Außerdem soll die Sowjetunion eine Garantie für den Rhcinpakt von Locarno und Frankreich eine Garantie für den Ostpakt übernehmen. Diese Garantie» sollen sich eventuell auch zugunsten Deutschlands auswirken. Das ganze System setzt die Zu- g e h ö r i g k c i t der Teilnehmerstaaten z u m V ö l k e r - b u n d voraus und will diese Staaten auch in gewissen grundlegenden Fragen der europäischen Politik zu einer bestimmten Haltung im Völkerbund verpflichten.
der Ehrentribüne bemerkte man die Reichs- und Staats^ minister, die Staatssekretäre, fast alle höheren Partei-, SA.- und SS.-Führer, das Diplomatische Korps, darunter auch verschiedene Militärattaches, die alten Parteigenossen, die Angehörigen der im Kamps für Deutschlands Wiedergeburt Gefallenen, die Generalität der Reichswehr und der Landespolizei sowie die Admiralität der Reichsmarine.
Trotz der ansehnlichen Ausmaße, die das Zeppelinfeld besitzt, reichte es natürlich nicht aus, um mehr als einen Überblick über die Tätigkeit der verschiedenen militärischen Formationen zu geben. Wenn trotzoem die Darbietungen der beteiligten Truppen und vor allem das abschließende Gefecht verbundener Waffen einen hervorragenden Eindruck hinterließen, dann ist es der geschickten Zusammenstellung, aber noch mehr den
hervorragenden Leistungen der Truppenteile
zu verdanken, die förmlich wetteiferten, den Volksgenossen ein anschauliches Bild der deutschen Wehrmacht zu vermitteln. So kann es nicht wundernehmen, daß nach beendeten Vorführungen derParademarschvordem Ober sten Befehlshaber Adolf Hitler in eine einzigartige Ovation ausklang.
In ihren Bemerkungen über dieses Projekt hat sich die d e u t s ch e Regierung zunächst grundsätzlich dahin ausgesprochen, daß sie keine Möglichkeit sieht, einem derartigen internationalen Vertragssystem beizutreten, solange ihre Gleichberechtigung auf dem Gebiete der Rüstungen noch von gewissen Mächten in Zweifel gezogen wird. Der gleiche Gesichtspunkt ist auch für die Frage des künfligen Verhältnisses Deutschlands zum Völkerbund maßgebend.
Was die vorgesehene militärische Unter- stützungspflicht der Paktteilnehmer anlangt, so hat die deutsche Regierung dargelegt, daß sich der Verwirklichung dieses an die Sanktionsbestimmungen des Völler- bundsstatuts anknüpfenden Gedankens bisher bei allen internationalen Verhandlungen unüberwindliche Schwierigkeiten entgegengesiellt haben.
Deutschland, dessen zentrale Lage inmitten hoch- gerüfteter Staaten zu besonderer Vorsicht zwingt, kann keine Verpflichtung auf sich nehmen, die es in alle im Osten möglichen Konfliktsfälle hineinziehen und zum wahrscheinlichen Kriegsschauplatz machen würde.
Für die in dem Paktshstem vorgesehenen Sondergarantien Frankreichs und der Sowjetunion liegt kein reales polilisches Bedürfnis vor. Deutschland kann jedenfalls von solchen Garantien keinen Vorteil für sich erwarten.
Die deutsche Regierung glaubt, daß andere Methoden der Friedenssicherung mehr Erfolg versprechen. Im allgemeinen würde sie dabei zweiseitigen Verträgen den Vorzug geben. Sie lehnt aber^auch mehrseitige Verträge nicht ab. Nur müßte der Schwerpunkt dabei nicht auf die automatische militärische Unterstützungspflicht im Kriegsfall, sondern auf die Nichtangriffsverpflichtung und auf die Verpflichtung der an einem Konflikt interessierten Mächte zur Konsultation gelegt werden. Diese Verpflichtungen ließen sich im Sinne friedlicher K r i e g s v e r h ü t u y g s - Maßnahmen sehr wohl zu realen Friedensgarantien ausgestalten, ohne daß damit die Gefahr von ernsten Komplikationen verbunden wäre, wie sie der jetzt von den anderen Mächten vorgeschlagene Unlcrstützungspakt ilchcr- lich zur Folge haben müßte.
Oie spinale Kinderlähmung in Nordschleswig.
110 Erkrankte im Kreis Hadersleben.
In dem von der spinalen K i n d e r l ä h m u n g in Rordschleswig am schlimmsten betroffenen Kreis Hadersleben sind bisher 110 Erkrankte dem Kreiskrankenhaus zugeführt worden. Für ihre Aufnahme wurden drei Baracken errichtet, ein Teil wird in bc sonders eingerichteten Zelten untergebracht werden. ^nt Kreis Apenrade ist nun auch die Schule des großen Ortes Rotheukrug geschloffen worden. Alle aus dem Kreis Hadersleben stammenden Schüler des deutschen Gymnasiums in Apenrade sind bis auf weiteres vom Schulbesuch befreit worden. In den Kreisen Sonder- b II r g und Tondern scheint die Krankheit zum Still stand gekommen zu sein. Glücklicherweise sind von den Krankheitsfällen nur verhältnismäßig wenige ernster Natur.
Schulschlicßungcn auch in Westfalen.
Auf Anordnung der Regierung in Arnsberg sind alle Volksschulen und höheren Schulen im Stadtgebiet Castrop-Rauxel vom 10. September bis 8. Oktober wegen zahlreicher Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung geschlossen worden. Es wurden bisher etwa 20 Er krankungen festgestellt.