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Zul-aer /lnzeiger

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ÄÄ S E Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg KMLLLM ^ul-a- und Haunetal. MKaer Kreisblatt, ^.^. .-^^ ^iifileiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Redaktion und Geschäftsstelle: Könisftraße 42 Zernsprech'Rnfthluß Nr. WS« Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

217 1934

Fulda, Montag, 17. September

II. Jahrgang

Der Einzug in den

Osr Eintritt dsr Sowjets

in den Völkerbund gesichert.

Die allgemeine Aussprache über den Bericht des Generalsekretärs des Völkerbundes wurde abgeschlossen, nachdem als letzter Redner der österreichische Außen­minister Berger-Waldenegg gesprochen hat. Am Sonn­abend tagten in Gens nur Ausschüsse.

Der französische Vertreter Massigli, der tsche­chische Außenminister Benesch und ein Pölkerbunds- bcamter fuhren zum sowjetrussischen Volkskommissar Litwinow, der sich zur Zeit in der Nähe von Thonon, also aus französische, Boden, dicht bei Gens, befindet, um mit ihm die endgültigen Bedingungen für den sowjet- russifchcn Eintritt zu regeln. In französischen Kreisen wird erklärt, daß die sowjerrussische Antwort annehm­bar sei, und daß es jetzt möglich sein werde, aus die Ein­ladung den normalen Gang folgen zu lassen, der zur Zu- lassuna Sowjelrußlands zum Völkerbund führen werde. Der Eintritt gilt in Genf unter Vorbehalt ganz unerwarte­ter Zwischenfälle nunmehr als g e s i ch e r 1. Mit dem Ein­tritt der Sowjetrussen in den Völkerbund rechnet man dann für Dienstag oder Mittwoch.

*

Gowjetrußlaud erhalt einen ständigen

Raissitz in Genf.

Das Einladungstelegramm nach Moskau abgesandt.

Der V ö l k e r b u n d s r a t in Genf hat in einer Ge- finmftyung die Zuteilung eines st ä n d i g e n R a t s - sitzes an S o w j e t r u ß l a n d beschlossen. Damit ist die formale Grundlage für den jetzt endgültig feststehenden Kintritt der Sowjetunion in den Völkerbund ge- Ihaffen. Die Einladung an die Sowjetunion ist in Form aiics Telegramms von Genf nach Moskau ab- vMngcn.

über die Einladung an Sowjetrußland wird weiter oekantil, das; von 51 Staaten insgesamt nur 30 Staaten M gemeinsame Einladung unterzeichnet, und vier Staaten, nämlich die skandinavischen Länder und Finn­land, eine Sondereinladung an Sowjetrußland Oettes! haben.

Mit 34 von 51 Staaten ist nur eine knappe Zwei­drittelmehrheit erreicht worden.

An der Einladung an Sowjetrußland haben sich von ® europäischen Staaten nicht beteiliat: die

Deutschland führt in der Leichtathletik.

Finnland nach hartem Ringen geschlagen.

Der größte Tag der deutschen Leichtathletik.

Der große Leichtathletik-Länderkampf Deutsch- gegen Finnland, der zwei Tage lang die Mze sportlich interessierte Welt in Atem hielt, war mehr nur eine Kraftprobe zweier führender Sportländer. Ang um nicht mehr und nicht weniger als um die v«>ge, wer das führende Land des olympischen Sports in Europa ist. Nach unserer Niederlage, die wir "oicni oder nicht, in Stockholm gegen Schweden erlitten ^* "User Stern etwas verblaßt, und es fehlte 5 " Stimmen, die einen Niedergang der deutschen f "ihletik annahmen und uns eine sichere Niederlage . Mn unseren schärfsten Konkurrenten, Finnland, vor- Cn" Deutschlands Sportler schwiegen zu diesen ginnten. Nun haben sie durch ihren großartigen Sieg, k *n dieser Höhe wohl keiner erwartet hatte, allen n ""d Besserwissern die richtige Antwort t Denn das war alles andere als Niedergang, lwii rdiesen beiden begeisternden Tagen gesehen betank - ? nie kämpften deutsche Athleten mit einer ho* Hingabe und Verbissenheit um den Sieg, und suar ein Erfolg größer und wertvoller als dieser! Hoti ' es gab vielleicht einiges, was man hätte ,LCr machen können. Richt umsonst rief das Publi- ^ deutschen Niederlage im 1500-Meter-Laus libunJa ""^ Dr. Peltze r. Ihm tvärc ein Sieg in dieser UNter^iUv^^duen gewesen, denn auch die Finnen liefen Punkn ^drm. Glücklicherweise benötigten wir die Gain kJ, 1 ds hätte aber auch anders kommen können ... tetorbmn>?U!1lle^n$n,er, war die Leistung unseres Weft- nichi "ds Sievert. Obgleich der junge Eutiner fa'iem . seiner Kräfte war, rassle er sich in Msircna»»^" Wurf 3 einer fast übermenschlichen Kraft- im Dft-u^ "^ und sicherte uns dadurch den ersten Platz tobten ^? ^" wertvolle Punkte. Die Überraschung des 'deycr w,^^U>ar Gillmeister, der Meister Borch- 'vies und ""'Meter-Lauf auf den zweiten Play ver- nich, erman,,/^ "nen Erfolg errang, den er wohl selbst '"und^vgu,' '"?tc. Aber auch bei den Finnen sah man ^anastr^^^.'stungen Besonders zu erwähnen sind ^"eni niw» Käufer, mit denen sich unsere Vertreter bei Oeni wir i konnten. Das ist noch ein Gebiet, auf . Einen «-^kl lernen müssen.

^^Uen di? 4, - kleinen Anteil an dem deutschen Sieg ^"schauer. Immer wieder feuerten sie

Bölkerbundspalast.

Schweiz, Belgien, Portugal, £>oUanb, Luxemburg und die nordischen Staaten, also Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Von den mittel- und südamerikanischen Staaten haben nur Mexiko, Haiti, Uruguay und Chile die Einladung unterzeichnet. Alle anderen südamerika­nischen Staaten haben sich dazu nicht entschließen können.

Nachdem alle Formalitäten über den Eintritt Sowjet­rußland in den Völkerbund geregelt worden sind, wurde am Sonntag von maßgebender Seite des Völkerbundes milgeteilt, daß Litwinow nach der Aufnahme Sowjet- rußlands in den Völkerbund mit größter Wahrscheinlichkeit Präsident des Völkerbnndsrates für das nächste Jahr werden würde. Die Wahl des neuen Völker­bundsrates, bei dem drei Sitze neu besetzt werden müssen, findet am Montag statt. Mit der Ernennung Litwinows zum Präsidenten würden ihm sehr weitgehende Voll­machten zufallcn. Nach der Satzung des Völkerbundes hat der Präsident des Rates die Möglichkeit, jederzeit den Rat einznberufen, damit dieser sich mit irgendwelchen Konflikten in der Welt beschäftigt. Litwinow hat also offenbar hinter den Kulissen sein größtes Geschäft dadurch gemacht, daß er während des nächsten Jahres in alle fern­östlichen und europäischen Konflikte sich nach seinem eigenen Belieben einmischen kann.

Die kleine Entente und die europdif^en Streitfragen.

Der Ständige Rat der Kleinen Entente hat eine Verlautbarung über seine Genfer Beratun­gen herausgegeben. Danach hat der Rai entschieden, daß die drei Staaten für die Z n l a ss u n g S o w j et- ruß l a n d s im Völkerbund stimmen werden. Den O st - Pakt betrachtet die Kleine Entent. als eine Verstärkung der Garantien für d-e Aufrechterhaltung des Friedens und wünscht seinen Abschluß so schnell wie möglich. Der Völkerbund erscheint ihr als die geeignetste Garantie für die Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung.

Der Schlutzabsatz lautet: Der Ständige Rat der Kleinen Entente, deren politisches Ziel ist, die freundschaftlichen Beziehungen mit allen Staaten ohne Ausnahme zu ver­wirklichen, stellt mit Befriedigung die Annäherung zwischen Frankreich und Italien fest, die geeignet ist, auch zwischen der Kleinen Entente und Italien die Annäherung herbeizuführen, die von jedem Gesichtspunkt aus wünschenswert ist.

unsere Mannen durch den SchlachtrufR a, ra, ra Germania 1" an. In jedem Block stand ein Mann mit einem riesigen Megaphon, der diesKriegsgeschreis un­ermüdlich in die Massen rief Aber auch die zahlreich er­schienenen F inne n hatten Sprechchöre organisiert, und bei einem finnischen Sieg klang ihr schmetterndes !" aus Hunderten von Kehlen über das Stadion.

Tapfer haben die Athleten gekämpft, und ritterlich sind die finnischen Gäste unterlegen. Als am Schluß der Ritter von Halt auf die finnische Mannschaft einSieg Heil!" ausbrachte, gab es wohl keinen unter den Zehn­tausenden, der nicht begeistert ein gestimmt hätte. Dann strömten die Massen aus dem Stadion, und riesige

Woelke Sieger im Kugelstoßen.

Den Wettbewerb im Kugelstoßen gewann der deutsche Meister Woelke mit 15,39 Metern.

Der Erntedanktag wieder aus dem Bückeberg.

Gemeinschaftsempfaug der Führerrede am 30. September.

In Hannover fand unter Leitung von Ministerial­rat Haegert vom Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda und in Anwesenheit des stellvertretenden Reichspropagandaleiters Fischer eine Tagung sämtlicher Leiter der Landesstellen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda statt. Auch Vertreter des Reichsnährstandes aus allen deutschen Gauen, der Reichsbahn, der Arbeitsfront usw. nahmen teil. Die Besprechung galt der Vorbereitung des diesjährigen Erntedanktages am 30. September.

Der Staatsakt wird wieder wie im vorigen Jahre auf dem Bückeberg unter Beteiligung aller deutschen Gaue stattfindcn. Wieder wird vom Bückeberg aus der Führer zu allen deutschen Bauern, zum gesamten deut­schen Volke sprechen. In allen deutschen Gauen werden zugleich im Sinne des Ernledanktages Feiern veranstaltet, in deren Mittelpunkt der Gemcinschaftscmpfang der Führerrede vom Bückeberg stehen wird.

Aus den einzelnen Gauen des ganzen Reiches wür­den, wie bei den Besprechungen mitgeteilt wurde, ins­gesamt rund 200 Sonderzüge zum Bückeberg kommen. Die Unkosten würden denkbar niedrig gehalten.

Für die Verpflegung seien äußerst niedrige Festpreise angesetzt.

Auch der HilfszugBayern" werde zum Bückeberg kom­men. Die Quartiere, bei denen es sich zumeist um Massen- guartiere handele, würden kostenlos gestellt.

Die Sonderzugteilnehmer sollen unmittelbar am jeweiligen Ausladebahnhof in Quartier gelegt und der Abmarsch zum Bückeberg selbst zeitlich so bestimmt wer­den, daß die Wartezeit vor Beginn des Staatsaktes möglichst abgekürzt werde. Nach Schluß der Veran­staltung würden die Teilnehmer in Kolonnen auf beson­deren für sie vorgesehenen Wegen in ihren Qnartierort zurückmarschieren.

Jm Reich sollten keine Großkundgebungen auf­gezogen werden. Die einzelnen Feiern würden vielmehr möglichst dezentralisiert, d. h. die Städte und Dörfer wer­den nach Möglichkeit

örtliche Feiern veranstalten, wobei diesen außer dem Gcmeinschafts- empfang der Führerrede nach Möglichkeit die Ausgestal­tung der Feiern überlassen bleibe. In den Städten wür­den' die umliegenden Landgemeinden vertreten sein. Mehrere Dörfer'würden sich zu gemeinsamer Feier zu­sammen tun, oder die Landkreise würden neben den dörflichen Feiern eine größere Kundgebung veranstalten, zu denen vorübergehend kleinere Abordnungen aus bett Dörfern kommen würden. Die Organisation aller dieser Einzelheiten liege bei den zuständigen Gauprovaganda­leitungen in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsnähr­stand. Wesentlich sei vor allem, daß

nur die Führerrede übertragen

werde und daher der landschaftliche Charakter der Feiern im Reich und ihre besondere Gestaltung nicht gestört werde durch die Gesamtübertragung der Vorgänge auf und rund um den Bückeberg. An diesem Tage werde auch keine Sonderveranstaltung irgendeiner Organisation geduldet werden. Vor dem 30. September werde außerdem eine Sperrfrist verfügt, innerhalb derer keine selbständigen dörflichen Erntefeste stattfindcn dürfen, um den Staatsfeiertag nicht zu beeinträchtigen.

Auch in diesem Jahre werde wieder für das ganze Reich ein besonderes

Festabzcichcn

für den Erntedanktag vertrieben, das in Form eines schmucken Straußes gehalten sei, der symbolisch Wein und Brot, Liebe und Treue darstelle. Neben den Trachten gruppen der verschiedenen Garic würden auf dem Bücke­berg vor allem auch die Landarbeiter einen bevor­zugten Platz erhalten. Allgemein werde mit einer Teil­nahme von 500 000 bis 700 000 Volksgenossen aus allen Teilen des Reiches gerechnet.

Schlangen wältzten sich durch die Straßen. Und wenige Minuten später gab es in der Reichshauptstadt nur e i n Gesprächsthema: Deutschlands herrlicher Sieg!

Wenn wir so weitermachen, dann können wir getrost und zuversichtlich der Olympiade entgegenblicken, die Welt wird uns gerüstet sehen. E h r.

(Einzelergebnisse siehe unterSport".)

Verlängerung der ^insfenkung für landwirtschaftliche Hypotheken.

Die Zinsen der lanvwirischafllichcn Hppo- t Helen und G r u ii d s ch u , d c n sind durch die Vcrord nuna vom 27 September 1932 auf die Dauer von zwei Jahren u m 2 Prozent gesenkt Der zmcijährlgc Zeitraum, für den die ZinSsentung erfolgt ist, würde am 30. September 1934 ablaufen Die Reichsregierung wird jedoch die ZinSsenlung für ein weiteres Jahr nämlich bis zum 30 September 1935, verlängern. Dir Zinssenkung erfolgt, ohne daß dem Kapilnlbeirag der Forderung eine Zusairfordcrung in Höhe der ZinSkürzung iZiisatzhvpothekf hinzutritt

Die Notwendigkeit, jetzt das Enischuldungsver. fahren zu beantragen, besteht angesichts der Ncureaelung für alle die Bauern und Landwirte nicht mehr, die sich damit lediglich die Fortdauer der bisherigen Zinssenkung ihrer Seal* schulden für die Zukunst sichern wollten, zumal im Gesetz Vorkehrung getroffen ist, daß sie sich diese Zinssenkung auch über den 30. September 1935 hinaus später noch sichern können.