Zulöaer Anzeiger
J».’%» STA L Tageblatt für Rhön und Vogelsberg gè«»SS §ulöa- und Haunetal . Zul-aer Kre-sblaü Mtlerter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Redaktion UN- Geschäftsstelle: Ksnigstraße 42 ♦ Zernsprech-flnfchluß Nr.r-s-
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«r. 219 — 1934
Fulda, Mittwoch, 19. September
11. Jahrgang
Die Sowjetunion im Völkerbund.
Ständiger Ratssitz für Ruhland.
Die Abstimmung über die Aufnahme der Sowjet- union in den Völkerbund war «ach kurzer Debatte bc- endet. Die Sowjetunion erhielt 3 9 Jastimmen von 49 i m Saal anwesenden V ö l k e r b u n d s Mitgliedern. 7 Mitglieder enthielten sich der Stimme und 3 stimmten mit Nein. Einige Völkerbundsstaaten blieben der Abstimmung fern.
Der Präsident erklärte S o w j e t r u ß l a n d als in den Völkerbund ausgenommen Daraufhin be- gotin die zweite Abstimmung über den ständigen Ratssitz Sowjetrusilands. Während die russische Delegation noch außerhalb des Saales blieb. Bei der zweite n A b - stimmst ng wurden für die Sowjetunion 4 0 Stim - men bei 50 anwesenden Staaten abgegeben bei 10 Stimmenthaltungen. Nein-Stimmen wurden nicht abgegeben. Der Präsident stellte daraufhin fest, daß die Sowjetunion einen ständigen Ratssitz erhalten habe. Kurz darauf betrat die Sowjetdelegation unter Führung von Litwinow den Saal und nahm den für sie vorgesehenen Platz ein. Einige Delegierte, darunter Titulesc«, begaben sich zu den Bänken der Russen, um sie zu begrüßen und zu beglückwünschen.
Der Abstimmung ging eine ziemlich kurze Aussprache voraus. Bundesrat Motta gab die kurze Erklärung ab, daß er bereits gestern alles Grundsätzliche voraebraÜN habe. was sein Land zu sagen habe. Die
Wolkenbruch und Hagelschlag.
Meres Umwtter über dem Erzgebirge ^ Km östlichen Erzgebirge ging ein Wolkenbruch mit Hagelschlag nieder. Am schwersten wurden die .Lite Niederfrauendorf, Reinhardtsgrimma sowie die Gegend von Glashütte betroffen, wo v i e l V i e l> e r i r u n - len sein soll. Von Dresden ist die Technische Nothilfe, von Dippoldiswalde die Feuerwehr und SA. znr Hilfe- leisbmg ausgerückt.
In der Glashütter Gegend stiegen die Wasser des Pricßnitzbaches innerhalb von zehn Minuten um d r c i Meter. Auch alle übrigen Gebirgsbäche führten gewaltige Wassermassen zu Tal, Geröll, Baumstämme und Zäune mit sich reißend. Wiesen und Felder, Keller und Grundstücke sind überschwemmt. Außerordentlich schwer ist auch die Gegend von Luchau betroffen worden.
Die Ssrheemngen im Erzgebirge.
Auf die Kunde von den schweren Unwetterschäden «n östlichen Erzgebirge hat sich die sächsische ^tnatsregierung sofort selbst an Ort und Stelle "wen, um einen Überblick über die Schäden zu Mumien und sich ein Bild davon machen zu können, tvclchc Hilfsmaßnahmen getroffen werden müssen. ~ Noch fünf Stunden nach dem Unwetter lag der Re( hoch aufgeschichtet auf den Feldern. Besonders Ri wütete das H o ch w affet im Tal des Ober- Muenborfer Wassers und des Lungwitz-Baches.
In Ober- und Nieder-Frauendorf und Reinhardtsgrimma konnten sich viele Bewohner nur mit Mühe retten. Viel Vieh ist ertrunken.
Die Straße, die durch diese Orte talwärts führt, g an verschiedenen Stellen w e g g e r i s s e n , an einer nahezu völlig zerstört. Da in Rieder-Frauendvrs
^' ritt das Unweiter «ne Brücke fort.
Tischen Div^r^ stungen und Glashütte.
bic. Stelle, wo ®!asl)ütk und von derMÄ?"d und die jetzt Wort pund ist b .' Hinterer ieLtl^^ die von erriet) - wurde.
Sowjetunion erfülle als Großmacht zweifellos die Bedingungen für einen ständigen Ratssitz. Trotzdem habe er hier zu erklären, daß die Schweiz sich aus grundsätzlichen Erwägungen heraus der Stimme enthalten werde. — Hierauf hielt der irische Delegierte de V a l e r a eine Rede, in der er zunächst feststelltc, daß Motta im Namen der gesamten Christenheit gesprochen habe, die über die Entwicklung in Sowjet- rußland schwer beunruhigt fei. Er bitte die Sowjetregierung, daß sie die Garantien, die sie amerikanischen Bürgern vor einiger Zeit hinsichtlich ihrer Freiheit rind der Sicherung ihrer persönlichen und menschlichen Rechte gewährt habe, auch auf die Bürger aller anderen Staaten und auf das russische Volk selbst ausdehne.
Nachdem die Sowjetdelegation nach den Abstimmungen die ihr zugewiesenen Plätze eingenommen hatte, wurde sie von Präsident Sandler mit einer kurzen Rede begrüßt. Er bat sie, ihre Plätze in der Versammlung einzunehmen, was aber, Ivie mit einiger Heiterkeit bemerkt wurde, die Russen inzwischen schon selbst getan hatten. Sandler betonte, er begrüße die Russen aufrichtig und herzlich. Der heutige Tag bedeute eine entscheidende Wendung in der Geschichte des Völkerbundes; er eröffne neue Möglichkeiten und sei eine Bestätigung dafür, daß der Völkerbund der Vervollständigung zu strebe, die stets ein wichtiges Ziel bleiben müsse.
Daraufhin bestieg der erste russische Delegierte, Volkskommissar Litwinow, die Rednertribüne.
auch die Brücke der Bezirksstraße Dippoldiswalde— Glashütte weggespül 1 wurde, ist die direkte Verbindung zwischen diesen beiden Orten unterbrochen Besonders schwer heimgesucht wurde auch das Waldcafè in Nieder-Frauendorf mit der danebenstehenden Schmiede. Hier haben die aus drei Tälern zusammcnströmenden W a s s e r in e n g e n alles, ivas nicht niet- nnd nagelfest war, mi 1 fortgerissen.
Wie im östlichen Erzgebirge ging auch im nördlichen Teil der Leisniger Pflege ein furchtbarer Wolkenbruch mit schwerem Hagelschlag nieder.
Durch den Hagelschlag ist die gesamte restliche Obsternte und di-e Wintersaat vernichtet worden. Am schwersten betroffen sind die Orte Görnitz, Zennewitz, Zechwitz und Glennen.
Schweres Llnwâr im Ostharzgebiei.
Bahnstrecken und Chausseen überflutet und verschlammt
Über Quedlinburg und dem ganzen Ostharzgebiet entlud sich ein schweres llmvetter. Heftige Ge- witter waren von wolkenbruchartigen Regengüssen begleitet. In Quedlinburg, wurde vor allem das Reichsbahn g e l ä n d e in Mitleidenschaft gezogen. Der Blitz schlug dreimal in das Empfangsgebände des Bahnhofes ein, glücklicherweise ohne zu zünden. Durch einen weiteren Blitzschlag wurde das Stellwerk heimgesucht, wo die Schalttafel zerstört wurde.
Alle dienstfreien Kräfte der Reichsbahn wurden zur Wiederinbctriebsetzung der verschlammten Weichen und Schienen eingefetzt.
Die Strecke Quedlinburg- Sudcrode mußte vorüber- aehend für den Zuaverkehr aeiverrt werden, da sieb her-
aussteute, daß sie an mehreren Stellen von den Wasser- massen u n t e r f p ü l t worden ivar. Auf den Fluren haben die Wassermassen erhebliche Verheerungen angerichtet. Die Chausseen sind auf große Strecken überflutet und verschlammt. Die Felder der großen Samenzüchtereien in der Umgebung Quedlinburgs bilden einen großen See.
Riesenüderschwemmungen am Ganges.
Schwerer Schaden ist durch Hochwasser im Ganges und seinen Nebenflüssen entstanden. Amtlichen Meldungen zufolge sind rund 650 Quadraikilo- meter betroffen worden. In diesem Bezirk liegen etwa 256 Dörfer, in denen 6500 Häuser völlig zerstört und 4300 Säufer stark beschädigt wurden. Die Bahnlinien wurden erheblich beschädigt und die Bahndämme, an einzelnen Stellen völlig fortgewaschen. Zwischen Dighwara nnd Sonepur ist der Bahndamm auf einer Länge von 150 Meter völlig verschwunden. In den betroffenen Gebieten sind die Ernten f a st völlig zerstört, doch fehlen genaue Angaben. Man schätzt, daß insgesamt 1 00 000 Menschen von der Katastrophe geschädigt wurden.
Schuschnigg rühmt den Völkerbund.
Die (Ergebnisse seiner politischen Besprechungen.
Bundeskanzler Dr. Schuschnigg empfing nach seiner Ankunft aus Genf in Wien einen Vertreter der „Amtlichen Nachrichtenstelle", dem er u. a.. folgendes erklärte:
Österreich vertritt nach wie vor den Standpunkt, daß durch den notwendigen Ausbau der wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Staaten, dem Interesse aller am besten gedient ist. Es liegt auf der Hand, daß die besondere geographische Lage Österreichs und seine wirtschaftliche Entwicklung seit dem Friedensvcrtrage mit zwingender Deutlichkeit auf
das System der zweiseitigen Verträge verweist, und daß wir alle Mittel anwenden müssen, um auf diesem Wege, bei dem bereits wesentliche Fortschritte gemacht wurden — es soll hier nur auf die römische n Pakte verwiesen werden — mit Erfolg vorwürtszu- schreiten.
Die Durchführung der neuen Verfassung, die bekanntlich von einem naheliegenden Zeitpunkt an die Vertretungen der Wirtschafts st än de vorsieht, zu sichern, führten von selbst dazu, daß die Aussprache auch auf die Frage der Gewährleistung der Unabhängigkeit Österreichs und auf den Grundsatz der Nichteinmischung von außen in die innere Entwicklung Österreichs erstreckt wurde. Die österreichische Abordnung hat in dieser Beziehung
weitgehendstes Verständnis gefunden, und ich glaube wohl ohne Übertreibung sagen zu können, daß mein Genfer Aufenthalt in bestimmendem Maße dazu beigetragen hat, endgültige Klärungen der mitteleuropäischen Entwicklung im Sinne der von Österreich seit jeher vertretenen Grundsätze vorzubereiten.
Auch in diesem Sinne hat sich der Völkerbund für Österreich wieder als das ü b e r st a a t l i ch e F o r n m erwiesen, dessen natürliche Aufgabe cs ist, im Sinne notwendiger Zusammenarbeit zu wirken.
Immer wieder Sorge um Österreichs „LtnabhängLgkeii".
Eine interessante Erklärung Schuschniggs.
Der österreichische Bundeskanzler S ch u s ch n i g g bat dem Sonderberichterstatter des „Paris Soir". Sauerwein, eine Erklärung abgegeben, in der es u. a. heißt: Die Genfer Vertreter der Großmächte und der Nachbarstaaten Österreichs sind in einen eingehenden Meinungsaustausch darüber eingetreten, wie man künftig Österreich gegen b j e Einmischung Dritter in seine Innenpolitik sch ü tz c n könnte. Die Initiative ist von italienischer Seite auSgegangen. Sic bezweckte den Abschluß eines Abkommens, das diesem Wunsche Rechnung trägt. Sollte man irgendwo glauben, daß ein solches Abkommen die Empfindlichkeit gewisser Staaten verletzen könnte, so kann ich dazu sagen, daß Österreich größten Wert darauf legt, daß ein derartiges Abkommen keinen crklnsiven gegen irgendeinen interessierten Staat gerichteten Charakter trägt. Wir wünschen und hoffen ganz im Gegenteil, daß alle in Frage kommenden Nachbarstaaten mitwirken, weil wir ein wesentliches Interesse an einer Verständigung Habeck, die nicht nur unsere Ordnung im Innern, sondern auch den Frieden Europas garantiert.
Seines Amies enthoben.
Auf Anordnung Dr. Leps.
<^ic „Nationalsozialistische ParteikorrcspondMz" veröffentlicht lochende Anordnung. Dr. Leps:
„Hiermit enthebe ich den Pg. Karl Busch fernes Amtes als Amtsleiter für Presse und Propaganda in der Deutschen Arbeitsfront und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", sotviè als Hauptschristleiter der Tageszeitung „Der Deutsche". Als Nachfolger für das Amt Presse und Propaganda ernenne ich den Pg. Geiger, als .Hauptschristleiter der Zeitung „Der Deutsche" den Pg. Lorbach."