Fuldaer Mzeiger
IkÄÄ A Tageblatt für Rhön UN- Vogelsberg e^renf^u,6^ Königstratze 42.$ ^iototion^ Zul-a- un- Haunetal >§ul-aer Kreisblatt schrMlân FAedr/Ehrenttau,^ Königstr. 42. Re-aktion UN- Gefthästsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-RnjHluß Nr. 24--
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Nr. 220 — 1934
Fulda, Donnerstag, 20. September
11. Jahrgang
Deutschland verlangt sein Recht
Gleichberechtigung in der Frage der militärischen Rüstungen.
Vernünftige und vertragsgerechte Regelung der Saarfrage.
Forderungen auf die wir nicht verzichten können.
Eine bedeutsame Rede des Reichsaußenministers.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hielt anläßlich der Schlußsitzung des Internationalen Straßenkongresses in Berlin eine außenpolitische Rede, in der er u. a. ausführte:
Wir glauben ein gutes Recht zu haben, zum B e - weise der Richtigkeit der Politik unserer Staats führ un g aus die bisherigen Erfolge der nationalsozialistischen Regierung hinzuweisen. Niemand kann an der einfachen Tatsache drehen und deuteln, daß rund viereinhalb Millionen Arbeitsloser nach jahrelanger Arbeitslosigkeit wieder an ihre Arbeitsplätze gebracht worden sind. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich ganz offensichtlich nach schwerer Krisenzeit auf dem Wege der wirtschaftlichen Gesundung. Die deutsche Industrie ist gleichfalls auf dem Wege der Gesundung.
Mit anderen Worten: Unser Binnenmarkt, das heißt die deutsche Wirtschaft, soweit sie von uns selbst abhängt, ist jetzt i n O r d n u n g. Nicht in Ordnung ist freilich unser Außenmarkt, das heißt die deutsche Wirtschaft, soweit sic nicht von uns allein, sondern mit vom Ausland abhängt. Wir sind überzeugt, wir werden auch die Schwierigkeiten auf dem Gebiete des Außenmarktes überwinden.
Wenn Volk und Regierung eines Landes ihre Kräfte in solchem Maße für die innere Neugestaltung einsetzen, wie das in Deutschland der Fall ist, dann wird dadurch mè Bersvlgung aller Ziele imperialistischer Art »ach außen von selbst ausgeschlossen. Das Funda- iiient, auf dem die deutsche Regierung ruht, ist nicht so beschaffen, daß sie, um ihre Macht im Innern zu stabilisieren, zu den Mitteln einer Erfolgspolitik nach außen hin greifen müßte. Bei einem Regime, das, wie das deutsche, die Wurzel seines Bestandes im tiefsten Grunde des Volkswillens hat und haben muß, steht ein solcher Weg völlig außer Betracht.
Auf diesem Programm stehen im Grunde nur zwei Punkte, in denen wir mit positiven Forderungen an die anderen Regierungen herantreten und auf bereit Erfüllung »nr bestehen müssen. Jene beiden Punkte sind: die Forde- rung, in der Frage der militärischen Rüstungen als gleichberechtigtes Land behandelt zu werden, und sodann die Forderung, die bevorstehende Regelung der Z a a r f r a g e so durchgeführt zu sehen, wie das dem Gebot politischer Vernunft und den geltenden Vertrags- bestimmungen entspricht. Zwei Forderungen, die das gemeinsam haben, daß sie nicht auf neuen äußeren Macht- uud Besitzerwerb, sondern lediglich auf die Schließung offener Wunden am deutschen Staats- und Volkskörper gerötet sind.
Wenn diese oder jene Regierung die Gleich- c ch t i g u n g Deutschlands noch glaubt in Zweifel Hellen ober von besonderen Vorleistungen itnb Garantien "bAingig machen zu können, so ist das.
für uns ein indiskutabler Standpunkt.
Gr läuft darauf hinaus, daß man Deutschland noch immer einen Staat minderen Rechts behandeln will, daß man ihm letzten Endes das Eingeständnis zu- mutet, durch seinen bloßen Willen zur Gleichberechtigung m Herd der Unruhe und womöglich der Kriegsgefahr zu : Wit- Genau umgekehrt:
ein Staat, der seine Grenzen nicht verteidigen kann, " wcht nur kein selbständiger und unabhängiger « aat, sondern ist, wenn er mit ringsum offenen Lenzen inmitten hochgerüsteter Staaten liegt, gerade vadurch ein Anreiz für eine gefährliche Politik anderer Länder.
die Reichsregierunq vor einem Jahre den Ent- zum Austritt aus dem Völkerbund faßte, hat sic gerade heute vor Ihnen noch einmal wicdcr- "wchte, nicht getan, weil sie sich größere politische an ä^gsfreiheit hätte verschaffen wollen, oder weil sie «timt , politischen Zusammenarbeit mit anderen b a M abgeneigt wäre. Es ist lediglich geschehen, weil Entbehrliche Fundament solcher Zu "n^'deit, die G l c i ch b e rechtigung , fehlte.
steht wohl nicht allein mit der Ansicht, Weit; Institution beä Völkerbundes durch ihr ' e 8 P erfaße n in der Abrüstungsfrage in Durch y ” Grundpfeilern erschüttert worden ist.
M nèo^, Rückkehr früherer oder den bloßen Bei nichft," ânglieder werden sich seine schweren Mängel Haien ft- ^rn. Das gilt mich von dem jetzt voll- höchst .»Zutrift der So w j e t n n i on , einem sicherlich béffen VâBNNlen Akt der politischen Entwicklung, zu ausdxZ^E>mg wir allerdings nach unserem Austritt ll'enn ^Hbunb kein Recht mehr in Anspruch nehmem Kir Mito, ag sich als.richtig ansehcn, alle Staaten Hieben. " an den internationalen Aufgaben heran-
Der grundlegende Gesichtspunkt der Gleichberechtigung hat der Natur der Sache nach seinen Einfluß auch auf unsere Stellungnahme zu einem anderen Problem gehabt, das in den letzten Tagen viel erörtert worden ist. Das ist das f r y n z ö s i s ch - s o w j e t r »s s i s ch e P r o j e k t des O st p a k t e s oder, wie manche ihn zu nennen wünschen, des Nordostpakts. Man schlägt uns die Beteiligung an einem Paktsystem vor, durch das zehn Staaten verpflichtet iverben sollen, sich im Kriegsfall sofort mit allen militärischen Kräften zu unterstützen. Gleichzeitig erklärt man in aller Offenheit und Bestimmtheit, daß unser Beitritt zu diesem Paktsystem natürlich
nicht etwa die Anerkennung der Gleichberechtigung
Deutschlands auf dem Rüstungsgebiete in sich schließe, 1andern daß man höchstens nach Inkrafttreten des Systems überlegen könne, ob und in welcher Weise es etwa möglich sei, die internationale Behandlung der Rüstungsfragen wiederaufzunehmen. Konnten die beteiligten Regierungen wirklich im Ernst annehmen, daß Deutschland in der Lage sei, sich auf eine solche Z n - in u t u n g einzulassen?
Auch bei der internationalen Diskussion über die Regelung der Saarsrage scheint man vielfach den Ursprung und Kern des Problems aus den Augen verloren zu haben.
Im Saargebiet wohnt seit mehr als 1200 Jahren eine rein deutsche Bevölkerung und, was die Kohle betrifft, so genügt die Feststellung, daß die nordfranzösischen Gruben schon im Jahre 1925 mehr als in der Zeit vor dem Kriege fördern konnten, und daß Frankreich — ganz abgesehen von den über ReparationSkonto laufenden deutschen Kohlenlieferungen, die schon allein einen mehr als vollen Ersatz des ganzen Forderungsausfalls der nord- französischen Gruben darstcütcn — aus den Saargruben von 1920 bis heute rund 18 0 Millionen Tonnen beziehen konnte, während sein durch den Krieg verursachter Förderungsausfall nur 7 0 Millionen Tonnen betrug. Die Volksabstimmung, die in wenigen Monaten stattfindet, wird cs ohne allen Zweifel für alle Welt offenkundig machen, wie ungerecht und unnatürlich die Regelung von 1919 war. Der gesunde Sinn der Bevölkerung
Tragische Heimkehr deutscher Forscher
Die Lberleböndrn der Himalaja- Expedilion wieder in Machen..
Bed e u t e n d e wissenschaftliche Ergebnisse.
In München trafen jetzt die überlebenbcn der deutschen Himalaja-Expedition ein. Dem Ernst des Ereignisses entsprechend, hatten die Expeditionstcilnehmer ausdrücklich gebeten, von einem feierlichen Empfang abzusehru.
Neben den Angehörigen der heimkehrenden Teilnehmer und den trauernden Eltern der verunglückten Expeditionstcilnehmer Welzenbach und Drexel hatten sich nur der Präsident der Reichsbahndirektion München und ein Vertreter der Reichsbahndirektion Berlin am Bahnsteig eingefunden, um in schlichter Weise die Expeditionsteil- nehmer Aschenbrenner, Schneider, Bechtold, Dr. Finsterwalder, Hieronymus, Hühlritter, Dr. Bernhard, Rächl und Dr. Misch zu begrüßen.
Einem Pressevertreter berichteten die Fahrtteilnehmer von den Schicksalen der Expedition seit den verhängnisvollen Julitagen. Sie teilten mit, daß, als der Ab- m a r s ch begann, nicht der geringste Unfall mehr zu beklagen war. Sehr a n e r k e n n e n d äußerten sich die Teilnehmer über die freundliche und tatkräftige Unterstützung der englische n B e h ö r d e n in Darjeeling.
Alle Expeditionsmitglicdcr sind voll des Lobes über die Teilnahme, die ihnen von den Engländern in
Indien allenthalben cntgcgcngcbracht wurde.
Andererseits erklärten auch die britischen Behörden die Form und Art der Abwicklung, ivic sie von der Expedition mit den Trägern vörqenömmen wurde, als beispielgebend. Nicht genug tun konnten sich die Teilnehmer der Expedition im Lob der wackeren Darjeeling- L e u t e.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition sind unabhängig vom unglücklichen Ausgang des Unternehmens bedeutend.
Vor allem innren wir, so erzählten die Expedilionsteil- nehmer, in der Lage, nachzuwciscn, daß die Photo grammelrische Methode der G e l ä n d e a u f n a h m e, die wir verwendeten, eben tatsächlich geeignet ist, auch in dem unübersichtlichen und schwierigen Gebiet erstklassige E r g e b n i s s e zu zeitigen. Die Teilnehmer sind überzeugt, daß das Unternehmen vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ein voller Erfolg war.
Angebrochene, kampfesfrohe Zuversicht.
Die deutschen Forscher hatten Ende März d. J. von München aus ihre Fahrt nach Indien anaetreten. Das
hat von Anfang an erkannt, daß die Wiedervereinigung mit dem deutschen Mutterlandc die einzig mögliche Lösung ist, und daß alles andere nur eine Wiederholung und Verschlimmerung der verhängnisvollen Fehler von 1919 sein würde.
Im Zusammenhang mit der Abstimmung itnb der Beendigung des gegenwärtigen Regimes wird eine Reihe von Einzelfragen zu regeln sein, wie z. B. die Rückübertragung der Kohlengruben an Deutschland, die Währungsfrage, die Wiedereinsetzung der deutschen Verwaltungen usw. Das sind rein technische Fragen, die d a s politische Grundproblem nickt berühren und daher lediglich sekundäre Bedeutung haben. Wenn man jetzt versucht, alle möglichen Schwierigkeiten in den Vordergrund zu stellen, die mit der Rückgliederung des Gebietes an Deutschland verbunden seien, so sollte man doch bedenken, daß diese Schwierigkeiten, soweit sie überhaupt bestehen, n u r eine Folge des unmöglichen, nicht von Deutschland und nicht vom Saargebiet verschuldeten bisherigen Zustandes und seiner endlichen Beseitigung sind. Im übrigen sind aber alle diese Schwierigkeiten schon deshalb leicht zu überwinden, weil der Versailler Vertrag s e l b st die klaren Richtlinien zu ihrer Lösung enthält.
Angesichts gewisser, in letzter Zeit lautgewordcnci' Anregungen möchte ich nur auf einen Punkt mit allem Ernst und Nachdruck Hinweisen. Wan sollte sich nicht Regelungen dieser oder jener Art in die Gedanken kommen lassen, die auf eine Beeinträchtigung ber deutschen Souveränität in der Zukunft hinaus- laufcn würden. Dafür bietet der Versailler Vertrag keinerlei Handhabe. Es würde vielmehr dem Wesen und dem Sinn der Volksabstimmung widersprechen, wenn man im Saargcbict ein anderes Regime aufrichten wollte als das, für das sich die Bevölkerung entscheiden wird.
Ich Hosse, man wird auch bei den anderen beteiligten Stellen erkennen, daß solche Pläne, denen wir n t c = in a l s unsere Zustimmung geben könnten, nicht nur dem Vertrag widersprechen, sondern daß ihre Verwirklichung auch ein politischer Fehler wäre, der für die künftige Entwicklung der internationalen Beziehungen die nachteiligsten Folgen haben müßte.
Zicl lyres gewaltigen Unternehmens war die Bezwingung des 8120 Meter hohen Nanga Parbat im Himalajagebirge. Trotz verschiedener Mißerfolge führten die Wissenschaftler ihr Unternehmen mit unbeugsamem Willen und eherner Tatkraft durch. Auch der tragische Tod eines ihrer Gefährten — Anfang Juni verstarb der Münchener Reichsbahnrat Alfred Drexel in 5000 Nieter Höhe an den Folgen einer Lungenentzündung — konnte die kampfessrohe Zuversicht der Forscher nicht schwächen. Heldenmütig erklomm Mitte Juli die Spitzengruppe der Erpedition, die aus M e r k l, Dr. Welzen- bach und Wieland bestand, eine Höhe von über 7900 Meter. Kurz darauf ereignete sich die T r a g ö d i e am „Berg des Schreckens": Nur noch 2 0 0 Meter V D m Z iel, dem Gipfel des Nanga Parbat, entfernt, gerieten die drei Pioniere der Wissenschaft in einen furchtbaren Schneesturm und fanden trotz heroischer Rettungsversuche ihrer Kameraden den Tod. Nach diesem schweren Schicksalsschlag entschloß sich die Expedition zur Heimkehr. Am 6. August wurde die Rückfahrt von Bour bay aus angetreten, am 18. September erfolgte die An kunft in München.
Trotz der traurigen Erlebnisse und der unsagbaren Strapazen sind die Überlebenden der Expedition, n n - g c b r o ch e n in ihrem F o r s ch c r d r a n g , beim gekehrt. Alle Teilnehmer sind nur von der eine n. Hoff iiung beseelt, ihr großes Unternehmen durch einen er neuten Versuch zum endgültigen Siege zu führen.
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3« den Bergen verhungert.
F u r ch t b a r e r Tod eines S t u d e n t c n.
Bei einer Klcttcrtvur auf die Südwand der Scharnitz- spitze im Wette rst eingeb irge machte ein österreichisches Geschwistcrpaar eine schaurige Entdeckung.
Auf einer kaum sitzflächengroßen Steinplatte stand, zur Wand gekehrt, c i n M a nn, d e r toi w a r. -eine mageren Hände krampften sich um einen Ntaucrhakcn: un Haken hing ein Seilstück, das den Körper an der Wand hielt. Keine äußere Verletzung war an der noch nicht entstellten Leiche zu sehen. Das völlig eingefallene Gesicht ließ auf einen Tod durch Erscköpsmvz schließen.
Die Geschwister verständigten sofort die Behörden. Darauf wurde der Tote geborgen. Es handelt sich um einen M ü n ck euer S t u d e n t e n. Die Ursache des Todes ist bis heute unbekannt. Nach Ansicht der Ärzte ist der Mann > a n g sinn v e r h u n gort und schließlich an Entkräftung gestorben. Der Tod dürfte am Tage vor der, Auffindung der Leiche eingetreten sein.