Möaer Anzeiger
«»TAeint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der c^ntaa“ Bezugspreis: monatlich 1,70 &®L Lieferungsbehinderung durch „Höhere Ge- bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Mrenklau, Fulda Königstraßc 42. Rotations.
Friedrich sEirenklau, Lauterüach/H. Haupt- Miftletter : Friedr. Ehrenklau, Fulda. Königstr. 42.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 222 — 1934
Fulda, Samstag, 22. September
11. Jahrgang
Das Drama um Lindbergh.
Sie Lilldbergh-LraMe autzekläri. 5er Erpresser i n New Work f e st- g e ii o m m e n. — D r a m a t i s ch e Verhaftung.
Eine erschütternde T r a g ö d i e, die vor etwa zwei Jahren die ganze Welt mit Entsetzen und Abscheu ttsüKte, scheint jetzt ihre endgültige Aufklärung Munden zu haben. In New York wurde der deutsche Staatsangehörige Bruno Richard Hauptmann verhaftet, der im schwersten Verdacht steht, an der Ent - s jj h r u n g des Lindbergh-Babys führend beteiligt zu sein uild der auch überführt zu sein scheint, die Erpresser b riefe geschrieben zu haben.
Mit ungeheurer Spannung verfolgt ganz Amerika die durch Extrablätter verbreiteten Nachrichten über den Fall. Die Polizei ist der Ansicht, daß eine völlige Entschleierung des Lindbergh-Geheimnisses nur noch eine Frage weniger Tage ist.
Der Verhaftete leugnet.
Der Verhaftete leugnet hartnäckig die Täterschaft und erfindet alle möglichen Ausreden über die Herkunft der Noten, die sich in seinem Besitz befinden, und die mit denjenigen des Lösegeldes ü b e r e i n st i m m e n. Während sich zuerst die Nachrichten jagten, die über die sensationelle Verhaftung bekannt gegeben wurden, läßt sich nun ans Grund amtlicher Mitteilungen und übriger Feststellungen ein klares Bild von "den Vorgängen machen, die zur Verhaftung Hauptmanns führten.
Das Geheimnis der Erpresserbriefe.
Der V e r d a ch t auf Hauptmann wurde zuerst dadurch erweckt, daß in den Erpresserbriefen deutsche Zatzbildungen und sogar deutsche Worte enthalten waren. Aus dem Erpresserbrief befand sich eine Zeichnung, die wie eine H o l z k i st e aussehen sollte, worin das Äsegeld abgeliesert werden syllte.
Bereits nach damaliger Annahme mußte diese Zeichnung von einem Fachmann entworfen fein; tatsächlich ist Hauptmann von Beruf Tischler.
Das Lösegeld war von Lindberghs Vertrauensmann nachts auf dem Friedhof im New-Dorker Stadtteil Bronx in Goldnoten ausgezahlt worden.
Die Polizei greift zu.
Seit einiger Zeit tauchten die Goldnoten immer wieder im New - Aorker Osten auf; daraufhin wur- öen Ladeninh aber der dortigen Gegend aufgefordert, alierschärsstens auf Leute zu achten, die derartige Noten ergaben. Außerdem wurde verlangt, daß nach Möglichen die Nummern dieser Noten ausgeschrieben werden foulen. Bald liefen verschiedene Meldungen ein, nach denen ein Mann, der mit deutschem Akzent sprach, G o l d- »o t e n e i n g e w e ch s e l t hatte. Die Polizei wurde be- nachrichiigl und es wurde die Adresse des Richard vauptmänn festgestellt. Nun erfolgte der große Schlag.
. 75 Detektive umstellten das Haus, Hauptmann wurde 'n dem Moment verhaktet, als er gerade mit dem Auto
^llle. Er spielte den Empörten, seine Taschen nute mn»e mtf offener Straße von Beamten durchsucht
Dollar in Gold.
daß ,ie Herkunft dieses Geldes erklärte Hauptmann, sammel» u^. Furcht vor einer Inflation dieses Geld teilig,,»' Beamten sagten ihm auf den Kops Die Be- ^""ten Lindbergh-Fall zu. Er spielte den Er- Dic behauptete, die Sache ginge ihn nichts an. Elften Raffle ihn auf eine Polizeistation. Am Sarnen.^Me er in allerschärfstes Kreuzverhör ge- «rau wm^ m cr hartnäckig leugnete. Auch seine oc derhörl, die dieselben Aussagen machte.
soähr sensationeller ^unö. steten 6^' ^'csex Feit wurde das Haus des Ber- 01 > u ch t. Blau verglich seine Handschrift
Mit derjenigen der Erpresserbricfe und Sachverständige stellten fest, daß die Handschrift des Hauptmann ohne Zweifel mit der der Erpresserbricfe identisch sei. Bei der weiteren Durchsuchung der Wohnung wurde eine sensationelle Entdeckung gemacht. In einer schmutzigen Ölkanne fand man 1000 Dollar in 10- und 20-DoÜar Goldnoten, die in Zeitungspapier aus dem Jahre 1932 eingewickelt waren. In der Wand fand man außerdem noch 12 000 Dollar ebenfalls in Gold, sämtliche Noten wurden als z n dem L ö s e g c l d gehörig sestgestellt.
„Das ist der Mann!"
Dramatisch gestaltete sich die Gegenüberstellung von Lindberghs Vertrauensmann Condon mit dem Verhafteten. Unter atemloser Spannung erklärte Condon mit fester Stimme: „Das ist der Mann!" Hauptmann blieb trotzdem hartnäckig beim Leugnen.
Wer ist Hauptmann?
Über feine Person machte der Verhaftete folgende Angaben: Er sei 35 Jahre alt, habe bei der deutschen Armee gedient. 1920 sei er mit den deutschen Gerichten in Konflikt gekommen, er sei zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden und habe nur drei Jahre abgesessen, Da er Bewährungsfrist erhalten habe. Darauf habe er sich
als blinder Passagier aus einen amerikanischen Dampfer geschmuggelt
und sei nach New Dark gefahren. Das Ehepaar Hauptmann lebt in einer Vier-Zimmer-Wohnung in Bronx. Die Nachbarn wunderten sich, daß Hauptmann, der früher sehr zurückhaltend gelebt hatte, plötzlich sehr vielGeld zu haben schien. Man vermutete, daß er an der Börse gewonnen habe. Festgestellt wurde noch, daß Hauptmann einige Zeit in der Nähe von Lindberghs Villa als Tischler gearbeitet hat.
Furchtbare Naturkatastrophe in Japan.
Verheerender Taifun rast über Mitteljapan hinweg.
Hunderte von Toten. — 160 000 Häuser unterspült.
Der mittlere Teil des japanischen Jnselrcichcs wurde von einem verheerenden Taifun, wie man ihn dort seit 30 Jahren nicht mehr erlebt hatte, heimgesucht. Der furchtbare Wirbelsturm raste vom Stillen Ozean kommend mit einer Stundcngcschwindigkeit von 45 Meilen quer durch das Land. Er nahm seinen Anfang bei der großen Handels- und Industriestadt Osaka und tobte über die alte Landeshauptstadt Kioto hinweg in das Japanische Meer. An der japanischen Ozeanküste und an der Küste des Inländischen Meeres wurden gleichzeitig durch eine Springflut mehrere Städte verwüstet. Insgesamt wurden gegen 160 000 Häuser durch die Fluten überschwemmt. Zehn Eisenbahnzüge wurden durch die Gewalt des Sturmes umgeworfen. Die Zahl der Todesopfer, unter denen besonders viele Schulkinder ,w besinnen sind, geht in die Hunderte.
Zu der Katastrophe, über die wir bereits gestern kurz berichten konnten, werden noch folgende Einzelheiten besannt:
Erschütternde Zahlen.
In Mitteljapan sind durch den Orkan 47 Schulen elngestürzl. 225 Kinder wurden getötet, während 820 mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten und Drei noch vermißt werden. In 188 vollständig zerstörten und 260 stark beschädigten Häusern fand man 96 Tote und 298 Verwundete auf. 20 Häuser wurden durch die Spring- Hui vollständig forlgerissen, überschwemmt wurden insgesamt etwa 160 000 Häuser. Die Irrenanstalt i n O s a k a wurde durch die Flutwelle vernichtet. Mehr als 6(i Geisteskranke werden vermißt. Unter Den zehn Eisenbabnzügen, die durch Die Gewalt des Taifuns umgeworfen wurden, befindet sich auch^der aus zehn Wagen bestehende E r p r e ß z u g Tokio—Schimonoseki, der mit 250 Reisenden besetzt war. Der Zng stürzte gerade in dem Augenblick um, als er eine über einen Fluß führende B r ü ck c passierte. Glücklicherweise hielt das Geländer stand, so daß Der Zug nicht in Den Fluß stürzte.
Der amtliche Polizeibericht von Osaka meldet den Tod von 100 Personen und die Überschwemmung von
50 000 Häusern allein in Osaka.
Auch die fünf Flngzengschnppen des Flugplatzes Kaneda bei Tokio fielen Dem Taifun zum Opfer. 21) Flugzeuge wurden Dabei vollständig vernichtet. Nach dem amtlichen Polizeibericht beträgt Die Zahl Der Todesopfer des Taifuns in Ki o t o 103, während 352 Personen ernstlich verletzt wurden.
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662 Todesopfer des Taifuns in Japan.
Nach den letzten Feststellungen wurden in dem gesamten vom Taifun verwüsteten Gebiet Mittel,apans ;62 Tote u n d 2 395 V erlebt c gezählt. Die Zahl
Im New-Norker Polizeihauptguartier wurde der in die ^mdbergh-Tragödie verwickelte B. R. Hauptmann eingeC d vernommen. Auf Die Frage, wie er in den Besitz des Geldes in seiner Garage gekommen sei, erklärte Hauptmann, sein Freund Isidor Fischer, sein früherer Teilhaber eines ißeligefdjäfteS, habe ihm alle feine Effekten zur Aufbewahrung übergeben, bis er aus Europa zurückgekehrt sei. Sein Freund sei jedoch im Dezember in Deutschland gestorben. Er, Hauptmann, habe e r st v o r drei Wochen entdeckt, daß das Vermögen seines Freundes 14 0 00 Dollar betrug. Er habe aber nur 150 Dollar von dieser Summe ausgegeben. Im weiteren Verlaus des Verhörs erklärte Hauptmann, er habe seit 1932 nicht mehr ständig gearbeitet, sondern von Spekulationen gelebt. Er bestritt, jemals in Hopewell (New Jersey), wo sich der Landsitz Lindberghs befand, gewesen zu sein.
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Wohl niemals in der Geschichte der Kriminalistik ist für die Aufklärung eines Verbrechens ein derart großer Apparat aufgeboten worden, wie nach dem Raube des Lindbergh-Babys, das am Abend des 1. März 1932 aus Dem Kinderzimmer des elterlichen Landsitzes in Engelwood (New Jersey) entführt wurde. Zweieinhalb Monate später, am 12. Mai, fand man in unmittelbarer Nähe des Dommersitzes Die Leiche des Kindes auf.
Postlagernde Sendungen, Antworten im Anzeigenteil der New-Borker Zeitungen jagten einander, bis der Flieger den untrüglichen Beweis in Die Hand bekam, daß sich sein Kind tatsächlich in Der Gewalt der Menschen räuber befand. Etwa 450 Kilometer nordöstlich von New Nork sollte der Flieger auf Anweisung der Verbrecher Ausschau halten nach dem Hause, in dem sich das Baby augeblich besand.
Tagelang kreuzte der unglückliche Vater heimlich an Bord eines Wasserflugzeuges über dem bezeichneten Küstenstrich hin und her, bis er einsehen mußte, daß er von Den G a ngsters betrogen worden war.
der Vermißten wird mit über 2000 angegeben. Der Schaden wird auf 3 Millionen Nen beziffert.
Das japanische Innenministerium hat einen besonderen Ausschuß zur Prüfung der Schäden und Opfer des Taifuns und der Springflutkatastropbe eingesetzt. Die Polizeibehörde von Schimonoseki teilt mit, daß ein A u s- f l n g s d a m p f e r m i t 3 5 0 P e r s o n e n an Bord, der vor mehreren Stunden Den Hasen verlassen habe, bisher noch nicht z u r ü ck g e k e h r t sei. 'Man befürchtet, daß Der Dampfer von Der Springflut ereilt und gesunken ist.
Aus Llitlaß Der furchtbaren Taifun- und Springflut- unglücks in Mitteljapan wurde eine außerordentliche Sitzung des japanischen Kabinetts einberufen. Das Kabinett hat beschlossen, einen N a t i o n a l s o n d s zu schaffen, der der Linderung der Not dienen soll. Ministerpräsident Okada wird sofort in das Ungtücksgebiet abreisen, um an Ort und Stelle Die Hilfsmaßnahmen persönlich zu besichtigen. Heer und Flotte ist für die Bergung der Opfer mobilisiert worden.
Bri^aveführer Marxer zum Gtabsführer der Obersten SA -Führung ernannt.
Der Chef des Stabes gibt bekannt: Der Führer hat Den Brigadeführcr M a r r c r zum Stabsführer Der Obersten SÄ. Führung als ständigen Vertreter ac6 Chefs des Stabes in allen amtlichen SA. Angelegenheiten ernannt.