M-aer Anzeiger
SÄ W A Tagrbla« für Rhön unS Vogelsberg i^Ä^ ^âa- unS haunetal.ZulSaer Kreisbla« Schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. NeSaMon und Gefthästsfteits: Königstraße 42 * Zernfprech-flnsthluß Nr. 2484
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Nr. 231 — 1934
Fulda, Mittwoch, 3. Oktober
11. Jahrgang
Unter der Knute Kownos.
M die Mmeldesischen drangsaliert werden.
Aus den Schilderungen eines englischen Rechtsanwaltes.
Der bekannte englische Rechtsanwalt Sir A. L a w - 16nce, der einige Zeit im Memelgebiet Weilte, um die Mcidigung der schon seit Monaten in den Gefängnissen Machtenden Deutschen zu übernehmen, veröffentlicht jetzt einen Bericht über seine Eindrücke. In diesem Bericht, iw rücksichtslos die Gewaltmaßnahmen der Litauer im Memelgebiet aufdeckt, heißt es u. a.:
„Ich verwandte etwa zehn Tage bei der Einholung U Auskünften am Platze und hatte Gelegenheit zu Ge- Mchen mit zahlreichen Persönlichkeiten. Da ich als tiiglischer Rechtsanwalt mich seitens der litauischen Regierung persönlich keiner Gefahr aussetzte, sprachen meine Hewährsleute sehr freimütig mit mir und versahen mich mit Meldungen, die ich kaum von anderer Seite hätte beschaffen können. Durch diese Quellen und besonders aus meiner Fühlungnahme mit hohen Beamten der litauischen Regierung erlangte ich die Gewißheit, daß die Regierungsstellen einen Druck ausüben werden und nicht beabsichtigen, den Gefangenen eine gerechte Möglichkeit zu einer Lerteidigung zu bieten, und so ist es vornehmlich darauf abgestcllt, Unschuldige zu verurteilen,
um andere Memclländcr von der Betätigung in Staatsangelegenheiten abzuschrcüen.
Keiner der im Gewahrsam befindlichen Personen war es bisher gestattet worden, einen Anwalt zu nehmen, obwohl schon viele von ihnen seit dem 9. Februar 1934 in Haft saßen. Die Verteidigung wird auch dadurch behindert, daß sogar der deutsche Wortlaut des neuen Etaatsschutzgesetzes nur schwer zu erlangen ist, da die ihn druckenden Zeitungsausgaben sofort beschlagnahmt werden. Ich selbst besitze den deutschen Wortlaut, doch ist es bezeichnend, daß ich ersucht wurde, nie- amnüen zu sagen, woher ich ihit erhalten habe.
Unheimliche Gerüchte waren in Umlauf über die Behandlung der Gefangenen. Es wird allgemein geglaubt, daß mindestens ein Häftling sRimküß) infolge von Mißhandlungen st a r b und ein anderer (Horn) irrsinnig wurde und jetzt in einem Irrenhaus weilt. Ende August hatte schon seit zwölf Wochen niemand die Erlaub,ris erhalten, ihn zu sehen. Ein anderer Gefangener wurde im April verhaftet, und meines Wissens wurde er seither von niemandem mehr gesehen.
Von Herrn Bisauskis (dem früheren litauischen Geschäftsträger in London) erhielt ich zur Antwort, ich inoge es als Glück ansehen, daß man in Litauen Gefangene nicht im Gefängnis niederschießt und deutete an, falls ich meine Tätigkeit fortsetze, könnten einige von ihnen „b e i ^em Fluchtversuch" erschossen werden. Es erscheint also klar, daß selbst bei Grundlosigkeit des be- "essenden Verdachtes
die Zustände in den Gefängnissen so arg
Md, daß die Regierung es vorzieht, diese Gerüchte glauben »u lassen, anstatt die Erlaubnis zu geben, die Häftlinge beiiidien.
Becherklang in der Politik.
«Ne Mißerfolge, die der französische Außenminister i^"you in Genf bei der Verfolgung seiner europä- ie»; „Pciktornanie" erfahren hat, werden jetzt auch den-
.die sie zunächst vertuschen und beschönigen lun “n.mer klarer. Die rumänische Regie- u-,"6skrise, die den franzosen- und ententefreund-
' lulescu stürzte, hat in Paris alle Geister auf ,.+?«" gerufen, die in Titulescu den Hauptpfeiler der ttba ziehen Politik in Mitteleuropa und auf dem Balkan
’ Der Rücktritt dieses Staatsmannes Hai in fran- amvcn politischen Kreisen große Besorgnis hcrvor- »idH t Man weist darauf hin, daß cs sich in Rumänien ünhov ""e um eine formale Kabinettskrise handle, Vra«^.'. "ulescu gehe, weil sein König, sein Minister- eiJ m", .seine Kollegen und die Mehrheit seiner Partei Won ablehnten, die darauf hinauslaufc, den zu [L das heißt Sowjetrußland ^- in die Hürde rnani^"l- ®ein Abgang bedeute, daß Rumänien sich von gleich entferne.
list» s)?"kreich wird also wohl Rumänien aus die Verlust- sich, Jon müsse,,, aus der schon Polen steht, und es sran^m.GZahr vor Augen, daß in den kommenden ^andb „"südslawischen und französisch-italienischen Ver-
” die Kleine Entente ins Wanken kommt. Der Nach in Rumänien wird wahrscheinlich auch Pol»« L Punschen der Krone einen engeren Anschluß an Piindn!»^ ^utcn, schon in Anbetracht des militärischen Gencralt/s ""^ der Zusammenarbeit der beiderseitigen das, «, "./ Auch wird Frankreich daran denken müssen, Deutsch,schon mehr als einmal, auch hinsichtlich ^naiao m :'^igung gezeigt hat, eine von Paris unab-
Mit su betreiben.
"inner it«^" <auen sieht man auch in Paris auf die scheu hervortretende Selbständigket der polni- !)n g n p o l i t i k. Der bevorstehende Besuch des schaii m-r* vc 5 Ministerpräsidenten Gömbös in War- " den Genfer Verhandlungen um Österreichs Un
In den meisten Fällen wurde deu Frauen oder nächsten Verwandten gestattet, die Häftlinge alle 14 Tage zu besuchen, aber nur im Beisein eines Gefängnisaufsehers, der zwischen dem Doppelgitter — hinter dem der Gefangene ist — und den Besuchern steht. Der „Times"- Berichterstatter in Riga, der von den Bolschewisten selbst eine Zeitlang in Moskau eingekerkert war, sagte mir, daß das
das alte russische System
für Gespräche zwischen angeklagten Häftlingen und ihren Familien sei. Natürlich sei es unter solchen Umständen für die Verhafteten nicht angängig, Aufschluß über ihre Leiden im Kerker zu geben, ohne Vergeltungsmaßnahmen seitens der Behörden fürchten zu müssen.
Obwohl das Memelstatut sArtikel 5) bestimmt, das die Strafgesetzgebung der Gerichtsbarkeit der lokalen Behörden des Mcmelgebiets untersteht, und daß die deutsche und die litauische Sprache auf gleichem Fuße stehen (Artikel 27) werden doch die Gefangenen anscheinend außerhalb des Memelgebiets vor Gericht gestellt auf Grund eines Gesetzes, das nicht von den Vertretern des Mcmel- gcbiets angenommen, sondern nur durch Verordnung der litauischen Regierung in Kraft getreten ist. Das Gericht verkehrt nur in litauischer Sprache, welche die meisten Häftlinge nicht verstehen.
Ich las Briefe von Dr. N e u m a n n , welche die Staatstreue und sogar Freundschaftlichkeit gegenüber Litauen zum Ausdruck bringen. Ich stellte sorgfältige Erhebungen an, um hcrauszufinden, ob ein Grund vorliegt, Dr. Neumanns Loyalität gegenüber Litauen bezweifeln zu können, konnte aber keinen solchen entdecken. Ich besitze aber
schlüssige Beweise für den Druck, der auf angesehene Bürger von Memel ausgeübt wurde, dem „Litauerblock" beizutreten. Die Tätigkeit der litauischen Regierung scheint sich eher zu verstärken als zu vermindern.
Aus Genf erhielt ich die Druckschrift einer Petition, die den vier Signatarmächten der Memelkonvention von Schulrat Meyer überreicht wird: derselbe ist seit vielen Jahren Vorstand des Erzichungswesens im Memelgebiet, wurde aber letzthin von den litauischen Behörden entlassen. Diese Denkschrift beleuchtet grell einige Verstöße, die gegen das Memelstatut begangen wurden."
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Klaue» diktiert Zuchthausstrafen.
Der litauische Appellationshof in Kowno verurteilte aus Grund des neuen Gesetzes „zum Schutze von Volk und Staat" acht Memellândcr. Zwei erhielten je anderthalb Jahre Zuchthaus, einer drei Monate und die übrigen je einen Monat Gefängnis.
Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, durch Verbreitung eines Artikels von Professor Woldemaras für den Staat gefährliche Unruhe angestrebt zu haben. Nach dem Gesetze „zum Schutze von Volk und Staat" verlieren auch die mit Gefängnis bestraften Personen diejenigen bürgerlichen Ehrenrechte, die sonst nur den mit Zuchthaus Bestraften automatisch abgesprochen werden. Bei den Angeklagten handelt es sich in der Mehrzahl um Jugendliche.
abhängigkeit und vor den südslawisch-französischen Verhandlungen in Paris, sowie den italienisch-französischen Unterhandlungen in Rom wird in Paris im Hinblick aus Barthous außenpolitische Pläne nicht gerade angenehm empfunden. Ein Polen und Ungarn gemeinsames Sprichwort besagt, daß diese beiden Länder die Becher, aber niemals die Degen aneinanderklingen lassen. Fürchtet Frankreich vielleicht, daß auch noch dritte Staaten mit diesen beiden befreundeten Zechern anstoßcn könnten, und zwar nicht auf das Wohl Frankreichs?
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Das neue rumänische Kabinett.
TitulrScus Haltung immer noch ungewiß.
Die rumänische Regierungskrise ist verhältnismäßig sehr schnell beendet worden. Nach der neuen Ministerliste bleibt Tatarescn Ministerprä- sidenl und wird weiter vorläufiger Außenminister und Rüstungsminister. Innenminister ist Jnculet und Hccresminlster General A n g c l e s c u. Die Ministerliste weist damit nicht jene großen Änderungen auf, die man ursprünglich erwartet hatte, Über die Haltung T i t u l e s c u s erklärte Tatarescn, Titulescu habe im Laufe eines Ferngesprächs grundsätzlich das Außenministerium wieder angenommen. Titulescns Freunde versichern dagegen, daß Titulescu sich nach wie vor weigere, dem Kabinett beizutreten.
Bemerkenswert an der neuen Zusammensetzung des Kabinetts ist die Schaffung eines Ministeriums für Propaganda.
Schweres Bergwerksunglück in Japan. — ~6 -ott
Tnfin Wie die Telearaphenaßentur Rippon-Tempo meldet, ereignete sich in einem Bergwerk der Provinz suku- shima eine Explosion. 26 Arbeiter fanden dabei den L.od.
Ein seltenes Vilddokument.
Das französische Verteidigungssystem an der Ostgrenze.
Unsere Aufnahme, die einen großen Seltenheitswert besitzt, ist unter erheblichen Gefahren gemacht worden und kann natürlich nur eine ungefähre Vorstellung von dem riesenhaften Rüstungsgürtel, der Frankreich umgibt, vermitteln: Einfahrt in eine der riesigen unterirdischen Befestigungsanlagen in Nordfrankreich, die untereinander durch elektrische Bahnen verbunden sind
Wallfahrt zu Hindenburgs Grabmal.
An feinem Geburtstage.
Bereits in den frühen Morgenstunden hatte am Geburtstag des verewigten Reichspräsidenten, des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, ein ungeheurer Mcnschcnstrom wie am Tage nach der seicr- ltchen Beisetzung zum Lannenbergdcnkmat eingesetzt. Generalmajor von Hindenburg legte als erster am Grabe des toten Feldmarschalls gegen 7 Uhr morgens einen Kranz mit Chrysanthemen und Veilchen nieder. Unzählige Scharen harrten bis 8 Uhr vor dem noch verschlossenen Tannenbergdcnkmal.
Um 8 Uhr zog die E h r e n w a ch e auf. Zwei Posten vor dem Feldherrnturm, zwei Posten in der Gruft und zwei Posten vor dem Außenportal. Generalleutnant von Brauchitsch, der Wehrkreiskommandeur des Wehrkreises I, erschien pünktlich um 11 Uhr und legte je einen Kranz des Führers, des Reichswehrministers Generaloberst von Blomberg unb der deutschen Wehrmacht nieder. Aus allen Teilen Ostpreußens erschienen im Laufe des Vormittags Abordnungen, die Kränze aus den einzelnen Städten, von Verbänden usw. überbrachten. Um 12 Uhr traf Landeshauptmann Blunk ein, der im Namen des Oberpräsidcnten Koch einen Kranz niedcrlegte, dessen Schleife den Aufdruck trug
„Dem Retter der Heimat namens der dankbaren Provinz Ostpreußen". Oberbürgermeister Dr. Will legte einen Lorbeerkranz nieder, dessen Schleife die Farben der Stadt Königsberg und die Inschrift „Unserem unvergeßlichen Ehrenbürger — die Stadt Königsberg" trug. Im Auftrage des preußischen Ministerpräsidenten brachte Vizepräsident Dr. Bethke einen Kranz, der die Aufschrift trägt: „Das dankbare Land Preußen — der Ministerpräsident".
In treuem Gedenken an den Geburtstag seines verewigten Schirmherrn legte der Kyffhäuserbund an der Gruft von Hindenburgs einen Kranz mit Widmungsschleife nieder.
Der Führer besichttgi das Kyffhäuser - Rattonaldenkmal.
Die Rückfahrt des Führers von Hannover ging zpnächst im Kraftwagen über Hildesheim in den H a r j. Dann fuhr man über Nordhausen in die Goldene Aue, aus der in sattesten Farben die Höhenzüge des 'Kyffhäusergebirges stiegen. In zahlreichen Serpentinen ging es empor zum Kamm des deutschen Sagender g e s, auf dem sich wuchtig das 1896 geweihte Kyffhäuzer- N a 1 i o n a l d c n k m a l erhebt.
Der Führer besichtigte das dem Deutschen Rcichv- kricgerbund Kyffhäuser gehörende Nationaldenkmal in allen Einzelheiten, insbesondere auch die Ehrciihallc, in der über Opfcrsteincn die Fahnen der Kricgcrvcrcmc aus den Gebieten aufbewahrt werden, die Versailles Deutschland nahm. In dieser Halle befindet sich jetzt eine Ge denktafcl für die Gefallenen des Weltkrieges, der tyrcp korps und der Hitlerbewegung. - . -
Die ganze Fahrt, das unvermutete Auftauchen bey Führers an verschiedenen Orten, schuf reizende Szenen und manchem ein unverhofftes Erlebnis. Einer erkannte den Führer, hob den Arm und rief den Gruß, und dann stürzten sie sofort jubelnd von allen Seiten herbei: „Der F ü b r e r , d c r Führer i st w a !"
Am Kyffhäuser hatten sich bei der Abfahrt des Führers schon Hunderte eingefunden, wie durch magisches Zauberwort aus die Waldhöhen gerufen. Mit Windeseile verbreitete sich die Rachricht, und bei der Weiterfahrt standen si e überall in Gruppen an der Straße und in den Orten.