Fuldaer Mzeiger
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal ♦ Fuldaer Kreisblatt
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')!r. 233 — 1934
Fulda, Freitag, 5. Oktober
11. Jahrgang
Rundfunk für höchste Ansprüche.
M kommende Mflerpwgramm im Rundfunk.
Vom Guten das Beste.
In München waren die Intendanten sämtlicher deutschen Rundfunksender oder ihre Vertreter mit Reichs» Mleiter Hadamovsky versammelt, um einen Er- MWsaustausch zu pflegen und gleichzeitig das große Mfterische Programm der künftigen P»df u n k a r b e i i zu erörtern. Reichssendeleitei Mmovskv führte dabei u. a. aus:
K Leiter des Deutschen Rund- ',»ks tagten in München.
M Bild zeigt die Teilneh- « an der Tagung, von links ich rechts sitzend Reichssende- Ititet Hadamovsky: Intendant Malter Beumelburg, RS Ber- (in; Intendant Kriegler, RS Stefon; Intendant G. Grupe, RS Hamburg. Stehend von link Dr. Richarts von der Reichsrnndfunkgesellfchaft: Bachman, Pressestelle RSL: Intendant Dr. von Boeckmann, Kurz- Mllensender : Intendant 6tu= der, RS Leipzig: Intendant Dr. Sofinget, RS Stuttgart: Intendant Stoffregen, Deutschland- iender: Intendant Perrff, Beauftragter der Reichsjugendfüh- Tun®, München: Dr. Schoenicke MW) Reichs - Sendeleitung; tzlndeleiter Meyer - Rahlstedt, K München: Pg. Erdmann, Uchs-Sendeleitung; Intendant K«i.-Major a. D. Haenicke, Äsberg. RS: Intendant Ä, RS Frankfurt: Pg. lloaif, Adjutant des Reichssendeleiters, und Intendant Dr.
Fischer, RS Köln.
Den Ausgangspunkt der Programmgestaltung bildet der A u s b a u d e s U n t e r h a lt u n g s l e i l s , vor Eem der Unterhaltungskonzerte. Denn jeder Volksgenosse hat zimächst einmal .
das Recht auf Entspannung nach der Arbeit.
Es soll nun nicht etwa ein Unterhaltungsrummel geboten werden, sondern leichte, wechselnde, gute Unterhaltung mit b e st e n Kräften.
Es werden daher künftig für den Unterhaltungsteil dle großen Rundfunkorchester und die besten außerhalb
Rundfunks stehenden Unterhaltungsorchester heran- htzogen. Es ist auch bereits eine enge Zusammenarbeit W dem Berufsverband der deutschen Komponisten am »ebahnt. ■
Hauptziel ist eine Steigerung des Niveaus m vorm und Ausführung. Dabei wird ein reger Programmaustausch zwischen den Sendern erfolgen, und der Awdsunk wird weiter
Mr Wiederholung guter Programme übergehen. .Der Rundfunk ist keine Zeitung und kein Nachrichten- 'MMent. sondern ein künstlerisches Instrument.
England wird weiter ausrüsten '®rimgen des Schatzkaazlers Neville Chamberlain
auf dem Parteitag der Konservativen.
« 'M Bristol würbe die Tagung der britischen 7^?ativen Partei eröffnet. Gleich zu Beginn befaßte hch mit der Frage der Perteidigiing Englands. Die 2^ülon unter Führung von Lord Lloyd ging ai»» „ungenügenden" Rüsinugsmaßnahmen der Re- r>mg vor. Lord Lloyd forderte verschärfte Aufrüstung
"Nb zur Luft und wandte sich entschieden g egen vertragliche R ü st u u g s b i u d u n g , bw England heute „nicht mehr leisten" könne.
Angriff beantwortete Schatzkanzler Neville Mberlain mit einer Erklärung über die Rüstnugs-
Ei .. Politik der britischen Regierung
1L ö-: Während der letzten Jahre sei auf dem ÜMiayu, Abrüstung keinerlei nennenswerter Fortschritt baber '^ch, und mit der Pflicht der Regierung sei es ^ndc?" "vereinbar, das Perleidigungswesen des ^lscii ' ^"-uu 9 e g c u w artige n Stande zu be- LaqeQ, Regierung sei entschlossen, den „Gefahren der laiin vegegnen. Die Regierung habe sich viele »Konnte Kuff„dem Entwerfen a n gemessener dieses m'hspl äne besaßt. Sie habe die Einzelheiten einen üoch nicht bekannlgegcben, weil sic in der Önbert h,l\nn^cren Richtung möglicherweise noch abge^ 8ur 9 '""^<v".
^uftfrage erinnerte Chamberlain die Tagung daß , daran, ^layfe?. r ungefähr 2 0 Ai illioncn P f u n b im die """ der nächsten. Jabre ausgeben werbe, "'lewigttngslusMEe bei englischen Inseln von
Für ihn gelten also nicht die Gesetze der Zeitung, sondern die künstlerischer Institute. Da der Hörer gerade Rundfunksendung unvollkommener aufnimmt als man z. B. bei der ersten Lektüre ein Buch aufzunehmen pflegt, hat er geradezu einen Anspruch aus eine Wiederholung solcher Sendungen, die nur die Intensität der Wirkung und die Qualität der Leistung steigern kann. In der Winterarbeit werden die großen Musiksendungen, die im Frühjahr mit Übertragung der Beethoven-Sinfonien begonnen wurden, fortgesetzt werden. Beginnend mit dem 21. Oktober werden bis zum 10. Februar an jedem Sonntagabend 21.30 Uhr zusammen
15 Meiftcrkonzerte
veranstaltet, die jeweils den Höhepunkt des Wochenprogramms bilden werden. In diesen Konzerten werden diè populärsten und beliebtesten musikalischen Schöpfungen unserer größten Meister unter Mitwirkung der hervorragendsten Interpreten, die Deutschland aufzuweisen hat, übertragen. Ferner wird das Jahr 1935 als Bach- Händel- Jah r anläßlich der 250. Wiederkehr des Geburtstages der beiden großen Tonsetzer auch im Rundfunk begangen werden. Von der brüten Februar-Woche an werden bis zum Sommer in je fünf Rcichssendungen fünf große Werke beider Meister übertragen. Im übrigen wird der Rundfunk seine besondere Aufmerksamkeit der
der Gegenwart nahen Volksmusik
zuwenden und auch hier unter Heranziehung der besten Laienverbände auf Höchstleistungen bedacht sein.
Erwähnt sei noch, daß die Pausenzeichen künftig in der Regel durch musikalische Zwischen- und Vorspiele ersetzt werden, wie sic sich schon bei den Übertragungen vom Parteitag und vom Bückebcrg be- 'währt haben.
42 aus 7 6 Geschwader zu bringen. Dieser Plan könne b e s ch l e u n i g t werden (B c i f a ID oder. auch verlangsamt (Rein-Rufe), je nachdem die „Umstände Die.’ erfordern.
Großes Aussehen in der englischen Presse.
Die Ausführungen Ehamberlains erregten in der gesamten englischen Presse größtes Aufsehen und werben unter der Überschrift „G e h e t m e R u st u n g £ ; plane der Regierung" in großer Aufmachung veröffentlicht. Die Londoner Zeitung „Star" nennt Die Erklärung Chamberlains eine „Enthüllung".
Farbig? Truppen kommen nach Frankreich
Zur Behebung des RelrntierungsmisfallS.
Jin Zusammenhang mit dem durch den Gevurten- ruckgang während der Kriegsjahre eingetretenen Rekrit- tieruugsausfall während der kommenden fünf Jahre ha: der Gr o ß e f r a n z ö s i s ch e G e ne r al st a b im Ein- vernebmen mit der .Regierung beschlossen, farbige Truppen aus Marokko nach Frankreich zu verlegen, um die hier entstehende Lücke auszufüllen. -Das 11 und 15. al qeri s ch c Schützen Regiment wird aus Chateaurour, Angers, ChaieNerauli. Perigueur, Bergerac verteilt werden, während das 8. Marokko- ii i s ch e Schützen Regimenl in Agen, Marmande und Auch muergebracht werden soll. Außerdem ist beabsichtigt, das 41 Kolouial-Maschiucnaewehr Regiment, das bisher in Fmrlenav in Garnison lag. nach Toul zu versetzen, um die erste französische Linie im Osten zu verstärken. In Ehalons soll in den nächsten Tagen das 8. Zu a v e ».- >)i c g i m e n i zusammengestellt werde», das zum größten Teil ans motorisierten Streitkräften bestehen wird
Von Sonnenbomben
und Lichtkanonen.
Man hat Jules Verne für einen wilden Phantasten gehalten, nicht bloß, weil er „Die Reise um die Welt in 80Tagen" beschrieb, sondern weil er seine Helden allerhand Fahrten in einem großen komfortablen Unterseeboot vollbringen ließ. Wenn man heute den verstaubten Roman durchblättert, dann bleibt das, was er da ersann, weit noch hinter der jetzigen Wirklichkeit zurück. Und was von U-Boot-Taten, Flugzeugerlebnissen so etwa im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts in allerhand Kriegsromanen erzählt würbe, steht ebenso weit hinter dem heute schon Erreichten zurück wie die Vorstellung, die man damals von einem großen Kriege hatte. Auch der alte griechische Philosoph Archimedes, der gleichzeitig ein großer Mathematiker und Physiker gewesen ist — trotzdem hat ihn ein römischer Soldat totgeschlagen, der offenbar für den Gelehrten nicht das nötige Verständnis- auf- brachte! —, hat sicherlich nicht geahnt, daß man zweitausend Jahre nach seinem Tode zu kriegerischen Zwecken eine seiner Erfindungen nachahmen will, die er zu gleichem Zwecke damals ersonnen bat. Die — Brennlinse nämlich. Mit solchen Linsen größten Format hat Archimedes die hölzernen Schiffe der angreifenden Römer in Brand gesteckt, wofür die sizilianische Sonne recht geeignet ist! Und nun erzählt ein ehemaliger amerikanischer Kriegs- flieger allen Ernstes vor einem hochamtlichen Ausschuß, daß in einem künftigen Kriege Großkampfslieger mit gewaltigen Brennlinsen ausgcstattet in die höchsten Höben steigen und von dort aus die feindlichen Städte mittels der Sonne und dieser Linsen in Brand stecken würden, — geradeso, wie man das mit der Zigarre oder der Pfeife tut, wenn man die Streichhölzer vergessen, zufälligerweise aber eine Brennlinse bei sich hat!
„Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch", hat auch einmal ein alter Grieche gesagt, — .doch scheinen.die Menschen von heute dieses Gewaltige vor allem dafür einsetzen zu- wollen, um das Schreckliche zu schaffen! Das wäre also der modernste „Fortschritt", und die Schreibtischweisheil eines stibsralistischen Zeitalters „der Mensch ist gut" wird damit nur noch drastischer Lügen gestraft, als das bisher schon geschehen ist.
Oder — man „schießt" mit Licht! Mit künstlichem nämlich. Auch das ist schon geschehen. Denn so manches Flugzeug, das während des Krieges in den Kegel eines grelleuchtenden Scheinwerfers geriet, verlor das Ileichgewicht. Das gebt ja jetzt nicht mehr. Nun aber rebet man in französischen Militärkreisen davon, daß sogar schon eine P i st o l e erfunden sei, die mittels ihrer überaus starken Lichtquelle den Gegner zur völligen Blendung und damit zur Wehrlosigkeit bringen könne. Vielleicht könne man nach diesem Prinzip auch Gc- ch ü tz e zur Fliegerblendung konstruieren. Möglicherweise ist das nur eine Phantasie â la Jules Vernes, — aber was heute nicht ist, kann morgen sein, und ängstlich hüten die Generalstäbe der hochgcrüsteten Staaten so manches, was heimlich für den Ernstfall vorbereitet ist ober wird.
Dèr amerikanische Kriegsflieger hat vor, jenem Ausschuß auch ein bißchen ausgemalt, wie er sich den „Krieg 3 o n m o r g e n" vorstellt. Das ist übrigens der Titel, eines Buches, das ein italienischer General herausgabt ruf seinen dort entwickelten Anschauungen ist die heutige Strategie der Luftstreitkräfte aufgebaul, — und der erste Satz dieser Strategie heißt: Angriff. Gar nicht allzusehr also brauchte jener amerikanische Flieger seine Phantasie spielen-zu lassen, als er die Luftschlacht der Zukunft ausmalte. Artillericschlachtcn wurden es sein, — und die Kanone als Flugzeugwaffe eristiert ja schon bei einzelnen bochgerüstetcn Staaten! Fftlgzeug- transporte von Tanks in Massen hinter die feindliche Linie, — auch das ist heute kaum noch als Phantasie zu bezeichnen. Vorläufig aber dürften das alles erst Kriegsrüstungen „von morgen" fein; denn zahlenmäßig ist man heute doch noch nicht so weit.
Aber noch immer gilt die alte Erfahrung: Jede neue Kricgswaffe, vom Schwert bis zur Granate, vom Pfeil bis zum modernen Kampfstoff, : hat auch ihr Mittel zur Gegenwehr gefunden, vom Schild bis zum bombensicheren Unterstand, vom Panzer bis zur Schutzniaske. Doch gerade darum muß man auch wieder darauf Hinweisen: Was der Versailler Vertrag uns, Deutschen an Verteidigungswaffen beließ, gerät in einen immer größeren Abstand zu dem. was heute fast tagtäglich an neuen Angriffsrüstungen entsteht! Und darum wirb unsere Forderung nach Sicherheit auch für Deutschland immer notwendiger und selbstverständlicher! Dr. Pr.
Berüchtigter Verbrecher verhaftet.
Aufklärung einer Mordtat in Dortmund.
Die Dortmunder Mordkommission verhaftete jetzt in Esse lt den erheblich vorbestraften Willi H u e b s ch e aus Essen als einen der M ö r b c r des Dortmunder Kaufmannes Krahn. Der 2!>säürigc Kaufmann war am 29. September, als er abends mit seiner Frau nach Hause zurückkehrte, von zwei Einbrechern, die er an der Tür seiner Wohnung überraschte, niedergeschossen worden. Huebsche gehört zu der berüchtigten Räuberbande Heidger und Geuoffen, die in letzter Zeit im Westen viel von sich reden machte. Er ist ein der Kriminalpolizei schon seit Jahren bekannter gewalttätiger Verbrecher, der im August dieses Jahres nach Verbüßung einer sechsjährigen Zuchthausstrafe wieder in Freiheit gesetzt iumbe.