Zulöaer Mzeiger
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Nr. 236 — 1934
Fulda, Dienstag, 9. Oktober
11. Jahrgang
Kontrolle des Erbwertes.
Jom Standesamt zum Sippenamt.
Reichsminister Dr. Frick vor den Standesbeamten.
An der Verwaltungsakademie Berlin begann unter dem Leitsatz „Vom Standesamt zum Sippenamt* die Mwaltungswissenschaftliche Woche für Standesbeamte*. Die Eröffnungsansprache hielt der Reichsminister des Mem, Dr. Frick. Er führte u. a. aus:
“ Nichts kann — wenn man uns nicht mißverstehen W — so unsere friedliche Absicht und den Willen zu Hauender Leistung beweisen wie die Bevölke - „ng s p o l i t i k, die wir und wie wir sie eingeleitet Heu. Der Aufstieg eines Volkes zu einer gesunden und ^erlich starken Nation kann nur geschehen, wenn alle diejenigen Kräfte unwirksam geworden sind, deren Ziel MS Absicht es ist, die klare Linie der Entwicklung zu stören und die innere Haltung der Volksgenossen zu zer- ^Dcshalb scheiden wir Blut von Blut, Art von Art, deutsches Blut von fremdem Bluteinfluß, weil wir den llaren Strom unserer rassischen Vergangenheit nicht in ein Wirrsal von ungeklärten Raffenmischungen verebben lassen wollen, weil wir die Volksgemeinschaft nicht als ein Schlagwort für die Zusammenfassung von einer Mil- lioncnzahl von Menschen gebrauchen wollen, sondern sie als Blutsgcmcinschaft sehen.
Die Rassengesetzgebung in Deutschland hat ein pop- tives Ziel, sie soll uns den Weg frei machen, um eine dauerhaft begründete Zukunft aufbauen zu können. Wir wenden uns dabei nicht gegen diesen oder jenen, sondern gegen die falsche Richtung, in der die Entwicklung zu gehen drohte. Je mehr uns eine bestimmte Elique kritisiert, desto mehr wissen wir, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Wir wollen uns nicht unlerkriegen lassen.
Vor jetzt genau 60 Jabren wurden zuerst in Preußen, bald darauf im ganzen Reich die Standesämter cingeführt. Dieses Werk Bismarcks soll uns jetzt als Unterbau für das dienen, was wir in Zukunft und für du Zukunft aufzeichnen müssen. Denn das Wichtigste
Angeblich Ruhe in Spanien.
Begeisterte Kundgebungen für den spanischen Ministerpräsidenten.
In Madrid wurde Ministerpräsident Lerroux aus Anlaß der erfolgreichen Niederwerfung des Separatisten- "ufstaiids in Katalonien von der Bevölkerung begeistert gefeiert.
Zehnlausende von Menschen füllten die Straßen der Innenstadt, und als Ministerpräsident Lerroux sich von Mner Wohnung in das Innenministerium begeben wollte, wurde sein Wagen derart von der jubelnden ânge umdrängt, daß der Ministerpräsident nur mit âuhe das Ministerium erreichen konnte. Die Provinzial- Wrben übermitteln zahlreiche Kundgebungen, in denen Bevölkerung ihre Treue zur Regierung und ihre Vmde über das Verschwinden des revolutionären Spuks rum Ausdruck bringt.
Der zweite große Unruheherd der letzten Tage, das Mcngcbiet von Asturien, wo die verhetzte Arbeiterschaft ^"Kommunismus ausgerufen hatte, steht, den letzte« "Achten zufolge, auch bereits vor der Unterwerfung. „ Ms den übrigen spanischen Provinzen werden ört- .Eltonen aufständischer Elemente gemeldet, die sich ? in entlegenen Dörfern abspielten. Dabei wurden ni Polizeiposten erschossen und mehrere Kirchen . e r g e b r a n n t. Motorisierte Polizeikräste haben her ft' diesen Gegenden die Staatsautorität wieder-
^ Auch Azana in Hast genommen.
qj1 ehemalige spanische Ministerpräsident Azana, der sich
<ln katalanischen Ausstand beteiligt hatte, wurdet verhaftet.
und Wesentlichste für alle Bevölkerungspolitik in der Zukunft wird die Materialsammlung sein.
Aber aus der Schau unserer Erkenntnis in den Rassefragen heraus beabsichtigen wir das. was wir an dein einzelnen Menschen beobachten, nicht nur allein für ihn und zu seiner Beurteilung heranzuziehen, sondern wir werden es ebenso zur Beurteilung der mit ihm Blutsverwandten benutzen. Denn nicht allein die Gesundheit des einzelnen, sondern die Erbqesundhcit, den Erb- wert einer Sippe wünschen wir festzustellen. Der Gesundheitszustand seiner Blutsverwandten ist wesentlich für die Feststellung der Anlagen der einzelnen Glieder seiner Sippe, zur Beurteilung seiner erblichen Veranlagung.
Fügen wir der Personenstandsurkunde ein Sippe n= blatt hinzu, rücken wir den einzelnen ans seiner Einzelheit heraus in den Zusammenhang seiner Sippe, so schaffen wir eine Grundlage, die es uns möglich macht, tiefer in den Menschen hineinzusehen, und die uns davor schützt, aus dem äußeren zufälligen Eindruck her zu urteilen.
Die großen Aufgaben, die den durch das Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens entstehenden Gesundheitsämtern zufallen werden, müssen ergänzt werden durch den
Ausbau der Stattdesämter zu Sippenämtern.
Die im Einzelfall beobachtete Tatsache muß in den Zusammenhang der Sippe gestellt werden und verliert damit den Schein der Zufälligkeit und gewinnt die Bedeutung der in der Erbveranlagung gegebenen Schicksalhaftigkeit.
Wenn im Zuge des Ausbaus und der Vereinheit- lichung des Standesamtswesens eine Sippenamtsverwaltung für das ganze Reichsgebiet entstehen soll, dann ist es wichtig, daß alle Kräfte, die sich mit den Fragen der Sippe und des Blntsznsammen- banges beschäftigt haben, znsammenstebcn und zusam- mengefatzl werden Der Minister sprach seinen Dank aus für die bereits geleistete Vorarbeit und schloß mit dem Ruf: Alles für Deutschland!
Ein Bericht der Madrider Regierung.
Von der Madrider Zentralregierung wurde ein kurzer Bericht über die Lage in Spanien durch Rundfunk bekanntgegeben. Danach herrscht in der Hauptstadt wie in den übrigen Revolutionsgebieten der Halbinsel Ruhe. Dieser amtlichen Mitteilung zufolge sind in Madrid sämtliche Geschäfte wieder geöffnet.
Der Präsident der katalanischen Republik verhaftet.
Nachdem cs der Madrider Zentralregierung gelungen ist, den katalanischen Aufstand niederzuschlagen, wurde der Präsident der katalanischen Republik, Companys, verhaftet.
Straßenbahnen und Krajidroschken verkehren jedoch noch nnvollstäüdig. An einer Stelle der Hauptstadt kam es noch zu einer Schießerei, bei der ein Polizist getötet und ein anderer schwer verletzt wurde.
Nack, Mitteilungen der Negierung kam es nur in vereinzelten P r o v i n z orten noch zu kleineren bc- w a f f n c t c n Auseinander s c tz u n gen zwischen Polizei und Revolutionären. wobei in Bilbao ein Todesopfer und eine Reihe von Verletzten zu beklagen waren. In Barcelona herrscht ebenfalls Rube. In dem Regiernnasgebäude der Generalidad in Barcelona, in hem sich der Präsident Kataloniens ergeben mußte, wurden über 1000 Gewehre, unzählige Bomben und Pistolen sowie einige Kisten Dynamit gesunden.
Im übrigen macht die spanische Regierung darauf aufmerksam, daß die s a l s ch c n G e r u ch t e, die fortwährend unter der Bevölkerung i m U m lau, sind, icder Grundlage entbehren. Gleichzeitig erhalten die Journalisten von der Regierungsscite die Aufforderung, über die Verhältnisse in A st uric n nur solche Meldungen weiterzugeben, die vorher von Regierungsseite geprüft worden sind.
Rote Lugendführer bei dem spanischen Aufstand.
Vor der Auflösung der marxistischen Gewerkschaften.
Die spanische Regierung ließ in Madrid eine große Reihe führender Sozialdemokraten, vor allem die Führer der sozialistischen Jugend, festnehmen. Es ist die Auflösung der marxistischen Gewerkschaften zu erwarten. In Madrid versuchten die Marxisten des Nachts durch starkes Feuer, teils aus Maschinengewehren, die Bevölkerung zu beunruhigen. Gegen Morgen fanden sich starke Abteilungen von Marxisten an den Arbeitsstätten ein, um Arbeitswilligen den Zutritt zu ihren Arbeitsstätten zu verwehren.
Aus der Provinz sind feit Sonntagabend 12 Tote und 20 Schwerverletzte gemeldet worden. Viele Kirchen, hauptsächlich in der Provinz Albacete, sollen in Brand gesteckt worden sein.
Die Niederwerfung des Aufstandes in Spanien. — Prieto verhaftet?
Madrid, 9. Oft. (Funkmeldung.) Im Rundfunk wurde nochmals amtlich mitgeteilt, daß die Regierung alle ihr zur Verfügung siehe,wen Kräfte heranziehen werde, um den Aufstand vollständig zu unterdrücken.
500 Aufständische, Lie sich in einem Bergdorf bei Gijon verschanzt hatten, haben sich ergeben. Gerüchtweise verlautet, daß der frühere spanische sozialdemokratische Finanzminister Prieto, der ebenfalls in die Ausstandsbewegu tg verwickelt ist, von den Behörden verhaftet worden sei.
Eine Kommunisienfrechheit.
„Laßt Thälmann frei" aus der deutschen Botschaft.
Eine freche Herausforderung haben sich Londoner Kommunisten erlaubt. Auf irgendwelchen Schleichwegen erreichten sic das Dach der deutschen Botschaft und hißten eine weiße Fahne mit der Inschrift: Laßt Thälmann frei! Da der deutsche Botschafter von London abwesend ist, war die deutsche Flagge nicht aufgezogen. Erst später bemerkte ein Mitglied , der deutschen Botschaft eine Weiße Fahne mit roter Inschrift. Die Fahne wurde sofort heruntergeholt. Das Gebäude der Botschaft wurde daraufhin genau nach dem Täter untersucht. Es ließ sich jedoch noch kein Anhaltspunkt dafür finden, wie die Eindringlinge auf das Dach der Botschaft gelangt sind, ohne entdeckt zu werden.
Sie letzte Jugendorganisation in die Sitler-Zugenl, ausgenommen.
Aufnahme der Artamancn durch Baldur v. Schirach.
Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch hat am Sonntag in Güstrow (Mecklenburg) in einer Kundgebung den Bund der A r t a in a n e n in die Hitler- Jugend ausgenommen. Der Reichsjugendführer betonte in einer Rede, daß er den Bund der Artamanen als ein besonderes Glied der nationalsozialistischen Bewegung in die Hitler-Jugend aufnehme, und daß damit die letzte Jugendorganisation in Deutschland mit der Hitler-Jugend vereinigt sei, abgesehen von gewissen konfessionellen Verbänden, über deren Zukunft er in diesem Zusammenhang nicht sprechen wolle. Der Führer des Bundes der Artamanen, Albert Wojirsch, gelobte dem Reichsjugendsührer und damit dem Führer Adolf Hitler die Treue des Bundes.
Vorbereitungen für die Reichsnährstands- bauten in Goslar.
Auf Vorschlag des Reichsbauerführers R. Walther Darrs wurde mit sofortiger Wirkung in Goslar ein Bauausschuß gebildet, der alle mit der Übersiedlung des Reichsnährstandes nach Goslar zusammenhängenden Baufragen klären soll. Die Federführung diezes Ausschusses ist dem Oberregierungs- und Baurat Gensel von der Regierung Hildesheim übertragen worden. Für den Reichsnährstand gehört dem Ausschuß der Vetter bc* Reichsnährstand-Bauamtes, Architekt .^ermann Wille und für die Stadt Goslar Baurat Schneider an.
Der Ausschuß hat nach einer Einführung m icinc Ausgaben durch den Reichsbaucrnführer und den Regierungspräsidenten Muhs seine erste Sitzung in Goslar abgehalten.
Filmtheater im Dienst der Winterhilfe.
Das Reichsministerium für Polksaufklärung und Propaganda teilt mit:
Die Propaganda für das Winterhilfswerk nimmt ihren Anfang. Die deutschen Fikmtheatcxbesitzer haben sich bereitwilligst in den Dienst der Propagandaaktion ge stellt und werden in jeder Vorstellung mehrere D i a p o sitive und Schalllplätten zum Winter b i l f s w c r k kostenlos znr Vorführung bringen. Es mirb daher angeordnct, daß 1. mit dem 11. Oktober 1934 abends sämtliche bisher kostenlos vorgesührten Diapositive aus ben Filmtheatern zurückzuziehen sind; 2. Anträge auf kostenlose Vorführung von Diapositiven, die durch irgend welche Organisation gestellt werden, nicht berücksichtigt werden können, um die Propaganda für das Winterhilie- werk nicht zu gefährden.