Zul-aer Anzeiger
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MA ^wS LUNIK Ä Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- v X v auf Nachlag. — „DA." 1000. — Verantwort!. zur den
•Äetter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Reüaktton und Geschäftsstelle: Königstraste 42 <> Zernfprech-flnsthluß Nr. 298- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
M 238 — 1934
Fulda, Donnerstag, 11. Oktober
11- Jahrgang
Zwei Staatsmänner auf der Bahre.
Kie König Alexander und Barchsu starben.
i?ob b e ë Mörders. — Weitere Ermittln g e n. — Bericht eines Augenzeugen.
Ur den Hergang des furchtbaren Akten- ^jjin Marseille, dem König Alexander von Jugo- MN und Frankreichs Außenminister Barthou zum M fielen, werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Bräter, der nur noch schwache Lebenszeichen von 3gab, wurde von der Polizei zunächst in ein Polizei- Mäuschen und von dort in das Gebäude der Sicher- Molizei gebracht, wo er von Polizeiärzten untersucht «dc. Man gab jedoch jede Hoffnung auf, ihn zu retten, xtzn nach kurzer Zeit starb der von mehreren Schüssen an Säbelhieben getroffene Mörder.
Wenige Minuten vor der Ermordung.
Dieses B i l d t e l e g r a m m aus Marseille zeigt 33 ar« *bou, den französischen Außenminister, bei der Benutzung des Königs Alexander von Jugoslawien nach der Ankunft in Marseille. Wenige Ministen später wurden beide Staatsmänner von den tödlichen Kugeln getroffen.
*
Der Hsrrpiaèieniäier ein Kroate.
Der Mörder König Alexanders heißt Petrus "leme n. Er ist am 2t i. Dezember 1899 in Agra in âk.boren und betrieb in dieser Stad! ein Kaufmanns- Wtäft. Man fand bei ihm einen am 30. Mai 1934 aus- ^Mteii Pah Kalemen . war am 28. September nach Moireich gekommen. Er stand nicht auf der Liste der ver- Mgen Personen, die der französischen Polizei von der ^wischen Polizei mitgeteilt worden waren
. Gelegentlich des Empfangs des Königs von Sub- uwn waren außerordentliche polizeiliche s"' °> e r u n q s in a ß n a h m e n getroffen worden Mehr 6 21111 Rundschreiben mit den Lichtbildern der verdäch- a^Personen waren an die für die Aufrechterhaltung ? Ebnung bestimmten Behörden verschickt worden
,^bm hatte man in sämtlichen Marseiller und Pariser H ll ^^"^â)ungen nach verdächtigen Elementen an«
»Freiheit oder Tod!"
seh h!f ^ n tkrsuchung der Leiche führte zu einer Kale», ^^»ten Entdeckung. Am linken Unterarm hatte
/nie Tätowierung, die eine Krone von «nci» » "Hs Zentimeter Durchmesser varstellte und von geben ~ 0 t c ti f o p f mit zwei gekreuzten Knochen um aufini-8 ^„"üd außerdem einige Buchstabenabkürzungen u» ^ ^8 handelt sich bei den Buchstabenabkürzungen lM,'° Worte: Freiheit oder Tod! Ein südsla- Är^L ^"unialisj erklärte, daß diese Tätowierung das
f1 Ma zedonischen K o in i t a d s ch i sei.
Pellen ob W°^^^ Polizei sucht jetzt vor allem festzu- wifacsiA s Pte,Pcn Helfershelfer gehabt hat. Die ""sthfin^^h seine Spur in keinem der Marseiller Hotels etnein ^r llmt- läßt die Permuluug zu, daß er bei
V "de Wohnung genommen hatte.
daß ^i , Anschlag hatte die Bevölkerung so stark erregt, Sv bnird^ '/ d e st e n Gerüchte in Umlauf waren. Mit^ 'i'hanptet, daß fünf oder sechs
olchen und Revolvern bewafsnetc Männer gatten den Mörder umgeben
Pturbe l\^ dlescr von einem Offizier niedergeschlagen ^ch'ihrp ^ sollen sich Zeugen bereit erklärt haben, dies aus bet ^ni'- sagen zu bekräftigen, jedoch Hai sich hierzu "ttzei noch niemand e i n a e f u n d e n.
Eine Meldung aus Brüssel besagt, in einer kroatischen Kantine in Lüttich habe sich ein Bergarbeiter namens Petrus S a 1 m c n f t i ausgehalten, der feit kurzem Lüttich ohne Wohnortsangabe verlassen habe. Man frage sich deshalb, ob die Ähnlichkeit des Namens mit dem Mörder des Königs Alexander ein bloßer Zufall sei, oder wer babinterfteefe.
Wie aus Marseille berichtet wird, hat die Polizei den Revolver geprüft, mit dem Petrus Kalemen den Anschlag ausgeführt hat. Es handelt sich um einen zwanzigschüssigen automatischen Revolver neuester Konstruktion. In einer Tasche des Rockes des Mörders fand man außerdem mehrere Patronenstreifen, so d"ß er über ungefähr 100 Schutz Munition verfügte
Die Tat wurde gefilmt.
Aus einer ergänzenden Havasmeldung über den Anschlag geht hervor, daß man im französischen Innenministerium der Ansicht ist, die Schüsse seien nur von dem Südslawen abgegeben worden. Infolge des Zustandes, in dem er in die Hände der Polizei fiel, hat das Verhör jedoch keinerlei Ergebnisse gezeitigt. Die Polizei ist im Begriff, eine Reihe von Augenzeugen des Anschlags zu verhören.
Ein Filmopcratcur hat durch Zufall die ganze Szene mitgefilmt. Dieser LichtÄildstreifcn wird sofort entwickelt und dem Leiter der Marseiller Polizei übergeben werden.
Nach einer Meldung des „Paris Soir", dem die Verant- Wortung überlassen bleibt, hat man in der Tasche des Mörders eine B o m b e gefunden.
Ein Bugenzsuge berichtet.
' Oberst P i o l l e t, der neben dem Wagen des Königs Alexander ritt, berichtet über den Verlauf des Anschlags folgendes:
„Der Wagen, in dem sich König Alexander, Außenminister Barthon und General Georges befanden, war gerade in Höhe der Börse, als ich bemerkte, wie ein Mann sich ans" der Menge löste, an dem Polizcibeamten, der am Bürgersteig stand, vorbeialitt und an meinem Pferd
Trauer und Anteilnahme.
Die Aufnahme der Schreckensbotschaft in Südslawien.
Die Nachricht von dem tragischen Ende König Alexanders hat in Südslawien eine allgemeine Bestürzung und tiefe Trauer hervorgerufen. Sobald die Schreckensbotschaft bekannt wurde, haben alle Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen zum Zeichen der grauer geschlossen. Die Bevölkerung der Landeshauptstadt war nach dem Eintreffen der ersten Trauerbotschaft
wie niedcrgeschmettert.
von
den ver- und Die
In den Straßen der Stadt sprachen sich die Vorübergehenden, überwältigt von den traurigen Ereignissen, ein- ander mit Tränen in den Augen an. Die Nachricht der Ermordung des Königs traf in Belgrad in Abendstunden des Dienstag ein, wurde aber nicht öffentlicht. Trotzdem sickerten aber Gerüchte durch verbreiteten sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt.
Straßen wurden sofort
durch die gesamte Gendarmerie besetzt und die öffentlichen Gebäude durch starke Posten gesichert. Da in den Straßen ein lebhafter Abendverkchr herrschte, kam es au einigen Stellen zu großen Stauungen schlief lich eilten die Menschen in unbestimmter Furcht so rasch wie möglich irt ihre Wohnungen. Eine halbe stunde später waren
die Straßen fast menschenleer.
Nur die Nundfunkhörer, die mit ihren Apparaten das Ausland erreichen können, konnten sich in den -tbenb- stunden ein Bild machen. Der größte Teil der hauptstädtischen Bevölkerung aber wußte nur,
daß der König tot war.
Als die erste Verwirrung des Volkes gewichen war, brach große Empörung durch. Gegen die mutmaßlichen Urheber des Anschlags wurden Verwünschungen laut.
*
fettere deutsche Beileidskundgebungen.
Der Führer und Reichskanzler bat an den Präsidenten der Französischen Republik folgendes Betleids- lelegramm gesandt: „Soeben erreicht mich die .»achrlcht, daß der französische Minister des Auswärtigen, Herr Bartbou, den Verletzungen erlegen ist, die er bei bem fluchwürdigen Verbrechen in Marseille erlitten batte. Euerer Erzellenz spreche ich, zugleich im lameu de. deutschen Volkes, die aufrichtigst empfundene Jutctl« nähme aus. Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler.
3m Auftrag des zur Zeit von Berlin abwesenden ' .....inistcrs begab sich der Chef des r Graf von Basscwitz, in die jugo-
Reichsaußcumii
Protokolls, Gesandter Graf von - „
slawische Gesandtschaft und in die französische Botschaft inv sprach zu al eich auch rm Namen der R e i ch s r e a i e r u n a das Beileid anläßlich des Ab-
vorbei ans das Trittbrett des königlichen Wagens sprang.
Ich gab meinem Pferd die Sporen, aber obwohl das Pferd sehr schnell vorsprang, konnte ich nicht verhindern, daß der Attentäter seinen Arm ausstreckte und mehrere Sch ü s s e auf b e n König abgab. Ich erhob meinen Säbel und streckte mit zwei Schlägen den Mann zu Boden, während der Kraftwagenführer einige Schüsse auf ihn abgab. Der Mörder fuhr aber, obgleich er am BodeZ lag, fort zu schießen.
Seine Kugeln trafen zwei Polizeibeamte und eine Frau. Polizei stürzte sich auf den Mörder und versuchte, die Menge von dem Wagen fernzuhalten. Der zu Boden gefallene Attentäter wurde aufgehoben, worauf sich die Menge auf ihn warf."
Gattin und Sohn.
Die Königin, bie in Marseille in Begleitung von Frau Herriot eintras, wurde sofort in den Raum geführt, in dem der König den letzten Schlaf schläft. Das gesamte Gefolge zog sich zurück, um die Königin allein ihrem Schmerz zu überlassen. Nach einem langen Gebet begab sich die Königin in einen Nebenraum, während im Großen Saal der Präfektur die feierliche Aufbahrung des Königs und des französischen Außenministers vorbereitet wurde.
Dem elfjährigen Kronprinzen Peter von Jugo- slawien, der seit einem Monat in England die Schule besucht, wurde das furchtbare Ereignis erst am nächsten Morgen überbracht. Noch am Abend der Tat ging er fröhlich wie immer zu Bett, ohne zu ahnen, daß er am nächsten Morgen als König erwachen würde.
Vier Todesopfer.
Eine von den beim Anschlag verletzten F r au e n ist ihren Verletzungen erlegen. Damit hat sich die Zahl der Opfer auf vier erhöht. Der Gesundheitszustand des bei dem Anschlag schwerverletzten und irrtümlich bereits von der in- und ausländischen Presse lotgesagten französischen Generals Georges soll sich, den letzten Meldungen zufolge, gebessert haben. Der General liegt im Militärkrankenhaus von Marseille.
lebens des Königs von Jugoslawien und des französischen Ministers Barthou aus. .
Staatssekretär Körner hat dem rugoslawt,chen Gesandten und dem französischen Botschafter Besuche a^ gestattet um die Anteilnahme des preußischen Munster- präsidenten General Göring zum Ableben des Königs Alexander von Jugoslawien und des französischen .lußen Ministers Barthou zum Ausdruck zu bringen.
Starte Aoteilnahme in der ganzen Welt.
Ungeheurer Eindruck in Italien.
Der ungeheure Eindruck des Anschlags von Marseille, bei in allen politischen Kreisen R o m 5 zum Ausdruck kommt, sind ei seinen Niederschlag auch in der gesamten Ua iemschen Pre w Einzelheiten über die Tat werden in spaltenlangen -bettcfitci wiedergegeben, und das Echo der Weltpreise wird verzeichnet Die ,. Carriere della Sera" schreibt: Das Blutbad von Marieillc ist eines der scheußlichsten Ereignisse der letzten w bewegten Fabre der Nachkriegszeit. Das tragische Ende Darthous, der einer Frcundschafi mit Italien wohlgepnnl war, ertuUt uns mit aufrichtigem Schmerz und Entrüstung.
Englische Besorgnis.
Das Atteniai in Marseille Hai in England Bestürzung und Besorgnis über die künftige politische Entwicklung hervor- gerufen. Höchstes Ziel aller, so heißt es besorgt in melucere Blättern, müsse cs sein, jetzt zu verhüten, daß die ^wunc von Marseille ähnliche Folgen wie die von Serajcwo Haven könnten.
Frankreichs Trauet
Die französischen Nachrufe beben die freundschaftlichen Gefühle des Königs von Südslawien gegenüber »v «b reich hervor und unterstreichen die erfolgreiche -ambè Politikers Barthou. Parteipolitisch m'den sich Umcr,châ Einige Blätter sind mit der Vorkriegspoln k Bâ einverstanden, die anderen mit seiner neuesten ^ e rin Politik, die in der Aufnahme Sowietrutzlands in den oolu bund gipfelte
Warschau zum Tode König Alexanders.
^ie Nachricht vom Tode König Alexanders und Barthous s "Äö^
bem slöitia Alerandcr einen warm gehaltenen Nachruf. ~.u ö^tn Vrfit nur ein Beispiel von Heldentum. ,andern zu ale ch de äch che Führcr eines Volkes und^der beste feiner Der gemeinsame Tod Alexandere und des Ministers Barthou erhöhe noch den Schauer dee
Ereianisies.
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Zwei neue Außenminister.
Bis zur endgültigen Regelung der Nachfolge Bar- t h o u s bat Ministerpräsident Doumergue die Leitung des französischen Außenministeriums übernommen.
T i t u l e s c u hat das Amt als rumänischer Außenminister im neuen Kabinett Tatares^u an- genommen und bereits den Eid geleistete