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Eul-aer /lnzeiger

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239 1934

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Fulda, Freitag, 12. Oktober 11. Jahrgang

Den Attentätern auf der Spur

SieZagd nach den Königsmördern.

Vierzehn Personen verhaftet

Die französische Polizei arbeitet fieberhaft, um fest« Mm, wer bei dem Attentatin Marseille seine Mim Spiele hatte. Es erscheint nach den letzten Er- Wigen völlig ausgeschloffen, daß nur ein einzelner Mii mit der Mordtat im Zusammenhang steht. Bisher Mete die Polizei vierzehn Personen, die xiienleils jugoslawische Emigranten sind. Man ver- jlti, daß die Bande, die unmittelbar an der Vorberet- q und Durchführung des Attentats beteiligt war, aus fünf b i ssechs Personen bestand. Die Verhafteten D von den jugoslawischen Behörden als besonders ge- Miche Elemente bezeichnet worden.

Der Patz des Mörders war falsch.

Man har jeyt mit Sicherheit feststeüen können, daß du Paz des Haupttäters eine sehr geschickte Fälschung Mt. Die tschechoslowakischen Behörden konnten feststellen ich Sie Nummer, die der Pah träge, einer ganz «»deren Persönlichkeit ausgestellt worden ist. über den Aufenthalt der Verbrecherbande in Paris hört man noch, daß sich ein Genosse des Kalemen in einem Pariser Hotel als Rudolf Suck eingetragen hatte. Die Holelangestellten geben an, daß sich die verdächtigen Gäste in verschiedenen Sprachen, darunter portugiesisch unb italienisch, unterhalten haben. Aus all Diesen Angaben ersteht man, daß Die Hintergründe dieser furcht- baren Lar noch im Dunkeln liegen. Wahrscheinlich wird es nie ganz gelingen, die Umstände aufzuklären, bei denen die beiden Staatsmänner ums Leben kamen.

BarthouS Lerche in Paris.

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)n P a r i s ist der S y n d e r z u g mit der Ler che ritthvus cingetroffen Mit demselben Zuge kamen Wittfl in Maria von Südslawien und der Präsident icr ^ryublit, Lebrun, mit seinem Gefolge in der franzö- Wen Hauptstadt an.

Äm Bahnhof hatte sich eine gewaltige Men-- e n m e n g e eingefunden Die polizeilichen S t ch

»kusmatznahmen waren so streng, daß Der Ba.. jWag in weitem Bogen abgespexn und das Betreten « Bahnhofsgebäudes selbst Den Vertretern Der Presse unterlagt mar. Auf dem Bahnsteig warteten die Königin- «iiitiet Maria von Rumänien und viele französische und Mawifche Würdenträger auf Die Ankunft des Zuges. -^ Diplomatische Korps, Darunter der deutsche Gcschafts- ^ger, Botjchaftsrat Forster, war vollzählia versammelt. ?' $<>10 mit Der sterblichen Hülle Barthvus wird nach ^Außenministerium am Quai d'Qrsan über« Wit und Dott im Uhrensaal, Der in eine Trauerkapelle Mgctvandelt worden ist, aufgebahrt werden

Wrb Kiluia Alexander seine letzte Rlihe finden. in Mausolerim des mgoslannscheu Herrscherhauses dlstmtt^ "°, ölenar bèi Belgrad wird der ermordete König wert, vru cu.xir.Hi^ii seine letzte 'Ruhestätte finden.

$ Letzte Ehrung auf hoher Gee.

^rhieUi1.^ Mariucattachè in Paris hat sich beim erkundigt, zu welchem Zeitpunkt der ^uiqc; N KreuzerDubrownik" mit der Leiche des ^Wah Cran$<r die Meerenge v o n Messina ^ Gel^^^de. Die italienische Marine beabsichtige, Mitin n ; ? u iu entsenden, das dem toten südslawischen ^ist,, sog daher See die letzten Ehren er-

seltsame Borahnungen des Königs.

^ Mord?/^^^"en und die vielen Unbegreiflichkeiten "leiten ;,.'? Marseille lassen in der bis ins tiefste ""^iischen Öffentlichkeit zahlreiche. oft höchst

seltsame Gerüchte auftauchen, die zum Teil in der Presse ihren Niederschlag finden.

Iföti^ ^tet von Jugoslawien und seine Großmutter auf dem Wege in die Heimat.

König Peter n. von I«goslaivien verkâU mtt seiner Großmutter, der Königinmutter Maria von Rumänien, das Ritz-Hotel in London, um sich zur Krönung in seine Heimat zu begeben.

Die politischen Hintergründe

der Marseiller Bluttat

Säuberung der französischen Polizei gefordert.

In einem Teil der französischen Presse werden die Angriffe gegen die Sicherheitspolizei tcit den Vorfällen von Marseille immer heftiger. .

BesondersLe Jour" fordert eine Säuberungsaktlon großen Stils. Das Blatt gibt zunächst die Äußerung eines ungenannten Gewährsmannes wieder, der die russischen, bulgarischen und mazedont- s di c n Kreise in Paris genau kenne. Dieser Gewährs­mann behauptet, er habe vor einigen Sagen die Mit­teilung von einer beabsichtigten Ermordung des Königs Alexander in Paris erhalten. Außerdem sei ihm zu- getragen worden, daß demnächst eine hochstehende

französische militärische Persönlichkeitan die Reihe kommen" würde.

«e Jour" veröffentlicht auch eine längere Erklärung des Führers der FeUcrkreuzler, des Obersten de la Rocque. Dieser weist aus den ideologischen Zusammenhang der Morde _ ...

mit den Kommunisten und Marxisten

hin. Er kenne sogar enge Beziehungen, die bis zur Dritten Internationale in Moskau reichten. Die Kritik an i er französischen Polizei faßt Oberst De la Rocque dann wie folgt zusammen: Unzureichende Autorität, beständige Einmischung von Politikern in vie.Poklzeiaufgaben. Die Sicherheitspolizei sei mit Personen ohne mora­lischen Halt,'

von wahren Gangstern durchsetzt.

Als Abhilfsmatzualfmen verlangt de la Rocque die Auf- Gsnug der Kommunistischen Partei und das Verbot aller Kundgebungen, die nicht unter der Trikolore ftattsindcn, sowie eine Reform der Sicherheitspolizei. Au anderer Stelle beschwörtLe Jour" den Minlsterprajt- benten Doumergue, die

SäuberungSaktion großen Stils unverzüglich vorzunehmen. Das Blatt berichtet mit Ent- rüstung, daß B a r t l, o u mit seiner Armwunde z u retten gewesen wäre, wenn seine leichte Ver­wundung rechtzeitig beim nächsten Apotheker abgebunden worben wäre. . . .

Nach dem Anschlag fei aber Barthou mit seinem blutenden Arm allein aus dem Kraftwagen gestiegen, ohne daß eine offizielle Persönlichkeit ihn begleitet hatte. Er habe sich selbst einen Mietwagen gejucht, der ihn ins Krankenhaus gebracht habe.

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Panssr poüiischr Pietai.

Die amtliche französische Havas Rachrichacnagemur oat sich zu einer Fälschung hergegeben, wie sie selbst für die Skrupellosigkeit französischer Propagandapolitik ein seltene" Stück ist. Diesmal hat man sogar vor der aus französischem Boden erfolgten Ermordung des Königs

schreitungen zu verzeichnen seien. In Laibach habe

______ _ die Menge den italienischen Konsul aus seinem Haufe gc- Alerander nicht halt gemacht und hat Begleitumstände des zerrt und auf ihn eingeschlagen.

So wird behauptet, daß König Alexander vor seiner Abreise von Belgrad seinen Familienmitgliedern gegen­über einedeutlicheVorahnung des Geschickes, das ihn erwartete, zum Ausdruck gebracht habe.

Er habe aber nicht einen Augenblick daran gedacht, etwa die Reise aufzugeben oder zu verschieben. Es gilt als bezeichnend, daß der König vor seiner Abreise nach Frank­reich sein Testament gemacht hat.

Die Mittäter verhaftet?

Havas meldet aus Anncinafse, etwa acht Kilometer östlich von Genf, an der Grenze auf französischem Ge­biet, daß von der dortigen Sicherheitspolizei zwei Per­sonen festgenommen worden sind, die in dem dringenden Verdacht stehen, die Helfershelfer des Marseiller Täters zu sein.

Zweites Attentat auf Alexander war geplant.

Im Falle des Mißlingens in Marseille.

Die Polizei von Annemasse hatte in der Rächt zwei Helfershelfer des Marseiller Mörders verhaftet, die am Vorabend in Annemafle eingetroffen waren. Die beiden Verhafteten waren im Besitz von Ausweispapieren, die aus den Ramen Benesch und Novak lauteten und sollen ans Paris angekommen sein. Man fand bei ihnen verschiedene Gegenstände, die aus demselben Kaufhaus stammten, von dem auch der Marseiller Mörder seine Kleider bezogen hatte.

Wie Havas zu berichten weiß, geht bisher aus dem Verhör hervor, daß die Verhafteten ebenso wie der Haupttäter einer Terroristenbande an - gehören und im übrigen nicht die einzigen Mittäter seien.

Sic sollen erklärt haben, daß sie im Falle des Miß­lingens des Marseiller Anschlags den Auftrag hatten, in Paris einen neuen Anschlag gegen König Alexander zu unternehmen.

grausigen Verbrechens in Den Dienst der französischen Balkanpolilik zu stellen versucht.

Der König starb bekanntlich wenige Minuten nach seiner Einlieferung in Die Marseiller Präfektur. In diesen letzten Minuten stand sein Außenminister Jef- titsch an seinem Sterbelager; Jeftitsch hielt die Hand des sterbenden Königs in der seinen. Da hörte er Don König mit letzter Kraft flüstern:Schützt mir Jugo­slawien!" Im nächsten Augenblick batte Alerander ansgelillen. Dieses letzie Worl des Königs, von Anßcn- minister Jeftiksch noch am gleichen Abend nach Belgrad telephoniert, wurde in Der feierlichen Proklamation Der südslawischen Regierung an das Volk als das letzte Ver­mächtnis des toten Monaichen übergeben.

Was macht nun Die französische Agentur Havas Dar« ans? Sie verbreitet, Der König habe gesagt:Bewahrt mir Die französisch-südslawische Freund­schaft !" Ein mit Dem Tode ringender Mensch wird unmittelbar vor dem Augenblick des Sterbens einen so langen Satz kaum sprechen können. Aber Die französische Fälschung bat natürlich einen sehr praktischen Sinn: da Sugoflawien den Herren in Paris längst zu selbständig geworden war, soll durch diesen angeblichen letzten^Aus- spruch des Königs der vorläufige neue Herrscher in Jugo­slawien und Die Dortige Regierung durch einen Appell an ihr PierätSgefübl wieder stärker an das locker ge­wordene südslawisch-französische Bündnis gefettet und Südslawien wieder zum unbedingt zuverlässigen Bollwerk Frankreichs auf Dem Balkan gemacht werden.

Atan sollte meinen, Paris habe genug Damit zu tun, sich Der aus aller Welt anftürmcnDcn schweren Vorwürfe wegen der ungenügenden Sicherung für den Empfang des Königs zu erwehren. Statt dessen versucht man eine politische Schiebung mit dem Wort eines Sterbenden. In Belgrad bat man sich an den authentischen Text gehalten, nicht an die Verfälschuna.

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Ztaliensemdliche Kundgebungen in Jugoslawien.

Rach einer Meldung aus der südslawischen Stadt L a i b a ch ist es dort zu i t a l i e n f e i n d l i ch e n Kund­gebungen gekonlmen. Die Menge hatte versucht, Da» italienische Konsulat anzugreifen, doch sei sofort Polizei eingeschritten und habe Übergriffe verhindert. Die Kund­gebungen ereigneten sich nach einer Protestversam m« jung in der die Redner behaupteten, daß sämtliche Anschläge gegen das Leben des Königs Alexander, auch Derjenige vom letzten März in Agram, von Ita - Hon finanziert und vorbereitet worden seien. Wahlschein- : lich, so folgerten die Redner, sei auch der Mörder Kalemen von derselben Seite angestiftet worden.

Evcning Standard" berichtet in größter Aufmachung, . daß in A g r a m , S e r a f e w o und mehreren anderen Städten ziemlich ernste italienfeindliche AuS-