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M-aer Anzeiger

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Zul-a- und Haunetal Zul-aer Kreisblatt Ä

hrml' Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- v ZV auf Nachlaß.DA. 1000. Verantwort!, für den

lchriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda. Königstr. 42. Neöaktion und Geschäftsstelle: Könlgstraße 42 §ernsprech-/lnfchluß Nr. 24S- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 242 1934

Fulda, Dienstag, 16. Oktober

11. Jahrgang

Das Ende eines Deutschenhassers

Der MaM Les Weltkrieges und des Nuhreinbruchs.

Zum Tode Poincarès.

Poincarë das ist der' Krieg", hatte der Tiger" Clemenceau ausgerufen, als 1913 der erst im Jahre zuvor Ministerpräsident gewordene Raymond Poincarè von der politischen Rechten und der Mitte der gesamten französischen Volksvertretung, vom Senat und der Deputiertenkammer, zum Staatspräsiden- ten gewählt wurde. Und was Clemenceau ausgesprochen hatte, wurde knapp anderthalb Jahre später zur grauen­vollsten Wahrheit. Aber Clemenceau hatte noch mehr sagen wollen: Mit Poincarè nahm den höchsten Staats- fih in Frankreich der Mann ein, der mit am stärksten die Idee der kriegerischen Revanche verkörperte.

Der Zehnjährige hatte es erlebt, wie 1870 sein Heimatdorf Bar - l e - Ducin Französisch-Lothringen von den siegreichen deutschen Truppen durchflutet wurde, und der Schulknabe schon mag mit größtem Nachdruck darauf hmgewiesen worden sein, daß 57 Jahre zuvor bereits einmal diePreußen" eine ..Invasion" nach Frankreich gemacht hatten, aus Var-le-Duc aber einer der besten Generale Napoleons, Oudinot, stammte. Das für die Lothringer häufig in Frankreich gebrauchte Spottwort Querkopf" patzte charakterlich aus den Staatsmann Poincarè, den schon eine Namensähnlichkeit mit jenem Wort (tète carrée) verband. Er, der 1871 zum Grenz­bewohner wurde, hat aus seiner tiefsten Feind­schaft gegen den siegreichen Gegner von damals nie ein Hehl gemacht, auch dann nicht, als dieser Gegner sieglos am Boden lag und Poèncarè durch seinen Krieg an sein, und damit Frankreichs Ziel gekommen war. Ge­rade dann er st recht nicht! Aus dem Poincarè der Revanche aber wurde ein Poincarè, der den nieder- aeworfenen, ans tausend Wunden blutenden Feind auch am Boden halten wollte. Die uralte Idee dernatür­lichen Grenzen Frankreichs" hoffte er, am Rhein zum Ziel und zur Erfüllung geführt zu haben. P oinc a - rismus das ist für uns Deutsche ein Begriff ge­worden vor dem blutigen Hintergrund des Ruhreinbruchs und des rheinischen Separatismus, dessen Sieg übrigens Poincarè in der Deputiertenkammer ein bißchen zu früh verkündet batte! Und feine Politik der Forderung von ..positiven Pfändern", vonSanktionen" undGaran- äcn" gegenüber Deutschland war nichts anderes als das Streben, die 1919 errungene Hegemonie Frankreichs auf

Poincarès Besuch beim Zaren im Juli 1914.

Staatsprä sident besuchte Poincarè im Juli .ml den Z a ren, um mit ihm die völlige überein« nmun Frankreichs und Rußlands in den Frauen der uropaischx,! Politik berziistellen, die tveniac Wochen water zum Ausbruch des Weltkrieges führte.

>suubam"ni n^ e» waffeunematt zu erhalten und inlHen. Wäre es nach ihm gegangen, so hätten die ^.°>.!'wsen das Slbcirdanb nie auf gegeben: immer wieder aiiM^^oiiwarè. daß die RSnmungsfristen des Ver- hQ " - ckmtsüberhaupt noch nicht zu laufen begonnen"

..Gründe" - um so etwas war dieser überschlane in [^nt auch als ütolitiker so wenia in seinem Leben wie ver "'"'" *>-!. und dickbändigenErinnerungen" jemals felin^C ^1 ^' erster Leiter der Reparat'onskontm''"on jcln'id" '^'äedeitkeus iraite Poinearè die Macht der Gut« hz. ia auch über diese ..Gründe" selbst in den eigenen etaenn\:ltmT Ankläger. Zeuge und Richter zugleich. ®in ^* mnnte daß er nun io schnell ^rOiaen Nachlolaey, Bartbon. ins Grab hat müssen.'

E? hieße dem französischen Staatsmann nicht gerecht werden, wenn man ihn nur

nach seiner Außenpolitik beurteilen wollte. Er hat vielmehr sein Land vor dem Sturz in den Ab­grund der Inflation gerettet, nachdem dabei die Linke unter Herriot völlig versagt hatte. Aus eigener Finanz- und Wirtschaftskraft hat Poincarè für Frankreich die Währung derart stabilisiert, daß dieses Land schließlich auch ein Riesenmagazin vongoldenen Kugeln" errichten konnte. Auch das hat Frankreich seinem dama­ligen, jetzt dahingeschiedenen Ministerpräsidenten Pomcarè zu verdanken, und was maa er dabei gedacht haben, als

Pourcare y.

ihm für diese Rettung der französischen Währung der deutsche Außenminister Stresemann durch Briand eine große Kreditstütze anbot! Poinearè sollte den Franc auf den deutschen Kriegstributen stabilisieren, er hat das deutsche, aus einem geradezu perversen Pazifismus kommende Angebot Stresemanns einfach nicht beantwortet! Dafür schuf er aber als erster nach dem Krieae das

Dramatischer Streit im Schacht

950 Bergleute drohen mit ihrem Tod.

Hungerstreik ungarischer Kumpels unter

Tage. F euer i m G r u b e n s ch a ch t.

In Ungarn hat der Streik der Bergarbeiter in den Kohlengruben der Donau Dampfschiffabrtsgcfellschaft in Fünfkirchen, der am Montag bereits 96 Stunden gedauert hatte, gefährliche Formen angenommen: 950 Bergleute verweigern 500 Meter unter Tage jegliche Nahrungsauf­nahme. Sic wollen den Schacht nicht eher verlassen, bis ihre Forderungen erfüllt werden. Zu allem Unglück brach noch ein Feuer in der Grube aus, das nicht völlig gelöscht werden konnte. Nach dem Urteil der Sachverständigen be steht dadurch eine außerordentlich große Explosionsgefahr.

Als man den Streikenden Lebensmittel zuführen wollte, wurden die Kisten mit den Nahrungsmitteln u n- geöffnet von den Bergarbeitern z u r ü ck g e s a n d t. Die Streikenden ließen dabei mitteilen, daß sie Wasser in die Schachte lassen und lieber st c r b e n würden, ehe sie von ihren Forderungen abgiugen. Es bandelt sich, dabei um Lohnforderungen und eine besondere Winterhilfe.

Als einige Delegierte der sozialdemokratischen Gewerk­schaft zu Vermittlungsversuchen in den Schacht einfuhren, wurden sie von den Streikenden unter Tage fcstgenommcn. Als Antwort telephonierten die Streikenden an die Grubenverwaltung, man solle schleunigst 950 Särge be­stellen, da man sie wahrscheinlich in kürzester Frist brauche.

Die Angehörigen der Streikenden belagerten die Zechentore in maßloser Erbitterung. Frauen und Kinder verlangten schreiend und weinend, in die schachte bineiiigelassen zu werden, was von der Grnbenverwaltnng natürlich verweigert werden mußte. Polizei- und Gen- darmerieabteilungen besetzten die Grubcucingange mit Maschinengcwe b r e n.

Auch das Eingreifen der Regierung zur Beilegung des Ausstandes blieb bisher erfolglos.

Der ungarische Ministerpräsident Gömbös hatte nach Füllfkirchen telephoniert uitb erklären lassen, er sei bereit, für die Bergarbeiter persönlich zu verhan­deln wenn sie aus betn Schacht H e r a n s k o m m e n würden. Auch dieses Ansinnen wurde von den Berg­arbeitern k u r z w c g a b g e l e h n t. Es besteht obendrein die Gefahr, daß noch weitere 3500 Arbeiter vom Streik er­

faßt werden.

Der H u ugerstreik der Berg ar bett er in F ü n f k i r ch e n nimmt immer bedrohlichere Formen an. Es befinden sich zur Zeit insgesamt 1(500 christlichsoziale Arbeiter im Streik. Aus Weisung der Wiener General- direktion der Donau Dampfschiffahrts-Gescllschaft. der die Gnibe gehört, ist die

Arbeit int ganzen Lergwerlsgebiet stillgclcgt worden, so daß zur Zeit 4800 Arbeiter ohne Bcschaftlguug sind.

Um Unruhen vorzubeugen, hat die Regierung zwei Regimenter und 100 Gendarmen bei den Gruben zu­sammengezogen. Die Lage ist zweifellos außerordentlich

Kabinett der nationalen Einigung", und sein Name wurde im Frühjahr 1 934 wieder genannt, als die hoch­gehenden innerpolitischen Wirren ein Regieren über den Parteien verlangten.

Gewiß, Frankreich hat einen seiner Besten verloren, aber es wäre für uns Deutsche unwürdig, jetzt etwa nicht sagen zu sollen, daß uns trotzdem Poincarè immer bleiben wird: der Mann des Weltkrieges und des R u h r e i n b r u ch s. Dr. Pr.

*

Poincarès Tod.

Raymond Poincarè, ehemaliger Minister­präsident und Präsident der Republik, war vor einigen Tagen von seinem Landsitz Sampigny tn Paris em- gelrosfen und wollte hier seine schriftstellerischen Arbeiten weiterführen. Kurz nach seiner Ankunft mußte er sich legen. Es waren zunächst Gerüchte verbreitet, daß sein Befinden zur Beunruhigung keinen Anlaß gebe. Montag früh traf die Nachricht ein, daß er plötzlich ge­storben ist.

Der Verstorbene war am 20. August 1860 geboren. Er ist wohl derjenige französische Staatsmann gewesen, der nicht nur die glänzend st e sondern auch die s ch n e l l st e Karriere der politischen Laufbahn gemacht hat, die ein Politiker überhaupt machen kann. In dem jugendlichen Alter von . 33 Jahren Unterrichts- minister, kann er für sich das Recht in Anspruch nehmen, der jüngste Minister Frankreichs gewesen zu sein. Im Jahre 1913 wurde Poincarè zum Präsidenten der Republik gewählt und übernahm nach Ablauf der siebenjährigen Periode die Führung der Regie- r u n g, die er bis 1924 in den Händen behielt. Seit 1926 gehörte Poincarè den Kabinetten entweder als Ministerpräsident oder als Finanzminister an und gab die Führung erst endgültig ab, als ein schweres Leiden ihn Mitte 1929 dazu zwang, sich einem operativen Ein- ; griff zu unterziehen. Als seine beiden hauptsächlichsten Werke können angesehen werdenDie Ursprünge des Krieges" undPolitische Geschichten", die er während der kurzen Pausen schrieb, in denen er von den Lasten der Staaisgeschäfte entbunden war.

Frankreich verdankt dem verstorbenen Staatsmann in erster Linie die Wiederherstellung seiner Finanzen, die er durch die Franc-Stabilisierung im Jahre 1926 ermöglichte.

ernst, da infolge der Einstellung der Säugpumpe und der Luftventilatoren Explosionsgefahr besteht. Die Streiken­den sollen in völlig erschöpftem Zustande in Gruppen von zehn bis zwanzig in einer Tiefe von 500 Meter liegen. Sie sollen kaum noch sprechen können. Schließlich er« klärten sich die Arbeiter bereit, einen Vertreter des Ministerpräsidenten zu empfangen, i m sie mitteilten, es bandele sich um einen Wirtschaftskrieg.

Die Leitung des Bergbaues, gegen die allein sie den Kamps führten, habe sie bereits so oft betrogen, daß sie irgendwelchen Vorschlägen, sofern sie nicht ver briest nnd versiegelt übermittelt würden, k e i n e n Glauben schenken könnten. Sie seien entschlossen, bis zum Tode auszuhalten. An den Verhandlungen zur Beilegung des Streikes nehmen Vertreter der chistlich- sozialen und sozialdemokratischen Arbeitcrgcwerkschastcn teil.

Hungerstreik unberechtigt, meinen die Grubenbesitzer.

Der Budapester Vertreter der Wiener Donau-Damps- schiffahrtsgesellschast, der die Gruben gehören, vcröffent- licht eine Erklärung, in der daraus hingewiesen wird, daß die Löhne der Arbeiter nur dann erhöht werd.cn könnten, wenn es gelinge, die Ausfuhr zu fördern und den Binnen­absatz zu steigern. Der Hungerstreik der Bergarbeiter sei nicht berechtigt (!).

*

Schwerkranke in FönMrchen-Vruben

Der Hungerstreik der Kumpels geht weiter.

Budapest, 16. Oktober.

Bis Montag spät nachmittags ist eine Aenderung der Lage im Fünfkirchener Grubenarbeiterstreik nicht em- getreten. DD Streikenden haben die Vertrauensleute, die zu ihnen in den Schacht hinabgesandt wurden, niajt wie­der auSfabren lassen. Die Säugpumpen, die auf dringen­des Ersuchen für kurze Zeit in Gang gesetzt wurden, sind von den Arbeitern wieder zur Stillstand gebracht^wordcn.

Der Grudenarzt, der sich zu den 48 rm Thoman-ischacht befindlichen schwerkranken Arbettern begeoen wollte, wurde von den Arbeitern daran g-hlndert, in dre Grube einzufahren.

Der Instand der erkrankten Bergarbeiter wrrd als außer, ordentlich ernst beurteilt, jedoch lehnen die kranken Arbeiter es ab den Hungerstreik aufzugeben. Die Regierung hofft, daß der Sireck in absehbarer Zeit beigelegt wird.

NnwMen der Arbeiterpartei Norwegens

Oslo, 16. Oktober.

In ganz Norwegen fanden am Sonntag die Gemeinde­wahlen statt. Bereits die ersten Ergebnisse zeigen ein trâchtliches Anwachsen der Arbeiterpartei.