Möaer /lnzeiger
gsÖÄ. VL f Tagebla« für Rhön un- Vogelsberg ^gBXS Zulöa, UN- Haunetal. Zul-aer Kreisblatt Alètter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Reüaktion UNÜ Geschäftsstelle: Königstrafte 42 * Zernfprech-Rnfthluß Nr. 2989
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Jit. 243 — 1934
Fulda, Mittwoch, 17. Oktober
11. Jahrgang
Hat der Kapitalismus gesiegt?
9er Verzweiflungskampf ungarischer Bergleute beendet
Haugerfireikabbruch
uach 409 Stunden.
pbst- und Winterhilfe den ungarischen Bergleuten zu gesichert.
Der Hungerstreik der ungarischen Bergarbeiter in Uistirchen ist nach einer Dauer von 109 Stunden ab- zkbrochcn worden. Die Arbeiter sind nach Annahme eines Umittlungsvorschlages der Regierung aus der Grube Wgesahren. Biele von ihnen kamen völlig erschöpft und trans aus de» Förderkörbeu.
Die Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft, denen die Kohlengruben in Fünfkirchen gehören, Hai sich nach der angenommenen Vereinbarung bereit erklärt, den Bergarbeitern eine außerordentliche H e r b st b e r h i l s c auszuzahlen, die ungefähr 16 Prozent des Monats- derdienstes betragen soll. Ein Betrag in gleicher Höhe soll vor Weihnachten nochmals als Winterhilfe verteilt werden. Ferner sollen keinerlei Vergeltungsmaßnahmen wegen des Streiks vorgenommen werden.
Gchwsrkraâ weigerten sich hinauszufahren.
Über die letzten Stunden des dramatischen Streiks M Meter unter der Erde erfährt man noch folgende Einzelheiten:
Infolge der ausgestandenen Qualen hatten viele Bergarbeiter Nervenschocks u n d Ohnmachts- ttfällc erlitten. Als man sic später zu Tage bringen Ade, da sie in Lebensgefahr sHwcbtcn, baten die -Mrkrauken ihre Stameraben, sie bis zum Streikende in Ser,Grube zu lassen und auf keinen Fall hinaus- -nschaffen. Einem Arbeiter ließ die Grubenverwal- >wg telephonisch mitteilen, daß fern Vater gc - Perben sei und er zum Begräbnis heraufkommen solle.
Er ließ jedoch nach oben durchsägen, daß er auf die ^-ilnahme am Begräbnis verzichte und lieber mit seinen iomkradeu im Schacht zugrunde gehen wolle.
^ie sozialdemokratischen Gewerkschafts- »ertreter, die bekanntlich zu V e r m i t t l u n g s v e r - Handlungen in den brennenden Schacht eingefahren W von den streikenden Kumpels für einige Zeit ge- Mgengehalten wurden, erklärten nach ihrer Ausfahrt ». Öderem: Die 5 0 Feuerwehrleute, die zur emndlöschung heruntergekommen feien, hätten sich
freiwillig den Streikenden angeschlossen.
Ä ^^varkschaftsvertretern gegenüber hätten die Berg- erftärt, daß es besser wäre unter Tag Selbst- L, J ^bgehen „als oben an Hungerlöhnen zu ' .Darcmf hätten sich, so schilderten die Gewerk- ^^ ^r ausgezehrten und abgemagerten Kumpels >" den dicken Kohlenstaub gelegt und zu glasen versucht.
Landesverrat in Danzig aufgedeckt.
Ein hoher Beamter, Zentrumsmitglied, verhaftet.
M"'«^^"des- Mitglied der Danziger Zentrums- br»Z ^berrcgierungs- und Schulrat Behrendt, ist
h ‘«Senben Verdachts des schweren Vergehens im Nb„, behaftet und dem Untersuchungsrichter überall eÄrf j ' Behrendt wird auf Grund des vvrlicgcn-
«MM1' Belastungsmaterials beschuldigt, sein buteh L p?cn über dienstliche Vorgänge, das er sich C^rbc^ im Danziger Schuldienst ItehpJ p"t, dem Vertreter einer benachbarten Macht zu haben.
A "" in früheren Jahren preußischer L a n d - 'M m geordneter d e r Z e n t r u m s p a r t e i Danziger Zentrum in wichtige Ämter und ? $c Mhf en entsandt worden. Die Mitteilungen über ^8rößy>^0en-des Danziger Zentrmnsführers haben Wen h „ Anhörung hervorgernfcn. Von amtlicher Seite
1 -Anleitungen
. '" UaUc,n Umfange bestätigt.
diese Vorgänge ist um so größer, als MM in MM -reiben führender Zentrumskreisc in M livs!ein>„n5,"?bndcm Maße zu einer innerpolitischcn Dcckuini,. !^eu Beunruhigung geworden ist. Unter «sieben MM des Schutzes der Danziger Verfassung w>ickPreise offen und versteckt eine st a ats - i. .ühtj, ! b v e tz e gegen nie von der Abgeordneten- N?^illschâ '^""frgcr Parlaments gewählte national- »u^Aduna ^.ânZger Regierung. Dabei ist die innere Willes bser Kreise zum Saarseparatismus längst
Demonstrationen bei der Ausfahrt.
Bei der Ausfahrt der Streikenden rief die am Grubenausgang versammelte Menge: „Der Kapitalismus hat gesiegt."
Die sozialdemokratischen Abgeordneten, die die letzten Unterhandlungen geführt hatten, bekamen Schmährufe zu hören und wurden mit faulen Tomaten und Kohlköpfen beworfen.
Aber als die Truppen einzuschreiten drohten, verlief sich die Menge. Die Streikenden selbst waren zu schwach, um irgendwelche Gefühlsäußerungen von sich zu geben und schleppten sich in ihre Wohnungen.
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Das Gerüst war dreifach überlastsi.
Untersuchunnsergcbnis des Einsturzunglücks in Kattowitz.
Noch 62 Verletzte im Krankenhaus.
In K a t t o w i tz hat die Untersuchung des schweren Einsturzunglücks beim Neubau der Kathedrale ergeben, daß das Baugerüst infolge der Regengüsse der letzten Tage erheblich in seiner Festigkeit eingebüßt hatte und außerdem durch die hohe Anzahl der angetretenen Arbeitsfreiwilligen dreifach überlastet war. Der Bauleiter des Kathedralenneubaus, ein Italiener, und sein Vertreter, ein Oberschlesier ans Domb, wurden von der Staatsanwaltschaft in Haft genommen, da die Bauleitung offenbar von einem Verschulden nicht freizusprechen ist.
Das Holz des Gerüsts war morsch geworden, und Balken von 12 mal 14 Zoll Stärke waren zusammen geknickt wie Streichhölzer.
Das Unglück hat bisher kein Todesopfer gefordert. Eine Anzahl Schwerverletzter hat komplizierte Knochenbrüche davongetragen. Von ärztlicher Seite wird besonders darauf hingewiesen, daß der psychische Zu stand einiger Verunglückter zu Besorgnissen Anlaß gibt. Insgesamt sind noch 62 Verunglückte im Krankenhaus, deren mehr oder weniger schwere Verletzungen ausschließlich durch die herabstürzcnden Balken und Bretter des Gerüstes verursacht worden sind.
Zu dem Einsturzunglück am Neubau der Kathedrale wird noch bekannt: Bei den verunglückten 60 Personen handelt es sich durchweg um A r b c i i s l o s e. Wegen Mangels an Geldmitteln wurde der Bau der Kathedrale auf dem Wege der freiwilligen Dienstleistung durchgeführt. Aus dem sieben Meter hohen Gerüst am Presbyterium sammelten sich die etwa 70 Arbeitslosen um den Priester Zajonc und den Baumeister der Kathedrale, Asfa. Nach einer Ansprache des Priesters wollte der Baumeister mit den Erklärungen über den Stand der Sauarbeiten beginnen. Da stürzte plötzlich dieser Teil des etwa 50 Meter langen Gerüstes unter furchtbarem Krachen zusammen.
Schon einmal, am 6. November 1933, war die Danziger Regierung genötigt, sich gegen Umtriebe des dortigen Zentrums, die im Verein mit dem alten Bundesgenossen, der Sozialdemokratie, eingeleitel waren, energisch zur Wehr zu setzen. Die Regierung hatte damals das Zentrumsorgan, die „Danziger Landeszeitung", und die sozialdemokratische „Dauziger Volksstimme" wegen ihres den Staat schädigenden Verhaltens verbieten, müssen. Noch ehe die von den beiden Blättern eingereichte Beschwerde beim Senat eingegangen war, batten sie sich eigenmächtig an den Danziger VölkerbundSkom- missar gewandt mit der Behauptung, die Regierung habe „die Verfassung verletzt" Dieses Vorgehen, durch das eine fremde Macht in die inneren Angelegenheiten Danzigs eingeschaltet werden sollte, hatte die Verhaft u n g des Chefredakteurs des ZentrnmsblattcS, Dr. Teipel^und des sozialdemokratischen Verlagsleiters Fooken zur Folge.
Daß das Danziger Zentrum damals noch immer mit der Sozialdemokratie zusammenging, war um so beschämender, als vor den Danziger Wahlen der dortige Marristenführer Brill am 14. Mai in einer von Beschimpfungen gegen Deutschland strotzenden Rede erklärt hatte, die Danziger Sozialdemokratie werde cs „zusammen mit den Polen" zu verhindern wissen, daß eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder käme.
Nachdem nun ein Landesverrat eines führenden Danziger Zentrumsmitgliedes ansgedeckt ist, wird die Regierung Rauschuing aus Grund dieser ausreichenden Erfahrungen die nötigen Folgerungen zu ziehen wissen.
Spendet für das Winterhilsswerk!
Lind das soll so bleiben?
Die „Segnungen" der Fremdherrschaft im Saargebict.
Von Regierungspräsident Dr. Sassen.
NSK. Vor Inkrafttreten des Versailler Vertrages (10. Januar 1920) umfaßte der Regierungsbezirk Trier unter anderem auch die Saarkreise Saarburg, Merzig, Saarlouis und Saarbrücken-Stadt und -Land sowie die Bliesgaukreise St. Wendel und Ottweiler, von denen die sechs letzten (Merzig und St. Wendel allerdings nur teilweise) zur Zeit zusammen mit den bayerischen Bezirksämtern St. Ingbert und Homburg das „Saargebiet" des Versailler Vertrages bilden. Es handelt sich um einen Bezirk, der in der Vorkriegszeit auf einer Fläche von rund 700 000 Hektar rund eine Million Einwohner umfaßte, in glücklicher Mischung rein landwirtschaftliche mit hochindu- striellen Gebieten zusammenschloß und im ganzen gesehen sich in erfreulicher wirtschaftlicher Entwicklung befand. Der füdliche saarländische Teil des Regierungsbezirks bot das Bild einer in glänzender Entwicklung vorwärts- schreitenden Industrie, die auf engstem Raum fast 600 000 Menschen ernährte, und deren Bedeutung erst dann klar in die Erscheinung tritt, wenn man bedenkt, daß sie im Jahre 1913 an der gesamtdeutschen Erzeugung mit 7 Prozent der Steinkohlenförderung und Robeiscngewinnung, 11 Prozent der Rohstahlgewinnung, 20 Prozent der Trägererzeugung und 24 Prozent der Tafelglaserzeugung beteiligt war.
Wenn insbesondere der saarländische Teil des Regierungsbezirks im 19. Jahrhundert eine überaus glückliche Entwicklung nehmen konnte, so ist das nächst seinem tatkräftigen, schöpferischen Unternehmertum und seiner arbeitsamen, Heimattreuen Arbeiterschaft der weitsichtigen und fortschrittlichen preußischen Verwaltung zu danken, deren Fürsorge das Land tut der Saar seit den Pariser Friedensschlüsien von 1814 und 1815 anvertraut war.
Die glückliche Entwicklung, in der sich der Regierungsbezirk Trier in der Vorkriegszeit befand, hat durch den Versailler Vertrag eine entscheidende Wandlung erfahren: Die saarländischen Kreise des Regierungsbezirks wurden zusammen mit den pfälzischen Bezirksämtern Homburg und St. Ingbert aus anderthalb Jahrzehnte einer land- und volksfremden, nur bem Völkerbünde verantwortlichen Regierung unterstellt. Der vcr- lvaltungsmäßigen Abtrennung des Saargebietes folgte bald die wirtschaftliche durch Anschluß an das französische Zollgebiet und Einführung der f r a n z ö s i s ch e n W ä h - r it n g.
Die Folgen dieser, jeglichem „Selbstbesttmmungsrecht der Völker" hohnsprechenden Regelung für den Rest des Regierungsbezirks Trier waren verheerend. Nicht weniger als sieben Eisenbahnlinien und 1 4 Hauptland st raßen durchschneidet bic jetzige Grenze und erschwert damit in erheblichem Maße den Verkehr mit den westlichen Ndchbargebieten. Die neue Landes- und Zollgrenze befindet sich zehn Kilometer von Trier, dem wirtschaftlichen Mittelpunkt des Gesamtgebietes, entfernt. Der Landwirtschaft des Regierungsbezirks wurden durch die neugezogene Grenzlinie ihre Absatzmöglichkeiten fast völlig vernichtet. Handel und Industrie mußten sich insolgedeffen wegen der Grenzveränderungen des Versailler Friedensdiktates vollkommen auf den innerdeutschen Markt einstellen und hier genau wie die Landwirtschaft in einen vielfach von vornherein aussichtslosen Wettbewerb mit der unter wesentlich günstigeren Bedingungen arbeitenden und über alte Geschäftsbcziehungcn verfügenden Konkurrenz treten.
Aber auch für die im Saargebiet zusammengeschlossenen Teile des Regierungsbezirks brachte die Abtrennung vom übrigen Deutschland schwere Zeiten. Die Einverleibung in das französische Zollgebiet stellte bic saarländische Industrie vor die Notwendigkeit, sich unter großen Schwierigkeiten neue Absatzniärkte zu suchen. Die allgemeine Einführung der französischen Währung im Jahre 1923 bewirkte, daß die saarländische Wirtschaft — kaum erholt von den Folgen der MarkentwertUng — mit dem Verfall des Franc eine zweite Inflation über sich ergehen lassen mußte. Die Steuerlasten wuchsen infolge der überaus k o ft s p i e l i g e n . V c r w a l t u n g lind der unzureichenden Besteuerung des kapitalkräftigsten Unternehmers des Saargebietes — ber_ französischen Grubenverwaltung — ins Unerträgliche. Schwerer aber noch als diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden und werden von dem treudcutschcn Volk an der saar bte seelischen Bedrückungen empfunden. . ,
Wengleich sich — nicht zuletzt als Folge der Arbcits beschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung — bereits eine erfreuliche Änderung angebahnt hat, so darf darüber hinaus die Saarbevölterung überzeugt sein, daß alles gc schchen wird, um die wirtschaftliche Rückgliederung so reibungslos wie nur möglich zu gestalten. Hierbei wird es sich nicht nur darum handeln, der Saarkohle sowie der eisenschaffenden und der eisenverarbeitenden Industrie die alten deutschen Märkte wieder zu erschließen und für eine gedeihliche Entwicklung der übrigen Wirtschaftszweige, namentlich auch der Landwirtschaft, Sorge zu tragen, sondern darüber hinaus durch Ingangsetzung eines großzügigen Arbeitsbeschaffüngs vroaramms die Einaliederuna der erwerbslosen