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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 251 1934

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg NGZLHMLL^

Zulöa-un- Haunetal. Zul-aer Kreisblatt

v ZV auf Nachlaß.DA." 1000. Verantwort!. Zur den

ReSaktion unü Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech.flnlchluß Nr. 248- Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Fulda, Freitag, 26. Oktober 11. Jahrgang

Ein alter Kämpfer

Kämpferiod.

gl -Standartenführer Walter Hellvoigt gestorben

Nach fast einjährigem Schmerzenslager ist der Stan- «tenführer Walter Hellvoigt, der eben erst vom Führer M einfachen SA.-Mann zu diesem Range ehrenhalber dHrdert worden war, in Berlin im Alter von 34 Jahren Horben. Er gehörte seit 1922 der Bewegung an.

- Damit hat ein wahrhaft beispielgebendes Kämpfer- 6 ein allzu frühes Ende gefunden. Wenige Tage vor -RM Hinscheiden hatte der SA.-Manu den Berliner Weiter, Reichsminister Dr. Goebbels, an seinem Schmerzenslager gesehen, hatte dann durch den Chef des Wes seine Ernennung zum Standartenführer ehren- Wber erfahren, die der Führer dem hochverdienten Mit- limpfer und stillen Dulder übersandte. Das lange Siech- M hatte ihn bereits so geschwächt, daß er kaum noch seiner Freude Ausdruck geben konnte: »m so ergreifender stand fit in seinem Gesicht geschrieben.

Was ein Kämpfer heißt Walter Hellvoigt hat es Ms vorgelebt. Schon der l8jährige stritt in einer Zeit- Heiwilligenformation gegen den roten Aufstand vom November 1918, gegen Spartakus, mit. Er half bei der Eroberung von K o b u r g , er marschierte an jenem blutigen 9. November 1923 mit seinem Führer in München mir und war wieder treu zur Stelle, als Adolf Hitler dann die Partei neu schuf. In der Zeit, als die offene Bekämpfung des Nationalsozialismus mit allen, auch wirtschaftlichen Mitteln, von dem herrschenden System geführt wurde, stand Walter Hellvoigt eines Tages brotlos auf der Straße. Dieses Schicksal, das auch feine Berliner Wirtsleute traf, bei denen er ein kleines bescheidenes ,3immer bewohnte. Mmf das ircundnackbar-

Hol doch mal den Knüppel !"

Die verprügelten Räuber, sie w o l l t e n c i n e n B a u e r n h o f ü b e r f a l l en.

In der Gemeinde Wolfersgrün bei Kirchberg, die A Einwohner zählt, ist ein schwerer Raubübersall verübt W'ben, bei dem sich der eine Räuber durch einen Schuß das Leben nahm und zwei überfallene schwere Schutz- dttletzungcn erlitten.

Zwei M ä n n e r m i t G e s i ch t s in a s k e n drangen Adas Anwesen des Bauern Krause in Wolfersgrün lcachsenj ein. Sie schossen sofort aus die Anwesenden und i Webten Krause und seine Tochter am Oberschenkel. Die Zubringlinge kamen aber bei der Bauernsamilie an die unrechte Adresse. Die Familienmitglieder setzten sich gegen ' Räuber energisch zur Wehr. Der eine Räuber erhielt Wien Schlag mit einem Knüppel aus den AM. Dadurch löste sich aus der Pistole, die der Räuber '"er Hand hielt, ein Schuß, der ihn in den Oberschenkel 'M Als der Räuber sah, daß er nicht mehr entfliehen °">'le, schoß er sich eine Kugel durch den Kops. Inzwischen Me der andere Räuber mit einer Heugabel die ««m i 1 i e angegriffen. Durch kräftiges Zuschlägen "'Stühlen gelang eS aber, diesen Angriff abzuwehren, I ; M sich der zweite Räuber gezwungen sah, sein Heil i MM Nucht zu suchen. Nach der hinterlassenen Blutspur I M einen starken Blutverlust erlitten haben.

I , ö" dem Überfall aus dem Bauernhof erfährt man I ^folgende Einzelheiten:

I Bauer Krause und der löjährige Wirtschafts- I W traten den beiden Räubern entschlossen entgegen, I "Krause rief seiner 15jährigen Tochter zu:

Hol doch mal den Knüppel von oben!" diesem Augenblick stürzten sich die Räuber auf Krause - den Wirtschaftsgehilfen und suchten sie beide zu Als die beiden Räuber im Laufe des ^"dänneuges merkten, daß sie überwältigt werden r-M11, da auch Frau Krause mit dem inzwischen von der M M aus den oberen Räumen geholten Knüppel und Z "dem die beiden Töchter in das Handgemenge em- è ; säuerten sie blindlings zahlreiche rM'ie ab. Je ein Schuß traf den Bauern Krause und Achter. Durch einen weiteren Schuß verletzte sich des .Handgemenges einer der Täter selbst am ^ortci^ Er brach zusammen und feuerte mit den

ii» . "Fatzt bin ich kaputt, nun ist alles aus!" wcu.Äuß gegen sich ab, der sofort tödlich wirkte. Der bei! Zauber flüchtete daraus und entkam in der Dnnkel-

Zauber, der sich selbst erschosscii hatte, führte Mn,,! Ausweiöpapicre bei sich. Er wurde aber bald ,Ortseinwohnern als ein E r n st W u r z i g c r « M Der zweite Räuber ist ein Edwin Zeidler, "yd am^ wurde während der ganzen Nacht abgesucht, ^."uerstag früh konnte Zeidler verhaftet werden, jiihui,, wmell herbeigerufener Arzt veranlaßte die über- ^bci r>?C! Pauernlochter ins Krankenstift nach Zwickau, IisouiD^schenkelschuß den Knochen verletzt hat und eine ^Mif Operation notwendig machte. Beim Bauern HurM.be Kugel nicht bis zum Knochen gedrungen: ' Kirchberger Krankenhaus geschart.

vom Leiden erlöst. liche Verhältnis zwischen diesen drei Menschen zu einer Kampfgemeinschaft um.

Dann kam das Jahr 1930, in dem in der Reichshaupt- stadt die kommunistischen Überfälle überhand nahmen. Hellvoigt tat unverdrossen seinen schweren Dienst als SA.-Mann im gesährlichsten Berliner Viertel, dem roten Wedding. Dort wurde er eines Tages

von fünffacher Übermacht überfallen, niedergeschlagen, mit eisen beschlagenen Ab­sätzen aufs brutalste in den Leib getreten. Er ahnte nicht, daß von diesen furchtbaren Mißhandlun­gen an sein Weg sich dem Grabe näherte. Kaum wieder einigermaßen auf den Beinen, war er wieder im Dienst, biß sich durch die Not des Tages, erlebte den Jubel, daß er am 3 0. Januar 1 933 in dem Fackelzug an seinem Führer vorbeimarschieren konnte, und kam schließlich nach jahrelangen Entbehrungen wieder zu Brot. Stärker auf­tretende Schmerzen nahm er nichtachtend als Rheumatis­mus, es waren tatsächlich die immer deutlicher auftreten- den Folgen des Überfalles von 1930.

Was waren ihm Schmerzen, als es galt, zum 9. November 1 933 mit anderen alten Mitkämpfern den historisch gewordenen Marsch zur Feldherrnhalle in München zu erneuern! Sein Tornister war gepackt. Als er sich vom Geschäft aus zum Bahnhof begeben wollte, glitt er aus, stürzte und

brach sich den Fuß.

Im Krankenhaus ging es dann Schlag aus Schlag: die schwere Erkrankung wurde festgestellt, ein Fuß mußte ab­genommen werden, schließlich das ganze Bein. Er litt wortlos, versuchte sogar noch von seinem Krankenlager aus, anderen zu helfen.

Ein wahrer Kämpfer ging dahin. Ehre seinem Andenken!

Den eigenen Bruder erschlagen.

Furchtbares Verbrechen in Neiße aufgeklärt.

Von der Staatsanwaltschaft in Neiße wurde der llOjâhrige Bauer Robert Kontny unter dem dringenden Verdacht verhaftet, seinen 28 Jahre alten Bruder Anton c r m o r d e t zu haben, um in den Besitz des Bauernhofes zu kommen.

Nach den amtlichen Ermittlungen hatte Robert Kontny seinem Bruder auf der Landstraße aufgelauert, war von hinten auf den fahrenden Wagen gestiegen und hatte ihm den Kopf eingeschlagen.

Dann ließ er das schwer beladene Fahrzeug über die Leiche hinweggehen, um einen Unglücksfall vorzutäuschen. Die Ermittlungen wurden wesentlich unterstützt durch die Arbeit eines Polizeihundes und die Mitwirkung von Schulkindern, die in der Nähe des Tatortes hinter einem Lusch Spuren fanden.

persische Polizisten verhofi-ten

Austratieaflieger.

Bei einer Notlandung. Eine Nacht gcfangengchatten.

Immer mehr Flugzeuge des Au st ra l ien f lugeè treffen in M elbourn e ein. JU« d i "te Maschine landete« die englischen Flieger zzones und ^«11«

Eine überraschend e A n f 11 a r u n g sand das Verschwinden der englischen Teilnehmer W r r 0 " 6 Polando, die seit zwei Tagen vermißt wuicen.

Es hat sich herausgcpcllt, daß die beiden Piloten, bei einer Notlandung in Mohammern am Persischen 6 1 von persischen Gendarmen verhaftet worden waren.

Trotz ihrer Bemühungen um Freilassung wurden sie über Nacht gesangengehalten. Erst zwei engüiÄcn ^auileutcn die in der Stadt ansässig lind, gelang es, ihre ^reilapung ;h erwirken

Oie Sieger erhalten ihr Kiugzeug zum Geschenk.

Edwards, der Eigentümer des FlugzeugsKomet", in dem die Engländer Scott und Black den ylug Eng­landAustralien gewonnen haben, machte das Flugzeug den beiden Fliegern zum G e s ch e n k. _ Das Flugzeug wird im November zu Schiff nach England zurück- besörden werden Am 10. November, dem ^ag der offi­ziellen Preisverteilung durch den Herzog von Gloucester, werden Scott und Black den Preis von 10 000 Pfund Sterling für Rechnung von Edwards und den Ehrenpreis erhalten

Deutschland und Polen erheben ihre Gesandtschasten zu Volschasten.

Die deutsche Regierung und die polnische Regierung sind übereingekommen, die Gesandtschaften in Warschau und in Berlin mit Wirkung vom 1. November dieses Jahres zu Botschaften zu erheben. Zu Bot­schaftern sind bte bisherigen Gesandten ernannt worden.

Zn Sprüngen vorwärts.

In drei Tagen raste ein Flugzeug um den halben Erdball, die Welt wird also nicht schöner, aber kleiner mit jedem Tag! Und aus dem früher so gemächlichen Tempo der Weltgeschichte ist auch ein immer stürmischer werdendes Dahinrasen geworden. Aus alles gefaßt Hastet fast atemlos die Menschheit mit. Politische und Wirt­schaftskrisen bereiten sich erst nicht mehr lange vor, son­dern sind beinahe über Nacht da. Ob dies dieAbhän­gung" des Pfund Sterlings oder des Dollars ist, ob ein urplötzlich hereinbrechender, wie ein Orkan wirkender Börsen-Run" oder obdie japanischen Schlachtschiffe vor Schanghai das Feuer auf die Chinesenstadt und die chinesischen Truppen eröffneten", wie vor drei Jahren die Meldung mit der Schnelligkeit des elektrischen Stromes um den Erdball herumlief, die Welt hat gar keine Zeit mehr, vor Überraschungen den Atem anzuhalten. Aber keine Überraschung mehr ist es, daß die japanischen Vertreter für die Vorbesprechungen zur^ kommenden oder nicht kommenden Londoner Flottenkon­ferenz jetzt für ihr Land die militärische Gleichberechti­gung zur See fordern. Sie wollen hierbei hinter Eng- i a n d und Amerika nicht mehr zurückstehen müssen, wie es noch im letzten Londoner Marincabkommen vor vier Jahren vereinbart worden war. Und wenn jetzt bzw. auf der kommenden Flottcnkonfcrenz sich England oder Amerika mit dieser künftigen japanischen Rüstungs­gleichheit nicht einverstanden erklären sollten, nun dann würde Japan sich eben auf eigene Faust durchsetzen. So hat man sich in Tokio ganz offen ausgesprochen. Und das dürfte man bei den Regierungen der übrigen vier großen Seemächte England, Amerika, Frankreich und Italien auch gar nicht anders erwartet haben! Denn Japanfühlt sich bedroht" von Amerika, und umgekehrt!

Die Weltgeschichte von gestern und heute rast, tote besonders diese japanische Forderung der völligen mili­tärischen Gleichberechtigung mit den anderen Weltmäch­ten beweist, nicht nur in schnellstem Tempo dahin, sondern sie macht bisweilen auch ganz eigenartigeTreppen­witze"! Bei Japan hat sie sich gleich deren zwei geleistet. Ein amerikanischer Admiral nämlich war es, der als erster vor achtzig Jahren an der Spitze seiner Flotte die Öffnung einiger japanischer Häfen erzwang, und zehn Jahre später haben England und wieder A m c- rika das immer noch sich gegen die Fremden sträubende Japan durch das Bombardement des Hafens vonLchimo- noseki und durch dementsprechende Zwangsverträge end­gültig sozusagen in die Weltgeschichte hineingezerrt. Das war, also erst vor siebzig Jahren, der Beginn einer Ent­wicklung, die zur unbedingten Vorherrschaft Japans im Fernen Osten und nun zur letzten Forderung der mili­tärischen Gleichberechtigung zur See gerade jenen beiden Staaten gegenüber führte, deren Schiffsgranaten in die japanischen Hafenstädte einschlugen. Daß sich Japan bei seiner militärischen Aufrüstung von den anderen Mäch­ten nichts dreinreden ließ und läßt, braucht ja gar nicht erst erwähnt zu werden. Das tun die anderen ja auch! Und, wie man jetzt in Tokio erklärte, Japan ist durchaus bereit, sich mit diesen andern Staaten auf ein Wett- rüsten einzulassen. Was bekanntlich schon in einem wilden Tempo vonstattcn geht!

Japan will der Londoner Flottenkonferenz eine allgemeine Abschaffung der Linienschiffe, bcr, großen Panzerkreuzer, sowie der Flugzeugmutterschiffe ein­schließlich der U-Boote vorschlagen. Das ist zwar aus­sichtslos, aber gerade diese Schiffsarten könnten bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Amerika dein japanischen Jnselreich gefährlich werden. Denn das alles sind typische A n g r i f f s waffen. Und die fast sofortige Antwort, die nun die Amerikaner selbst auf die Mittei­lungen der japanischen Vertreter in London, also auf die Hauptforderung der Gleichberechtigung gaben, war die Durchfahrt der Flotte durch den Pauamakanal in Rich­tung auf den Stillen Ozean! Obwohl man in Tokio erklärt hatte, das japanische Volk sähe die An­wesenheit der stark überlegenen amerikanischen Flotte im Pazifik als gegen Japan gerichtet an! Als Angrif fs drohung!

Es wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte, wenn aus solchem wirklichem oder angeblichem Gefühl desBedrohtseins" heraus der Entschluß zum Krica selbst entspringen würde!

Mecklenburgs Ministerpräsident zurückgetreten.

Wie aus Schwerin gemeldet wird, hat Minister­präsident En gell beim Reichsstatthalter für Mecklen bürg und Lübeck, Friedrich Hildebrandt, seine Ent­lassung aus seinem Amt nachgesucht. Der Reichs- statthallcr genehmigte das Rücktrittsgesuch des Ministerpräsidenten und beauftragte mit der Führung der Geschäfte Staatsminister Dr. Scharf. Dr. Schars hat die Geschäfte bereits übernommen.

Verhaftung eines Sildslawen in Frankreich.

Paris. Ein mit einer Französin verheirateter Südflawc namens Iwan Sikosek, der kürzlich seinen Auswcisungovcsebi erhalten hatte, ihm aber bisher nicht nachgekommen ist, wurde jetzt verhaftet. Er hatte seinerzeit abfällige Äußerungen über König Alexander gemacht und war deshalb aus einem Kassee- daus hinausyeworfen worden. Sikosek hatte daraus in seiner Aut dem Kasseeinbaber schwere Stichwunden mit einem Messer beigebracht.