Zul-aer Mzeiger
MLZL. SB A Tageblatt für Rhön und Vogelsberg.
^tS^ §â un- Haunetal »Zul-aer Kreisblatt
Wiftlelter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Re-aktion UN- Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-flnsthluß Nr. 2-89
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^r, 254 — 1934
Fulda, Dienstag 30. Oktober
11. Jahrgang
Vierfacher Mord nach Feuergefecht
Blutiger Kampf mit Ltnhold.
Vier Todesopfer einer Schreckenstat.
Eine furchtbare Bluttat, die vier Todesopfer forderte, img sich in der Gorndorfer Siedlung in Saalfeld Wringen) zu.
Der dort wohnende 30 Jahre alte Hermann Pabst, hier von sechs Kindern, hatte mit der im gleichen Hause Menden 1 4 Jahre alten Irmgard John ein zu h ä l t n i s a n g e k n ü p f t. Aus diesem Grunde gegen ihn ein Verfahren wegen Slttlichkeiis- Mechens eingeleitet worden. Pabst hatte die in seinem wie wohnende 32 Jahre alte Frau Groß im Verdacht. «Anzeige gegen ihn erstattet zu haben. Er bat die Frau Ach in seine Wohnung, um sie zur Rede zu stellen. Als Jit ahnungslose Frau die Pabstsche Wohnung betrat, jchoß Pabst aus einem Revolver ohne weiteres auf Die Frau, die schwerverletzt zusammenbrach. W die Polizei eintras,
hatte sich Pabst im Keller, in den er seine beiden sieben und neun Jahre alten Kinder und die 14jährige Frmgnrd John mitgenommen hatte, verbarrikadiert.
Sei Aufforderung der Polizei, zu öffnen, leistete er seine Holge, sondern schoß durch die Kellertür. Hierbei wurde die Ehefrau Pabst, die die Beamten in den Keller geführt hatte, durch einen Hüftschuß verletzt.
Mit Schwefel-ampf und Tränengas . ..
Als die Tür endlich geöffnet werden konnte, war von Pabst zunächst nichts festzusteüen. Da ein weiteres Vordringen jedoch nicht geraten schien, ohne Menschenleben zu gefährden, verständigte man die Freiwillige Feuerwehr, die den Keller unter Wasser letzen sollte. Dieser Plan erwies sich aber wegen der Wechten Wasserverhältnisse als zwecklos. Daraufhin wurde Schwefeldampf und Tränengas abgelassen, und «nn erst drangen die Beamten in den Keller vor.
Beim Eintreten bot sich ein schrecklicher Anblick. Pabst 'itte seine beiden Kinder, die 14jährige John und sich tost durch Kopfschüsse getötet.
Gegen Pabst schwebte ein Verfahren wegen eittl ich k e i t s v e r b r e ch e n s und ein weiteres Ver- miren wegen Diebstahls. Frau Groß liegt schwer- ^äetzi im Saalfelder Krankenhaus, während die Verjüng der Frau Pabst leichterer Art ist.
Tie grauenvolle Bluttat hat noch ein fünftes Todesopfer gefordert. Tie Lurch einen Schutz schwer leiste 33 Jahre glte Ehefrau Croß ist im Krankenhaus
Haltet Disziplin!
Ausruf Dr. Leys an die Männer und Frauen der Deutschen Arbeitsfront.
... Der (Stabgleiter der PO., Dr. Robert Ley, hat anläß-
Schaffung einer S o z i a l v erfa ssun a für die TIM Arbeitsfront durch den Führer einen Ausruf c'VMnnet und Frauen der Arbeitsfront gerichtet, tn « u. a. heißt:
Nationalsozialismus gab euch, Arbeiter ° Arbeiterinnen, die Richtung und das Ziel, und ihr marschiert. Und heute, nach kaum 18 Monaten, steht “ 1 f ^ e Arbeitsfront als die grösste und I Organisation da, die die Welt je gesehen hat, und O kann von ihr sagen, daß sie den revolutionärsten k s nationalsozialistischen Willens darstellt. Das F Sir s ^ ¥ ^r e r sanktioniert undgesegnet.
i r thm und werden ihm zeigen, jeder an seinem Ä « seine hohe Gabe nicht an U n w ü r d t g e ! hat. Denn, Männer und Frauen der Deutschen ' wfront, aus dieser Verfassung der Arbeit wird das, WJ ^aus macht. Die Weimarer Verfassung ist nicht iiitb wüthen, sondern von ihren Freunden in Grund geritten worden,
D^„^/thebe ich in dieser Stunde an euch, schaffende den dringenden Appell: Haltet Disziplin!
A mtswalter der Deutschen Arbeitsfront dèz Lj,? oafür verantwortlich, daß mit dieser Verfassung sein sorgfältig umgegangen wird. Werdet 8r ^"wlig, mißachtet die Waffe nicht, die euch bet bisher gegeben bat, sondern erobert euch, genau wie
i ophnt’ “'"«ucne vi II s f II U 1 II n g ö u e U 11» »> " -
! ton sich "> und ich untersage jedem Amtswalter, h^se Verfassung willkürlich ausznlcgen. 2Lil wollen nicht, daß unsere Feinde, die Wien, sau* oerstcckten Libcralistcn und Marxisten, ans Stilen, w^o Übermut unsererseits billige Triumphe
I zähen Fleiß u n d u n e r m ü d - • die Achtung derjenigen, die ihr zu In Bälde Werbe ich zu jedem Abschnitt der g genaueste A u s f ü hrungsbesti m m u it»
‘ ^1« werden sie genauestens registrieren und ^ig. , uns eines Tages vorlegen.
^' ricbfn^' Klunge die Arbeitsfront nicht anerkannt i. ?" solche Fehler nicht allzuviel Schaden an.
' wo uns der Führer durch seine 23er» betn Volk und vor der Welt anerkennt.
ihren Verletzungen erlegen. Aus einem Brief, Len der Mörder bei sich trug, geht hervor, daß er die Tat vorbereitet hatte.
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Massensterben in afrikanischer Mädchenschule.
33 Todesfälle nach dem Genuß von H a i f i s ch 1 r a n.
Wie aus Daressalam gemeldet wird, sind in einer afrikanischen Mädchenschule im Süden des Tanganyika-Gebiets unaufgeklärte Todesfälle eingetreten. Bisher sind 33 Schülerinnen gestorben. Die Leiterin der Schule und die übrigen Schülerinnen sind schwer erkrankt. Auch ihr Zustand gibt Anlaß zu Be- sorgnissen.
Die rätselhaften Krankheits- und Todesfälle sollen nach dem Genuß von Haisischtran aufgetreten sein. Die Regierung bat deshalb bis auf weiteres den Gebrauch und den Vertrieb von Haifischtran untersagt. Ärzte und Kriminalbeamte sind zur Aufklärung des Massensterbens im Flugzeug entsandt worden.
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Auto rast in Arbeitsdienfilolonne.
Ein Toter, zwei Schwerverletzte. — Der gewissenlose Fahrer unerkannt cutfuntmen.
In W i t t st o ck a. d. Dosse (Brandenburg) ereignete sich in der Röbeler Straße ein schweres Verkehrsunglück. Ein aus Röbel kommender Personenkraftwagen raste in übermäßig schneller Fahrt die Straße entlang und fuhr in eine Kolonne des Wittstocker Arbeitsdienstes. Ein Arbeitsdienstfreiwilliger wurde getötet, zwei weitere schwer verletzt.
Der Führer des Kraftwagens fuhr, als er sah, welches Unheil er angerichtet hatte, in rasendem Tempo in Richtung Pritzwalk weiter. Nach den polizeilichen Ermittlungen konnte bisher nur festgestellt werden, daß cs sich um einen Hamburger Wagen handelte, der mit vier Personen besetzt war.
Die Nummer konnte man nicht erkennen. Bekannt ist ferner, daß das Auto in Perleberg getankt hatte. Bei dem tödlich verunglückten Arbeitsdienstlcr handelt es sich um den 21jährigen Willi Grosse auS- Kanin (Kr. Zauch-Belzig). Schwer verletzt wurden der 17jährige Heinz Karl Arning aus Lenta (Hannover) und der 20 Jahre alte Georg Bürkner aus G ü l s d o r f (Bezirk Schweidnitz).
tragen wir damit eine ungeheure Verantwortung. Dessen sei sich jeder, selbst der letzte Blockwalter, bewußt.
Deshalb haltet Disziplin, seid auf der Hut, laßt euw nicht aufhetzen und arbeitet genau so weiter wie bisher! Dem Führer jedoch wollen wir damit danken, daß er in einem Jahre von uns sagen soll: s i e h a b e n m e i n e Verfassung der Arbeit richtig verstanden und zum Segen des Volkes angewandt.
Wtemt in I«ir
Besprechung Doumergue — tzerriot.
Paris, 30. Oktober,.
Für heute vormittag wurde ein Kabinettsrat zusamt mengerufen, dem man nach den Beschlüssen des Badi- kalsozialistischen Parteitages von Nantes große Bedeutung beimißt. .
Es ist wahrscheinlich, daß d.e Frage der Staatsreform angeschnitten wrrd,
obwohl noch nicht fcststeht. ob bereits bestimmte Bow schlage, die einen Ausgleich Zwischen den Forderungen des Ministerpräsidenten und den Wünschen der Radikal- sozialisti chen Partei vorbereiten, zur Erörterung kommen werden. Zunächst wird Ministerprapdent Doumergue mit dem Führer der Radikalsozialisten, Herrrot, vor der Ministerberatung eine Zusammenkunft haben, in der die aus den Beschlüssen des Radikalsozialistychen Parteitages sich ergebenden Möglichkeiten geprüft werden |oden.
Die Wett rüstet auf.
owei Mitglieder der Vereinigung für Außenpolitik in Washington haben einen Vergleich zwischen den Militär- Marine- und Luftfahrthanshalwn mehrerer Staaten'und den en.sprcchcndcn Zahlen aus dem tsabre 1913 ausgestellt. Hieraus ergibt sich eine allgemeine Zunahme der militärischen Ausgaben. Japan steht mit einer Erhöhung der Ausgaben um 338 Prozent an der Svittc dann folgen die Vereinigten Staaten mH 190 9 Prozent, Großbritannien mit 48,8 Prozent Italien mit 26,3 Prozent und Frankreich mit 25.8 Prozent.
Wirtschaftliche Disziplin.
„S t ä r k st e n s ist die Reichsregierung darauf bedacht, daß die Preisbildung nicht zu einer untragbaren Belastung der breiten Maffe führt", hat bet Reichswirtschaftsryinister und Reichsbankpräsident Dr Schacht auf dem Tag des Handwerks in Braunschweie gesagt und damit dem neuen Kampf gegen ungerechtfertigte Preistreibereien einen kräftigen Rückhalt gegeben Die Reichsregierung im allgemeinen und der Reichswirt- schaftsminister im besonderen haben direkt oder buref ihre untergeordneten Behördenstellen aber nicht bloß das formale Recht, fondern auch die viel wichtiger« praktische Möglichkeit, überall in die Preisbildung von den Rohstoffen bis zum Verkauf der Mari an den letzten Verbraucher einzugreifen. Und sie haben sich leider vielfach genötigt gesehen, dort unmittelbai vorzugehen, wo „die selbstverständliche wirtschaftlich! Disziplin nicht vorhanden war", sondern durch verschiedene Preissteigerungen beim Käuferpublikum fick eine gewisse Beunruhigung eingestellt hatte. Der vor einigen Tagen veröffentlichte Aufruf der Reichsparteileitung, der genaue Erhebungen über ungerechtfertigte Preissteigerungen verkündigte, bat nämlich auch ausdrücklich erklärt, daß die bisherigen Mahnungen und Warnungen des Reichswirtschaftsministeiiums gegen diese Seite der Preisentwicklung „nicht die erwartete Beruhigung" herbeigeführt hätten. Und dann wird gesagt wird ganz unzweideutig zu verstehen gegeben, daß „die Frage der Preissteigerungen somit nicht auf das wirtschaftliche Gebiet begrenzt "geblieben, sondern von politischem Interesse für die Öffentlichkeit geworden sei".
Wenn die Partei nun mittels der NS.-Hago auch nun eine bis ins einzelne gehende Feststellung über dir gesamte Preisentwicklung treffen will und jedes Eingreifen der Partei-Untergliederungen in die Preisbildung selbst verbietet, so können doch aus der jüngsten Warnung Dr. Schachts und aus dieser Aktion der Partei gewisse Elemente doch wohl schon erkennen, daß mit ungerechtfertigten Preistreibereien nun bald schärfftentz ein Ende gemacht wird. Aber das alles könnte einen noch viel unmittelbareren Erfolg haben, wenn das — S ä u« ferpublikuni selbst dabei besser mithelfen würde! Doch da mußte sich kürzlich z. B. der Kölner Regierungspräsident in einem Aufruf an die Bevölkerung gegen die „törichten Angstkäufe" wenden, durch die „die Preise verschiedener Gegenstände des täglichen Bedarfs in ungerechtfertigter Weise erhöht" worden wären. Und auch hier schließt sich die Warnung an, die Regierung werde es nicht dulden, daß „infolge törichten Verhaltens einiger um ihr Wohlergehen besorgter kapitalkräftiger Bevölkc- rungskreise Verwirrung und Unordnung in der Versoi gung der Bevölkerung mit den lebensnotwendigen Dingen entstünde".
Und die nationalsozialistische Regierung hat nicht bloß den Willen und die Möglichkeit, sondern auch die Macht dazu!
Jene Gerüchtemacher aber, die von einer drohenden Verknappung der Rohstoffe und fonstigen Waren in Deutschland sprechen, sind in allererster Linie — Geschäftemacher! Aus übelstem" Profitinteresse spekulieren sie auf etwa eintretende Besorgnisse des Publikums, die nicht minder eifrig vom Ausland her genährt werden. Unser Führer und Reichskanzler hat kürzlich erst sarkastisch daran erinnert, wie ost nun schon Deutschlands wirtfchaftlicher Zusamnienbrrich vorausgesagt unb — vorbeiprophezeit wurde! Dabei ist, wie das Ausland selbst hier und da in ruhigerer Minute zugibt, „der Regierung des Dritten Reiches das Streben, das Preisniveau zu halten, so ziemlich geglückt", und die au glätt» bifeben Kritikaster können beruhigt sein: das wird ihr auch weiter glücken, auch wenn von draußen her immer wieder versucht wird, Unruhe in das deutsche Käuferpublikum hineinzutragen oder eine vorhandene törichte Angst hochzupeitschen. Und es wird ihr auch glücken, mit den Helfershelfern jener Auslandskritikaster im Inland fertig zu werden! Für diesen Hintergrund dürfte die Feststellung der Reichsparteileitung gelten, daß die Frage der Preissteigerungen „von politischem Interesse für. die Öffentlichkeit geworden" sei! Das Gesetz über den wirtschaftlich e n V o l k s v e r r a t ist nicht bloß durchaus in Kraft, sondern es stellt eine sehr scharfe Waffe gegen die geschäftlichen Ausnutzer oder gar Förderer solcher „Angstpsychosen" dar!
Daß eine Preissteigerung gekommen ist und aus bestimmten Gebieten auch kommen sollte, gebot die national- politische und nationalwirtschaftliche Notwendigkeit, zusammengebrochenen Teilen unserer Wirtschaft von der Preisseite her zu helfen, weil sie lebensnotwendig für das Ganze sind. Und ohne eine gewisse, aber straff gezügelte Preissteigerung wäre es gar nicht möglich gewesen den Auf- und Ausbau auch der industriellen und handwerklichen Erzeugung in die Wege zu leiten. Das alles war also gerechtfertigt. Ebenfo gerechtfertigt aber war cs im Hinblick auf die nur sehr langsam sich steigernde und ansbrcitcnde Kaufkraft der Verbranchermassen, diese Preissteigerungen sich in tragbarem Umfang vollziehen zu lassen. Die ganze wirtschaftliche Struktur des hierin so vielgestaltigen Deutschlands macht freilich eine überall ein- und durchdringende staatliche Kontrolle der Preisbildung naturgemäß sehr schwer. Aber hier kann und soll an sich schon die Nachfrage durch die Konsumenten selbst bei ungerechtfertigten Preissteigerungen korrigierend wirken und — sie tut e s auch! Denn noch immer ist die Kaufkraft der breiten Massen der Ver braucher von größter Bedeutung für jede Marktregelung.