Iulöaer Anzeiger
R3B =R3. e r-M«« für KN* IM» V°g°,-b-v --NLL---LD-S S®» IM» Saunetal. $ul6act kMtt lckiristlciter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 4L. Reöaktion uns Geschäftsstelle: Königstraße 42 < Zernfprech-^nfthluß Nr. 9989
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Nr. 262 — 1934
Fulda, Donnerstag, 8. November
11. Jahrgang
Hände weg von der Saar!
Wal dementiert rrupptnverschievmMn.
Aussprache mit dem deutschen Botschafter über die Saarfrage.
Havas meldet: Der französische Außenminister Pierre Laval hat den deutschen Botschafter Roland Köster empfangen, mit dem er sich recht ausführlich über die verschiedenen Probleme unterhalten hat, die leibe Länder interessieren, besonders über gewisse Fragen ^Volksabstimmung i m Saargebiet. Im Erlauf dieser höflichen Unterredung hat der französische Lßenminister festgestellt, daß Frankreich aus keine der Pflichten, die ihm in Ausführung seiner internationalen Verpflichtungen dem Völkerbund gegenüber obliegen, verzichten wolle noch könne. Außenminister Laval legte andererseits Wert daraus, die
Mitteilungen der ausländischen Presse über angebliche militärische Maßnahmen und insbesondere über Truppenvcrschiebungcn zu dementieren, um damit jedem Mißverständnis die Spitze abzubrechen.
Der Botschafter bar, indem er Der Auffassung dcr Reichsregierung Ausdruck verlieh, bestätigt, daß Deutschland in k e i n c i W.e i s e die durch den Friedens- Vertrag festgesetzten Bedingungen zur Gewährleistung der Abstimmungsfreiheit der Saarländer verkennen wo (l e.
Der französische Außenminister nahm mit Genugtuung diese Erklärung zur Kenntnis, um seinerseits zu erklären, daß die Absichten der französischen Regierung hinsichtlich der völligen Achtung dieser Abstimmungs- freiheit stets ebenso klar gewesen seien.
Ser offizielle deutsche Ssarprsieß.
Gegen Verwendung französischer Truppen. — Diplomatischer
Schritt in London, Rom und Brüssel
Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Das von der französischen Nachrichtenagentur Havas veröffentlichte Kommunique über die Unterredung zwischen dein deutschen Botschafter in Paris und dem französischen Außenminister bringt noch keine erschöpfende Klärung der Lage, wie sie sich letzthin in der Saarfragc entwickelt hat. Es ist zwar erfreulich, daß Herr Laval, entgegen den bisher gerade von der französischen Presse gebrachten Nachrichten, militärische Vorbereitungen zum Zweck eines französischen Einmarsches in das Saargebiet, dementiert.
Andererseits hat er dabei aber den Standpunkt auf rechtcrhalten, daß Frankreich gegebenenfalls berechtigt und verpflichtet sei, durch Entsendung von Truppe^ für Ruhe und Ordnung im Saargebiet sowie für die Freiheit der Abstimmung zu sorgen. Dieser Standpunkt ist für Deutschland selbstverständlich nicht annehmbar. Der deutsche Botschafter in Paris hat bei der Unterhaltung hierauf hingewiesen und um Fortsetzung der Aussprache gebeten, weil, wie ihm bereits bekannt war, Weisungen an ihn selbst sowie an die deutschen Missionen in London, Rom und Brüssel unterwegs sind, die den ausführlich begründeten Auftrag der Reichsregierung enthalten, gegen die Verwendung französischer Truppen im Saargebièt
Verwahrung einzulegen und gegenüber den auf verschiedenen Seiten hervorgetretenen Tendenzen noch einmal ganz allgemein die deutsche Ansfassung über die Behandlung des Saar- Problems zum Ausdruck zu bringen.
Im Zeichen der „Abrüstung".
Moskauer Parade zum Zahrestag der Revolution.
Anläßlich des 17. Jahrestages Der russischen Revolu fand in Moskau die übliche Militärparade an, Roten Platz statt. Woroschilow nahm Die Parade ab bet Estrade des Lenin-Mausoleums waren Stalin, «olotow, Kalinin und andere Mitglieder Der Obersten Parteiorgane und Der Sowjetregierung versammelt Wie . früheren Jahren nahmen am Vorbeimarsch teil «ftajaHtatibe Abteilungen Der Kriegsschulen, der Plauer Garnison ‘ und der Wehrorganisation '/ Hoaviachim", ferner einige Schwadronen Kaval - e > zahlreiche motorisierte Formationen, darunter Al>« n Hierte Artillerie, Flugabwehr, größere Zungen leichter und schwerer Tanks usw.
Schluss der Parade überflogen etwa 200 ,ytun- ben Roten Platz, darunter mehrere Staffeln schneller hJ llugzeuge und mehrere Staffeln viermotoriger Bombenflugzeuge, außerdem daS Großflugzeug l»n Gorki", das größte Sanbfhigscmj der Welt.
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AriMer Zufelslughasen im Kanal
3nm Schutze des Marinestützpunktes Portsmouth.
sab'i^? Herold" zufolge hat das britische Luft- niste ri u m beschlossen, auf einer nur spar» Jloft “c'ötot,«ten Insel bei P o r t s m o u t h für einen Aufwand von annähernd- ^Million Pfund Sterling
Die Saar fordert Öffnung der Zollgrenze nach Deutschland.
Eingabe der Wirtschaft an den Völkerbund.
Die Handelskammer des Saargebiets, der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Saargebiet, der Schutzverein für Handel und Gewerbe, die Handwerkskammer zu Saarbrücken und der Hand- Iverksbund des Saargebiets haben eine gemeinsame große Denkschrift an den Völkerbundsrat und an den Aloisi- Ausschuß gerichtet, in der eine grundlegende Änderung der zollpolitischen Verhältnisse im Saargebiet, vor allem eine sofortige Öffnung der saarländisch-deutschen Zollgrenze gefordert wird.
Die Denkschrift weist zunächst auf die enge Verflechtung der deutschen Wirtschaft mit der Saarwirtschaft hin und betont, daß Deutschland der Haupt- a b n e h m e r der Fertigerzeugnisse des Saargebicte ist, von denen 60 v. H ins Reich abgesetzi würden. Dagegen sinke der Absatz dieser Erzeunisse nach Frankreich von Tag zu Tag. sowohl weil die Aufnahmefähigkeit des französischen Marktes durch die Krise in Frankreich zurückgeht als auch besonders deshalb,
mell die französischen Käufer saariäudische Erzeugnisse bewußt ablehncn.
Dazu komme, daß die französischen Wirtschaftsweise mit Bestimmtheit daraus rechnen, daß die Abstimmung des 13. Januar die Rückgliederung des Saargebiets an Deutschland zur unmittelbaren Folge haben werde Sie erklärten, sie müßten dafür sorgen, daß sich am >3. Januar 1935 keine französischen Guthaben mehr im Saargebiet befänden.
Die Denkschrift zieht aus diesen Verhältnissen folgenden Schluß: Es ergibt sich zwingend, daß die saarländische Grenze gegen Deutschland für den Bezug deutscher. Maren aMftret .werdet, muß, und zwar in einem Umfang, der eine ausgeglichene Handelsbilanz zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Deutschland sicherstellt.
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Knox sorgt für Avstimmimgspropaganda.
Wieder fünf Zeitungsverbote auf zehn Tage.
Die landfremde Saarregiernngskommission hat wieder fünf Zeitungen auf zehn Tage verboten, und zwar wegen eines Artikels mit der Überschrift: „Wir warnen Frankreich vor Gewalt", der sich arf mehrere Berliner Blätterstimmen zur französischen Bedrohung des Saargebiets stützte, die bei dieser Gelegenheit die Haltung dès Herrn Knor kritisierten.
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Bei den vorliegenden neuen Verboten von Zeitungen der Deutschen Front wird sich das deutsche Volk im Reich und an der Saar daran erinnern, daß die s e p a r a - t i st i s ch - m a r x i st i s ch e „V o l k s st i m m e", die sich anläßlich des Marseiller Attentats zu schwersten Verleumdungen des deutschen Staatsoberhauptes verstiegen hatte, bis heute von der Regierungskommission des Saargebicts unbehelligt geblieben ist.
einen neuen ging basen zu Errichten, der die Schlüsselstellung Der Verteidigungslinie Großbritanniens bilden soll. Es handelt sich um die In,el Torney bei
Von« strategischen ^tanDpuuft auv ist Die Insel, dem Blatt zufolge,' ungeheuer wichtig. Sie deckt den gewaltigen Marinestützpunkt Portsmouth und beherr,cht den Eingang de^ Solent. der Meerenge zwischen Der englischen sud- küste und der Insel Wight. Bei der Durchführung des Planes wird die Insel zunächst einen Stutzpunkt für Landflugzeuge bilden. Wahrscheinlich wird es sich um zwei bis drei Geschwader Kampfflugzeuge und ein Geschwader Bombenflugzeuge handeln. Olese Mafchineu können ohne weiteres mit den großen Flugbooten zu- sammenarbeiten, die in dem 16 Kilometer entfernten 6alfbot stationiert sind.
KPD.-Spezialist unschädlich gemacht.
Drei Jahre Zuchthaus wegen Hochverrats.
-Tier Berliner Volksgerichtshof hat einem der eifrigsten Helfer des Zentralkomitees der KPD. in Deutschland, dem früheren Landtagsabgeordneten Karl Ferdinand Fischer, auf drei J a h r e das Handwerk gelegt Er wurde der Vorbereitung zum Hochverrat, des Vergehens gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien und der Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Mit Rücksicht auf den erheblichen Umfang seiner politischen Wühlarbeit sah das Gericht von der Anrechnung der Untersuchungshaft ab, so daß Fischer die ganze Strafe im Z it ch t h a u s abzusitzen hat.
Der Angeklagte leugnet.
Zur gleichen Zeit, da in Rom der deutsche Botschafter und der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers mit dem Vorsitzenden des Dreierkomitees für die Saarabstimmung, Baron Aloisi, verhandelten und ihm über die Bed. jung der Saar durch die französischen Truppenansammlungen an der Grenze reinen Wein einscheukten, hat der deutsche Botschafter in Paris, Herr Köster, eine bedeutsame Unterredung mit dem französischen Außenminister, Herrn Laval, über die gleiche Angelegenheit gehabt. Vielleicht wäre diese Besprechung zu einem „stillschweigenden Übereinkommen zugunsten der Beilegung der internationalen Saarpolemik" geworden, wie es der Pariser „Ercelsior" auszudrücken beliebt, wenn Herr Laval es nicht trotz des Entrüstungssturmes über die französischen Drohungen mit dem Einmarsch für angebracht gehalten hätte, wieder und wieder aus die vermeintlichen „Pflichten" Frankreichs gegenüber dem Völkerbund und den Verträgen hinsichtlich der Saarabstimmung hinzuweisen. Er hat also mit anderen Worten entgegen allen rechtlichen Grundlagen erneut das Einmarschrecht für Frankreich für den Fall beansprucht, daß der sehr gelehrige Herr Knox das wünschen würde. Herr Laval weiß so gut wie wir alle, daß er Frankreich meint wenn er „Völkerbund" sagt, und daß Frankreich als Partei der letzte wäre, dem ein Einmischungsrecht in die Saarangelegenheiten zukäme. Was aber würde Herr Laval wohl sagen, wenn Deut sch land nun das gleiche für sein Eigentum bean - s p r u ch e n w ü r d e ? Er würde den Taktstock ergreifen und dem Chor der französischen Presse eine Emrüstungs- arie dirigieren, als hätte Deutschland ein halbes Dutzend französischer Gouvernements verlangt.
Herr Laval hat dem deutschen Botschafter gegenüber rundheraus bestritten, daß militärische Maßnahmen oder Truppenverschiebungen nach der Saargrenze erfolgt seien Was soll Der Deutsche noch von der Glaubwürdigkeit derartiger Behauptungen halten, nachdem er erst wenig« Tage vorher von den genauen Befehlen beispielsweise an die motorisierten Truppenteile usw gelesen batte! Wenn vas alles nicht wahr kein soll, warum wurden dann dies« Aufmärsche, diese Vorbereitungen nicht Dementiert? Eë ist Demgegenüber bedeutungslos, wenn Die offiziell« französische Nachrichtenagentur betont, die Unterredung sei „sehr höflich" gewesen. Für Diese Art von Höflichkeit die erst etwas Tatsächliches bestreitet, um es dann nw anderen Worten zu wiederholen, danken wir.
Der Widerhall von dieser Unterredung in der Parise: Presse ist denn auch so, daß sich das französische Außenministerium nicht beklagen kann. Besonders die betr Quai d'Orsay nahestehende« Blätter unterstreichen, das Frankreichs Haltung in Der Abstimmungsfrage „u n - verändert bleibt", und der „Petit Parisien" beton ausdrücklich: „Frankreich bat weder die Absicht noch Dii Möglichkeit, sich Den Ausgabe n zu entziehen, Die ihn durch seine internationalen Verpflichtungen vorgeschrieber sind: zu diesen Ausgaben gehört bekanntlich (!) d e i militärische Beistand für Die Regierungskommission im Falle ernster Unruhen“. Das ist — zun drittenmal! — genau dasselbe, was wenige Stunden vorher Herr Laval und wenige Tage vorher die Meldungen über die französischen Alarnibefehle besagt haben. Her: Laval aber leugnet Dem deutschen Botschafter ins Gesicht es sei nichts dergleichen geschehen .
Im übrigen spiegeln Die Pariser Blätter deutlich die Wirkung wider, Die Die Entrüstung in Der deutschen Öffentlichkeit drüben doch gehabt hat. Unb, da der deutsche Botschafter dem französischen Außenminister in jener Besprechung sehr deutlich, wenn auch „sehr böslich", zu verstehen gegeben hat, daß der Anspruch Frankreichs für Deutschland unannehmbar sei und bleibe, so wird man sich in Paris wohl ernstlich überlegen, ob man noch weiter in dieser hysterischen Weise mit Dem Säbel berumfuchteln soll. Schließlich wird man sich in Paris auch sagen, daß die Mitteilungen Bürckels in Rom an Aloisi nicht ganz ohne Wirkung sein werden: Frankreich hat alle Ursache, die jetzt wieder beginnenden Besprechungen des Dreier- komitees für Die Saarabstimmung nicht mit seiner Sabotage- und Gewaltpolitik zu belasten.
Inzwischen hat das französische Außenministerluw noch durch den Berliner Sonderberichterstatter des sonst gewiß regierungsfrommen Pariser „Petit Journal" einen mehr als deutlichen Wink bekommen, der in einem Artikel „Die Saarfrage von Berlin aus gesehen" sich fragt, ob man in Paris den Ernst der Lage denn überhaupt begreife, von Den Truppenbewegungen — die Herr Laval leugnet! — als Tatsachen spricht und den Herren an der Seine durch die Blume sagt, daß Frankreich durch Diese Politik in den Geruch eines Kriegshetzers kommt. Ein einsichtiger Franzose. Aber fein Außenminister wirft sich offiziell in Die Brust und be= streitet alles, was sein Ministerpräsident von ihm verlangt ... P. A. R.
3m Walde von Räubern überfallen.
Eine Frau erschossen, vier Personen schwer verletzt.
Nach einer Meldung aus Krakau wurden in Der Nähe von Tarnow (W e st g a l i z i e n) die sechs Insassen e i n e s F u h r w e r k s in einem Walde am hellichten Tage von fünf Straßenräubern üb er fallen. Die Wegelagerer gaben mehrere Schüsse ans das Fuhrwerk ab, wobei eine Frau getötet und vier weitere Insassen schwer verletzt wurden. Danach raubten die Banditen alle Kleidungsstücke und das Bargeld der überfallenen,-worauf sie flüchteten. Die Beute beträgt etwa IM) Zloty.